Professur in Fernost

Hallo

Ich habe schon des öfteren von Menschen gehört, die sich hierzulande „Professor“ nennen, sich diesen Titel aber scheinbar in Asien (genauer: China) erworben haben. Mir drängt sich deshalb der Verdacht auf, dass ein Professor dort einen anderen Stellenwert besitzt und der Titel leichtfertiger verliehen wird als hier, wo ein Erwerb desselben sich ja relativ anspruchsvoll gestaltet. Meine Frage nun wäre, kennt jemand das System dort und kann die Unterschiede zwischen jenem und dem unsrigen erläutern ? Oder wären solcherart „Professorentitel“, wie sie dort verliehen werden, am Ende auf europäische Länder gar nicht übertragbar (wer müsste/ würde das überprüfen?) ?

Gruss

Wiesel

Hi,

soweit ich weiss ist Professor kein Titel sondern eine Berufsbezeichnung. In Deutschland wird man (Juniorprofessuren einmal ausser acht gelassen) Professor nach erfolgreicher Habilitation und erfolgreicher Berufung. Und nicht jeder habilitierte ist gleichzeitig Professor. Die Habilitation ist die Lehrberechtigung an der Hochschule.
Mehr kann ich Dir leider nicht weiterhelfen.

Gruss
Brombär

Tag auch.

Stimmt schon, was „Brömbar“ schreibt. Allerdings, was akdemische Titel eines fremden Lands angeht: DIE müssen in einem anderen Land erstmal äquivalent anerkannt werden. Und das geht sicherlich nicht immer 1:1. Nehmen wir den Kameraden mal als Beispiel: http://www.vondemhagen.de . Hier ist er ‚nur‘ Prof. Dr. für VWL & BWL

HTH
mfg M.L.

Hallo,

auch hier gibt es noch unterschiede: es gibt den Professor als Amtstitel. Das ist jeder der dazu Berufen wird. Verlässt er die Hochschule, verliert er den Titel wieder. Nach einiger Zeit - spätestens beim emeritieren wird der Professorentitel in eine Akademische Würde geändert. Dann darf man ihn auch unabhängig vom Amt tragen. Bei einigen Bundesländern (z.B. in Bayern oder Baden-Württemberg) erhält man diese Akademische Würde bereits früher. (In BW jetzt nach 6 Jahren)

Nachlesen kann man das auf den Ministeriumsseiten.

Da einige ausländische Universitäten Titel jeglicher Art verkaufen, gelten strenge Regeln, welcher Titel anerkannt wird und welcher nicht. Nicht akkreditierte Universitäten sin völlig wertlos. Aber auch bei den akkreditierten gibt es Probleme.

Bei jedem, der seinen Titel gekauft hat, der nicht lehrt und keine angemessene Ausbildung hat gilt insbesondere: er darf sich hier nicht so nennen.

Gruß

Peter

Hallo alle zusammen,

was brombär schreibt ist richtig. möchte nur noch etwas erweitern.

Professor nach erfolgreicher
Habilitation und erfolgreicher Berufung. Und nicht jeder
habilitierte ist gleichzeitig Professor. Die Habilitation ist
die Lehrberechtigung an der Hochschule.

Es ist nicht nötig, noch nicht einmal sehr verbreitet, habilitiert zu haben. Es gibt genügend Professoren, die ohne Habilitation Ihre C4-Professur erhalten haben. Das läuft dann über politische Kanäle.
Ein Doktor der habilitiert hat darf sich meines Wissens „Privat-Dozent“ nennen. Er (oder Sie) hat die Lehrberechtigung und kann eine Professur formal erhalten. Wenn es keine Stelle gibt (siehe oben „politischer Klüngel“) dann bleibt er oder sie ein Leben lang auf der Habilitation hängen.
Zur ersten Frage: Was interessiert Dich an dem Titel? Es gibt genügend gekaufte Titel. Dr. h.c. ist nicht lateinisch für „honoris kausa“, das ist schwäbisch und heißt „hesch cauft“.
Laß Dich um Himmels Willen nicht von Titeln blenden. Lies Dir doch mal die Doktor-Arbeit von unserem Ex-Kanzler durch, vielleicht bringt das zurück auf den Erdboden. Ich kenne einige Doktoren die sind fachlich und auch menschlich top. Ich kenne auch einige akademische Titel- oder Würdenträger die kannst Du in der Pfeiffe rauchen. Also was soll ein Fern-Ost-Titel? Man kann doch in Deutschland so schnell Präsident werden. In der Narrenzunft, im Schützenverein, usw. Es gibt doch genügend Titel die rechtlich in Ordnung sind.
Die Titel sind oftmals doch nur auf der gleichen Ebene akzeptiert. Wenn es gekaufte sind wer huldigt denn dann diesen Menschen?

