PISA-Wahlkampf

Hallo,

jetzt passiert leider das, wo vor viele Pädagogen und Gelehrte gewarnt haben: die Instrumentalisierung der Deutschlandinternen PISA-Studie zu Wahlkampfzwecken. Da rühmen CDU-Bildungspolitiker, allen voran Schavan und Hohlmeyer, „ihre eigenen“ Schüler, da sie ja doch so klug seien… da wettern sie vorbehaltlos und mit einer Vergröberungstaktik gegen die Bildungspolitik der SPD-Länder…

Von den gemeinsamen Anstrengungen der KMK zur bundesweiten, länderunabhängigen Reformierung des Schulsystems ist nichts mehr zu sehen. Da werden Grabenkämpfe veranstaltet, Beleidigungen und Vorhalte ausgeprochen, dass es einem nur schlecht werden kann. Diese selbsternannten „Hüter der Bildung“ entfachen hier eine Wahlkampf-Diskussion auf den Rücken der Schüler - Deutschlands Zukunft. Wer das macht, handelt verantwortungslos, skrupellos und ist unwürdig, sich ein Volksvertreter zu schimpfen. Gäbe es die direkte Demokratie bzw. Volksentscheide (welches wohlweislich von der CDU abgelehnt worden ist), wären diese Politiker nicht mehr auf ihren Stühlen.

Man kann jetzt nur noch an die Vernunft und Sachlichkeit der Bildungspolitiker appellieren. „Lasst Worten endlich Taten folgen.“

Die nächste PISA-Studie kommt bestimmt und dann gibt es ein noch böseres Erwachen.

Grüsse

Matthias

Hallo,

jetzt passiert leider das, wo vor viele Pädagogen und Gelehrte
gewarnt haben: die Instrumentalisierung der
Deutschlandinternen PISA-Studie zu Wahlkampfzwecken. Da rühmen
CDU-Bildungspolitiker, allen voran Schavan und Hohlmeyer,
„ihre eigenen“ Schüler, da sie ja doch so klug seien… da
wettern sie vorbehaltlos und mit einer Vergröberungstaktik
gegen die Bildungspolitik der SPD-Länder…

Zum einen, wer erwartet hat, dass 90 Tage vor der Wahl die Pisa Studie nicht zum Wahlkampf gebraucht wird, ist ganz schön blauäugig. Ausserdem kommt von Schavan und Hohlmeyer eben nicht die Aussage, dass „ihre Kinder“ klüger sind, sondern dass die Bildungspolitik in Bayern und BW besser funktioniert. Und das ist mit der Länderaufschlüsselung, wenn man PISA trauen kann, ja bewiesen.

Von den gemeinsamen Anstrengungen der KMK zur bundesweiten,
länderunabhängigen Reformierung des Schulsystems ist nichts
mehr zu sehen. Da werden Grabenkämpfe veranstaltet,
Beleidigungen und Vorhalte ausgeprochen, dass es einem nur
schlecht werden kann. Diese selbsternannten „Hüter der
Bildung“ entfachen hier eine Wahlkampf-Diskussion auf den
Rücken der Schüler - Deutschlands Zukunft.

Allerdings von beiden Seiten. Einerseits wollen die südlichen Länder ihre Standards ohne weiteres auf alle Länder übertragen, andererseits blocken die nördlichen sich komplett dagegen, wäre das doch ein Eingeständnis ihrer Fehler.

Wer das macht,
handelt verantwortungslos, skrupellos und ist unwürdig, sich
ein Volksvertreter zu schimpfen. Gäbe es die direkte
Demokratie bzw. Volksentscheide (welches wohlweislich von der
CDU abgelehnt worden ist), wären diese Politiker nicht mehr
auf ihren Stühlen.

Über einen Volksentscheid werden keine Personen sondern Sachthemen entschieden. Und direkte Demokratie personenbezogen habe ich mit jeder Wahl. Und trotz Wahl sind eben diese Politiker nicht abgewählt worden.
Darüber hinaus folgende These: Wenn es Volksentscheide gäbe, wären wir nur noch im Wahlkampf. Und wie lähmend Wahlkampf für Reformen ist, hast Du selbst festgestellt.

