Problem Ostdeutschland

Hallo,

zum Problem der grossen Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland, hat sich der Altkanzler Helmut Schmidt dahingegend geäussert, dass durch die Überregulierung in Deuschland, ein Ungleichgefälle zwischen beiden Teilen Deutschlands entstanden wäre.

In Ostdeutschland wären die Klein- und Mittelständischen Betriebe unterrepräsentiert, weil sich die Leute dort nicht zutrauen würden, sich selbstständig zu machen, da sie vor der Gesetzgebung kapitulieren würden, bzw. zu wenig Ahnung von betriebswirtschaftlichen Kenntnissen hätten.

In Westdeutschland wäre man mit dieser Gesetzgebung (auf)gewachsen und darum gäbe es dort mehr Menschen, die sich zutrauen würden einen Klein- oder Mittelständischen Betrieb zu eröffnen und erfolgreich zu führen.

So in etwa habe ich den Herrn Schmidt verstanden.

Das scheint mir plausibel zu sein.

Das würde doch aber bedeuten, dass man verstärkt in die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse, bzw. in die Aus- und Weiterbildung von potentiellen Führungskräften in Ostdeutschland investieren müsste um dort mehr Menschen aus der Arbeitslosigkeit zu führen.

Oder sehe ich da etwas völlig falsch?

Gruß
karin

Hallo Karin,

In Ostdeutschland wären die Klein- und Mittelständischen
Betriebe unterrepräsentiert, weil sich die Leute dort nicht
zutrauen würden, sich selbstständig zu machen, da sie vor der
Gesetzgebung kapitulieren würden, bzw. zu wenig Ahnung von
betriebswirtschaftlichen Kenntnissen hätten.

naja, das ist vielleicht ein Grund. Ein anderer ist, daß mit der Subventionspolitik der frühen 90er Jahre Großunternehmen der Markteinstieg in Ostdeutschland übermäßig versüßt worden ist, so daß die kleinen und mittleren Unternehmen - so sie denn nicht ohnehin schon von der treuhand plattgemacht worden waren - keine Überlebenschance hatten.

Hinzu kommt, daß die Nachfrage nach den vermeintlich minderwertigen ostdeutschen Produkten zunächst in den Keller ging, weil man sich die coolen Westgüter kaufen wollte.

Die logische Folge war, daß die ostdeutsche Wirtschaft den Bach runterging mit den entsprechenden Folgen für die Kaufkraft vor Ort. Vor diesem Hintergrund - unabhängig von der An- oder Abwesenheit von Wagemut und betriebswirtschaftlichen know-how - ist klar, sind Existenzgründungen nicht wirklich naheliegend.

Die Idee der konsequenten Ausbildung ist keine schlechte, scheitert aber an der gelebten Perspektivlosigkeit und der Skepsis in Bezug auf unser Wirtschaftssystem (was man beides hier ja auch immer wieder schon lesen kann).

Der Hauptrund ist m.E. aber trotzdem, daß es sich einfach nicht lohnt, in einem schwachen wirtschaftlichen Umfeld großartig Existenzgründungspläne zu schmieden. Wo kein Geld ist, kann man auch schlecht verkaufen.

Gruß,
Christian

Hallo Christian,

Hinzu kommt, daß die Nachfrage nach den vermeintlich
minderwertigen ostdeutschen Produkten zunächst in den Keller
ging, weil man sich die coolen Westgüter kaufen wollte.

Rotkäppchensekt ist schwer im kommen - habe ich irgendwo gelesen :wink:

Die Idee der konsequenten Ausbildung ist keine schlechte,
scheitert aber an der gelebten Perspektivlosigkeit und der
Skepsis in Bezug auf unser Wirtschaftssystem (was man beides
hier ja auch immer wieder schon lesen kann).

Hier wäre ja vielleicht auch ein Hebel, den man ansetzen könnte - Motivation, Aufklärung.

Der Hauptrund ist m.E. aber trotzdem, daß es sich einfach
nicht lohnt, in einem schwachen wirtschaftlichen Umfeld
großartig Existenzgründungspläne zu schmieden.

Aber vielleicht kleinartige Existenzgründungspläne verstärkt zu unterstützen, ich denke da an kleine Handwerksbetriebe.
Wenn mir in Ostdeutschland Ziegel vom Einfamilienhausdach fallen, wende ich mich doch an einen Betrieb in der Nähe und nicht an einen weiter entfernten westdeutschen Anbieter.

Gab es eigentlich einmal eine Lex-Ostdeutschland, in der die Banken verstärkt angehalten wurden, ostdeutschen Kleinbetrieben bevorzugt Kredite zu gewähren?