Gruß Norbert

Hallo,

Habilitation Ihre C4-Professur erhalten haben. Das läuft dann
über politische Kanäle.

Das ist gequirlter Quark. Jede Berufung läuft über „politische Kanäle“, schliesslich wird mit dem jeweils zuständigen Ministerium verhandelt. Ein C4-Professor ist Beamter!

Ein Doktor der habilitiert hat darf sich meines Wissens
„Privat-Dozent“ nennen.

Nein.

Er (oder Sie) hat die Lehrberechtigung
und kann eine Professur formal erhalten.

kann oder auch nicht

Wenn es keine Stelle
gibt (siehe oben „politischer Klüngel“) dann bleibt er oder
sie ein Leben lang auf der Habilitation hängen.
Zur ersten Frage: Was interessiert Dich an dem Titel? Es gibt
genügend gekaufte Titel. Dr. h.c. ist nicht lateinisch für
„honoris kausa“, das ist schwäbisch und heißt „hesch cauft“.

Quark. Das hängt davon ab, wer die Ehrendoktorwürde verliehen hat. Nur weil es Fälle von Titelhandel gibt, heisst das nicht, dass das die Regel ist.

Laß Dich um Himmels Willen nicht von Titeln blenden. Lies Dir
doch mal die Doktor-Arbeit von unserem Ex-Kanzler durch,
vielleicht bringt das zurück auf den Erdboden.

Hast DU sie gelesen?

Ciao R.

Hallo,

Habilitation Ihre C4-Professur erhalten haben. Das läuft dann
über politische Kanäle.

Das ist gequirlter Quark. Jede Berufung läuft über „politische
Kanäle“, schliesslich wird mit dem jeweils zuständigen
Ministerium verhandelt. Ein C4-Professor ist Beamter!

Wahnsinn. Dann bin ich an der einzigen Universität in D, in der das nicht immer so ist? Bei uns werden Professuren tatsächlich nach fachlicher Leistung vergeben.
BTW: Wenn man eine Professur ohne Habil bekommt, dann deswegen, weil aufgrund der wissenschaftlichen Arbeiten von der Berufungskommission eine habilitationsäquivalenz festgestellt wurde.

Ciao
Kaj

Hallo

Wahnsinn. Dann bin ich an der einzigen Universität in D, in
der das nicht immer so ist?

Wahnsinn, verstehen Akademiker heute keine Anführungszeichen mehr?
Extra für Dich: politische Kanäle

Noch kurz zur Erklärung, da anscheinend Ironie in w-w-w schwer vermittelbar ist:

Bei uns werden Professuren
tatsächlich nach fachlicher Leistung vergeben.

Das ändert allerdings nichts daran, an wen die Vorschlagsliste geht und wer die Ernennungsurkunde unterzeichnet. Jede Berufung wird abschließend mit dem Ministerium verhandelt. Nachzulesen ist das z.B. hier: http://wwwserv1.rz.fh-hannover.de/professur/bewerbun… . Durch diese „politischen Kanäle“ wird man Professor. (Ob habil oder nicht, das hat mit den „politischen Kanälen“ nichts zu tun).

Ich hoffe, jetzt hat es jeder verstanden, auch wenn ich mir die Ironietags spare.

Ciao
R.

Hallo und guten Abend,

danke für die restlichen Infos. Die Gleichung „gequirlter Quark“=„politische Känäle“ hab ich nicht verstanden. :smile:

Das ist gequirlter Quark. Jede Berufung läuft über „politische
Kanäle“, schliesslich wird mit dem jeweils zuständigen
Ministerium verhandelt. Ein C4-Professor ist Beamter!

Das wußte ich wirklich nicht.

Ein Doktor der habilitiert hat darf sich meines Wissens
„Privat-Dozent“ nennen.

Nein.

Die Promotion war scheinbar 88 in Heidelberg im Umlauf, nicht mein Fachbereich, deshalb nein. Ausserdem war meine Empfehlung sich eine solche Arbeit einmal anzusehen und vielleicht zu bemerken, daß überall mit Wasser gekocht wird. Mal mit großem Schneebesen, mal mit kleinem

Hast DU sie gelesen?

nix für ungut

Gruß Norbert

Hallo,

Wahnsinn. Dann bin ich an der einzigen Universität in D, in
der das nicht immer so ist?

Wahnsinn, verstehen Akademiker heute keine Anführungszeichen
mehr?
Extra für Dich: politische Kanäle

Hm … also ehrlich gesagt, verstehe ich die Ironietags so auch nicht, besser gesagt weiss ich nicht, was daran Ironie sein soll. Aber vielleicht liegt das an mir.

