Problematische Stellen in religiösen Schriften

Hallo,

Eine Frage an die „Gläubigen“ hier:

Wie geht ihr mit „problematischen“ Stellen Eurer jeweiligen Religion um? Insbesondere meine ich solche Religionen, die einen festen „Kodex“ haben, der einen Kern der Religion darstellt (also hauptsächlich die jüdische, christliche und islamische Religion, gerne aber auch andere).

Unter „problematisch“ verstehe ich dabei solche Stellen, die unserem modernen gesellschaftlichen Verständnis zuwiderlaufen oder sogar direkt illegal sind. Ich meine ausdrücklich NICHT Stellen die so oder so interpretierbar sind, sondern lediglich jene, die unumstößliche, feste Regeln aufstellen. Einige Beispiele:

  • Zinsverbote. Wie geht ihr damit um, insbesondere im Berufsleben?
  • Dichotomie von Mann und Frau, sofern sie sich AUCH auf den gesellschaftlichen Bereich bezieht (Religion ist Privatsache). Strebt ihr eine solche dichotomische Regelung an?
  • Einschränkung der freien Religionsausübung. Wollt ihr das tatsächlich einführen?
  • Verbot bestimmter sexueller Orientierungen (z.B. Homosexualität).

Mich würde interessieren, ob ihr tatsächlich der Meinung seit Eure Religion hätte in diesen Beziehungen Recht und unsere moderne Gesellschaft Unrecht. Oder, falls ihr meint Eure Religion sie in diesem Punkt „falsch“, wie ihr dann damit umgeht, dass offensichtlich „falsche“ Teile im Kern Eurer Religion enthalten sind.

Was mich nicht interessiert: Wie andere Leute zur Meinung anderer User stehen oder warum Religionen sowieso Schwachsinn sind (weiss ich schon).

Grüße,

Anwar

Hallo Anwar,

es gibt keine problematischen Stellen - es gibt nur problematische Auslegungen.

Gruß
J.

Hallo Jakob,

es gibt keine problematischen Stellen - es gibt nur
problematische Auslegungen.

Meinst Du? Ich weiss ja nicht welcher Religion Du angehörst, aber vielleicht einer der von mir genannten. Wie stehst Du denn dann zu den von mir genannten Stellen?

Grüße,

Anwar

irgendwie geht es immer
Hallo Anwar,

mit am schwierigsten dürften es gläubige Juden haben, da das mosaische Gesetz und der Talmut eine Vielzahl an Regelungen mit sich bringen,… und siehe es geht auch in einer modernen Gesellschaft, wie man am Staat Israel sieht.

Christen haben es da relativ einfach. Für sie gelten ziemlich wenige Gebote, sondern hauptsächlich Grundsätze. Nur zur Erinnerung, die 10 Gebote gelten direkt erst mal NICHT für Christen, wenn sich auch ihre Einhaltung aus den Grundsätzen ergibt, die Christen gelten.

Im Prinzip lasse sich alle Gebote im Alltag leben, es nur eine Frage des Aufwandes. Die Gebote nicht einzuhalten ist eher ein Frage der Bequemlichkeit, denn der Unmöglichkeit".

Konkretes Beispiel:
Gott hasst einen Lügner - Daraus folgere ich für mich, generell nicht zu Lügen, so gut ich es kann. Es funktioniert.
Frage: „Hallo, wie gehts dir?“
Antworten: „Danke, dass du fragst“, „Frag nicht“, „So schlecht wie immer“
Im Berufsleben erwähnte ich bei der Bewerbung, dass ich auch Kunden nicht die Unwahrheit sage. War nie ein Problem. Hätte als Vertriebler vielleicht anders ausgesehen.
Wirklich weh tut es halt beim Finanzamt.
Es heißt immer, dass Lügen für das soziale Zusammenleben unabdingbar ist. Aber meine Erfahrung hat mit gezeigt, dass man sich nicht unbeliebt macht, wenn auf Lügen verzichtet (man muss es ja nicht wie Dieter Bohlen machen).

  • Zinsverbote. Wie geht ihr damit um, insbesondere im
    Berufsleben?

Gilt für mich nicht.

  • Dichotomie von Mann und Frau, sofern sie sich AUCH auf den
    gesellschaftlichen Bereich bezieht.