Wo kein Geld
ist, kann man auch schlecht verkaufen.

Für bestimmte Dinge muss man aber trotzdem Geld ausgeben.

Welche Firmen haben von der grossen Flut in Ostdeutschland profitiert?

Gruß
karin

Hallo nochmal,

Hinzu kommt, daß die Nachfrage nach den vermeintlich
minderwertigen ostdeutschen Produkten zunächst in den Keller
ging, weil man sich die coolen Westgüter kaufen wollte.

Rotkäppchensekt ist schwer im kommen - habe ich irgendwo
gelesen :wink:

stimmt und nicht erst, seit sie eine der führenden Marken Westdeutschlands gekauft haben (Mumm). Aber die „Ostalgie-Welle“ gibt es ja erst seit ein paar Jahren. Anfang der 90er ging die Nachfrage nach ostdeutschen Produkten schlagartig in den Keller.

Die Idee der konsequenten Ausbildung ist keine schlechte,
scheitert aber an der gelebten Perspektivlosigkeit und der
Skepsis in Bezug auf unser Wirtschaftssystem (was man beides
hier ja auch immer wieder schon lesen kann).

Hier wäre ja vielleicht auch ein Hebel, den man ansetzen
könnte - Motivation, Aufklärung.

Tja, Du kannst hier ja live miterleben, inwieweit sich Aufklärung durchsetzt.

Der Hauptrund ist m.E. aber trotzdem, daß es sich einfach
nicht lohnt, in einem schwachen wirtschaftlichen Umfeld
großartig Existenzgründungspläne zu schmieden.

Aber vielleicht kleinartige Existenzgründungspläne verstärkt
zu unterstützen, ich denke da an kleine Handwerksbetriebe.
Wenn mir in Ostdeutschland Ziegel vom Einfamilienhausdach
fallen, wende ich mich doch an einen Betrieb in der Nähe und
nicht an einen weiter entfernten westdeutschen Anbieter.

Das ist schon richtig. In Deinem Beispiel kommt zusätzlich ein Problem zum Tragen, was die Regierung ebenfalls aufgrund ihrer Subventionspolitik zu verantworten hat: Die Förderung von Immobilien in Ostdeutschland. Aufgrund des darauf zurückzuführenden Immobilienbooms kam es Anfang der 90er zu einem Aufbau von unglaublichen Überkapazitäten am Bau, an denen die ganze Branche heute noch zu knabbern hat.

Gab es eigentlich einmal eine Lex-Ostdeutschland, in der die
Banken verstärkt angehalten wurden, ostdeutschen
Kleinbetrieben bevorzugt Kredite zu gewähren?

Nein. Viele Banken haben sich aber freiwillig am Goldrausch Ostdeutschland beteiligt, was viele inzwischen bitter bereuen. In der Boomphase wollte halt jeder dabei sein, ohne Rücksicht auf Verluste, die sich inzwischen aber massig eingestellt haben.

Wo kein Geld
ist, kann man auch schlecht verkaufen.

Für bestimmte Dinge muss man aber trotzdem Geld ausgeben.

Ja, aber das reicht halt nicht für den Aufbau einer gesunden Struktur.

Welche Firmen haben von der grossen Flut in Ostdeutschland
profitiert?

Vor allem die großen Unternehmen aus dem Westen. Die Sache war einfach: Gib Du mir Subventionen und ich bau da ein Werk/ein Einkaufszentrum auf die grüne Wiese. Die Folge waren sterbende Innenstädte und ein verkümmernder Mittelstand. All dies geschah wegen des unbedigten Zwanges, nach Kohls denkwürdiger „blühende Landschaften“-Rede.

Daran, ob es sinnvoll ist, zwischen marode Mittelständler High-Tech-Werke zu bauen, hat man damals nicht gedacht. Hinzu kommt, daß diese High-tech-Werke nur einen minimalen Teil der Arbeitsplätze neu schafften, die sie vernichteten.

Der Treuhand war es damals wichtiger, die paar großen Ost-Kombinate zu verticken, als die Massen an kleinen und mittleren Betrieben am Leben zu erhalten. Als die großen Läden verkauft waren, hat man sich daran gemacht, die kleinen und mittleren im Schnellverfahren per Stillegung oder Verkauf an windige Investoren auf der Jagd nach Millioneninvestitionen zu „sanieren“.

Genauer: Es gab sogar Prämien für die Treuhandniederlassungen, die die Privatisierung besonders schnell hinbekamen. Wie die Privatisierung stattfand und mit welchem Erfolg im Hinblick auf die Arbeitsplätze, spielte damals keine Rolle. Hauptsache, die Läden waren aus den Büchern.

