Hallo,
Es ist nicht irgendein Buch, es ist ein renommiertes
linguistisches Lexikon und führt den Begriff „Sprachgefühl“
mit einem Verweis auf „Intuition“.
Das sagt noch überhaupt nichts.
Und der Beweis, dass es das
gibt, ist, dass es jemand definiert hat.
rofl
Sonst müsste man ja
bei der Sprachwissenschaft ganz von vorne anfangen.
Nein. Aber auch Sprachwissenschaftler können nicht irgendwas behaupten. Sonst wäre es keine Wissenschaft.
Dass es
signifiant und signifié gibt, ist auch erst dadurch
„bewiesen“, dass Saussure sie definiert hat. Sprechakte sind
dadurch bewiesen, dass Austin seine Theorie formuliert hat.
Und so weiter.
Aber wie ist „Sprachgefühl“ definiert in deinem Lexikon?
Als angeeignetes Wissen über Sprache oder als diffuses Gefühl?
Nein, das ist die aus dem linguistischen Wörterbuch.
Auch das muss man verstehen!
Für den
Begriff „Intuition“, auf den im Eintrag „Sprachgefühl“
verwiesen wird.
Du beißt dich mit deinen Erklärungen in den Schwanz und es ist immer noch kein Beweis.
Die von dir zitierte Intuition hat nichts mit dem
Sprachgefühl zu tun, das umgangssprachlich immer zitiert wird.
Warum denn nicht? Ich empfinde das genauso, wies da drin
steht.
In der Wissenschaft nützt einem Empfinden nur nichts, genausowenig wie ein „Gefühl“.
Das würde doch aber heißen, dass ich jederzeit erklären können
müsste, warum ich an dieser Stelle genau diese
grammatikalische Struktur verwende.
Nein!
Das würde ja heißen, dass niemand sprechen kann, außer er könne grammatikalische Regeln benennen. Was natürlich nicht stimmt.
Dennoch gibt es die Regeln und wir benutzten sie, ob wir uns derer bewusst sind oder nicht.
Das ein Satz dann richtig klingt, hängt davon ab, was wir von Klein auf gehört haben.
Z.B. gibt es in der deutschen Sprache das Wort „eben“. Trotzdem gibt es unzählige Menschen, die immer wieder „ebend“ sagen und schreiben. Weil sie es so gelernt haben, weil sie in einer Sprachumgebung aufgewachsen sind, wo das verwendet wird/wurde, nicht weil sie das so fühlen.
Nimm die Dativ / Genitiv Diskussion: hier sieht man wunderbar,
das „Sprachgefühl“ den Bach runtergehen. Warum? Weil die
jungen Leute den richtigen Gebrauch des Genitivs (statt des
Dativs) immer seltener hören, sagt ihnen ihr „Sprachgefühl“,
dass der Dativ richtig sei.
Was es ist, ist aber die Gewöhnung an eine (derzeit noch)
falsche grammatische Konstruktion.
Ja, aber das ist halt Sprachwandel. Soll ja öfter mal
passieren, sowas.
Nein. Der Sprachwandel war nur ein Beispiel meinerseits. Es geht darum, dass ich erklären wollte, dass das „Sprachgefühl“ nicht im luftleeren Raum entsteht. Genauso gut hätte ich eine regionale Abweichung vom Standarddeutsch als Beispiel nehmen können (wie mit dem Wort eben/ebend, gibt es genauso mit grammatischen Konstruktionen).
Und das als „letzte Instanz“ anzupreisen, hat mit
Wissenschaftlichkeit nichts zu tun.
Das stammt aus der Definition im linguistischen Wörterbuch und
nicht von mir. Ich kann aber dem Herausgeber gerne mal
schreiben, dass du das unwissenschaftlich findest.
Ich bin sicher, dass der Verfasser, das entweder nicht so gemeint hast(schließlich zitierst du nur Bruchstücke und ich kenne das Werk nicht), oder er hat bereits mit Kollegen unendliche Diskussion darüber ausfechten müssen.
Ich habe keins und kenne auch kein
ernstzunehmendes Sprachgefühl!
Es gibt Regel und Gewohnheiten, aber
kein Sprachgefühl!
(Fritz Ruppricht)
Tja, das kann der Herr Ruppricht gerne sagen. Aber wie erklärt
es sich dann, dass es so viele grammatische Strukturen in
Fremdsprachen verwende, die zwar richtig sind, wenn man mich
aber dann nach der Regel fragt, habe ich keine Ahnung, wie die
genau geht.
Weil du es gehört hast! Weil du das Glück hast, ein Hirn zu haben, dass Dinge, die es hört speichert. Aber das hat doch nichts mit Gefühl zu tun!
Ich musste mir für die Nachhilfe nochmal die
Regeln für die if-Sätze einprügeln, weil ich die zwar richtig
verwendet, aber null drüber nachgedacht habe. Und Gewohnheit
kann das ja eigentlich nicht sein, dazu spreche ich nicht
genug Englisch.
Es gibt Menschen, die es sich schneller merken. Vielleicht hat dein Hirn eine Verbindung hergestellt, die dir nicht bewusst ist, aber es ist kein „Gefühl“.
Ein Beispiel: Afrikaans ist grammatikalisch eine sehr einfache Sprache (keine Konjugation, nur ein Artikel, nur drei Zeiten), kennt aber die Umstellung der Satzglieder nach bestimmten Konjunktionen, nicht nach allen. Nachdem ich versucht habe, die beiden möglichen Kategorien und dazugehörigen Konjunktionen zu lernen, habe ich es gelassen und versucht, wie weit ich mit meinem „Sprachgefühl“ vom Deutschen her komme. Bis auf eine einzige Konjunktion funktioniert das. Aber nicht, wegen einem diffusen, unerklärbaren „Gefühl“, sondern weil es Ähnlichkeiten zum Deutschen gibt, die mein Hirn erkennt und danach die Wörter der Fremdsprache ordnet. Ich freue mich, dass ich mich auf diese Eigenschaft verlassen kann, aber mir ist klar, dass sie auf Sprachaneignung der Muttersprache aufbaut.
Gruß
Elke
PS: Nur weil etwas in einem Buch steht, auch in einem „anerkannten“* Buch, heißt das noch lange nicht, dass es stimmt.
*jedes „anerkannte“ Buch hat seine berechtigten Kritiker