Servus!
was Besonderes dran ist?
Na zuerst einmal die Tatsache, daß die preußischen Herrscher
im Laufe der Zeit aus der Mark Brandenburg (da gehörte Preußen
ja nicht mal dazu) den größten Territorialstaat Deutschlands
gemacht haben, der ja dann bei der reichsgründung dominierend
war. Sie waren da sehr, sehr zielstrebig.
Kunststück: Diese verzettelten Ländereien zwishen Holland und Polen zu beherrschen, das ging in den zunehmend moderneren Zeiten nach dem 17.Jh. einfach nicht. Da brauchte es eine Landverbindung zwischen den einzelnen Ländchen. Das hat erst der olle Bismarck geschafft, der mit der Okkupation des Kgr´s Hannover die preußischen Rheinlande mit Brandenburg verband. Also, zielstrebig waren sie vielleicht, die Hohenzollern, aber lange hat´s trotzdem gedauert…
Natürlich ging das nur mit einer sehr gut funktionierenden
Verwaltung - das preußische Beamtentum war da zu seiner Zeit
sehr effektiv. Und es bedurfte einer großen und gut geführten
und ausgerüsteten Armee - Preußen hatte beides.
Von welchem Zeitpunkt redest Du hier? Die preußische Effektivität hatte nämlich mehrere Entwicklungsschübe, dazwischen ging´s immer wieder steil bergab. Der Große Kurfürst und der Alte Fritz waren die ersten, die den Mythos vom „preußischen Beamtentum und Militarismus“ aufbauten, aber schon weniger als 100 Jahre später war das Ganze wieder so marode, daß Napoleon die Preußen über den Haufen rennen konnte.
Diesmal war´s der Freiherr vom und zum Stein, der den Staat auf Vordermann brachte.
Danach segelte man aber wieder auf der ganz konservativen Linie - das System verknöcherte wieder mal.
50 Jahre nach Stein war´s Bismarck (zwar konservativ, aber weitsichtig), der den Mythos neu belebte, bis dann der engstirnige Willi II das Ganze wieder in den Graben fuhr.
Wobei: Auch Willi I war ja ganz Militarist, aber eben nicht von der weitsichtigen Sorte. Zumindest ließ sich der aber belehren.
*seufz* hätte mal Friedrich III. noch ne Zeitlang gelebt…
Dazu kommen noch ein paar Punkte als Nebeneffekte. So hat der
Soldatenkönig, den die Unwissenheit seiner Soldaten nervte,
als erster weltweit eine allgemeine Schulpflicht eingeführt.
Der wollte ganz einfach das Potential seiner Leute besser ausschöpfen können. Ein Gedanke des Merkantilismus. Dem Soldatenkönig gingen die fähigen Beamten aus, mit denen er sein Land auf Vordermann bringen konnte. Anstatt mühsam Unis aufzubauen und Fremde einzukaufen, baute er als Basis ein Schulsystem auf, um ein Reservoir an Lese- und Schreibefähigen zu haben und daraus auswählen zu können.
Preußen war auch das erste Land, das die Leibeigenschaft
abschaffte. Und es war tolererant genug, dem Glauben der
Untertanen als privatsache zu betrachten. Daher konnte Preußen
sowohl die Hugenotten aus Frankreich als auch die salzburger
Protestanten aufnehmen, die in ihren Ländern verfolgt wurden.
Der Alte Fritz erkannte lediglich, das handwerkliches und wirtschaftliches Geschick nicht an Religionszugehörigkeit gebunden ist. Als der mit religiösen Scheuklappen behaftete französische König die Hugenotten vertrieb, um einen unliebsamen Machtfaktor in seinem Reich auszuschalten, griff Friedrich zu und brachte so nebenbei seine Wirtschaft zum Florieren. Die Salzburger Protestanten brachten ihm dann den Oderbruch und die neuen polnischen/schlesischen Gebiete auf Vordermann.
Und es war friedrich der Große, der als erster eine Art
Pressefreiheit verkündete.
„So eine Art“, ja. Aber auch er unterband, was ihm nicht so wirklich gefiel…
Nicht zuletzt hatte Preußen dann im richtigen Moment einen
Bismarck. Der nämlich sah ein wenig über den Tellerrand seines
Preußens hinaus und erkannte, daß die Einheit Deutschlands auf
der Tagesordnung stand - und er hat sie durchgesetzt. Und wie
er das gemacht hat, das war wirklich genial.
Unbestritten.
VG
Christian