Leider ist eines der besten Bücher zu dem Thema nicht mehr Handel. Andere Anbieter gibt es noch:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3880223416/qid…

Gruß,
Christian

Hallo Karin,
auf die Gefahr hin, von EXC zerfetzt zu werden. …

In Ostdeutschland wären die Klein- und Mittelständischen
Betriebe unterrepräsentiert, weil sich die Leute dort nicht
zutrauen würden, sich selbstständig zu machen, da sie vor der
Gesetzgebung kapitulieren würden, bzw. zu wenig Ahnung von
betriebswirtschaftlichen Kenntnissen hätten.

Das ist sicher nur zum Teil richtig. Es gibt ja Mittelständische Betriebe, mit denen Existenzgründer konkurrieren müßten.
Duch die Politik der DDR kann kein einheimischer Handwerker ausreichend viel Startkapital haben, einen solchen Betrieb zu gründen. Selbst bei gutem Willen der Banken, (an den Niemand glaubt) scheitert es schon an den mindestens erforderlichen 15% - 20%, die er selbst aufbringen müßte. Es ist einfach kein Kapital vorhanden, das investiert werden könnte. Mit wollen, trauen und Kenntnissen hat das nichts zu tun. Die Kenntnisse könnte man erwerben, wenn das nötige Kleingeld z.B. für einen Meisterbrief vorhanden wäre. Ein Sozialhilfeempfänger kann aber auch diese Ausbildung nicht bezahlen. Wovon soll er dann eine Firma gründen?

In Westdeutschland wäre man mit dieser Gesetzgebung
(auf)gewachsen und darum gäbe es dort mehr Menschen, die sich
zutrauen würden einen Klein- oder Mittelständischen Betrieb zu
eröffnen und erfolgreich zu führen.

Ohne Kapital geht das auch hier nicht.

So in etwa habe ich den Herrn Schmidt verstanden.

Ich hoffe, Du hast ihn falsch verstanden. Daß er das fehlende kapital übersehen oder ignoriert hat, will ich nicht hoffen. Dafür halte ich ihn für zu intelligent und kompetent.

Das würde doch aber bedeuten, dass man verstärkt in die
betriebswirtschaftlichen Kenntnisse, bzw. in die Aus- und
Weiterbildung von potentiellen Führungskräften in
Ostdeutschland investieren müsste um dort mehr Menschen aus
der Arbeitslosigkeit zu führen.

Oder sehe ich da etwas völlig falsch?

Nach meiner Meinung teilweise, nicht völlig.
Natürlich gehört auch eine Menge know how dazu, aber allein wird es nicht reichen. Kapital ist auch nötig und das fehlt völlig.

Mit 'nem Schraubenzieher eine Elektrikerwerkstatt gründen ging, als im Umfeld niemand mehr hatte. Heute geht das nicht mehr.

cu Rainer

auf die Gefahr hin, von EXC zerfetzt zu werden. …

:wink:)) EXC = der Executor :wink:))

Das ist sicher nur zum Teil richtig. Es gibt ja
Mittelständische Betriebe, mit denen Existenzgründer
konkurrieren müßten.
Duch die Politik der DDR kann kein einheimischer Handwerker
ausreichend viel Startkapital haben, einen solchen Betrieb zu
gründen. Selbst bei gutem Willen der Banken, (an den Niemand
glaubt) scheitert es schon an den mindestens erforderlichen
15% - 20%, die er selbst aufbringen müßte. Es ist einfach kein
Kapital vorhanden, das investiert werden könnte. Mit wollen,
trauen und Kenntnissen hat das nichts zu tun. Die Kenntnisse
könnte man erwerben, wenn das nötige Kleingeld z.B. für einen
Meisterbrief vorhanden wäre. Ein Sozialhilfeempfänger kann
aber auch diese Ausbildung nicht bezahlen. Wovon soll er dann
eine Firma gründen?

ACK, obwohl zur Zeit der Wiedervereinigung 90-92 relativ einfach an Geld zu kommen war als ehemaliger DDR Bürger. Aber Kapital ist das eine, marktwirtschaftliches Know How und Kenntnis der Marktmechanismen das andere. Un ddie war nicht vorhanden udn sind es auch heute nicht, was sicher der Grudn seinwird, das mindestens 60% der heute vorhanden „ICH AG´S“ in 3 Jahren nicht mehr existieren
werden.

