Hallo ralfi,
a) die Lehrkraft ist tatsächlich voreingenommen. Wie
wahrscheinlich das bei der Masse der Lehrkräfte ist, kannst Du
sicher selber bewerten.
Was willst du damit sagen? Das die Wahrscheinlichkeit gering
ist? Um erhlich zu sein: ich kanns nicht entscheiden.
Nun ja, ich halte eine bewußte Voreingenommenheit für eher unwahrscheinlich, da wir von einer sehr großen Personenzahl aus vielen, unabhängigen Regionen reden, was für eine gewisse Inhomogenität der Gruppe spricht. Auch habe ich noch nichts von einem Corpsgeist o.ä. bei GrundschullehrerInnen gehört.
Da hielte ich eine unbewußte Voreingenommenheit für wahrscheinlicher, die sich z.B. aus der Ausbildung ergeben könnte (bayerische Lehrer werden v.a. in Bayern ausgebildet). Wie wahrscheinlich das wiederum bei der Vielzahl von Ausbildungsstellen ist, darüber mag ich nicht spekulieren.
Ich persönlich halte den Vorwurf für zwar bequem, aber tatsächlich für einen Holzweg.
Das wurde im Artikel auch erwähnt. Es schaffen auch
signifikant weniger Arbeiter- bzw. Ausländerkinder Abitur
stattdessen eher Fachhochschulreife.
Aber dieser Kinder studieren dann nicht auf einer Uni, sondern
eher FH oder BA - also vom Bildungsniveau her etwas niedriger.
Und das bei gleicher Eignung. Keine wirkliche
Chancengleichheit find ich.
Nun ja, nur unter der Voraussetzung von tatsächlich identischen Vorkenntnissen, Begabungen und außerschulischen Förderungen machen solche Aussagen im Bezug auf Chancengleichheit Sinn. Wenn jetzt allerdings Einflüsse aus dem Umfeld (Familie, Freunde … ) hinzukommen (was wohl sicher so ist), dann verletzt Du diese Voraussetzungen, was Aussagen sehr schwer macht.
Nebenbei: Was ist Chancengleichheit? Vergleiche zwei Systeme und sage mir, welches höhere Chancengleichheit hat:
a) hoch selektiv, gute bis sehr gute Förderung aller auf ihrer nach der Grundschule vorgegebenen „Stufe“.
b) wenig selektiv, mittelmäßige Förderung der meisten, schlechte bis keine Förderung der ausselektierten.
Du wirst zugeben müssen:
a) verhindert vertikale Bewegungen (was unfair ist), ist aber auf jede Stufe bezogen äußerst fair.
b) ermöglicht vertikale Bewegungen bzw. sortiert jeden a priori oben ein, ist aber im Prinzip unfair zu jedem, da nahezu niemand optimal gefördert wird.
Und diese Diskussion führen wir doch. Bayern schneidet noch immer trotz oder wegen des Systems a) im Vergleich zu Restdeutschland ausgezeichnet ab, kann also gar nicht so unfair sein, wenn es offensichtlich jedem eine überdurchschnittliche Bildung und damit Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglicht.
Allerdings haben Nationen, die erst sehr spät selektieren, auch vor Bayern die Nase vorne im internationalen Vergleich. Da aber weniger selektierende Bundesländer weit abgeschlagen hinter Bayern liegen, kann es eben nicht ausschließlich an der Selektion liegen, ob ein Bildungssystem gut oder schlecht ist.
Verstehe mich nicht falsch, ich möchte das bayerische System nicht als Maß der Dinge verteidigen, denn Bayern hat mit Sicherheit an Deinem Punkt intensiv zu arbeiten, da hier tatsächlich Resserven verschenkt werden. Aber die Pisa-Erfolge von Bayern, die ja eben nicht nur auf der Leistung der Gymnasiasten aufbauen, sondern auf der Leistung aller Schüler zeigen ein an sich recht positives Bild, das nicht durch die plumpe und populistische Betrachtung von einem einzigen Faktor kaputt geredet werden sollte. Die Zusammenhänge sind komplexer.
Grüße
Jürgen