Ciao
Kaj

also gut
Hi Kaj

Hm … also ehrlich gesagt, verstehe ich die Ironietags so
auch nicht, besser gesagt weiss ich nicht, was daran Ironie
sein soll. Aber vielleicht liegt das an mir.

Naja, ich meinte nur, dass hier der normale Dienstweg für jede Berufung an eine staatliche deutsche Uni als „politischer Kanal“ (implizit also Mauscheleien) missverstanden wurde. Natürlich kann das Ministerium vom Vorschlag der Universität abweichen, aber auch nicht willkürlich - das Thema ‚Konkurrentenstreit bei einer beamtenrechtlichen Auswahlentscheidung‘ ist fast schon Rechtsgebiet für sich.

Wahrscheinlich bin ich zu Unrecht davon ausgegangen, dass es sei allgemein bekannt sei, nach welchem Verfahren hohe Beamtenposten besetzt werden (und in welchem Umfang das die Gerichte beschäftigt).

Ciao
R.

Kohl und China
Hallo Norbert,

Die Promotion war scheinbar 88 in Heidelberg im Umlauf, nicht
mein Fachbereich, deshalb nein. Ausserdem war meine Empfehlung
sich eine solche Arbeit einmal anzusehen und vielleicht zu
bemerken, daß überall mit Wasser gekocht wird. Mal mit großem
Schneebesen, mal mit kleinem

Ich kenne dieses Gerücht ebenfalls. Da ich die Arbeit nie gesehen habe, kann ich auch nicht beurteilen, ob das Gerücht überhaupt haltbar ist. Offen gesagt kenne ich niemanden, der (i) vom Fach ist und (ii) die Arbeit wirklich kennt. Vielleicht ist das Ganze eine moderne Wandersage, vielleicht wurde das Gerücht vom politischen Gegner in die Welt gesetzt, vielleicht stimmt es auch.
Die Länge sagt IMO gar nichts über die Qualität einer Arbeit aus. Ein Rückschluss vom Bibliothekskatalog auf die Arbeit ist deshalb kaum möglich.

Ciao R.

PS.: Langsam kommen wir vom Thema ab. Zu den chinesischen Professoren kann ich ausser Gerüchten (es gibt/gab auch sogenannte Wissenschaftler, die in Wirklichkeit für andere staatliche Stellen gearbeitet haben) auch nur wenig beitragen. Das ich fähige und unfähige chinesische Wissenschaftler kenne, hilft auch nicht weiter. Allgemein lässt sich sagen, dass die chinesische Wissenschaft in den letzten Jahren enorm aufgeholt hat und in der Qualität mit westlichen Standards durchaus mithalten kann. Ein großer Teil der US-Forschung wird übrigens von chinesischen Professoren mit (hauptsächlich) chinesischen Arbeitsgruppen durchgeführt.
Inwiefern ein Titel China eine Einladung für Hochstapler ist (Die Dokumente kann eh keiner lesen) weiss ich nicht.

Kohls Dissertation
Hallo,

ich habe die Dissertation von Kohl tatsächlich gelesen, zuerst in der verballhornten Form (Fliege-Verlag, glaube ich) und dann im Original.
Es handelt sich um ein typisches Thema für eine geschichtliche Detailuntersuchung mit regionaler Beschränkung, die zwar als Dissertation im Sinne einer Fingerübung in Ordnung ist, aber nicht wirklich sonderlich interessant ist. Was die Arbeit komisch macht, sind Sätze wie z. B. der erste der Arbeit, aus dem Gedächtnis zitiert: „In der Pfalz lebt ein fröhlicher und aufgeschlossener Menschenschlag.“ Nicht gerade ein Satz, den man in wissenschaftlichen Abhandlungen vermuten würde, oder?

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hi Kaj

Hm … also ehrlich gesagt, verstehe ich die Ironietags so
auch nicht, besser gesagt weiss ich nicht, was daran Ironie
sein soll. Aber vielleicht liegt das an mir.

Naja, ich meinte nur, dass hier der normale Dienstweg für jede
Berufung an eine staatliche deutsche Uni als „politischer
Kanal“ (implizit also Mauscheleien) missverstanden wurde.
Natürlich kann das Ministerium vom Vorschlag der Universität
abweichen, aber auch nicht willkürlich - das Thema
‚Konkurrentenstreit bei einer beamtenrechtlichen
Auswahlentscheidung‘ ist fast schon Rechtsgebiet für sich.

Ok, so langsam erleuchtet’s sich in mir.