In Westdeutschland wäre man mit dieser Gesetzgebung
(auf)gewachsen und darum gäbe es dort mehr Menschen, die sich
zutrauen würden einen Klein- oder Mittelständischen Betrieb zu
eröffnen und erfolgreich zu führen.

Nur weil man ein Wessi war hiess das nicht, das man relevantes Wissen mit dem Suppenlöffel gefuttert hat. neben den o.a. Vorraussetzungen sollte man noch etwas haben: Führungs- und Vertriebsqualitäten.

So in etwa habe ich den Herrn Schmidt verstanden.

Ich hoffe, Du hast ihn falsch verstanden. Daß er das fehlende
kapital übersehen oder ignoriert hat, will ich nicht hoffen.
Dafür halte ich ihn für zu intelligent und kompetent.

Hat sie falsch verstanden, wenn sie das Interview bei Maischberger meint. Hat er so nicht gesagt.

Das würde doch aber bedeuten, dass man verstärkt in die
betriebswirtschaftlichen Kenntnisse, bzw. in die Aus- und
Weiterbildung von potentiellen Führungskräften in
Ostdeutschland investieren müsste um dort mehr Menschen aus
der Arbeitslosigkeit zu führen.

Oder sehe ich da etwas völlig falsch?

ja und nein, Wissen ist das eine , ist aber nix ohne Kapital. Und Kapital bekommt man in D. nicht für eine Idee (leider), man bekommt es nur wenn man Kapital hat.

Ist nunmal so: „Der Teufel sch… immer auf den dicksten Haufen“

cu Rainer

Hi Rainer,

was macht das „gelobte“ Land? Hast du Mail bekommen??

Cu
Lone

Ein Sozialhilfeempfänger kann
aber auch diese Ausbildung nicht bezahlen. Wovon soll er dann
eine Firma gründen?

Hallo Rainer,

das ist relativ einfach. Anleitungen hier:

http://www.arbeitsamt.de/bielefeld/inhalt/arbeitnehm…

Das Problem bleibt Motiavation und Kenntnisse. Ich muss Karin zu 100 % Recht geben.

Gruss,
Klaus

Hallo,

auf die Gefahr hin, von EXC zerfetzt zu werden. …

achwas, wieso denn?

15% - 20%, die er selbst aufbringen müßte. Es ist einfach kein
Kapital vorhanden, das investiert werden könnte.

die von mir angeführten Probleme bei der Nachfrage sind natürlich auch nur ein Aspekt, genauso wie Motivation und Kenntnisse jeweils einer sind. Kapitalmangel ist natürlich auch einer, aber eben nur einer von mehreren, die letzten Endes aber alle auch irgendwie zusammenhängen.

Wie soll man sich in einer Gegend motivieren, in der die jungen Menschen nach und nach wegziehen, der ein nicht unwesentlicher Teil der Bekanntschaft arbeitslos ist, alteingesessene Geschäfte durch Neubeuten auf der grünen Wiese erdrückt werden und so ein Klima entsteht, das nun wahrlich nicht zur Existenzgründung einlädt.

Logisch ist dabei natürlich auch, daß die Banken und andere Kapitalgeber angesichts der Pleitewelle insbesondere im Osten und insbesondere bei den kleinen und mittleren Unternehmen und insbesondere bei den jungen Unternehmen und vor dem Hintergrund der Situation bei den Nachfragern im Osten ihr Geld nicht kübelweise und kritiklos unter das Volk kippen.

Ich habe es 1989 schon gesagt, als wir im Geschichtsunterschied über den Mauerfall und eine mögliche Wiedervereinigung diskutierten: Der Osten wird 30 Jahre um zehn Prozentpunkte stärker wachsen müssen als der Westen, um die gleiche Wirtschaftskraft zu erlangen.

Da hatte ich dummerweise zwei Dinge nicht einkalkuliert: Die Dummheit der Politik und eine andere Sache, die wir hier aber nicht zu diskutieren brauchen. Insofern revidiere ich meine Aussage aus 1989 und sage: Ich werde es nicht mehr erleben, daß wir in wirtschaftlicher Hinsicht den Gleichstand zwischen Ost und West erreichen.

Gruß,
Christian

Hallo,

das ist relativ einfach. Anleitungen hier:

Das Problem bleibt Motiavation und Kenntnisse. Ich muss Karin
zu 100 % Recht geben.

