Hallo Britania,
na da hast Du ein Thema hier eingestellt, welches mit Sicherheit sehr kontrovers diskutiert werden wird.
Ich möchte nur die folgenden Gedanken beifügen:
Damit ich nicht falsch verstanden werde: zwar ist es psychologische Meinung, dass solche Täter auch einmal Opfer gewesen sind und dass man solche Menschen behandeln und teilweise heilen kann.
Persönlich reicht mir das aber nicht. Ich bin ein Mensch von Wahrscheinlichkeiten, und fachlich würde ich es auch unbedingt befürworten, solche Menschen nicht wieder auf freien Fuss kommen zu lassen - solange nicht die Rückfallwahrscheinlichkeit bei austherapierten Sexualstraftätern der Wahrscheinlichkeit bei bislang unauffälligen Tätern entspricht.
Also bei der Frage, warum so jemand nach 4 Jahren entlassen wird bin ich voll bei Dir.
Aber: die Fakeln und Mistgabeln würde ich trotzdem im Schrank lassen, denn darum geht es nicht eigentlich.
Natürlich habe ich auch nicht übel Lust - wann immer ich von Klienten Details über sexuelle Verbrechen als ein Opfer erfahre - den Täter mal zu besuchen und mal so richtig eins in dei Fresse zu hauen (mal harmlos ausgedrückt). Aber ich mache es nicht, denn es geht primär doch um den Opferschutz.
Und das sieht leider so aus, dass man den Betreffenden besser in Watte packt und wie ein rohes Ei behandelt. Denn - und wir kommen wieder zu Wahrscheinlichkeiten - wenn so jemand Druck von außen bekommt, kann diese für ein erneutes Vergehen ansteigen. Diese Menschen ticken anders, und ein hoher Frustrationslevel bei diesen Menschen ist gar nicht gut.
Also - es geht um die Familie und nicht den Typen - und für die ist es das Beste, wenn er nicht entgleist. Er wird hoffentlich vom Gericht die Auflage einer Therapie bekommen haben, und so würde ich mich darauf verlassen, dass der Therapeut - wenn er verantwortungsvoll handelt - ein Auge auf die Situation hat und beim kleinsten Anzeichen von Gefahr im Verzug handelt.
Druck auf den Täter halte ich aber aus den beschriebenen Gründen für kontraproduktiv.
Persönlich könnte ich einen solchen Menschen auch nicht behandeln, habe aber größten Respekt vor denjenigen Kollegen, welche sich mit solchen Menschen primär auseinandersetzen um eben solche Taten zu verhindern!
Lieben Gruß
Patrick