Man kann jetzt nur noch an die Vernunft und Sachlichkeit der
Bildungspolitiker appellieren. „Lasst Worten endlich Taten
folgen.“

Welche Taten? Über die Maßnahmen wird ja gestritten. Und die Erfahrungen sprechen ja nun eher für die südlichen CDU/CSU-regierten Länder.

Die nächste PISA-Studie kommt bestimmt und dann gibt es ein
noch böseres Erwachen.

Ist eine geplant? für wann? Üblicherweise wird so etwas alle 2 bis 5 Jahre gemacht. Dann sollte ein Ergebnis von welcher Reform auch immer sichtbar sein.

Grüsse

Matthias

In diesem Sinne

ALex
der im nachhinein betrachtet doch unter der niedersächsischen Bildungspolitik gelitten hat.

Unter den…
… blinden ist bekanntlich der einäugige König.

Hallo Matthias,

Deutschland hat in der Pisa Studie insgesamt schlecht abgeschnitten. Wenn sich jetzt einige Politiker als DIE Bildungsexperten aufspielen, finde ich das eher peinlich.
Die Schüler in Bayern und BaWü sind also nicht ganz so schlecht wie der Rest der Republik. Super…

Gruß, Joe

hallo Matthias,
ist doch ganz normal.
Was glaubst Du, würde die SPD und die Grünen machen, wenn die Studie festgestellt hätte, dass die SPD-regierten Länder besser als die CDU/CSU-regierten länder abschneiden?
Na, also!
Lass doch unsere Politiker ihren Wahlkampf machen.
Das Threma ist nach der Wahl „gegessen“.
Genauso wie das Thema „Antisemitismus“. und andere.
Grüße
Raimund

Hallo Matthias,

worüber regst Du Dich so auf? Ein Wahlkampf ist doch dazu da, Kritik am bestehenden System aufzugreifen, um damit sich selbst als den besseren Vollstrecker zu legitimieren und anzubieten für die kommende Wahl.

Ich denke, da gibt es nichts zu verurteilen, wenn letztendlich das Wahlprogramm dahingehend aktualisiert wird, was sich in Bezug auf das Wahlkampfthema ändern muss.

jetzt passiert leider das, wo vor viele Pädagogen und Gelehrte
gewarnt haben:

Die Genannten sollten sich lieber um ihre Aufgaben kümmern, zum Beispiel bessere Lernkonzepte mitentwickeln u. ä.

die Instrumentalisierung der
Deutschlandinternen PISA-Studie zu Wahlkampfzwecken. Da rühmen
CDU-Bildungspolitiker, allen voran Schavan und Hohlmeyer,
„ihre eigenen“ Schüler, da sie ja doch so klug seien… da
wettern sie vorbehaltlos und mit einer Vergröberungstaktik
gegen die Bildungspolitik der SPD-Länder…

Die Bildungspolitik liegt ja auch darnieder (allerdings nicht erst, seit die SPD das Land regiert). Die Schüler von heute, die an der letzten PISA-Studie teilgenommen haben, waren die Grundschüler der CDU-Ära.

Von den gemeinsamen Anstrengungen der KMK zur bundesweiten,
länderunabhängigen Reformierung des Schulsystems ist nichts
mehr zu sehen.

Trotz Wahlkampf arbeitet die KMK dennoch weiter.

Da werden Grabenkämpfe veranstaltet,
Beleidigungen und Vorhalte ausgeprochen, dass es einem nur
schlecht werden kann. Diese selbsternannten „Hüter der
Bildung“ entfachen hier eine Wahlkampf-Diskussion auf den
Rücken der Schüler - Deutschlands Zukunft.

Unterstell doch nicht gleich, dass sie die Schüler schlecht machen wollen. Vielleicht wollen sie einfach Wege aufzeigen, wie man es in der Zukunft besser machen kann.

Wer das macht,
handelt verantwortungslos, skrupellos und ist unwürdig, sich
ein Volksvertreter zu schimpfen.

Du langst aber auch ganz schön zu…

Gäbe es die direkte
Demokratie bzw. Volksentscheide (welches wohlweislich von der
CDU abgelehnt worden ist), wären diese Politiker nicht mehr
auf ihren Stühlen.

Na toll, jedes Thema wird nicht im Bundestag abgestimmt, sondern über Volksentscheid geregelt. Da werden dann Millionen Helfer rekrutiert, die die von Steuergeldern finanzierten Pamphlete unter die Leute bringen, damit auch jeder weiß, worüber er letztendlich abstimmen soll. Und das dann täglich. Wie lange würde es wohl dauern, bis der Bundeshaushalt unwiderruflich pleite gegangen ist?