Ich verstehe nicht, was du hier meinst.

  • Einschränkung der freien Religionsausübung. Wollt ihr das
    tatsächlich einführen?

Ich kenne kein Gebot, dass dieses von mir verlangt (nur eines, welches von mir das aktive Bekenntnis meines Glaubens verlangt,… )

  • Verbot bestimmter sexueller Orientierungen (z.B.
    Homosexualität).

Nicht die Orientierung ist verboten, sondern bestimmte Handlungen.

Mich würde interessieren, ob ihr tatsächlich der Meinung seit
Eure Religion hätte in diesen Beziehungen Recht und unsere
moderne Gesellschaft Unrecht.

Ich gehe davon aus, dass Gott Recht hat.
Wenn es Diskrepanzen in den Wertvorstellungen der Gesellschaft, in der ich lebe, und den Werten gibt, die uns Gott vorgibt, muss ich sehen, wie ich in dieser Gesellschaft überleben, ohne mich von Gott zu entfernen.
Als unvollkommene Menschen wird uns dies nicht immer gelingen. Aber das bedeutet nicht, dass wir es nicht ständig versuchen sollten.

Gruß
Carlos

Hallo Carlos

Gott hasst einen Lügner

Wie kommst Du denn darauf?
Nur weil eines der Gebote lautet „Du sollst nicht lügen“, heißt das doch nicht, dass Gott (einen) Lügner hasst.
Ich finde die Vorstellung, dass Gott jemanden „hasst“ eher befremdlich oder naiv, mit Verlaub.
Gruß,
Branden

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mit am schwierigsten dürften es gläubige Juden haben, da das
mosaische Gesetz und der Talmut eine Vielzahl an Regelungen
mit sich bringen,… und siehe es geht auch in einer modernen
Gesellschaft, wie man am Staat Israel sieht.

Ich möchte da bei der Gelegenheit doch noch drauf hinweisen, daß der Staat Israel sich nicht am Talmud ausrichtet sondern eine westliche Demokratie ist :smile: Natürlich gibt es Gesetze, die die Religion betreffen und solche, die sich an der Religion orientieren, aber eine Halacha-Theokratie von jüdischen Taliban sähe dann doch leicht anders aus. :smile:

Gruß
dataf0x

Hi,

sicherlich gibt es auch problematische Stellen in dr Bibel, aber sie stammen aus einer ganz anderen Zeit, aus anderen Verhältnissen.

Ich glaube, dass sich mit der Situation auch das Wort Gottes wandelt.

MfG

Chris

Hallo!

Deine Frage ist IMHO in erster Linie eine politische und keine religiöse.

Daß Schriften, die tausende Jahre alt sind, Dinge enthalten, die wir heute anders sehen, ist wohl banal.

Damit kann man folgendermaßen umgehen:

• Diese Schriften als Zeugnisse einer Kultur betrachten, die keinen direkten normativen Charakter mehr haben noch das direkte Wort Gittes sind. Falls man das ablehnt, wird es schwieriger:

• Man „interpretiert“ an den Stellen so lange herum, bis sie so zurechtgelogen sind, daß sie das genaue Gegenteil von dem aussagen was da steht, und so zum Zeitgeist passen. Problem gelöst.

• Man akzeptiert die Vorherrschaft anderer Wertesysteme und bildet in sich geschlossene „Biosphären der Religion“.

Problematisch wird es dann, wenn die Religion den Passus enthält, daß ihr Gesetz dem weltlichen Gesetz vorausgeht. Das trifft auf Islam und Judentum zu. Wer diesen Punkt ernst nimmt, hat nur zwei Möglichkeiten:

• Die Vorherrschaft des weltlichen Gesetzes zu akzeptieren, oder
• einen Gottesstaat anzustreben.

Wobei das Streben nach einem Gottesstaat im Islam die ganze Welt umfaßt. (das radikale Judentum begnügt sich „Nur“ mit Israel).

Meinungen dazu? (Außer daß ich Rassist bin.)

Gruß
dataf9x

Hallo Anwar,

Wie geht ihr mit „problematischen“ Stellen Eurer jeweiligen
Religion um?

M.E. gibt es keine „problematischen“ Stellen im Islam, auch wenn mir einige nicht zustimmen würden.

