Hallo,
Ich nehme an, ihr sollt ne Debatte oder sowas führen?
Lass uns führen
- Berufsarmee nicht günstiger als Bundeswehr
nicht haltbar. Zum einen haben wir de facto sowieso eine Form
der Berufsarmee („Zeitsoldaten“) und ausserdem kannst du dies
nicht beweisen.
Doch. zumindest teilweise.
Grundwehrdienstleistender:
Sold 453 DM
Anteil Entlassungsgeld 150 DM
bes. Zuwendungen 38 DM
Unterkunft 400 DM
Verpflegung 195 DM
freie Heilfürsorge 290 DM
Personalkosten per Monat: 1526 DM
bei ca. 112.000 GWDL: 170.912.000 DM per Monat
Freiwilligenarmee, Bezahlung nach Besoldungsgruppe A5
Grundgehalt 2935 DM
Unterkunft 400 DM
bes. Zuwendung 246 DM
freie Heilfürsorge 290 DM
VWL 13 DM
Personalkosten per Monat 3902 DM
bei ca. 56.000 Freiwilligen 218.512.000 DM per Monat
- Wer Rechte hat, hat auch Pflichten
Das musst Du näher erläutern.
Du hast z. B. das Recht auf einen Kindergartenplatz, das Recht auf freie Schul- und Hochschulausbildung.
- Die Bundeswehr ist eine Friedensarmee, sie muss bei
Krieg, bzw. Konflikten zusammen mit der UN oder NATO
eingreifen können
Und das kann eine Berufarmee nicht?
Stimmt, das ist sicher kein Argument für eine Wehrpflichtarmee.
Im übrigen ist „Friedensarmee“ ein ziemliches Paradoxon, aber
das ist ne andere Baustelle…
Naja, die eigentliche Aufgabe der BW war ja die Friedenssicherung in der BRD. Das das Ganze durch den Yugoslawien-Einsatz leicht ad absurdum geführt wurde, steht auf einem anderen Blatt. Und es gibt da noch den leider durch die Geschichte immer wieder bewiesenen Satz: „Jedes Land hat eine Armee - entweder eine eigene oder eine fremde“.
- Bundeswehr trägt zur inneren Einheit Deutschlands bei
Auch das müsstest Du genauer erläutern.
Ob sie zur inneren Einheit beiträgt? Zumindest zwingt die BW dazu, mit Menschen aus jeder Ecke Deutschlands, aus jeder sozialen Schicht, aus jedem Bildungsniveau klarzukommen.
- Man muss auch das eigene Land verteidigen können, falls es
zu einem Krieg kommen sollte
ok.
Andererseits kann man das Land auch mit einer Berufsarmee
verteidigen. Reservisten sind schliesslich meist das letzte
Aufgebot.
Sollte es tatsächlich zu einem Verteidigungsfall kommen (was aber gottseidank fast nicht mehr vorstellbar ist), kann man ein Land wie Deutschland sicher nicht mit ein paar tausend Berufssoldaten verteidigen. In dem Fall dürften sich - egal, welche Form von Bundeswehr gerade besteht - rund 21 Mio. Männer im „wehrfähigen Alter“ recht kurzfristig auf eine militärische Kariere freuen…
Die Reservisten sind übrigens nicht das letzte, sondern so ziemlich das erste Aufgebot, gleich nach den gerade im Dienst stehenden.
- Bevölkerung muss lernen, mit Waffen umzugehen
Wofür muss sie das lernen?
Muss sie nicht. Aber - man glaubt es kaum - ich fand´s amüsant.
- Hilfe bei Notsituation oder Katastrophen, z.B. Hochwasser
Wofür gibt es denn Feuerwehr und technisches Hilfswerk? Statt
Milliarden in eine Armee zu investieren könnte man diese
Dienste ausbauen und besser präparieren.
Dann müsste man sowohl Feuerwehr als auch THW als reine Berufsorganisationen einrichten - oder eine Dienstpflicht in diesen Organisationen einführen. Die Frage ist, ob es wirtschaftlich sinnvoll ist, z. B. das THW mit schwerstem Bergegerät, Transportflugzeugen, Hubschraubern etc. auszustatten? Der Vorteil der BW liegt meiner Meinung nach darin, dass sie eben über solches Gerät verfügen, damit umgehen können und im Zweifelsfall schnell mit einer grossen Menge Menschen präsent sein können.
Ich würde mich darauf beschränken, zu betonen, dass eine
Wehrdienstabhängige Armee zu einer Verwurzleung der Armee im
Volk führt. Eine reine Söldnertruppe kann im Zweifelsfalle
gegen das eigene Volk eingesetzt werden; die Verfassungstreue
einer Berufsarmee mag weniger stark sein.
Das dürfte das wichtigste Argument sein, warum man sich auch bei der Wiederbewaffung der BRD für eine Wehrpflichtarmee entschieden hat. Die Erfahrungen mit den Berufs-Soldaten der Kaiserzeit und des 3. Reiches dürften wohl genügt haben.
Schickt man Söldner, die sich ihren Beruf sehr genau
ausgesucht haben, in eine Schlacht muss man weniger Angst vor
Verlusten haben, da Verwandte möglicherweise weniger Interesse
am Schutz der Soldaten haben als bei Freiwilligen.
Eine solche Truppe könnte also wesentlich schneller udn
skrupelloser zum „Krisenmanagement“ auf der ganzen Welt
eingesetzt werden.
Darin liegt meiner Meinung nach auch eine besondere Gefahr. Mit einer Berufsarmee, die ihren Beruf schliesslich auch ausüben will, ist es halt wesentlich leichter, sich auf militärische Abenteuer einzulassen und manche Situationen erst eskalieren zu lassen.
Wenn man die Wehrpflicht abschafft, müsste als logische Konsequenz auch der Zivildienst abgeschafft werden - mit unabsehbaren Folgen für die Wirtschaft und das Sozialsystem.
Die Wehrpflicht sichert einen guten Teil des Nachwuchses an Zeit- und Berufssoldaten, die sonst wahrscheinlich nie zum Militär gekommen wären.
Nicht ganz ernst gemeint:
Die Wehrpflicht bietet so ziemlich die letzte Gelegenheit, sich hemmungslos danebenzubenehmen, ausgiebig Räuber und Schandi zu spielen.
Wieder etwas ernster:
Die Wehrpflicht ermöglicht Erfahrungen, die man sonst nie oder nur mit grossem Geldaufwand gemacht hätte. Wann sonst kann man z. B. kostenlos Fallschirm springen, mit Hubschraubern durch die Gegend fliegen, den LKW-Führerschein machen, eine umfassende Sanitätsausbildung bekommen, Schiessen lernen usw.?
Und noch was: beim Bund sind viele das erste Mal weg von Daheim, lernen, mit anderen Menschen umzugehen, müssen das erste Mal wirklich Verantwortung für sich und andere übernehmen, mit ungewohnten Situationen fertigzuwerden, Menschen zu führen.
Man merkt vieleicht - ich war beim Bund. Allerdings damals mit einer völlig profanen Erklärung: Ich habe den Dienst gewählt, der mich am wenigsten Zeit gekostet hat. Während der Dienstzeit habe ich aber viele Ansichten revidiert und möchte im Nachhinein diese Zeit auf keinen Fall missen.
Gruss
Peter