Preußen

Hey Rolf,

vielleicht sollte man auch daran denken, „Preußisch Blau“ aus
dem Farbkasten zu entfernen.

Gabs doch schon: heisst heut Berliner Blau… http://de.wikipedia.org/wiki/Preu%C3%9Fisch_Blau

Ausserdem halte ich genau diese Art der Namensrevidierung für albern. Die Uniformen, die in dieser Farbe waren, bleiben in Stil und Art (also auch Farbe) bis in alle Ewigkeit so und daher bleiben sie auch Uniformen des Preusischen Heeres, oder? Also machte es doch keinen Sinn einem Begriff wie ‚Preussisch Blau‘ die Geschichte wegzunehmen, indem man es zu ‚Berliner Blau‘ macht…

Gruss
Y.-

Hallo Kim,

Man hat ja im Zuge der Beschäftigung mit deutscher Geschichte,
gerade militärischer Geschichte (und Preußen ist im
Allgemeinbild ja zweifellos auch als militaristischer Staat im
Bewußtsein) nach dem Zweiten Weltkrieg (und auch im dritten
Reich, natürlich mit anderen Hintergründen) einige Korrekturen
in Bezeichnungen, Namen etc. vorgenommen.
Und ich kann mir zumindest vorstellen, dass es auch bei
Ortschaften oder bestimmten Institutionen die „preußisch“ im
Namen trugen evtl. Überlegungen zu Namensänderungen gegeben
haben könnte.

Was ist so schlecht an Preußen? Das man nach dem Krieg sämtliche Adolf-Hitler-Plätze umbenannt hat, hatte ja eher andere Ursachen.

Gruß

Hallo Laika,
es ist ein Märchen:
1745 schließlich erließ Friedrich II: das Gesetz zum Anbau der Kartoffel auch in Preußen. Den Bauern wurde vorgeschrieben, dass sie 10 % ihrer Anbauflächen mit der Kartoffel bepflanzen mußten.
Der Grund: Im Gegensatz zum Getreide war und ist die Kartoffel weder bei der Aussaat noch vor der Ernte abhängig vom Wetter und der Witterung. Erst mit dem Kartoffelanbau konnten in Europa die Hungersnöte eingedämmt werden.
Grüße
Almut

Ach, Isolde!

Gruß - Rolf

„Some men rob you with a six gun and some men rob you with a fountain pen.“
(Woody Guthrie)

Hallo,

ja - das war die Tragik der Geschichte.
Denn die deutsche Vereinigung stand nun mal auf der Tagesordnung - aus vielerlei Gründen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil viele der kleinstaaten gar nicht mehr wirklich überlebensfähig waren.
Aber mit Österreich ging das nicht - das hat Bismarck klar erkannt. Den Österreichern wäre im Zweifelsfall der Erhalt ihrer Vielvölkermonarchie immer näher gewesen, als es die deutschen Interessen gewesen wären. Es mußte und sollte aber ein deutscher Nationalstaat werden.
Leider haben viele der Kleinstaaten das so nicht gesehen und standen 1866 auf der Seite Österreichs (nicht alle übrigens). Aber dafür konnten die preußen ja nichts, daß die ganzen kleinen Hoheiten und Durchlauchten zu dämlich waren, um die Erfordernisse der Zeit zu erkennen.
1870 gab Bismarck recht. Es gab nämlich eine wahnsinnig starke Nationalbewegung in Deutschland auch von unten heraus - anders ist die Kriegsbegeisterung von damals nicht zu erklären. Plötzlich waren alle Deutsche. Und eigentlich ist der eiserne Kanzler nur der Nationalbewegung von unten zuvorgekommen. Wahrscheinlich hätte anderenfalls eine Volksbewegung die ganzen kleinen Herrschaften ansonsten früher oder später hinweggefegt und die Kleinstaterei ein- für allemal beseitigt. Hätte auch Vorteile gehabt - wir hätten dann heute den dämlichen Förderalismus nicht mit den ganzen Landesregierungen, die jeder Bundesregierung Knüppel zwischen die Beine schmeißen.
Du darfst ja nicht nur die relativ großen Staaten sehen. Da ist es einfach, ein Sachse war eiN Sachse und ein Bayer ein Bayer. Aber was waren zum Beispiel meine Vorfahren? Großherzoglich Sächsisch/Weimar/Eisenacher Thüringer? Diese Ländchen waren doch alle viel zu klein, um irgendwelche Nationalgefühle zu entwickeln. Allenfalls waren es dann Thüringer - und die teilten sich auf 7 kleine Ländchen auf, dazu kam noch, daß Erfurt und ein gazer Teil Nordthüringens preußisch war und ein paar Dörfer waren auch noch hessisch. Da mußte einfach was passieren.