Man kann jetzt nur noch an die Vernunft und Sachlichkeit der
Bildungspolitiker appellieren. „Lasst Worten endlich Taten
folgen.“

Die nächste PISA-Studie kommt bestimmt und dann gibt es ein
noch böseres Erwachen.

Vielleicht solltest Du erst einmal abwarten, bis alle Vorschläge eingehend diskutiert worden sind. Denn dass es überhaupt eine Diskussion gibt, zeigt doch, dass es einen Aufschrei in der Bevölkerung gegeben hat, dass ein Bewusstsein entstanden ist: Hier muss sich gewaltig etwas ändern. Doch Reformen wollen gut überlegt sein und brauchen auch Zeit.

Grüße von
Jana

irrtum
Bayern liegt sogar etwas über dem OECD-Durchschnitt - alle andern Bundesländer knapp oder weit darunter.

Trotzdem sind die Gründe dafür so vielschichtig, dass man auf polemischen Wahlkampf verzichten sollte - wofür auch? Die Bundespolitik hat ja im Bildungsbereich eh so gut wie nichts zu sagen. Ist ja Ländersache. Eine Regierung Stoiber könnte also hier gar nicht soviel verbessern bundesweit. Wobei hier Bayern offenbar trotzdem ganz gut agiert hat in den letzten Jahrzehnten, wenn auch die Sozialstruktur in Bayern es etwas einfacher gestaltet, gute Schüler hervorzubringen.

Gruss

Es bleibt zu hoffen, daß möglichst viele Wähler erkennen, daß es relativ unerheblich ist wo die „Klügsten unter den Dummen“ sitzen und so ein Wahlkampfthema ablehen!

Ich weiss nicht wer das berrere Konzept hat, aber so was hat im Wahlkampf nix verloren und daas ist ein Gebiet wo ALLE an einem Strang ziehen sollten um das best mögliche zu erreichen. Hier geht es nicht um 4 Jahre Amtszeit sondern um die Jugend in Deutschland und deren Zukunfts-Chancen!

Daher verstehe ich deinen Ärger sehr.

Gruß Ivo

woher willst du das wissen, die Ergebnisse werden doch erst in diesen Minuten wirklich bekannt gegeben!

hallo Jana,
eine kleine Korrektur: die Bildungspolitik hat nichts mit der CDU (oder SPD)-Ära zu tun.
Das ist Länderhoheit…leider, wegen der Chancengleichheit!
Deswegen kann doch die CDU so svchön der SPD Vorwürfe machen!
Grüße
Raimund

woher willst du das wissen, die Ergebnisse werden doch erst in
diesen Minuten wirklich bekannt gegeben!

dann hab ich ne andere studie gefunden beim max-planck-institut?

k.a. - da stand das halt. die sind ja zuständig für pisa in deutschland.

Hi!

Wobei hier
Bayern offenbar trotzdem ganz gut agiert hat in den letzten
Jahrzehnten, wenn auch die Sozialstruktur in Bayern es etwas
einfacher gestaltet, gute Schüler hervorzubringen.

Es ist unbestritten, daß Bayern die beste Beurteilung unter den Bundesländern bei der PISA-Studie erhalten hat. Aber der Preis, den die bayrischen Schüler dafür zahlen, ist recht hoch:

Nur 20 von 100 Schülern in Bayern erreichen die Allgemeine Hochschulreife (Bundesdurchschnitt liegt bei 27). Würde man die 7 Prozentpunkte aus den besten Nicht-Abiturienten Bayerns hinzurechnen, relativiert sich das Ergebnis Bayerns im Verhältnis zum Rest der Republik. Ferner ist die Chance zur Bildung in keinem Bundesland so stark an die soziale Herkunft gekoppelt wie in Bayern: Ein Kind aus der Oberschicht hat in Bayern eine zehnmal größere Chance auf das Abitur als ein Kind aus einer Facharbeiterfamilie (zum Vergleich: Baden-Württemberg 5,8; Saarland 6,0; Nordrhein-Westfalen 6,5; in den neuen Bundesländern liegen die Quoten noch günstiger). In Bayern legt die soziale Elite offensichtlich großen Wert darauf, auch die geistige Elite zu bleiben.

