Preußen

Was ist eigentlich das Besondere an Preußen? Welche Fortschritte waren für die damalige Zeit essentiell? Es wird viel über Preußen geredet, aber was ist so besonders?

Danke im voraus
Ryo

Hallo erstmal.

Was ist eigentlich das Besondere an Preußen? Welche
Fortschritte waren für die damalige Zeit essentiell? Es wird
viel über Preußen geredet, aber was ist so besonders?

Rein schlagwortmässig:
-straffere Organisation (Militärwesen wie Privatleben)
-‚preussische Tugenden‘
http://de.wikipedia.org/wiki/Preussen -> Wilhelm I und Wilhelm II

HTH
mfg M.L.

Gruß zuvor,

Wilhelm II. ist für Preußen schon nicht mehr typisch - er ist eher eine Karikatur des Preußentums.

Es ist später - vor allem von Haus- und Hof-Historiographen - so dargestellt worden, als habe bei der Entstehung von Preußen von Anfang an ein gestaltender wille dahinter gestanden. Dem war natürlich nicht so!
Die Hohenzollern sind über ihre süddeutschen Besitzungen zum Burggrafenamt von Nürnberg gekommen, dann wurde einer mit der Mark Brandenburg belehnt (ich glaube 1417). Dann haben die nachfolger ihren Besitz mit mehr oder weniger Geschick und Glück arrondiert und vergrößert. Daß in der Reformationszeit ein Hohenzoller Hochmeister des deutschen Ordens war und das Ordensland mitnahm, als er evangelisch wurde, war auch der reine Zufall.
Auch die Erbfälle im Westen des Reichs - Kleve, Mark, Ravensberg, Jülich, Berg - waren nicht vorherzusehen.

Nun gut. Was Preußen ausmacht, ist wohl dieses: es isz der einzige Staat, der auf einer Idee basiert und nicht auf einem Volk oder einem Territorium - dies ist ein Gedanke von Sebastian Haffner.
Diese Idee ist zuerst gedacht worden vom Großen Kurfürsten, der im und nach dem 30jährigen Krieg dieses geplünderte und ausgepowerte Land wieder in Ordnung bringen mußte. Dies tat er durch eine Reihe von Reformen, darunter die Heeresreform.

Aber ich will jetzt nicht die ganze Geschichte Preußens rekapitulieren; ein sehr schönes Buch ist von Sebastian Haffner „Preußen ohne Legende“.

Gruß - Rolf

Was ist eigentlich das Besondere an Preußen? Welche
Fortschritte waren für die damalige Zeit essentiell? Es wird
viel über Preußen geredet, aber was ist so besonders?

Hallo Ryo

Das besondere an Preussen ist Friedrich der Große.
Seine Genialität, seine politischen und kulturellen Leistungen, seine menschliche Größe.

gruß
rolf

Hallo,

was Besonderes dran ist?
Na zuerst einmal die Tatsache, daß die preußischen Herrscher im Laufe der Zeit aus der Mark Brandenburg (da gehörte Preußen ja nicht mal dazu) den größten Territorialstaat Deutschlands gemacht haben, der ja dann bei der reichsgründung dominierend war. Sie waren da sehr, sehr zielstrebig.
Natürlich ging das nur mit einer sehr gut funktionierenden Verwaltung - das preußische Beamtentum war da zu seiner Zeit sehr effektiv. Und es bedurfte einer großen und gut geführten und ausgerüsteten Armee - Preußen hatte beides.
Dazu kommen noch ein paar Punkte als Nebeneffekte. So hat der Soldatenkönig, den die Unwissenheit seiner Soldaten nervte, als erster weltweit eine allgemeine Schulpflicht eingeführt. Preußen war auch das erste Land, das die Leibeigenschaft abschaffte. Und es war tolererant genug, dem Glauben der Untertanen als privatsache zu betrachten. Daher konnte Preußen sowohl die Hugenotten aus Frankreich als auch die salzburger Protestanten aufnehmen, die in ihren Ländern verfolgt wurden. Und es war friedrich der Große, der als erster eine Art Pressefreiheit verkündete.
Nicht zuletzt hatte Preußen dann im richtigen Moment einen Bismarck. Der nämlich sah ein wenig über den Tellerrand seines Preußens hinaus und erkannte, daß die Einheit Deutschlands auf der Tagesordnung stand - und er hat sie durchgesetzt. Und wie er das gemacht hat, das war wirklich genial.

Gernot Geyer

Nun gut. Was Preußen ausmacht, ist wohl dieses: es isz der
einzige Staat, der auf einer Idee basiert und nicht auf einem
Volk oder einem Territorium - dies ist ein Gedanke von
Sebastian Haffner.