Gernot Geyer

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Hallo,

Sanssouci kann man nicht unbedingt als das Werk eines
Geizkragens verstehen

imho ist grade Sanssouci ein Musterbeispiel für Sparsamkeit bis hin zum Geiz. Alles, was in anderen Schlössern aus Marmor hergestellt wurde, ist hier aus bemaltem Holz. Es wurde auch so klein wie möglich gebaut. Und sogar Reparaturen wurden kaum durchgeführt. Wie man hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Sanssouci#Sanss… nachlesen kann: „Es soll nur bei meinem Leben dauern“.
Aber ich bin kein großer Geschichtskenner.
Gruß
loderunner

Hallo loderunner,

Alles, was in anderen Schlössern aus Marmor
hergestellt wurde, ist hier aus bemaltem Holz.

es ist sicher eine sehr persönliche Interpretation, aber so etwas nenne ich eher Sparsamkeit als Geiz.

Es wurde auch
so klein wie möglich gebaut.

Dafür ist es aber immer noch recht groß geraten.
Mein Haus ist da wesentlich bescheidener :wink:

Und sogar Reparaturen wurden kaum
durchgeführt.

Nun ja, im Alter hat der alte Fritz einiges an Marotten entwickelt.
Da mal er ev. auch geizig geworden sein. Ein durchgehender Charakterzug ist es aber m.E. nicht.

Gandalf

Hallo,

es ist sicher eine sehr persönliche Interpretation, aber so
etwas nenne ich eher Sparsamkeit als Geiz.

Okay. Geiz habe ich eher als Anspielung auf Deine ursprüngliche Aussage erwähnt.

Es wurde auch
so klein wie möglich gebaut.

Dafür ist es aber immer noch recht groß geraten.

Ursprünglich nicht. Erst die späteren Ausbauten haben es zu dem gemacht, was es heute ist. Siehe Wikipedia.

Mein Haus ist da wesentlich bescheidener :wink:

Meins auch, notwendigerweise und gewollt. Wobei - ein wenig… :wink:

Gruß
loderunner

imho ist grade Sanssouci ein Musterbeispiel für Sparsamkeit
bis hin zum Geiz.

Ja, so hat das Schloss auf mich auch gewirkt. Im Vergleich zu anderen Barockbauten nimmt sich das einetagige Gebäude mit gerade mal ein paar Gästezimmern für einen Monarchen wirklich sehr bescheiden aus. Aber es passt gut zum Park.

Hallo Martin,

Und wie er das gemacht hat, das war wirklich genial.

muss ihm der Neid lassen: 1866 die süddeutschen Landsleute mit
Waffengewalt zur Zwangsvereinigung einzuladen

die Süddeutschen hätten ja wissen müssen, daß sie mit den Ösis auf der Verliererstrecke sind. Selbst schuld.

um sie dann bereits 4 Jahre später mit Hurra in F zu verheizen

Verheizt wurde im Krimkrieg oder Sezessionskrieg, der 1870/71er war dagegen ein Scharmützel. Und in Dtl. konnte sich keiner über den Ausgang beschweren.

  • dazu gehört in der Tat einiges Geschick.

allerdings, immerhin hat Bismarck alle seine Schlachten gewonnen, was man von seinen Nachfolgern nicht behaupten kann.

Gruß

Verdanken wir Preußen vielleicht Amerika?

Hallo Kim,

Was ist so schlecht an Preußen? Das man nach dem Krieg
sämtliche Adolf-Hitler-Plätze umbenannt hat, hatte ja eher
andere Ursachen.

Gruß

Irgendwie habe ich das Gefühl, meine Vermutungen werden hier deutlich mißverstanden und ich persönlich habe auch gar nichts gegen Preußens Glanz und Gloria, aber um die Diskussion am Laufen zu halten:

Möglicherweise ist ja Amerika das „Schlechteste“ oder „Beste“ (ist wohl Ansichtssache) was wir Preußen zu verdanken haben, denn wer weiss, vielleicht gäbe es ohne General von Steuben und dessen militärische Reorganisation der amerikanischen Kolonialistentruppen kein Amerika.

Denn ohne dessen Wissen um preußische Disziplin und Kriegsführung wären die Amis doch hoffnungslos unterlegen gewesen und vielleicht hätten dann…

Womit wir wieder in eine feine w-w-w (was-wäre-wenn) Diskussion abdriften. :smile:

Ja, aber …
… holla, …

denn wer weiss, vielleicht gäbe es ohne General von Steuben
und dessen militärische Reorganisation der amerikanischen
Kolonialistentruppen kein Amerika.