Aus Wirtschaftskreisen wird schon seit längerem bemängelt, daß die Anzahl von Schulabschlüssen in Deutschland, die zum Studium berechtigen, im internationalen Vergleich viel zu niedrig sei. Finnland, das uns nach der PISA-Studie als leuchtendes Vorbild hingehalten wird, strebt eine Hochschulzugangsquote von sage und schreibe 80% an!

Ich halte das derzeitige Schultergeklopfe und Mit-dem-Finger-auf-andere-zeigen für ziemlich überflüssig. Besser wäre es, wenn sich die 16 Kultusminister, die Bundesbildungsministerin und Vertreter der Universitäten, die für die Lehrerausbildung zuständig sind, an einen Tisch setzen und das Problem in Angriff nehmen würden.

Links zu den Quellen:
http://de.news.yahoo.com/020624/3/2ton9.html
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,2024…

Grüße
Heinrich

Qurgl
Guten MOrgen,

Nur 20 von 100 Schülern in Bayern erreichen die Allgemeine
Hochschulreife (Bundesdurchschnitt liegt bei 27).

wo ist das Problem? Die Hochschulen leiden bundesweit noch heute darunter, daß die SPD in den 70er Jahren auf den Trichter kam, jeder müsse studieren.

Ein Kind aus der Oberschicht hat in
Bayern eine zehnmal größere Chance auf das Abitur als ein Kind
aus einer Facharbeiterfamilie

Da fragt man sich doch, wo solche Daten herkommen. Ich mußte in der Schule jedenfalls nie melden, was mein Vater von Beruf war. Wäre mir auch schwer gefallen, weil man das ohne weiteres nicht hätte zuordnen müssen.

Man könnte natürlich unterstellen, daß in NRW oder in Bremen weniger Kinder den Eltern bei der Bestellung der familieneigenen Scholle helfen müssen.

Finnland, das uns nach der PISA-Studie als
leuchtendes Vorbild hingehalten wird, strebt eine
Hochschulzugangsquote von sage und schreibe 80% an!

Ich strebe auch ein Gehalt von € 10.000/Monat an. Und was hab´ ich davon? „Hat sich immer bemüht“ ist auch so eine Formulierung. Die Frage ist, was die Menschheit davon hat, wenn 80% der Menschen studieren dürfen. Wobei ich noch anmerken möchte, daß allein 80% derer, die mit mir studieren durften, dafür völlig ungeeignet waren.

Gruß
Christian

Klar, Raimund,

ist ja auch richtig. Nur habe ich gegen das SPD-Wettern gemault.

Viele Grüße
Jana

Hola

Da fragt man sich doch, wo solche Daten herkommen. Ich mußte
in der Schule jedenfalls nie melden, was mein Vater von Beruf
war. Wäre mir auch schwer gefallen, weil man das ohne weiteres
nicht hätte zuordnen müssen.

Musste ich auch nicht, aber im Rahmen der Studie wurde das wohl untersucht. Im Brett Nachrichten habe ich einen Link gepostet zu einer pdf-file, in der die Ergebnisse kurz zusammengefasst sind.

Auf der Seite müsste es jetzt auch Pisa-E zusammengefasst geben.

Gruss

Hallo Heinrich,

Wobei hier
Bayern offenbar trotzdem ganz gut agiert hat in den letzten
Jahrzehnten, wenn auch die Sozialstruktur in Bayern es etwas
einfacher gestaltet, gute Schüler hervorzubringen.

Es ist unbestritten, daß Bayern die beste Beurteilung unter
den Bundesländern bei der PISA-Studie erhalten hat. Aber der
Preis, den die bayrischen Schüler dafür zahlen, ist recht
hoch:

Nur 20 von 100 Schülern in Bayern erreichen die Allgemeine
Hochschulreife (Bundesdurchschnitt liegt bei 27). Würde man
die 7 Prozentpunkte aus den besten Nicht-Abiturienten Bayerns
hinzurechnen, relativiert sich das Ergebnis Bayerns im
Verhältnis zum Rest der Republik. Ferner ist die Chance zur
Bildung in keinem Bundesland so stark an die soziale Herkunft
gekoppelt wie in Bayern: Ein Kind aus der Oberschicht hat in
Bayern eine zehnmal größere Chance auf das Abitur als ein Kind
aus einer Facharbeiterfamilie (zum Vergleich:
Baden-Württemberg 5,8; Saarland 6,0; Nordrhein-Westfalen 6,5;
in den neuen Bundesländern liegen die Quoten noch günstiger).
In Bayern legt die soziale Elite offensichtlich großen Wert
darauf, auch die geistige Elite zu bleiben.