Unter „problematisch“ verstehe ich dabei solche Stellen, die
unserem modernen gesellschaftlichen Verständnis zuwiderlaufen
oder sogar direkt illegal sind.

Wenn ich nicht mehr in der Lage bin, das Grundsätzliche in meiner Religion auszuüben, dann wander ich aus. Solange mir aber die Freiheit gegeben ist, meinen Glauben zu leben, gibt es m.E. keine „problematischen Stellen“. Die Einschränkung dieser Freiheit lässt sich z.Zt. in Europa am Kopftuchverbot (bisher nur für bestimmte Berufe und an einigen Ausländer- und Meldebehörden).

  • Zinsverbote. Wie geht ihr damit um, insbesondere im
    Berufsleben?

Ich nehme keine Kredite, die mit einem Zins verbunden sind (das hiesse bei Bedarf Bekannte oder Verwandte in Anspruch nehmen, aber auch für sie da zu sein). Die Zinsen, die durch die Aufbewahrung von Geld aufs Konto kommen, werde ich für einen guten Zweck los.

  • Dichotomie von Mann und Frau, sofern sie sich AUCH auf den
    gesellschaftlichen Bereich bezieht (Religion ist Privatsache).
    Strebt ihr eine solche dichotomische Regelung an?

Wo ist das Problem? Es heisst ja nicht, dass verschiedene Rechte vergeben werden.

  • Einschränkung der freien Religionsausübung. Wollt ihr das
    tatsächlich einführen?

nein.

  • Verbot bestimmter sexueller Orientierungen (z.B.
    Homosexualität).

Für mich, ja!

Mich würde interessieren, ob ihr tatsächlich der Meinung seit
Eure Religion hätte in diesen Beziehungen Recht und unsere
moderne Gesellschaft Unrecht.

Natürlich glaube ich, dass meine Religion recht hat. Aber nicht in dem, was du stellvertretend postuliert und als Unterschied zur „modernen Gesellschaft“ (welche denn??) herausgearbeitet hast.

Nicht nur, dass du von deiner persönlichen Meinung zu den von dir aufgelisteten Religionen ausgehst (das ist ja noch lange nicht, wie sich Religiöse selbst definieren), du gehst soweit, die „modernen Gesellschaften“ in einen Kasten zu stopfen. Dabei gibt „modern“ nur einen Bezug her, der aktuell ist und sich durchaus ändert. Wie stünden wir da, wenn wir das Aktuelle als einzig wahr darzustellen und es sich in einem Jahr vollkommen ändert? Wer bestimmt denn, welches die „modernen Gesellschaften“ sind? Ist es die Dorfgemeinschaft in Bayern, in der noch nie ein Homosexueller gesehen wurde oder ist es die Stadtmitte von Amsterdam? Ist die amerikanische Gesellschaft (wenn man überhaupt so weit verallgemeinern kann) weniger „modern“, wenn sie die Abschaffung (oder Nichteinführung) von Homo-Ehen fordert (mit relativ breiter Basis)? Wie steht es mit Gesellschaften, in denen das noch nicht einmal diskutiert wird?

Weiter gefragt: Sind Länder, in denen Inzest oder Pädophilie demnächst möglicherweise legalisiert werden moderner? Wieder: wer bestimmt das?? Ich kann mir noch weitere solche Beispiele einfallen lassen…

Gruss, Omar Abo-Namous

Hallo,

Deine Frage ist IMHO in erster Linie eine politische und keine
religiöse.

Ich denke sie ist eher mit der Religion verbunden. Oder sagen wir zumindest irgendwo zwischen Religion und Politik.

Daß Schriften, die tausende Jahre alt sind, Dinge enthalten,
die wir heute anders sehen, ist wohl banal.

WENN (auch nur dann) ein Gläubiger davon ausgeht, dass die Schriften direkt Gottes Wort sind (und das ist ja z.B. das Glaubensbekenntnis der Moslems), dann ist es IMHO nicht mehr so banal. Wieso sollte Gott „mit der Zeit gehen“?

• Man „interpretiert“ an den Stellen so lange herum, bis sie
so zurechtgelogen sind, daß sie das genaue Gegenteil von dem
aussagen was da steht, und so zum Zeitgeist passen. Problem
gelöst.