Denn ohne dessen Wissen um preußische Disziplin und
Kriegsführung wären die Amis doch hoffnungslos unterlegen
gewesen und vielleicht hätten dann…

… die gegnerischen Truppen die Schlachten gewonnen? Haben sie auch so, nützte ihnen aber nicht viel. Wenn die Soldateska durch war, ging hinter ihnen das Leben (mit Selbstverwaltung + + +) munter wieder los. Als Besatzungstruppe ein paar tausend Mann irgendwo hinzustellen, konnten sich die Engländer gar nicht leisten. Zumal die gekauften Truppen früher oder später übergelaufen wären - so dumm sind selbst Hessen nicht (gewesen), {es sei denn, sie kommen aus der Frankfurter Ecke}

Nø. Preußen hat schon einen großen Teil an der Entstehung von Nordamerika, wie wir es heute kennen. Während sich nämlich im Siebenjährigen Krieg die Franzosen (verbündet mit Russland) gegen Preußen wandten, machten die Engländer einfach die Schatulle auf und sorgten für ein feines Kräftegleichgewicht, auf dass sich der Krieg auch schön lange hinziehe. Was letzterer dann auch tat - die Engländer konnten derweil die Franzosen in Nordamerika recht gemütlich verdreschen. Man schaue nach im Lederstrumpf.

Wäre übrigens der englische Feldzug in Nordamerika früher, sagen wir mal, 1760, zu Ende gegangen, hätte der alte Fritz seinen Ehrenplatz als Totengräber Preußens bekommen. Damals standen die Russen in Berlin (nach der Schlacht von Kunersdorf), und der dritte schlesische Krieg war für Preußen de facto verloren. Das hätte aber den Engländern nicht in den Kram gepasst, siehe oben. Mit Hinhalten, Durchhalteparolen und englischer Unterstützung wurde der Krieg dann weiter verlängert, bis die russische Zarin starb und der neue Zar eine 180°- Kurve flog. Mit russischer Unterstützung und Fritzens Feldherrntalent, sowie der wegen des Krieges an zwei Fronten erschöpften französischen Reserven nahm dann alles den Gang, den wir kennen.

Gruß Eillicht zu Vensre

Hallo Kim,

Was ist so schlecht an Preußen? Das man nach dem Krieg
sämtliche Adolf-Hitler-Plätze umbenannt hat, hatte ja eher
andere Ursachen.

Gruß

Irgendwie habe ich das Gefühl, meine Vermutungen werden hier
deutlich mißverstanden und ich persönlich habe auch gar nichts
gegen Preußens Glanz und Gloria

Wenn wir uns also einig sind, daß ein mehr oder weniger normaler Staat war (aber eben kein „Schurkenstaat“), warum sollte man dann als „normaler“ Mensch auf die Idee kommen den Begriff „preußisch“ auszutauschen?

Du setzt den Schwerpunkt auf das militärische (was durchaus auch seine Berechtigung hat), Preußen war aber auch lange Zeit eines der modernsten und aufgeklärtesten Länder Europas und nicht zuletzt darin liegt auch seine spätere Führungsrolle in Deutschland und Europa begründet.

Gruß

die Süddeutschen hätten ja wissen müssen, daß sie mit den Ösis
auf der Verliererstrecke sind. Selbst schuld.

Was hätten sie denn deiner Meinung nach machen sollen, wenn sie gegen eine aufgenötigte staatliche Einheit waren? Gut, vielelicht hätten sie sich mit Frankreich verbünden und einen preußisch-französischen Krieg herbeirufen können.

allerdings, immerhin hat Bismarck alle seine Schlachten
gewonnen, was man von seinen Nachfolgern nicht behaupten kann.

Gegen welche ernsthaften Gegner wurden denn während der Regierung Bismarck Schlachten geschlagen?

Preußen war aber auch lange Zeit
eines der modernsten und aufgeklärtesten Länder Europas und
nicht zuletzt darin liegt auch seine spätere Führungsrolle in
Deutschland und Europa begründet.

Führungsrollen belegen immer die wirtschaftlich und miltiärisch starken Staaten, egal ob sie modern sind oder nicht. Deshalb hatte Rußland eine mit Preußen vergleichbare Machtstellung und nicht die Niederlande.

Grüße

Ostlandreiter

Servus,

dieses:

vielleicht hätten sie sich mit Frankreich verbünden und einen
preußisch-französischen Krieg herbeirufen können.

wurde im Fall Württembergs erwogen. Schöner „Waswärewenn“-Fall: Mercedes-Peugeot ein französisches Auto aus Sindelfange?