Ich scheine wirklich 'ne neue Brille zu brauchen, denn ich lese da ‚ab 01.01.2003‘ und für ein mittelständisches Unternehmen wir das wohl auch nicht reichen. Oder verstehe ich den Begriff ‚mittelständisches Unternehmen‘ falsch? Für mich waren das bisher u.a. Handwerksbetriebe mit mehreren Mitarbeitern. Ein-Mann Unternehmen ohne Kapital, ausschließlich mit viel Mut und ohne Chancen habe ich da noch nie zugezählt. War wohl ein Fehler. :wink: Na gut, dann hat ein Freund von mir gerade ein solches Unternehmen gegründet. In Ostberlin übrigens. :wink: Daß nichts passiert, stimmt also nicht, aber ein Mittelständisches unternehmen ohne Kapital gründen? … Eine Werkstatt einrichten, Maschinen kaufen. … Wie soll das ohne Geld gehen? Ne ICH AG reicht da wohl eher nicht.

cu Rainer

Hallo Christian,

die von mir angeführten Probleme bei der Nachfrage sind
natürlich auch nur ein Aspekt, genauso wie Motivation und
Kenntnisse jeweils einer sind. Kapitalmangel ist natürlich
auch einer, aber eben nur einer von mehreren, die letzten
Endes aber alle auch irgendwie zusammenhängen.

So hatte ich das auch gemeint. Vermutlich kenne ich weider nur die falschen Leute.
Beispiele;
Mein Bruder hat nach der Wende ein Kino in eine Diskothek umgebaut. Wegen Kapitalmangel einen ‚Investor‘ mit ‚ins Boot‘ genommen … der den Laden systematisch abgezockt hat. Der Bau wurde später abgerissen.
Ein Freund hat eine der vielen Videotheken eröffnet … und konnte nicht gegen die Dumpingpreise der Konkurrenz bestehen.
Ein anderer Freund in Ostberlin hat kürzlich eine ‚ICH AG‘ gegründet … Von der angesprochenen fehlenden Motivation kann ich da nichts erkennen.

Wie soll man sich in einer Gegend motivieren, in der die
jungen Menschen nach und nach wegziehen, der ein nicht
unwesentlicher Teil der Bekanntschaft arbeitslos ist,
alteingesessene Geschäfte durch Neubeuten auf der grünen Wiese
erdrückt werden und so ein Klima entsteht, das nun wahrlich
nicht zur Existenzgründung einlädt.

Da hast Du wohl Recht. In solchen Gegenden kenne ich niemanden, da bin ich auf die Informationen u.a. durch w-w-w angewiesen.

Logisch ist dabei natürlich auch, daß die Banken und andere
Kapitalgeber angesichts der Pleitewelle insbesondere im Osten
und insbesondere bei den kleinen und mittleren Unternehmen und
insbesondere bei den jungen Unternehmen und vor dem
Hintergrund der Situation bei den Nachfragern im Osten ihr
Geld nicht kübelweise und kritiklos unter das Volk kippen.

Das ist absolut verständlich. Den Banken mache ich persönlich auch keine Vorwürfe, die sollen gefälligst auf das Geld ihrer Kunden aufpassen und es nicht ‚verschenken‘. Die Fehler hat die Treuhand gemacht.

Ich habe es 1989 schon gesagt, als wir im
Geschichtsunterschied über den Mauerfall und eine mögliche
Wiedervereinigung diskutierten: Der Osten wird 30 Jahre um
zehn Prozentpunkte stärker wachsen müssen als der Westen, um
die gleiche Wirtschaftskraft zu erlangen.

Da hatte ich dummerweise zwei Dinge nicht einkalkuliert: Die
Dummheit der Politik und eine andere Sache, die wir hier aber
nicht zu diskutieren brauchen. Insofern revidiere ich meine
Aussage aus 1989 und sage: Ich werde es nicht mehr erleben,
daß wir in wirtschaftlicher Hinsicht den Gleichstand zwischen
Ost und West erreichen.

Ja, vermutlich waren Deine 30 Jahre etwas zu optimistisch. Da wird wohl eines schönen fernen Tages auf ‚Brachland‘ etwas neues entstehen.

cu Rainer

der grosse Sprung
Hallo,

In Ostdeutschland wären die Klein- und Mittelständischen
Betriebe unterrepräsentiert, weil sich die Leute dort nicht
zutrauen würden, sich selbstständig zu machen, da sie vor der
Gesetzgebung kapitulieren würden, bzw. zu wenig Ahnung von
betriebswirtschaftlichen Kenntnissen hätten.

Sei sind unterepräsentiert, weil sie 40 Jahre unterdrückt wurden. Alles was mehr als eine Werkstatt hatte, war staatlich (ein paar Ausnahmene wie Ardenne oder der ein oder andere Kleinbetrieb mit 50 Mann gab es natürlich). 1989 dürfte es in Ostdeutschland wqhrscheinlich genausoviel 50+Mann-Betriebe gegeben haben wie allein in Stuttgart (wenn nicht in S mehr).