Wirklich? Ich meine - oder denke mir zumindest - dass man doch selbst merkt, dass man sich da in die Tasche lügt. Warum „glaubt“ man dann noch? „Glaubt“ man dann überhaupt?

Meinungen dazu? (Außer daß ich Rassist bin.)

Stimme eigentlich mit Dir überein, nur beantwortet das eher nicht die Frage, warum man eine der von Dir angeführten Alternativen wählen sollte. Die meisten davon sind doch mehr oder weniger direkt ein Zweifel am Glauben, oder nicht?

Grüße,

Anwar

Hallo,

M.E. gibt es keine „problematischen“ Stellen im Islam, auch
wenn mir einige nicht zustimmen würden.

Kein Problem. Jedenfalls nicht in diesem Thread, hier war ja die Fragestellung ganz anders.

Ich nehme keine Kredite, die mit einem Zins verbunden sind
(das hiesse bei Bedarf Bekannte oder Verwandte in Anspruch
nehmen, aber auch für sie da zu sein). Die Zinsen, die durch
die Aufbewahrung von Geld aufs Konto kommen, werde ich für
einen guten Zweck los.

Wie sähe es aus, wenn Du z.B. als Abteilungsleiter einen Kredit zu verantworten hättest?

  • Dichotomie von Mann und Frau, sofern sie sich AUCH auf den
    gesellschaftlichen Bereich bezieht (Religion ist Privatsache).
    Strebt ihr eine solche dichotomische Regelung an?

Wo ist das Problem? Es heisst ja nicht, dass verschiedene
Rechte vergeben werden.

Im Koran soweit ich weiss sehr wohl. Z.B. die Mehrfachehe. Mal konkret an diesem Beispiel gefragt: Würdest Du eine Partei, die Dir grundsätzlich zusagt und die die Mehrfachehe für Männer (ruhig mit allen islamischen Vorschriften für diesen - auch im Islam, ich weiss - speziellen Fall) einführen will, wählen? Wenn nein, warum nicht? Steht es nicht so im Koran? Und wenn doch: Wie stehst (oder besser: stündest) Du dann zu den hierzu im Widerspruch stehenden Teilen des Grundgesetzes?

  • Ich möchte nochmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich im obigen Text keine Wertung trefen möchte und auch keine „Munition“ für andere Diskussionen, sondern in der Tat diesen für mich starken Widerspruch erklärt haben möchte. -
  • Einschränkung der freien Religionsausübung. Wollt ihr das
    tatsächlich einführen?

nein.

Nun gut, ich weiss, dass es im Koran Widersprüchliche Aussagen dazu gibt. Wie gehst Du damit um? Suchst Du Dir raus „was Dir gerade passt“? Oder wie löst Du diese Widerspüche auf?

  • Verbot bestimmter sexueller Orientierungen (z.B.
    Homosexualität).

Für mich, ja!

Aber der Islam sieht AFAIK vor Homosexualität ganz unter Strafe zu stellen, nicht nur unter Gläubigen. Auch hier wieder das Szenario: Eine Partei möchte Homosexualität verbieten. Was nun?

Auch Christen und Juden und andere können sich gerne dazu äußern.Ganz allgemein gibt es sicherlich in den meisten Religionen Regeln, die vielen Gesetzen unseres Grundgesetzes widersprechen. Wie geht damit um, da ja das Grundgesetz auch einen gewissen Loyalitätsanspruch hat?

Natürlich glaube ich, dass meine Religion recht hat. Aber
nicht in dem, was du stellvertretend postuliert und als
Unterschied zur „modernen Gesellschaft“ (welche denn??)
herausgearbeitet hast.

Also hat Deine Religion in dem von mir aufgezeigten nicht Recht? Oder zumindest würdest Du den Absolutheitsanspruch in Frage stellen?

Nicht nur, dass du von deiner persönlichen Meinung zu den von
dir aufgelisteten Religionen ausgehst (das ist ja noch lange
nicht, wie sich Religiöse selbst definieren), du gehst soweit,
die „modernen Gesellschaften“ in einen Kasten zu stopfen.
Dabei gibt „modern“ nur einen Bezug her, der aktuell ist und
sich durchaus ändert. Wie stünden wir da, wenn wir das
Aktuelle als einzig wahr darzustellen und es sich in einem
Jahr vollkommen ändert? Wer bestimmt denn, welches die
„modernen Gesellschaften“ sind?