Bin kein Geschichtsprofi, hier nur ein paar Gedanken dazu.
Neu in der Geschichte ist vielleicht, wie rational und konsequent die Politik die Staatsinteressen verfolgt - deutlich machen sich hier die Einflüsse der Aufklärung bemerkbar. Friedrich II. hat sich als ersten Diener seines Staates bezeichnet, Wahrung der Staatsinteressen ist so etwas wie die Hauptdirektive. Einerseits war Preussen tolerant, wenn es im Interesse des Staates liegt („Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden“), auch wurde die wirtschaftliche Entwicklung des Landes stark gefördert - andererseits ist die Ideologie sicher auch ein wichtiger Schritt Richtung Nationalismus. (?) Die „preussische Kultur“ hat wegen der relativ großen Ausdehnung des Königreichs Preußen einige Spuren in Deutschland und Umgebung hinterlassen.

Hallo Gernot,
die Kartoffel nicht zu vergessen. Denn nur, weil der alte Fritz seine Bauern zwang, Kartoffeln anzubauen, hat sich dieses auch eingebürgert.
Grüße
Almut
PS. Futtere heute lecker Kartoffelsalat… *gggg*

Hallo.

Was ist eigentlich das Besondere an Preußen?
Welche Fortschritte waren für die damalige Zeit essentiell?
Es wird viel über Preußen geredet, aber was ist so besonders?

Noch ein Aspekt, der sich m.E. ganz gut an zwei Aussprüchen festmachen lässt :

  • " L’état, c’est moi" vom ollen sonnigen Lutz # vierzehn;

  • " Ich bin der erste Diener meines Staates" vom ebenso ollen, nicht ganz so sonnigen Fritz # zwo.

Der vom Preußenkönig geäußerte Gedanke war für die damalige Zeit absolut revolutionär, weil sich hier ein Fürst, zumindest verbal, den Staatsinteressen unterordnete. Der Staat war also nicht mehr nur Unterbau der Krone, sondern die Krone als Institution wurde integraler Bestandteil des Staates. Das war de facto der Abschied vom Absolutismus - nicht, weil sich der König nicht mehr als oberste Instanz begriffen hätte (das tat er sehr wohl), sondern, weil diese Forderung, einem abstrakten Gebilde „Staat“ zu dienen, auch an den Adel und die Beamtenschaft eine glasklare Forderung stellte. Stand der König nach absolutistischem Verständnis außerhalb des Staates, begriff er sich laut Fritzchen als dessen Bestandteil. Fritze als Person hielt sich im Gegensatz zu anderen Fürsten seines Zeitalters auch keineswegs für unersetzlich. Vor dem dritten schlesischen (dem siebenjährigen) Krieg erging die Order (Achtung, aus dem Gedächtnis zitoren) " Sollte ich fallen oder in die Hände des Feindes geraten, so verbiete ich, dass man darauf irgendwelche Rücksicht nimmt. Man soll meinem Bruder gehorchen. Ganz so, als ob ich niemals auf der Welt existiert hätte". Das wäre einem Lutz 14 niemals eingefallen …

Und aus diesem Selbstverständnis heraus - nebst einem gewaltigen Geiz - ist auch zu verstehen, dass in Potsdam längst nicht so viel Brimborium hinsichtlich der Hofhaltung betrieben wurde wie an anderen großen und Duodezhöfen der Zeit.

Gruß Eillicht zu Vensre

Hi Eillicht zu Vensre,

Und aus diesem Selbstverständnis heraus - nebst einem
gewaltigen Geiz - ist auch zu verstehen, dass in Potsdam
längst nicht so viel Brimborium hinsichtlich der Hofhaltung
betrieben wurde wie an anderen großen und Duodezhöfen der
Zeit.

Friedrich war sicher sparsam, aber geizig?!
Sanssouci kann man nicht unbedingt als das Werk eines Geizkragens verstehen und auch andere kulturelle Dinge ließ sich der König einiges an Geld kosten (Kunstsammlungen).
Er war streng, zuerst zu sich selber, aber sicher nicht geizig.

Gandalf

Die „preussische Kultur“ hat wegen der

relativ großen Ausdehnung des Königreichs Preußen einige
Spuren in Deutschland und Umgebung hinterlassen.

Solche Spuren des Preußentums kann man z.B. noch in Ortsnamen wie „Preußisch Oldendorf“ finden, die man nach dem Übergang zur Republik ja auch hätte ändern können.

Preußisch Hessisch Oldendorf
Hallo Kim,

damit sind wir schon mitten in der Diskussion. Diese Bezeichnung ist rein geographisch gemeint, um die beiden Oldendorffs zu unterscheiden (es gab noch keine Postleitzahlen). Mit Monarchie oder Republik hat es gar nichts zu tun. Die Jahre 1918-1932 waren nocheinmal eine gute Zeit für Preußens Beitrag zur deutschen Geschichte.

Andreas

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Hallo Rolf,

obwohl ich zu denen gehöre, die Friedrich das Attirbut groß zusprechen, ist es mit der menschlichen Größe eines Zynikers nicht sehr weit her.
Ein Monarch alleine macht ein Land nicht besonders. Es ist schon mehr passiert in der kurzen Lebenszeit Preußens.