Die taz, nichtgerade einkonservatives Blatt, liest die Studie anders:
http://www.taz.de/pt/2002/06/24/a0136.nf/text

Tschuess Marco.

Hallo Heinrich,

Wobei hier
Bayern offenbar trotzdem ganz gut agiert hat in den letzten
Jahrzehnten, wenn auch die Sozialstruktur in Bayern es etwas
einfacher gestaltet, gute Schüler hervorzubringen.

???

Es ist unbestritten, daß Bayern die beste Beurteilung unter
den Bundesländern bei der PISA-Studie erhalten hat. Aber der
Preis, den die bayrischen Schüler dafür zahlen, ist recht
hoch:

Selbst die von Dir angeführte Quelle

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,2024…

gibt an, dass in Bayern der Problemfallanteil geringer ist als in anderen Bundesländern. Das heisst, das Ergebnis ist sowohl homogener als auch besser.
Das von Dir benannte Problem wg. soz. Schichtung der Abiturienten kann auch andere Gründe haben:

  • genügend Lehrstellen, dadurch machen w
    a) eniger aus Perspektivlosigkeit das Abitur
    b) haben auch Realschüler Chancen gute Lehrstellen (Bankkaufmann etc.) zu bekommen
  • Studium schreckt (in Vgl. zur vorhandenen Lehrstelle) wg. Kosten.
  • hohes Ansehehen des Realschulabschluss: man muss nicht Abitur haben, um was vorzeigen zu können.

Tschuess Marco.

???

Weniger Arbeitslose + weniger Ausländer + weniger Grossstädte = weniger soziale Probleme.

PISA-Wahlkampf: Kosten und Nutzen

Bayern No. 1 in Leistung! Das ist beeindruckend. Glückseliger, ich bin ein Bayer! Doch bei einer Kosten-Nutzenanalyse ist der Freudentaumel so groß nicht mehr. Ranking: Platz 1, Abitur: Platz 15, Kosten: Platz 4 ? Platz 16 wäre Super! Falls dieses Thema ein Wahlkampfthema wird, hoffe ich, dass auch dieses Detail genannt wird.

Gruß, Alexander

(Doppelposting)

Hi!

Die taz, nichtgerade einkonservatives Blatt, liest die Studie
anders:
http://www.taz.de/pt/2002/06/24/a0136.nf/text

Ich habe den TAZ-Artikel jetzt dreimal gelesen - entweder ist die Frau Journalistin nicht in der Lage, den Sachverhalt vernünftig darzustellen, oder ich bin zu blöde, ihn entsprechend zu verstehen (Hallo, Pisa! :wink: )

Titel und Einleitung:

"Klassenziel Chancengleichheit verfehlt

In SPD-regierten Ländern sind Schülerleistungen stärker von der sozialen Herkunft abhängig als im CSU-Land Bayern"

Das ist die Behauptung, die jetzt vom Artikel untermauert werden soll.

"Von dieser Vorstellung muss sich die Republik verabschieden: Die unionsregierten Länder, allen voran Bayern und Baden-Württemberg, stärken die Schülerelite und gewinnen deshalb beim Pisa-Ländervergleich. Die Sozialdemokraten aber unterstützen die Schwachen besser. Dem ist nicht so, das zeigen die Ergebnisse des Pisa-Bundesländervergleichs, die der taz vorliegen. "

Die Position des Advocatus diaboli. Nun kommt die Beweisführung:

„Die SPD-regierten Länder schaffen es nicht, Kinder aus sozial schwachen und eingewanderten Familien so zu fördern, dass sie die mitgebrachten Bildungsnachteile in der Schule überwinden. Ganz im Gegenteil: Beim Lesen, von den Pisa-Forschern als Schüsselkompetenz angesehen, ist das Können der Jugendlichen besonders in Hessen, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz stark von der sozialen Herkunft abhängig. Das alles sind Länder, in denen die Sozialdemokraten regieren oder lange Zeit regiert haben. Bayern kommt auf dieser Negativliste erst auf Platz 6, Baden-Württemberg sogar erst auf Platz 10 unter den 13 deutschen Flächenländern. Ob das nun an den besser ausgebildeten Lehrern oder den heterogeneren Hauptschulklassen in den Südländern liegt, dazu äußern sich die Pisa-Forscher vom Max-Planck-Institut nicht.“