Ich denke im Kontext dieses Threads können wir uns vielleicht auf die Menschenrechte und speziell für die BRD auf Artikel 1 und 20 des GG als Grundpfeiler einigen? Zumindest sollte das möglich sein, da dieses sowieso als Minimum von uns allen als Bewohner Deutschlands verlangt wird. Und von allen Deutschen nochmal extra.

Ist die amerikanische
Gesellschaft (wenn man überhaupt so weit verallgemeinern kann)
weniger „modern“, wenn sie die Abschaffung (oder
Nichteinführung) von Homo-Ehen fordert (mit relativ breiter
Basis)? Wie steht es mit Gesellschaften, in denen das noch
nicht einmal diskutiert wird?

Staatlich gesehen ist die Ehe eine bestimmte Form von Vertrag/Vollmacht, die von vielen Staaten explizit gefördert wird. Eine so spezielle Regelung entfernt sich schon ziemlich weit von dem, was ich als „Grundsatz“ bezeichnen würde.

Weiter gefragt: Sind Länder, in denen Inzest oder Pädophilie
demnächst möglicherweise legalisiert werden moderner? Wieder:
wer bestimmt das?? Ich kann mir noch weitere solche Beispiele
einfallen lassen…

Ohne jetzt zu sehr ins juristische abzuschweifen ist es nunmal so, dass „man“ sich über ganz bestimmte Dinge geeinigt hat. In Deinem speziellen Fall ist es so, dass Du in der BRD lebst und Du Dich daher freiwillig diesen Übereinkünften anschließt.

Grüße,

Anwar

Hallo,

Hallo Anwar

ich halte so gut wie alles für interpretierbar und auch interpretierbedürftig, d. h.

  • es ist verboten, Zinsen zu nehmen, wenn der Mitmensch aus einer Notlage heraus etwas leihen will, insbesondere aber wenn Wucherzinsen erhoben werden.
    Der Sinn der Vorschrift lautet: niemand ausbeuten und schon gar nicht in einer Notlage.

  • Ausserhalb des Glaubenslebens ist eine Frau grundsätzlich so zu achten und anzuhören wie ein Mann auch. Innerhalb des Gemeinderahmens haben die Frauen in Glaubenssachen nicht zur Gemeinde zu sprechen, sondern sie haben sich mit ihren engeren Angehörigen und Freunden auseinanderzusetzen, wenn sie Fragen haben, oder dort zu lehren, wo sie als Lehrerinnen im Unterricht eingesetzt werden, im Gottesdienst aber haben sie lediglich manchmal aus der Schrift zu lesen, kurze Zeugnisse und Hinweise zu geben oder zu schweigen. Ausnahmen sind zeitweise zulässig.
    Als Katholik kenne ich überdies das für Männer vorbehaltene Amt, welches unter bestimmten Voraussetzungen befähigt, Heiligende Handlungen so zu vollziehen, dass sie gültig werden, also „Sakramente“ zu spenden, was nur „der Priester“ tun kann (welcher ein unverheirateter, besonders geweihter Mann sein muss), sodass sie wirklich gültig sind. Auch hier gibt es eine Ausnahme: Wenn eine Frau jemanden im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes tauft, ist das eine gültige Handlung.

Ein Problem (einer grösseren Öffentlichkeit) ergibt sich dabei, wenn Priester einen Lohn erhalten, den Frauen eben deswegen nicht erhalten, weil sie ihrerseits nicht Priester sind und sein dürfen.

Einige Frauen meines Glaubens haben sich denn auch darüber aufgeregt. Angenommen, ich habe die Befugnis, ihnen einen Platz zuzuweisen für ihren Dienst. Die Fragen sind, wer mitmacht, aus welchen Beweggründen, wie das Ganze überleben soll und wie fundiert das Ganze ist. Ich würde z. B. fragen: Wie müssten wir beispielsweise den Apostel Paulus verstehen, der ausdrücklich fordert, dass die Frau keine (eigene) Ansprache an die Gemeinde halten soll? Ich hätte aber ein offenes Ohr für Gegenargumente, es gibt dafür auch recht plausible Beispiele.

In noch weiterer Öffentlichkeit, sagen wir z. B. politischen Diskussionen und Ämtern, sind Frauen frei wie Männer, und dagegen trete ich nicht auf.