Die nächste Sache ist, dass im Osten kein Kapital gebildet werden konnte. So waren Miethäuser ersten keine Kapitalanlage, da die Mieten bei ca. 25 Ost-Mark je 65 m2 lagen bei Handwerkerpreisen von 2000 Ostmark je 80 m2-Dachfläche zzgl. das Päckchen Westkaffee etc. beim ‚Versorgen‘ des Materials. Zweitens war auch Immobilienbesitz ausserhalb von Selbst(mit)nutzung (im Sinne von Geldanlage) verpönt.

Schau Dir mal die Statistiken zum durchschnittlichen Vermögen an. Es liegt m.W. bei ca. 250 TEUR.
Da kommen nur die wenigsten Ostdeutschen (Stichtag 01.07.90) mit, bei Löhnen von 700 Ostmark und überteuerten Konsumprodukten (Trabbi neu 12.000 Ostmark, Lada ca. 25 TOstM, 3 Jahre gebraucht und gut gepflegt: + 50 %), Sprit 1,50 OMark etc. pp.

In Westdeutschland wäre man mit dieser Gesetzgebung
(auf)gewachsen und darum gäbe es dort mehr Menschen, die sich
zutrauen würden einen Klein- oder Mittelständischen Betrieb zu
eröffnen und erfolgreich zu führen.

Dies stimmt auf jeden Fall.

Dazu kommt die fehlende lokale Abnehmerschaft/industrielle Netzwerke.
Das Bau-/Nebengewerbe boomt. Sehr viele sind bundesweit und international auf Montage. Auch sonstige Dienstleistungen (Sicherheitsgewerbe: Bewachung Münchener Olympiastadion) und Handel sind relativ stark vertreten.
In Bezug auf Industrie scheint sich im Dreick Halle-Dresden-Zwickau langsam etwas entsprechendes zu entickeln. Durch massive Förderungen stehen hier Leuchttürme in den Branchen Chemie, Automobilbau und Mikroelektronik, welche internationale Lieferanten und lokale Zulieferern Andockpunkte liefern. Die bislang guten Unis waren sicher nicht von Nachteil.

Falls Du mal eine Gegend ausserhalb dieses Boomdreiecks erleben möchtest, dann lad ich Dich herzlich in den Spielzeugwinkel (http://www.seiffen.de im Erzgebirge) ein.

Tschuess Marco.

Ich scheine wirklich 'ne neue Brille zu brauchen, denn ich
lese da ‚ab 01.01.2003‘ und für ein mittelständisches
Unternehmen wir das wohl auch nicht reichen. Oder verstehe ich
den Begriff ‚mittelständisches Unternehmen‘ falsch?

Du hast von einem Sozialhilfeempfänger gesprochen, der kein Geld für eine Ausbildung oder eine Existenzgründung hat. Ich habe eine Möglichkeit angeführt, die das Arbeitsamt bietet. Hier gibt es Geld und Beratung. Auf dem Weg zum mittelständischen Unternehmen muss man vielleicht den einen oder anderen Umweg gehen. Die „Ich-AG“ wäre eine solche Möglichkeit, um den eigenen Arsch in die Hände zu nehmen.

Eine Werkstatt einrichten, Maschinen kaufen. …
Wie soll das ohne Geld gehen? Ne ICH AG reicht da wohl eher
nicht.

Wer sagt denn, dass man Maschinen und eine Werkstatt braucht? Das Potenzial für neue Beschäftigung liegt sowieso eher im Dienstleistungsbereich. Ich hätte ein paar Geschäftsideen. Im Trend liegt zB eine Ebay-Agentur. Den Erfolg kann niemand garantieren. Aber es gibt Möglichkeiten zur Förderung, die man eben nutzen sollte. Auch im Osten!

Gruss,
Klaus

Dann denke ich an das Festhalten an den Meisterbrief seitens
der Handwerkskammern nur mit dem eine Existenzgründung möglich
wird.

Mein Kenntnisstand ist, daß der " Meisterbriefzwang" in sehr vielen Gewerken weggefallen ist, und sich nun auch Gesellen mit nachweisbahrer Berufserfahrung ( ich meine 4 Jahre ? ) , selbständig machen können. Ansich eine gute Sache. Könnte man meinen. Nur:

  1. wird es viele Gesellen geben, die ihren Betrieb verlassen
  2. werden sie in den Wettbewerb zu ihren ehamligen Firmen treten
  3. wird das nicht nur zu Lasten der Qualität gehen, sondern es wird
    eine Preistreiberei nach unten beginnen, da
  4. die zu vergebenen Aufträge aus der Privatwirtschaft und der öffen-
    lichen Hand durch diese Gesetzesänderung auch nicht mehr werden.