Schlechte Lesefähigkeit in HS, NRW, SL, SH und RP, die zudem stark abhängig von sozialer Herkunft. BY und BW sind besser positioniert. Keine Aussage zu den Gründen. Aussagen beziehen sich auf Hauptschüler.

„Die große Anzahl und die relative Heterogenität der Hauptschüler sind die Kehrseite von Bayerns rigider Selektion: In keinem anderen Bundesland gibt es so viele Hauptschüler, ist der Bildungsgang so stark abhängig vom sozialen Status der Familie: Bei gleichen Fähigkeiten ist in Stoibers Musterland die Chance für Kinder aus Oberschichtfamilien zehnmal so groß, das Gymnasium zu besuchen, wie für ihre Altersgenossen aus der Arbeiterschicht. Ein großes soziales Gefälle verzeichnen die Wissenschaftler auch in Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Am besten schneidet hier von den alten Bundesländern Baden-Württemberg ab, besonders gut aber sind die neuen Länder. Da die Eltern aus DDR-Zeiten noch an die Einheitsschule gewöhnt sind, haben hier sozial schwache Familien weniger Hemmungen vor dem Gymnasium, so die Erklärung.“

BY hat die meisten Hauptschüler, der Bildungsgang in BY ist stark abhängig von der sozialen Herkunft, bei gleichen Fähigkeiten haben Oberschichtler eine zehnmal größere Chance auf das Abitur als Unterschichtler (ähnliches in RP, SH und NDS). Bessere Chancen für Unterschichtler auf Bildung in BW und im Osten.

„Ein schlechtes Zeugnis stellen die Wissenschaftler allen Bundesländern in Sachen Integration von Migrantenkindern aus. ‚Bei Jugendlichen aus reinen Zuwandererfamilien findet man eine Bildungsbeteiligung, wie sie in Deutschland etwa 1970 anzutreffen war‘, heißt es in der Studie. ‚Man kann also von einer 30 Jahre versetzten Entwicklung sprechen.‘ Nur 15 Prozent der Kinder gehen auf das Gymnasium, fast die Häfte der Kinder besucht die Hauptschule. In Bayern sind das sogar zwei Drittel. Auch in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein ist die Quote überdurchschnittlich hoch. In Hessen, Niedersachsen, NRW und dem Saarland ist zwar der Übergang zu mittleren und höheren Bildungsgängen leichter, zur Annäherung an die Bildungswege der deutschen Schüler aber führt das nur in Hessen und Niedersachsen.“

Kinder aus Migrantenfamilien haben in BY deutlich schlechtere Chancen auf höhere Bildung als im Rest der Republik.

„Der schulische Erfolg der Migrantenkids ist aber nicht so sehr vom sozialen Status der Familie oder ihrer Nähe zur deutschen Kultur abhängig. ‚Von entscheidender Bedeutung ist die Beherrschung der deutschen Sprache‘, schreiben die Pisa-Forscher. Bei gleicher Lesekompetenz schaffen Kinder aus Zuwandererfamilien sogar häufiger den Sprung auf die Realschule oder das Gymnasium als ihre deutschen Altersgenossen. Am größten übrigens ist insgesamt der Leistungsunterschied von deutschen und nichtdeutschen Kindern in Bremen und NRW, am geringsten in Bayern.“

Wenn Unterschicht-Kinder die Chance auf höhere Bildung erhalten, sind die Unterschiede innerhalb einer Klasse in BY geringer als in HB oder NRW.

Wo steht jetzt aber die Aussage, daß die Chance eines Unterschicht-Kindes auf das Abitur in BY größer sind als in NRW, SH oder im Osten Deutschlands? Im Artikel finde ich dazu nur folgende Ausagen:

  1. BY hat prozentual die meisten Hauptschüler in Deutschland

  2. Der Bildungsgang ist in BY durch die soziale Herkunft stärker vorbestimmt als in allen anderen Bundesländern

Woher ziehst du deine Aussage, daß BY weniger Rücksicht auf die soziale Herkunft nimmt?