  • Einschränkung der freien Religionsausübung kommt nicht in Frage. Es ist darauf zu achten, dass eine gewisse Menschenwürde eingehalten wird. Menschenrechte sind einzuhalten und gehören zu meinem Glauben, wenn der auch nicht gleich dem Glauben der Aufklärung ist, sondern weitergeht im Sinne einer Forderung von Nächstenliebe statt blosser Freiheit.

  • Sexuelle Betätigungen als solche zu verbieten, liegt mir fern; ich halte diejenigen, die sie verbieten wollen, für unverständlich, aber trotzdem lebe ich mit der gleichen Kirche. Es ist ein Punkt, in welchem ich viele Fragen an die Kirche habe. Ich verstehe aber auch die Homosexuellen kaum. Ich halte mich da raus. Es liegt mir fern, einen zu verurteilen. Dennoch erwarte ich von jedem Menschen einen gewissen Verzicht auf Bedürfnisbefriedigung.

Paulus hat die Homosexualität insbesondere wegen ausufernder Praxis verboten; es lässt sich weidlich diskutieren, ob er es auch grundsätzlich meinte. In bestimmter Weise zwar ja, er erwartete nämlich das Enthalten des Menschen vor Wollust aller Art, in anderer Weise nein, denn die Ehe wurde durch ihn mit dem Argument erlaubt, dass der Drang zur Zeugung da sei, und wenn nun ein ebenso starker Drang in eine andere Richtung geht, ist doch der Mensch auch ein Mensch und wäre also die Vorschrift zur Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare bei verantwortlichem Handeln (gegenüber Kindern etwa) ähnlich möglich. Ich kann nur sagen, dass jeder Mensch ohnehin meist zu verzichten hat auf die Befriedigung seiner Bedürfnisse.

Schlussendlich sind die meisten Sünden im sexuellen Bereich nicht bedeutend durch ihre Ausrichtung, sondern ihre Absicht; der Mensch kann nicht genug bekommen und strebt bei der Sexualität statt nach Liebe nach Macht und Besitz. Das gilt für alle Ausrichtungen und geschlechtlichen Lebensarten, einschliesslich der erlaubten Ehe, und ist letztlich wohl wichtiger als die Handlungsweise.

  • Die moderne Gesellschaft reibt ihren Pluralismus an meinem Wahrheitsanspruch hauptsächlich dort, wo sie 1. gleichgültig ist; 2. den Anspruch erhebt, alles im Griff zu haben; 3. Änderung von Systemen zum Selbstzweck erhebt.

Gruss
Mike

Hallo Branden,

Gott hasst einen Lügner

Wie kommst Du denn darauf?

Sprüche 6:19
16 Sechs Dinge gibt es, die Jehova wirklich haßt; ja sieben sind Dinge, verabscheuungswürdig für seine Seele: 17 hohe Augen, eine falsche Zunge und Hände, die unschuldiges Blut vergießen, 18 ein Herz, das schädliche Pläne schmiedet, Füße, die eilends zum Schlechten hinlaufen, 19 ein falscher Zeuge, der Lügen vorbringt, und jeder, der Streitigkeiten unter Brüdern entfesselt.

Gruß
Carlos

19 ein falscher Zeuge, der Lügen vorbringt

Bist du sicher, daß damit nicht sehr konkret Falschaussage gemeint ist? (Nicht daß Lügen „erlaubt“ wäre, aber hier geht es offenbar doch um eine ganz konkrete kriminelle Tat).

Gruß
dataf0x

Hallo Carlos

Sprüche 6:19
16 Sechs Dinge gibt es, die Jehova wirklich haßt; ja sieben
sind Dinge, verabscheuungswürdig für seine Seele: 17 hohe
Augen, eine falsche Zunge

Nun ja, da hat sich einmal mehr jemand ausgelassen. Ein einfacher Mensch wahrscheinlich, vielleicht sogar ein recht bigotter. Die gabs ja zu allen Zeiten. Auch die Philister und Schriftgelehrten konnte Jesus ja anscheinend nicht so ganz von Mutter Erde entfernen. :wink:
Gruß,
Branden

Sprüche!

Auch die Philister (!!) … konnte Jesus ja anscheinend nicht so ganz von Mutter Erde entfernen.

