Hallo nochmal,
Hinzu kommt, daß die Nachfrage nach den vermeintlich
minderwertigen ostdeutschen Produkten zunächst in den Keller
ging, weil man sich die coolen Westgüter kaufen wollte.
Rotkäppchensekt ist schwer im kommen - habe ich irgendwo
gelesen 
stimmt und nicht erst, seit sie eine der führenden Marken Westdeutschlands gekauft haben (Mumm). Aber die „Ostalgie-Welle“ gibt es ja erst seit ein paar Jahren. Anfang der 90er ging die Nachfrage nach ostdeutschen Produkten schlagartig in den Keller.
Die Idee der konsequenten Ausbildung ist keine schlechte,
scheitert aber an der gelebten Perspektivlosigkeit und der
Skepsis in Bezug auf unser Wirtschaftssystem (was man beides
hier ja auch immer wieder schon lesen kann).
Hier wäre ja vielleicht auch ein Hebel, den man ansetzen
könnte - Motivation, Aufklärung.
Tja, Du kannst hier ja live miterleben, inwieweit sich Aufklärung durchsetzt.
Der Hauptrund ist m.E. aber trotzdem, daß es sich einfach
nicht lohnt, in einem schwachen wirtschaftlichen Umfeld
großartig Existenzgründungspläne zu schmieden.
Aber vielleicht kleinartige Existenzgründungspläne verstärkt
zu unterstützen, ich denke da an kleine Handwerksbetriebe.
Wenn mir in Ostdeutschland Ziegel vom Einfamilienhausdach
fallen, wende ich mich doch an einen Betrieb in der Nähe und
nicht an einen weiter entfernten westdeutschen Anbieter.
Das ist schon richtig. In Deinem Beispiel kommt zusätzlich ein Problem zum Tragen, was die Regierung ebenfalls aufgrund ihrer Subventionspolitik zu verantworten hat: Die Förderung von Immobilien in Ostdeutschland. Aufgrund des darauf zurückzuführenden Immobilienbooms kam es Anfang der 90er zu einem Aufbau von unglaublichen Überkapazitäten am Bau, an denen die ganze Branche heute noch zu knabbern hat.
Gab es eigentlich einmal eine Lex-Ostdeutschland, in der die
Banken verstärkt angehalten wurden, ostdeutschen
Kleinbetrieben bevorzugt Kredite zu gewähren?
Nein. Viele Banken haben sich aber freiwillig am Goldrausch Ostdeutschland beteiligt, was viele inzwischen bitter bereuen. In der Boomphase wollte halt jeder dabei sein, ohne Rücksicht auf Verluste, die sich inzwischen aber massig eingestellt haben.
Wo kein Geld
ist, kann man auch schlecht verkaufen.
Für bestimmte Dinge muss man aber trotzdem Geld ausgeben.
Ja, aber das reicht halt nicht für den Aufbau einer gesunden Struktur.
Welche Firmen haben von der grossen Flut in Ostdeutschland
profitiert?
Vor allem die großen Unternehmen aus dem Westen. Die Sache war einfach: Gib Du mir Subventionen und ich bau da ein Werk/ein Einkaufszentrum auf die grüne Wiese. Die Folge waren sterbende Innenstädte und ein verkümmernder Mittelstand. All dies geschah wegen des unbedigten Zwanges, nach Kohls denkwürdiger „blühende Landschaften“-Rede.
Daran, ob es sinnvoll ist, zwischen marode Mittelständler High-Tech-Werke zu bauen, hat man damals nicht gedacht. Hinzu kommt, daß diese High-tech-Werke nur einen minimalen Teil der Arbeitsplätze neu schafften, die sie vernichteten.
Der Treuhand war es damals wichtiger, die paar großen Ost-Kombinate zu verticken, als die Massen an kleinen und mittleren Betrieben am Leben zu erhalten. Als die großen Läden verkauft waren, hat man sich daran gemacht, die kleinen und mittleren im Schnellverfahren per Stillegung oder Verkauf an windige Investoren auf der Jagd nach Millioneninvestitionen zu „sanieren“.
Genauer: Es gab sogar Prämien für die Treuhandniederlassungen, die die Privatisierung besonders schnell hinbekamen. Wie die Privatisierung stattfand und mit welchem Erfolg im Hinblick auf die Arbeitsplätze, spielte damals keine Rolle. Hauptsache, die Läden waren aus den Büchern.
Leider ist eines der besten Bücher zu dem Thema nicht mehr Handel. Andere Anbieter gibt es noch:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3880223416/qid…
Gruß,
Christian