Habe ich oder du oder die TAZ-Journalistin schlechte Lesekompetenz? :wink:)

Grüße
Heinrich

Hi!

Nur 20 von 100 Schülern in Bayern erreichen die Allgemeine
Hochschulreife (Bundesdurchschnitt liegt bei 27).

wo ist das Problem? Die Hochschulen leiden bundesweit noch
heute darunter, daß die SPD in den 70er Jahren auf den
Trichter kam, jeder müsse studieren.

Pressedienst der GEW, Ausgabe 6 vom 08.05.2001:

„Grundsätzlich bestehe die Gefahr der Unterversorgung des Arbeitsmarktes mit qualifizierten Absolventen des Schulsystems. In Europa würde nur noch in Österreich, in einigen Kantonen der Schweiz und in den Niederlanden nach vier Jahren selektiert. In allen anderen Ländern gingen die Kinder länger gemeinsam zur Schule.“

Bildung und Wissenschaft, Ausgabe 5/2001:

„Die OECD-Studie hat es jüngst wieder gezeigt: In diesem Wettbewerb haben wir bereits jetzt zu wenig Abiturienten. Wenn das Turbo-Gymnasium wieder zu einer Art Eliteschule werden sollte, das noch weniger Schüler/innen aus traditionell eher „bildungsfernen“ Schichten (z. B. Facharbeiterschaft, des Handwerks, des „kleinen“ Beamten usw.) besuchen, ist dies kontraproduktiv - möglicherweise auch für die Fächerwahl beim Studium (viele Abiturient/innen, die nicht aus klassisch bildungsbürgerlichen Schichten kommen, studieren z. B. Ingenieurwissenschaften).“

dpa von 15.10.2001:

„Während in Deutschland nur 16 Prozent eines Jahrganges erfolgreich eine Hochschulausbildung abschließen, können andere Länder wie die USA, Großbritannien, Japan oder die Niederlande nach der jüngsten OECD-Übersicht allesamt Quoten von über 33 Prozent vorweisen. Von der Green-Card-Debatte und den fehlenden Informatikern bis hin zum Mangel an Berufsschullehrern und Ingenieuren: In der Bundesrepublik machen heute fast ein Drittel weniger junge Menschen einen Hochschulabschluss in Naturwissenschaften als im OECD-Schnitt. Im Nachbarland Frankreich liegt dieser Anteil zwei Mal höher. Die Anzahl der Absolventen naturwissenschaftlicher Fächer pro 100.000 Erwerbstätigen zwischen 25 bis 34 Jahren liegt hier zu Lande bei 835, im OECD-Schnitt dagegen bei 1200.“

dpa vom 28.11.2001:

„Das deutsche Bildungssystem kommt unter massiven Druck: Zu wenig Abiturienten, zu viele Schulabbrecher, und beim Wissen hapert es auch.
[…]
Eine Empfehlung sticht besonders hervor: Jeder Abbrecher soll
künftig mindestens eine weitere Bildungschance erhalten. In
Deutschland verlassen fast zehn Prozent die Schule ohne Abschluss. 15 Prozent eines Jahrganges manchen keinen Lehrabschluss. Und die Arbeitsmarktchancen für Ungelernten sinken rapide.“

Handelsblatt vom 04.12.2001:
„Experten mahnen die Länder ohnehin seit langem, dass die deutschen Schulen zu wenig Abiturienten hervorbringen. Die Wirtschaft sorgt sich um ausreichend Akademikernachwuchs.“

Kurzum: die Globalisierung der Märkte, die zunehmende Konkurrenz zwischen den Unternehmen weltweit, die Wirtschaft per se verlangt nach besserer Bildung und mehr Abiturienten. Oder wie jemand schrieb: „Deutschland hat sich von einem Volk der Dichter und Denker, der Ingenieure und Erfinder zu einem Volk der Handwerker und Facharbeiter, der Bäcker, Fleischer und Friseure entwickelt.“

Wem das reicht - bitte schön. Dann aber nicht klagen, daß die geistige Elite ins Ausland geht, alle Innovationen jenseits der Grenzen gemacht werden und Arbeitsabläufe zum Erliegen kommen, weil den Leuten der Grips fehlt.

Grüße
Heinrich