Was du so alles weißt!

Gruß

Metapher

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Hallo Branden,

Sprüche 6:19
16 Sechs Dinge gibt es, die Jehova wirklich haßt; ja sieben
sind Dinge, verabscheuungswürdig für seine Seele: 17 hohe
Augen, eine falsche Zunge

Nun ja, da hat sich einmal mehr jemand ausgelassen. Ein
einfacher Mensch wahrscheinlich,

so unbedeutend, dass er sogar in Wikipedia zu finden ist :wink:
http://de.wikipedia.org/wiki/Salomo

Gruss Harald

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Hallo Anwar,

Wie geht ihr mit „problematischen“ Stellen Eurer jeweiligen
Religion um?

Für mich als Katholikin, ist die Bibel nicht das unverfälschte, einzige und verbindliche Wort Gottes. Die Bibel besteht IMHO aus Erzählungen von Menschen, die Erfahrungen mit Gott gemacht haben. (Oder das zumindest glauben) Aber ich glaube, dass kein Mensch Gott je ganz begreifen kann. Die Bibel ist kein Tatsachenbericht. Für mich ist das vergleichbar, wie wenn kleine Menschen einen hohen Berg besteigen. Es gibt unterschiedliche Wege, der eine ist steiler und schwieriger, der andere geht leichter. Manche Menschen schaffen es vielleicht nicht, und kehren wieder um. Jeder hat etwas anderers zu berichten. Jeder hat etwas anderers gesehen und erlebt. Selbst wenn zwei Menschen zusammen den gleichen Weg gehen. Würden sie wohl hinterher nicht die gleiche Geschichte aufschreiben. So ähnlich sehe ich die Bibel. Der Unterschied zwischen dem Berg und Gott ist, dass wir den Berg besser als ganzes erfassen können. Wir können in durch Vermessungen oder Satellitenbilder in Zahlen und Werten ausdrücken. Das funktioniert mit Gott nicht.

Aus diesen Grund ist es für mich kein Problem zu sagen, dass bestimmt Stellen in der Bibel eben damals so waren, aber heute nicht mehr genau so gelten. Das heißt für mich aber nicht, dass sich deswegen Gottes Wille geändert hat. Ich kann aus der Bibel lernen, ich kann sehen, was die Menschen damals für Erfahrungen mit Gott gemacht haben. Aber um Gott wirklich kennen zu lernen, muss ich selber Erfahrungen mit ihm machen.

Mich würde interessieren, ob ihr tatsächlich der Meinung seit
Eure Religion hätte in diesen Beziehungen Recht und unsere
moderne Gesellschaft Unrecht. Oder, falls ihr meint Eure
Religion sie in diesem Punkt „falsch“, wie ihr dann damit
umgeht, dass offensichtlich „falsche“ Teile im Kern Eurer
Religion enthalten sind.

Da ich der röm.-kath. Kirche angehöre, interessiert dich vielleicht auch, was ich von den Aussagen des Papstes halte. Das ist etwas schwieriger. Aber, solange der Papst nicht etwas „ex cathedra“ verkündet, seh ich auch kein Problem mal gegen seine Aussagen zu handeln. Jeder Christ ist nämlich vor allem seinem Gewissen verpflichtet. Das sieht auch die katholische Kirche so. Ich denke, die meisten Aussagen, oder „Vorschriften“ der Kirche, haben schon ihre Berechtigung, aber im Endeffekt muss jeder selber wissen was er tut und das gesteht mir meine Kirche auch zu.

Gruß
Michaela

Sofern das OPTIMUM (Glaube) vom IDEAL (Religion) abweicht, handle ich aufklärerisch.

  • Zinsverbote. Wie geht ihr damit um, insbesondere im
    Berufsleben?

Zinszahlungen sind grundsätzlich (!) eine Art Ausgleichleistung für monetäre als auch elementare Fremdwerte. Es wäre nicht rechtens, wenn ich sie wie selbstverständlich und dauernd in Anspruch nehmen würde. Dies gebietet mir der Respekt. Selbstverständlich nehme ich genauso auch Zinsleistungen an.

  • Dichotomie von Mann und Frau, sofern sie sich AUCH auf den
    gesellschaftlichen Bereich bezieht (Religion ist Privatsache).
    Strebt ihr eine solche dichotomische Regelung an?