TOM

Hallo Karin,

In Ostdeutschland wären die Klein- und Mittelständischen
Betriebe unterrepräsentiert, weil sich die Leute dort nicht
zutrauen würden, sich selbstständig zu machen, da sie vor der
Gesetzgebung kapitulieren würden, bzw. zu wenig Ahnung von
betriebswirtschaftlichen Kenntnissen hätten.

Entgegen anderer Postings - das stimmt so nicht, siehe dazu das Buch „Betriebsgründungen in Ostdeutschland“ von Thomas Hinz, edition sigma, Reihe „Sozialwissenschaftliche Arbeitsmarktforschung“ (ist eine überarbeitete Dissertation). Ich habe an einer Folgestudie mitgearbeitet und kann - zumindest für die Region Leipzig - die Aussage nicht bestätigen.

Es gab und gibt eine „Gründerwelle“ in Ostdeutschland. Am fehlenden Zutrauen liegt es nicht. Die Gesetzgebung und teilweise mangelnden Erfahrungen wirken sich allerdings so aus, dass viele gegründeten Unternehmen nicht lange bestehen bleiben. So herum wird ein Schuh draus.

Zitat Hinz:
„Trotz der großen Dynamik des ostdeutschen Gründungsgeschehens kann man bezweifeln, ob das bisherige Gründungsgeschehen als ein Zeichen ökonomischen Aufschwungs zu deuten ist. So steht den sehr hohen Anmeldezahlen mittlerweile auch eine Abmeldewelle gegenüber. Die neuen Betriebe sind durch eine Reihe von Problemen in ihrer Entwicklung behindert: Unsicherheiten bei Eigentumstiteln, mangelnde Erfahrungen der Selbstständigen mit den marktwirtschaftlichen Institutionen, eine anfangs schleppende Arbeit der Behörden und eine oft ungenügende Infrastruktur. Wie erfolgreich sich die ostdeutschen Betriebsgündungen angesichts dieser Sachlage etablieren können, ist heute noch eine offene Frage.“

Die Studie basiert auf einer Befragung von 4162 Betriebsgründungen in der Region Leipzig.

Grüße
Katharina

Hallo Klaus,

Du hast von einem Sozialhilfeempfänger gesprochen, der kein
Geld für eine Ausbildung oder eine Existenzgründung hat. Ich
habe eine Möglichkeit angeführt, die das Arbeitsamt bietet.
Hier gibt es Geld und Beratung. Auf dem Weg zum
mittelständischen Unternehmen muss man vielleicht den einen
oder anderen Umweg gehen. Die „Ich-AG“ wäre eine solche
Möglichkeit, um den eigenen Arsch in die Hände zu nehmen.

Um für die Zeit bis zum nächsten Job nicht auf Stütze angewiesen zu sein, ist die ICH-AG sicher ne gute Sache. Zu einem ‚Unternehmen‘ wird dieser Weg wohl nur in Ausnahmefällen führen. Das Geld, das die einnehmen sollen, muß ja jemand ausgeben. Wer im Osten frage ich mich.

Eine Werkstatt einrichten, Maschinen kaufen. …
Wie soll das ohne Geld gehen? Ne ICH AG reicht da wohl eher
nicht.

Wer sagt denn, dass man Maschinen und eine Werkstatt braucht?

Für 'nen Handwerksbetrieb? Ich sage das. Ein Dachdecker wird wohl mit ner einzelnen Blechschere nicht weit kommen.

Das Potenzial für neue Beschäftigung liegt sowieso eher im
Dienstleistungsbereich.

Im Osten. Von Rentnern und Sozialhilfeempfängern bevölkert. Wer soll denn da die Dienstleistungen in Anspruch nehmen? Das beste nternehmen nützt ohne Kunden nichts.

Ich hätte ein paar Geschäftsideen. Im
Trend liegt zB eine Ebay-Agentur.

Ach Du kennst meinen Freund in Ostberlin?

http://www.es-bogusch.de

Den Erfolg kann niemand
garantieren. Aber es gibt Möglichkeiten zur Förderung, die man
eben nutzen sollte. Auch im Osten!