Wahrscheinlich bin ich zu Unrecht davon ausgegangen, dass es
sei allgemein bekannt sei, nach welchem Verfahren hohe
Beamtenposten besetzt werden (und in welchem Umfang das die
Gerichte beschäftigt).

Wahrscheinlich. Besonders nachdem i.d.R. nicht mal die Studenten wissen, wie die Professuren an ihrer Uni vergeben werden. Die wenigsten wissen mit dem Begriff Berufungskommission was anzufangen :frowning:

Ciao
Kaj

Hallo Thomas,

aus dem Fliege-Verlag stammt imho keine verballhornte Form, sondern das Buch eines Autors, der von sich behauptet Ghostwriter verschiedener Dissertationen gewesen zu sein.
Bei seinen Recherchen sei er dann auch an Kohls Arbeit gelangt und habe aus diesem Anlass Stilblüten der Arbeiten verschiedener Politiker untersucht und in besagtem Buch veröffentlicht.
Der von Dir zitierte Satz ist mir aus dem Buch auch noch bekannt.
Es gab damals - in den 80ern - ein ziemliches Politikum darum, daß Kohls Arbiet plötzlich aus allen Bibiliotheken verschwunden und der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich war.

Liebe Grüße,

Max

Hallo Maximilian,

aus dem Fliege-Verlag stammt imho keine verballhornte Form,
sondern das Buch eines Autors, der von sich behauptet
Ghostwriter verschiedener Dissertationen gewesen zu sein.
Bei seinen Recherchen sei er dann auch an Kohls Arbeit gelangt
und habe aus diesem Anlass Stilblüten der Arbeiten
verschiedener Politiker untersucht und in besagtem Buch
veröffentlicht.

ja, das meinte ich. In diesem Buch mit dem Titel „Dünnbrettbohrer aus Bonn“ oder so (gab noch einen zweiten Teil) sind verschiedene Dissertationen von Politikern durch Zitatzusammenstellungen verballhornt worden (Blüm z. B. wird als Sadomasochist dargestellt, obwohl seine Arbeit durchaus interessant ist).

Es gab damals - in den 80ern - ein ziemliches Politikum darum,
daß Kohls Arbiet plötzlich aus allen Bibiliotheken
verschwunden und der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich war.

Ich hatte noch ein Exemplar per Fernleihe bestellen können, soweit ich mich erinnern kann.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

off topic Re: Kohls Dissertation
Hallo Thomas,

Danke für Deine Einschätzung.

Es handelt sich um ein typisches Thema für eine geschichtliche
Detailuntersuchung mit regionaler Beschränkung, die zwar als
Dissertation im Sinne einer Fingerübung in Ordnung ist, aber
nicht wirklich sonderlich interessant ist.

also eine eher mäßig durchschnittliche Leistung - aber immerhin noch in der Bandbreite des „zulässigen“. Das dürfte auf etwa 30 % der Dissertationen - zumindet in meinem Fachgebiet - zutreffen. Etwa 10 % würde ich sogar als Not-Dissertationen einstufen, nach dem Motto „Ende der Finanzierung - Zeit zum Abgeben“.

Was die Arbeit
komisch macht, sind Sätze wie z. B. der erste der Arbeit, aus
dem Gedächtnis zitiert: „In der Pfalz lebt ein fröhlicher und
aufgeschlossener Menschenschlag.“ Nicht gerade ein Satz, den
man in wissenschaftlichen Abhandlungen vermuten würde, oder?

eher nicht , aber es erheitert den Leser :wink:.

Grüße
R.

Danke für Eure Antworten.

Gruss

Wiesel

Hi Kaj,

Die wenigsten wissen mit dem Begriff
Berufungskommission was anzufangen :frowning:

ich schon :wink:
Denn ich hatte mal die Ehre (genauer gesagt sogar zwei mal), einer solchen anzugehören (als studentisches Mitglied).
Da wird einem ziemlich schnell die Ehrfurcht (so sie noch vorhanden sein sollte) genommen.
So ein kleinliches Gehacke und Proporzgezeter.
In einem Fall hat ein Prof einen Kandidaten durchgekriegt, dessen Tutor es war und der der gleichen Verbindung angehörte wie er.
Im anderen Fall ging erstaunlicherweise der m.E. beste Kandidat durch.

Gandalf

Hallo Gandalf,

wie die Kommissionen ablaufen wird sich wohl sehr von Fakultät zu Fakultät unterscheiden. In unserer hatte ich bis jetzt keinen Grund zu klagen (auch als studentisches Mitglied in mehreren Kommissionen). Das lief immer sehr rational und nachvollziehbar. Aber da hab ich, wie z.B. von Dir, auch eben schon andere Sachen gehört. *klopfaufholz*

Ciao
Kaj