Da ich aufgrund dieser Überlegungen die „Kosten für die
Gemeinschaft“ nicht als Kriterium anerkennen kann (es gibt
auch ganz andere Bevölkerungsgruppen die ganz andere Kosten
für die Gesellschaft hervorrufen, als ausgerechnet behinderte
Kinder), kehre ich zu der Überlegung zurück, ob hier nicht
doch eher der Versuch, Leben in eine bestimmte „Wertigkeit“
bringen zu wollen, eine Rolle spielt, und „finanzielle Kosten“
nur als Vorwand vorgeschoben werden.
entschuldigung, ich habe das schlecht ausgedrückt. mit „die gemeinschaft“ war nicht „die gesellschaft“ gemeint, sondern die gemeinschaft der kunden einer versicherung! gehen wir von einer privaten versicherung aus, dann wird es leichter verstehbar:
versicherer und versicherter verhandeln frei über den gegenstand, die tragweite und bedingungen für den eintritt des versicherungsfalles. zumindest in der theorie. in der praxis sind diese verhandlungen bereits abgeschlossen und der kunde wählt aus einem pool von gesundheitsprogrammen. aus der summe von versicherungsangeboten und kundennachfragen ergibt sich dann ein durchschnittswert der von den meisten versicherungen als leistungswürdig angesehenen krankheits- und unglücksfälle. beispiel: stolpern auf der straße mit knöchelbruch ist dabei, bergsteigen mit hubschrauberrettung nicht. bisher ist es so, daß zb. für die behandlung eines herzfehlers bei neugeborenen selbstverständlich bezahlt wurde. was wäre aber, wenn dieser zukünftige herzfehler bereits ab der 5. schwangerschaftswoche feststellbar ist? aus ökonomischen gründen würde die versicherung dann diesen fall aus ihrer liste der leistungen streichen wollen, da er vermeidbar ist und auf eigenes risiko geschieht. sprich: entweder die frau treibt ab oder sie muß für die auf das kind zukommende herz-OP selbst bezahlen. es wäre exakt dasselbe wie zb. bei der versicherung bei einer reise nach afrika: entweder man läßt sich gegen malaria impfen ODER man trägt sämtliche behandlungskosten im malariafall selbst. das prinzip läßt sich immer mehr ausweiten, je weiter die möglichkeiten der gendiagnostik reichen: rollstühle für als verkrüppelt geborene? spezialunterricht für geistig behinderte? wer wird das zahlen WOLLEN, wenn man vor der geburt bereits weiß, das diese kosten kommen werden? ich gehe noch weiter, damit es uns alle trifft: auch brillen verursachen im laufe des lebens immense kosten. was wäre, wenn man augenfehler bereits nach der befruchtung feststellen könnte und immer weniger menschen mit augenfehlern geboren werden? dazu käme dann, daß plötzlich das angebot an brillen abnähme und diese immens teuer werden würden. ich wäre dann - wie 50% der menschheit - nicht geboren worden!
(wenn du von einer einzigen, staatlichen gießkannenversicherung ausgehst, brauchen wir nicht weiter zu diskutieren. aber diesen fall halte ich bereits für einen anachronismus.)
was gibt es dazu zu sagen? das sind gravierende ethische probleme, die bereits vor der haustür stehen.
gruß
datafox
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