Die Vielehe ist eine sittliche und moralische Missachtung des Prinzips der Gleichberechtigung (Gleiches gleich, Ungleiches ungleich behandeln) und damit verwerflich.

  • Einschränkung der freien Religionsausübung. Wollt ihr das
    tatsächlich einführen?

Freie Religionsauübung steht über jedem Glauben.

  • Verbot bestimmter sexueller Orientierungen (z.B.
    Homosexualität).

Orientierungen grundsätzlich nicht, Handlungen u.U. ja.

Mich würde interessieren, ob ihr tatsächlich der Meinung seit
Eure Religion hätte in diesen Beziehungen Recht und unsere
moderne Gesellschaft Unrecht. Oder, falls ihr meint Eure
Religion sie in diesem Punkt „falsch“, wie ihr dann damit
umgeht, dass offensichtlich „falsche“ Teile im Kern Eurer
Religion enthalten sind.

Die Begriffe der universellen Religion und der ´modernen´ Gesellschaft sind grundsätzlich nicht widersprüchlich.

guvo

BS"D

Hallo Anwar.

Wie geht ihr mit „problematischen“ Stellen Eurer jeweiligen
Religion um?

Das können wir nur am Beispiel diskutieren.

  • Zinsverbote. Wie geht ihr damit um, insbesondere im
    Berufsleben?

Im Judentum gibt es ein Zinsverbot nur gegenüber einem einzelnem Juden. Und hier nehme ich auch keine Zinsen. Im Berufsleben tritt dieses bei mir aber nicht auf.

  • Dichotomie von Mann und Frau, sofern sie sich AUCH auf den
    gesellschaftlichen Bereich bezieht (Religion ist Privatsache).
    Strebt ihr eine solche dichotomische Regelung an?

Zum einen ist Religion nie Privatsache und zum anderen sehe ich nicht, wo dieses nun genau zu Geltung kommen sollte. Mir fällt hier nur Jechud ein. Dieses ist der Bereich im Judentum, der sich mit Beziehungen zwischen Männern und Frauen beschäftigt, wonach ich einer fremden Frau keine Hand geben oder sie sonstwie berühren darf, aber auch nicht mit ihr alleine in einem Zimmer bleiben darf.

Bislange hatte ich damit aber noch keine Probleme.

  • Einschränkung der freien Religionsausübung. Wollt ihr das
    tatsächlich einführen?

Was soll ich einführen wollen? Du meinst, dass ich andere hier etwas verbieten sollten? Warum denn das?

  • Verbot bestimmter sexueller Orientierungen (z.B.
    Homosexualität).

Auch hier verstehe ich dein Anliegen nicht ganz. Liegt vielleicht daran, dass sich das Judentum hier von den anderen genannten unterscheidet. So ist es im Judentum so, dass dieser Anspruch erst einmal und alleine durch dich selber zu verwirklichen ist. Dann in deinem Umfeld, aber nicht dadurch, dass du anderen etwas verbietest, sondern dir ein Umfeld schaffst, in der nur Menschen leben, die es genauso handhaben wie du, bzw. du dich von denen fernhälst, welche hier aus Sicht des Judentums sich falsch verhalten.

So ist es im Judentum auch nur bei Fehlern erlaubt, andere darauf hinzuweisen bzw. ihnen zu helfen. Fehler schliesst hier ein, dass der Betreffende es eigentlich anders machen will.

Somit gibt es hier nichts, was Anlass für ein Verbotswillen wäre.

Mich würde interessieren, ob ihr tatsächlich der Meinung seit
Eure Religion hätte in diesen Beziehungen Recht und unsere
moderne Gesellschaft Unrecht.

Es geht hier für mich nicht um Recht oder Unrecht, sondern um die Nähe zu G’tt. Wenn jemand diese nicht sucht, dann ist er fern von G’tt und dieses ist erst einmal sein Problem. Wenn er selber dieses so nicht sieht, dann beschäftigt mich das auch nicht weiter. Warum auch?

Oder, falls ihr meint Eure
Religion sie in diesem Punkt „falsch“, wie ihr dann damit
umgeht, dass offensichtlich „falsche“ Teile im Kern Eurer
Religion enthalten sind.

Bislang kenne ich keine „falschen“ Teile :smile:

Gruß,
Eli