Wie Du siehst, versuchen das die Leute. Wenn aber alle nur noch Dienstleistungen anbieten, entstehen keine Werte, das kann nur das produzierende Gewerbe. Alles andere ist nur ein Verschieben von Werten, die im produzierenden Gewerbe gschaffen wurden. Produktion ist ohne Maschinen aber nicht rationell möglich. In den alten Bundesländern kann man nicht im Vorindustriellen Zeitalter neu beginnen.

cu Rainer

Hi Lone,

was macht das „gelobte“ Land? Hast du Mail bekommen??

Nein. Ich habe 347 Spam-Mails gelöscht, vermutlich habe ich mich verklickt und Deine mit gelöscht. ;-(

Bitte um Wiederholung

cu Rainer

Hallo Klaus,

ich misch mich mal ein.

Du hast von einem Sozialhilfeempfänger gesprochen, der kein
Geld für eine Ausbildung oder eine Existenzgründung hat.

Aufgrund dieser Tatsache wirds in vielen Fällen eine ICH-AG, also ein Ein-Mann/Frau-Unternehmen, günstigenfalls mit familiärer Unterstützung. Bevor dieser Mensch bei der Sozialhilfe landet, hat er entweder gar nichts mehr, also ist verzweifelt oder er hat einiges an Schulden, was für eine Existenzgründung eher negativ ist. Verallgemeinern kann man das natürlich nicht, jedoch sobald ein wenig Geld da ist, ist ja auch keine Sozialhilfe möglich.

Ich habe eine Möglichkeit angeführt, die das Arbeitsamt bietet.
Hier gibt es Geld und Beratung.

Absolut lächerlich. Leider bestehen außer Investitionen (die nicht einmal hoch sein müssen) noch andere finanzielle Verpflichtungen (Krankenkasse, Versicherungen…). Schließlich fängt der Jungunternehmer bei Null an, schwerlich sich dabei einen Gewinn auszudenken, geschweige denn in akzeptabler Größe am Beginn zu erreichen. Was die Beratung betrifft, so ist diese z.B. hier im Forum umfassender und aussagekräftiger. Das Bla-bla vom Arbeitsamt, vielleicht auch IHK kann man sich nur am Anfang als grobe Orientierung anhören. Weiter im Detail bedeutet Geld ausgeben: Steuerberater, Fachliteratur oder Lehrgänge.

Auf dem Weg zum
mittelständischen Unternehmen muss man vielleicht den einen
oder anderen Umweg gehen. Die „Ich-AG“ wäre eine solche
Möglichkeit, um den eigenen Arsch in die Hände zu nehmen.

Und schnellstmöglich auf demselben wieder zu landen. Es wird in der Hinsicht dem Willigen alles etwas zu leicht gemacht, Folgen sind oft eine Katastrophe! Wenn dann Erfolge sichtbar sind in Form von aussagekräftigen Zahlen will das Unternehmen wachsen. Also erfolgt der Weg zur Bank. Und da wirds meist auch Endstation sein. Es ist heutzutage leichter einen mehr als 6stelligen Kredit zu bekommen als mal 20000 Euro Anschubfinanzierung. Und da sagt der gesunde Menschverstand schon: Finger weg vom großen Geld.

Eine Werkstatt einrichten, Maschinen kaufen. …
Wie soll das ohne Geld gehen? Ne ICH AG reicht da wohl eher
nicht.

Wer sagt denn, dass man Maschinen und eine Werkstatt braucht?
Das Potenzial für neue Beschäftigung liegt sowieso eher im
Dienstleistungsbereich.

Schwerlich. Ich bezweifle das jemand aus dem Nichts und mit ein paar läppischen geschenkten Förderscheinchen allein so was dauerhaft etablieren kann. Sozusagen von 100 ein Einziger. Das wäre vielleicht eine Rechengröße. Wenn wir weiterrechnen, das „gesparte“ Geld der mißglückten 99 Versuche dem Einen geben, dann wirds was. Zugegeben, eine Milchmädchenrechnung.

Ich hätte ein paar Geschäftsideen. Im
Trend liegt zB eine Ebay-Agentur. Den Erfolg kann niemand
garantieren. Aber es gibt Möglichkeiten zur Förderung, die man
eben nutzen sollte. Auch im Osten!

Vergiß es. Geld mitnehmen und dann weg. Das ist die Devise. Ohne Eigenkapital wird es nie was, von Ausnahmen abgesehen. Natürlich kann es auch mit potenten Partnern klappen. Ganz klein anfangen und mit viel Arbeit Geld verdienen? In Deutschland? Grimms Märchen sind interessanter! :wink:

Gruß
André

Mail ist raus

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]