Ohne Menschen kein Gott ?

Stierkulte: El und Ba’al
Hi Raimund

Das goldene Kalb hatte aber ganz klar nichts mit dem Gott
Israels zu tun. Es war ein Bild, das Aaron aus seiner
Erinnerung an eine ägyptische Gottheit erschuf. (War das
Apis?)

Nein, dieses Kalb ist eine alte Form des isarelischen
Götterglaubens. Dass die Ägypter auch ein Kalb (Stier) hatten,
heißt nicht, dass es der Ahn davon ist. Stiere kommen in sehr
vielen Religionen vor. Z.B. hatten die Assyrer so etwas.
Ebenso die Babylonier, die Griechen…

Stierkulte sind tatsächlich im gesamten Mittelmeerraum verbreitet gewesen: Mykene, Kreta, Ägypten, Ugarit/Altsyrien… insbesondere gehörten sie auch zu den ursemitischen Religionen, nicht aber unbedingt zu den israelitischen.

Mit der Rückwanderung der israelitischen Stämme gab es (bewirkt wahrscheinlich durch Moses) eine Wandlung des ursprünglichen israelitischen Hauptgottes El zum Jahwe-Kult. Nun war aber El auch in den altsyrischen-ugaritischen (also ebenfalls semitischen) Kulten ein Hauptgott, der dort allerdings (im Zeitraum des 2. Jhrtsnd) in einer kämpferischen (mythischen) Auseinandersetzung mit einem „jüngeren“ Gott stand: Ba’al (in dieser Auseinandersetzung spielten auch die Göttinnen 'Anat und Astarte eine wesentliche Rolle).

Die Pointe: El wurde dort als Stier gefaßt, sein Beiname lautete thaur il = „Stier El“, oder, falls El einfach nur „Gott“ heißt: „Gott Stier“. Lange Zeit hatte man in den Religionswissenschaften vorausgesetzt, daß aber auch Ba’al den Stier als Symboltier hatte. Das war aber unlogisch, denn zwei Götter in einem kultischen Konkurrenzkampf können kaum dasselbe Attribut tragen. Es stellte sich dann heraus, daß Ba’al nirgendwo als thaur bezeichnet wurde, sondern vielmehr als 'dschl = hebr. egel = Jungstier, Kalb.

Die Kalb=Ba’al-Verehrung gehörte also zu einem altsyrischen bzw. auch kanaanäischen Kult, der den „alten“ Gott El durch den „jungen“ Gott Ba’al ersetzen wollte (Aaron wird weitgehend als israelitischer Ba’al-Priester verstanden). Moses - und mit ihm die Israeliten, die teils kämpferisch teils friedlich in das Gebiet der Kanaanäer einwanderten, sich aber offenbar kulturell gegen sie differenzieren wollten (einer der Hintergründe für die hochspezialisierten Anweisungen für soziales und kultisches Verhalten) - stand mit seiner Erneuerung des Kultes, der den alten El aber beibehielt, wenn auch nicht mehr in seiner Gestalt als Stier, somit in einer Konkurrenz gegen den Ba’al-Kalb-Kult, der seinerseits gegen den El-Stier-Kult konkurrierte…

Das ist der Hintergrund, so wie man es heute sieht, hinter der Episode des Goldenen Kalbs. Der Ba’al-Kult wurde, wie alle kanaanäischen Kulte, bei den Israeliten massiv unterdrückt, was
man z.B. an der Verballhornung des Ba’al-zavuv zu Ba’al-zebul („Fliegenbaal“) und der Astarte zu Ashtarot erkennen kann…

Andere kanaanäische Kulte waren bei den Israeliten langlebiger: Der kanaanäische Adonis z.B. war in Jerusalem noch im 8. Jrhdt. v.Chr. lebendig.

Grüße

Metapher

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hallo metapher,
danke, schon wissen wir mehr!
Grüße
Raimund

Hallo Raimund,

Und vor allem, woher hatte Mose die Macht, seinen
Auftrag auszuführen?

er sich selbst!

Da hätte er wohl mehr Probleme mit dem Pharao gehabt.

Als ägyptischer Prinz?

Das war er doch nicht mehr.
Er war vielmehr ein gesuchter Mörder.

Außerdem, wer sagt Dir, dass diese schöne Geschichte wahr ist?
Von Religionsgründern werden viele erbauliche Geschichten
erzählt.

Natürlich *g*
Dann war er aber auch gar kein Prinz :wink:

Weil mein Gott lässt micht nicht leiden :wink:

Sagst Du!

Aber Raimund, hältst Du mich nicht für fähig, beurteilen zu können, ob ich leide?

Gruss Harald