Hi!
Die taz, nichtgerade einkonservatives Blatt, liest die Studie
anders:
http://www.taz.de/pt/2002/06/24/a0136.nf/text
Ich habe den TAZ-Artikel jetzt dreimal gelesen - entweder ist die Frau Journalistin nicht in der Lage, den Sachverhalt vernünftig darzustellen, oder ich bin zu blöde, ihn entsprechend zu verstehen (Hallo, Pisa!
)
Titel und Einleitung:
"Klassenziel Chancengleichheit verfehlt
In SPD-regierten Ländern sind Schülerleistungen stärker von der sozialen Herkunft abhängig als im CSU-Land Bayern"
Das ist die Behauptung, die jetzt vom Artikel untermauert werden soll.
"Von dieser Vorstellung muss sich die Republik verabschieden: Die unionsregierten Länder, allen voran Bayern und Baden-Württemberg, stärken die Schülerelite und gewinnen deshalb beim Pisa-Ländervergleich. Die Sozialdemokraten aber unterstützen die Schwachen besser. Dem ist nicht so, das zeigen die Ergebnisse des Pisa-Bundesländervergleichs, die der taz vorliegen. "
Die Position des Advocatus diaboli. Nun kommt die Beweisführung:
„Die SPD-regierten Länder schaffen es nicht, Kinder aus sozial schwachen und eingewanderten Familien so zu fördern, dass sie die mitgebrachten Bildungsnachteile in der Schule überwinden. Ganz im Gegenteil: Beim Lesen, von den Pisa-Forschern als Schüsselkompetenz angesehen, ist das Können der Jugendlichen besonders in Hessen, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz stark von der sozialen Herkunft abhängig. Das alles sind Länder, in denen die Sozialdemokraten regieren oder lange Zeit regiert haben. Bayern kommt auf dieser Negativliste erst auf Platz 6, Baden-Württemberg sogar erst auf Platz 10 unter den 13 deutschen Flächenländern. Ob das nun an den besser ausgebildeten Lehrern oder den heterogeneren Hauptschulklassen in den Südländern liegt, dazu äußern sich die Pisa-Forscher vom Max-Planck-Institut nicht.“
Schlechte Lesefähigkeit in HS, NRW, SL, SH und RP, die zudem stark abhängig von sozialer Herkunft. BY und BW sind besser positioniert. Keine Aussage zu den Gründen. Aussagen beziehen sich auf Hauptschüler.
„Die große Anzahl und die relative Heterogenität der Hauptschüler sind die Kehrseite von Bayerns rigider Selektion: In keinem anderen Bundesland gibt es so viele Hauptschüler, ist der Bildungsgang so stark abhängig vom sozialen Status der Familie: Bei gleichen Fähigkeiten ist in Stoibers Musterland die Chance für Kinder aus Oberschichtfamilien zehnmal so groß, das Gymnasium zu besuchen, wie für ihre Altersgenossen aus der Arbeiterschicht. Ein großes soziales Gefälle verzeichnen die Wissenschaftler auch in Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Am besten schneidet hier von den alten Bundesländern Baden-Württemberg ab, besonders gut aber sind die neuen Länder. Da die Eltern aus DDR-Zeiten noch an die Einheitsschule gewöhnt sind, haben hier sozial schwache Familien weniger Hemmungen vor dem Gymnasium, so die Erklärung.“
BY hat die meisten Hauptschüler, der Bildungsgang in BY ist stark abhängig von der sozialen Herkunft, bei gleichen Fähigkeiten haben Oberschichtler eine zehnmal größere Chance auf das Abitur als Unterschichtler (ähnliches in RP, SH und NDS). Bessere Chancen für Unterschichtler auf Bildung in BW und im Osten.
„Ein schlechtes Zeugnis stellen die Wissenschaftler allen Bundesländern in Sachen Integration von Migrantenkindern aus. ‚Bei Jugendlichen aus reinen Zuwandererfamilien findet man eine Bildungsbeteiligung, wie sie in Deutschland etwa 1970 anzutreffen war‘, heißt es in der Studie. ‚Man kann also von einer 30 Jahre versetzten Entwicklung sprechen.‘ Nur 15 Prozent der Kinder gehen auf das Gymnasium, fast die Häfte der Kinder besucht die Hauptschule. In Bayern sind das sogar zwei Drittel. Auch in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein ist die Quote überdurchschnittlich hoch. In Hessen, Niedersachsen, NRW und dem Saarland ist zwar der Übergang zu mittleren und höheren Bildungsgängen leichter, zur Annäherung an die Bildungswege der deutschen Schüler aber führt das nur in Hessen und Niedersachsen.“
Kinder aus Migrantenfamilien haben in BY deutlich schlechtere Chancen auf höhere Bildung als im Rest der Republik.
„Der schulische Erfolg der Migrantenkids ist aber nicht so sehr vom sozialen Status der Familie oder ihrer Nähe zur deutschen Kultur abhängig. ‚Von entscheidender Bedeutung ist die Beherrschung der deutschen Sprache‘, schreiben die Pisa-Forscher. Bei gleicher Lesekompetenz schaffen Kinder aus Zuwandererfamilien sogar häufiger den Sprung auf die Realschule oder das Gymnasium als ihre deutschen Altersgenossen. Am größten übrigens ist insgesamt der Leistungsunterschied von deutschen und nichtdeutschen Kindern in Bremen und NRW, am geringsten in Bayern.“
Wenn Unterschicht-Kinder die Chance auf höhere Bildung erhalten, sind die Unterschiede innerhalb einer Klasse in BY geringer als in HB oder NRW.
Wo steht jetzt aber die Aussage, daß die Chance eines Unterschicht-Kindes auf das Abitur in BY größer sind als in NRW, SH oder im Osten Deutschlands? Im Artikel finde ich dazu nur folgende Ausagen:
-
BY hat prozentual die meisten Hauptschüler in Deutschland
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Der Bildungsgang ist in BY durch die soziale Herkunft stärker vorbestimmt als in allen anderen Bundesländern
Woher ziehst du deine Aussage, daß BY weniger Rücksicht auf die soziale Herkunft nimmt?
Habe ich oder du oder die TAZ-Journalistin schlechte Lesekompetenz?
)
Grüße
Heinrich