Gruß,
Andreas

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Hallo Ryo,

vielleicht findest du auf dieser Seite noch Informationen, die für dich interessant sind:

http://www.preussen-chronik.de/_/person_jsp/key=pers…

LG
sine

Hallo Andreas,

ich weiss natürlich, dass die Bezeichnung geographisch ist; bin vorgestern noch an beiden Oldendorfs vorbeigefahren.
Ich meinte nur, dass man nach der Quasi nicht mehr Existenz Preußens als Teritorium oder auch Machtgefüge ja den/die Namen auch hätte ändern können in z.B. Oldendorf im/ an der… (kenne mich jetzt nicht so in Geo aus als dass ich die Lücke füllen könnte.)

Man hat ja im Zuge der Beschäftigung mit deutscher Geschichte, gerade militärischer Geschichte (und Preußen ist im Allgemeinbild ja zweifellos auch als militaristischer Staat im Bewußtsein) nach dem Zweiten Weltkrieg (und auch im dritten Reich, natürlich mit anderen Hintergründen) einige Korrekturen in Bezeichnungen, Namen etc. vorgenommen.
Und ich kann mir zumindest vorstellen, dass es auch bei Ortschaften oder bestimmten Institutionen die „preußisch“ im Namen trugen evtl. Überlegungen zu Namensänderungen gegeben haben könnte.

Sollte ich mich irren, so freue ich mich natürlich über Aufklärung, Korrektur oder auch eine Quellenempfehlung.

Soviel zu meinen Überlegungen,

Kim.

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Howdy Kim,

vielleicht sollte man auch daran denken, „Preußisch Blau“ aus dem Farbkasten zu entfernen.

Ein günstigerer Name fällt mir zwar nicht ein, aber möglicherweise könnte man man im Forum „Malerei“ nachfragen.

Gruß - Rolf

Sanssouci kann man nicht unbedingt als das Werk eines
Geizkragens verstehen und auch andere kulturelle Dinge ließ
sich der König einiges an Geld kosten (Kunstsammlungen).

Hallo, Gandalf,
ich glaube, hier muss man daran denken, dass er nicht aus persönlichen Motiven heraus diesen „Pomp and Cicumstance“ aufbaute, sondern aus Staatsraison. Schließlich musste auch der preußische Staat repräsentieren, was man eben dem Stil der Zeit entsprechend tat.

Er war streng, zuerst zu sich selber, aber sicher nicht
geizig.

Dass er die Staatskohle zusammenhielt würde ich auch nicht als Geiz bezeichnen, das würde auch heute noch durchaus gut aussehen.
Gruß
Eckard

Kartoffeln?
Hallo Almut,

die Kartoffel nicht zu vergessen. Denn nur, weil der alte
Fritz seine Bauern zwang, Kartoffeln anzubauen, hat sich
dieses auch eingebürgert.

Geht die Geschichte nicht so, dass die Bauern die Kartoffel ignorierten, woraufhin Fr. d.Gr. sie auf Äckern pflanzen ließ, die er streng bewachte und an die niemand ran durfte. Da wurden die Bauern neugierig.

Oder ist das nur ein Märchen?

Gruss
Laika

Howdy Kim,

vielleicht sollte man auch daran denken, „Preußisch Blau“ aus
dem Farbkasten zu entfernen.

Ein günstigerer Name fällt mir zwar nicht ein,

Tel-Aviv-Blau

Servus Almut,

die publicity hat Friedrich II hinsichtlich des Kartoffelanbaus auf seiner Seite. Aber zum ersten Mal auf deutschem Territorium in großem Umfang angebaut wurden Kartoffeln bereits im Jahr 1702: Der Waldenser Antoine Seignoret hatte sie im April 1701 in die württembergischen Waldensergemeinden gebracht, und nach einer Saison Vermehrungsanbau wurden sie 1702 in rund 100 württembergischen Gemeinden sozusagen in aller Stille und ohne königlichen Ukas kultiviert.

Schöne Grüße

MM

Servus Gernot,

das:

Und wie er das gemacht hat, das war wirklich genial.

muss ihm der Neid lassen: 1866 die süddeutschen Landsleute mit Waffengewalt zur Zwangsvereinigung einzuladen, um sie dann bereits 4 Jahre später mit Hurra in F zu verheizen - dazu gehört in der Tat einiges Geschick.

Neben mir steht eine Zinnkanne, die noch die Spuren davon trägt, wie sie 1866 verlötet und mit dem wenigen, was man hatte, vergraben worden ist, als die Preußen anrückten - die Preußischen Truppen sind bei der Wiedervereinigung 1866 offenbar so ähnlich vorgegangen wie bei der letzten Wiedervereinigung die frischdiplomierten Büblein von der Treuhand. Bloß letztere hatten halt keine Zündnadelgewehre und keine Kartätschen…

Schöne Grüße

MM