Schöne Grüße

MM

Hallo,

das ist ja das Problem - die kleinen Hoheiten waren gegen jede staatliche Einheit. Sie wolltn die einzigen Chefs sein und bildeten sich ein, damit ernst genommen zu werden.
In Wirklichkeit waren sie doch alle nur Spielbälle der großen Politik. Dreißigjähriger Krieg, die Kriege gegen Frankreich, die napoleonischen Kriege - immer war Deutschland nur Spielball gewesen für die europäischen Mächte. Und auch 1866 haben sie doch nur auf die fremden Einflüsterer gehört - auf Österreich und Frankreich.
Daß es auch inzwischen eine nationale Volksbewegung gabe udn daß die moderne Wirtschaft ganz einfach einen einheitlichen Wirtschaftsraum forderte - das war denen doch egal.

Nur Preußen war es nicht egal. Da hatte schon der große Kurfürst nach dem 30jährigen Krieg die Schnauze voll. Denn damals mußte der zusehen, wie die Großmächte den Kuchen verteilten, nachdem er vorher mit seinem Volk die Knochen hinhalten und die Kastanien aus dem Feuer holen mußte.
Daß Österreich gegen die deutsche Einheit war - weil es ja selber Großmacht war und weil für diesen Vielvölkerstaat jeder nationale Gedanke ne bedrohung war, das ist klar. Aber bei den süddeutschen Staaten war es pure Kurzsichtigkeit und Handeln gegen die eigentlichen eigenen Interessen - hals alles leich debile Kleinfürsten.

Gernot Geyer

Hallo Gernot,

darf ich daran erinnern, daß Friedrich Wilhelm IV von Preußen am 28.04.1849 die Kaiserkrone endgültig abgelehnt hat und damit das Schicksal der Reichsverfassung vom 28.03.1849 endgültig besiegelt hat.

Wenn man hier den „tumben Fürstentümlern“ insbesondere in Baden und in Württemberg etwas vorwerfen kann, ist es Kuschen vor dem preußischen Feudalwahn, der zu diesem Zeitpunkt wenigstens 50 Jahre zu spät dran war. Dieses waren nicht die einzigen Kleinstaaten, die mit der konstitutionellen Monarchie durchaus zurechtgekommen wären.

Die Auflösung des Stuttgarter Rumpfparlamentes durch württembergische Truppen darf unter diesem Aspekt „Kuschen“ gesehen werden, während am 23.07.1849 in Rastatt doch eigentlich preußische Truppen wirklich nichts verloren hatten?

Schöne Grüße

MM

Hallo,

das war was anderes.
Der preußische König war der meinung, daß eine Kaiserkrone nicht von irgendwelchen Abgeordneten vergeben werden kann sondern ihm von den Fürsten angetragen werden muß. Wilhelm I war 1870 auch dieser meinung - Bismarck hatte echt zu tun, bis er den geistig etwas verwirrten Bayernkönig dazu bewegen konnte, Wilhelm die Krone anzubieten. Insofern ist es ja bemerkenswert, daß damals kein Wiederspruch mehr von irgendwelcher fürstlicher Seite kam.
Im Übrigen hatte Deutschland ja nach 1871 eine konstitutionelle Monarchie. Es gab ein gewähltes Parlament mit festgelegten Rechten. Genau das war vorher aber nicht der Fall - vor 1871 gab es gar nichts. Da gab es nicht mal ein Deutschland.
Um das mal festzustellen - nachdem der Habsburger 1806 die deutsche Kaiserkrone niedergelegt hatte, gab es kein Reich mehr. Und auf dem Wiener Kongreß war die volle Souveränität aller deutscher Staaten festgeschrieben wurden - jeder kleine Fürst auf seiner Klitsche war rechtlich souverän, und wenn es Heinrich LXXII. von Reuß ebersbach war mit seinen paar Dörfern.
Es gab nur einen Deutschen Bund mit Österreich als Vorsitzenden, der nur einstimmig Beschlüsse fassen konnte (also praktisch nie). Erst in den 30iger Jahren kamen die Fürsten wenigstens überein, mit dem Zollverein einen zollfreien Handel zuzulassen. Aber dabei blieb es dann auch - jeder hatte seine eigenen Gesetze, auch was Steuern, Gewerbezulassung und alles andere betraf.
Genau deshalb konnten ja die deutschen Kleinstaaten auch Kriege gegeneinander führen wie 1866 - sie waren halt souverän. Und demgegenüber konnte eigentlich alles andere nur ein Fortschritt sein.

Im Übrigen sollten gerade die Österreicher als verfechter der Selbstständigkeit mal ganz ganz still sein. Denn die haben sich ja auch an ihre zusammengerafften Länder geklammert wie sonstwas und z.B. den Tschechen und anderen jegliche Autononomie verweigert. Das große Maul hatte die nur in Deutschland, wenn es gegen Preußen ging - in ihrem eigenen Hinterhof sah das ganz anders aus.

Gernot Geyer