Erstmal tausend Dank an alle, die schon mitgemacht haben, und vielleicht noch mitmachen werden! Ihr habt mir bereits sehr geholfen (vor allem auch danke für die Kontaktadressen!!).
Und nun möchte ich gerne auch mal meine eigene Meinung zum Thema kundtun. :o)
Mein Thema: Der Umgang mit ausländischen Filmen in Schweden
und Deutschland - oder: Warum wird in Deutschland
synchronisiert, und in Schweden nicht?
Ganz ähnlich wie Christian nehme ich auch an, dass das vor allem eine Kostenfrage ist, bzw war es das zumindest anfangs. Mittlerweile *wollen* die Schweden aber auch gar keine Synchronisation mehr, sie wissen die Originale durchaus zu schätzen.
- Schaut ihr euch gerne Originalversionen an? Wenn ja, warum?
Wenn nein, warum nicht?
Ich persönlich *liebe* Originalversionen. Das geht mittlerweile so weit, dass ich in Deutschland kaum noch fernsehe (läuft ja auch sowieso fast nur Schrott), sondern lieber auf DVDs zurückgreife. Der Fernsehsender Arte bildet ja eine relativ rühmliche Ausnahme, aber auch da könnte noch mehr ausgebaut werden. Ich hasse es vor allem, wenn die Originalstimme einfach von einem deutschen Sprecher „überlabert“ wird, entweder ganz oder gar nicht. Sonst versuche ich immer, beiden gleichzeitig zuzuhören, und dann geht alles durcheinander…
Ich bevorzuge Originalversionen, weil ich denke, das die schauspielerische Leistung auch sehr stark in der Stimme mitschwingt. Klar gibt es auch gute Synchronisationen, aber sehr häufig krieg ich im Original eine „positive“ Gänsehaut, während das in der Synchronisation einfach fehlt. Auch Wortwitze, Dialekte etc gehen verloren.
Ich meine, stellt euch mal „Kleine Haie“ oder „Knocking on Heaven’s Door“ als englische Synchronisation vor! „Ich hab’n Kampfnam’n… Bierchen…“ Geht einfach nicht. ;o)
- Für Liebhaber von Originalversionen: Wenn ihr die Sprache
der Originalversion nicht verstehen könnt, bevorzugt ihr dann
trotzdem das Original (mit Untertiteln), oder macht das für
euch überhaupt keinen Sinn?
Jepp, ich sehe mir grundsätzlich *alle* Filme gerne im Original an. Aber, Untertitel müssen natürlich schon sein.
Der Grund liegt für mich nicht nur im schauspielerischen Aspekt - ich bin ganz einfach ein Sprachenliebhaber. Sprachen sind so ein bisschen wie Musik für mich, vielleicht nicht ganz, aber doch fast (kommt auch auf die Sprache und den Kontext an). Außerdem habe ich schon öfters gerade bei Filmen mit „Exoten“-Sprachen festgestellt, dass die Synchronisation so richtig schön hölzern und billig wirkt. Das kann ich mir und den Filmen einfach nicht antun…
- An alle: Glaubt ihr, dass bei der Synchronisation viel vom
Inhalt, von den Witzen, den schauspielerischen Leistungen etc
verloren geht? Seid ihr vom Gegenteil überzeugt? Oder denkt
ihr da gar nicht drüber nach?
In einem Großteil aller Fälle: Ja, es geht etwas verloren. Nicht gleich viel in jedem Genre (bei Komödien mehr als bei Action Thrillern), aber meistens ist das Original mindestens genauso gut oder besser als die Synchronisation. Es *gibt* allerdings auch Ausnahmen. ;o)
Beispielsweise finde ich die alten Star Wars Filme teilweise im Deutschen besser als im Englischen. Meiner Meinung nach kann nämlich von den Hauptdarstellern nur Harrison Ford richtig schauspielern, Luke wirkt im Original wie eine Schlaftablette, und Yodas Stimme jagt mir einen kalten Schauer über den Rücken…
Ein anderer Film, der im Deutschen verdammt coole Dialoge hat ist Ghostbusters. Der ist natürlich auch im Englischen superwitzig, aber auf Deutsch kommen manche Sachen einfach noch besser rüber. Zum Beispiel „Hört nur! *dididing* Ich glaube, ich rieche was!“ Klingt irgendwie besser als „Listen! *dididing* I smell something!“
Das sind so ganz kleine Wörter oder Phrasen, mit denen ich in der jeweiligen Sprache ein ganz besonderes gedankliches Bild verbinde, die kann man einfach nicht übersetzen. Wörter wie das „nur“ in „Hört nur!“ oder das simple Wörtchen „doch“ in Sätzen wie „Och, kannst du doch nich machen!“ Vielleicht geht’s auch nur mir so?
- Was wäre, wenn es in Deutschland auf einmal kein
Synchronisation mehr gäbe, sondern alles mit Untertiteln
liefe? Wenn nur noch Kinderfilme synchronisiert würden?
Könntet ihr damit leben?
Also, ich fänd’s *toll*. :o) Von allen wirtschaftlichen Konsequenzen mal abgesehen. Nur so für mich privat fänd ich’s toll.
- Würdet ihr euch eines fremdsprachigen Mediums bedienen, um
die betreffende Fremdsprache zu lernen? Falls ihr es schon
einmal versucht habt, hat es euch etwas gebracht, oder konntet
ihr keine Verbesserung erkennen?
Habe ich bereits getan. Man lernt dadurch zwar wirklich nicht sehr viel aktiven Wortschatz, aber eben sehr viel passives Vokabular. Wenn man dann noch die Untertitel in der entsprechenden Sprache einschaltet (sofern vorhanden), lernt man auch noch ein bisschen Rechtschreibung und Satzstellung und sowas. Und vor *allem* kriegt man mal was von der korrekten Aussprache und Hörverständnis mit.
Ich kann mich leider nicht mehr so genau erinnern, wie meine anfänglichen Erfahrungen mit englischen OVs waren, aber ich habe mir meine ersten schwedischen Filme schon sehr früh in meiner Lernlaufbahn angeschaut. Das waren dann halt Astrid Lindgren Filme, man muss sich ja nicht gleich total überlasten, aber ich hab mir die einfach so oft angeschaut, bis ich was verstanden habe. Und es hat sich ausgezahlt - ich spreche zwar noch immer nicht fließend Schwedisch, aber ich verstehe sehr viel, und ich habe (laut Aussagen anderer), eine recht gute Aussprache… für eine Deutsche. ;o)
- Was ist eure Meinung zum Thema Fremdsprachen, allen voran
Englisch? Glaubt ihr, ihr habt gute Fähigkeiten im Englischen?
Glaubt ihr, dass Schulenglisch für den Rest eures Lebens
reicht? Rosten eure Englischkenntnisse durch Mangel an
Gebrauch? Falls ja, wie würdet ihr sie gerne frisch halten?
Wiegesagt, ich *liebe* Fremdsprachen. Ich würde gerne soooo viele Sprachen lernen! Unterricht hatte ich bisher in neun Sprachen (inklusive Deutsch), aber leider kann ich bisher nur Englisch und Schwedisch so gut, dass ich zumindest ohne fremde Hilfe im Ausland überleben könnte. Ich habe jetzt aber vor, meine Französischkenntnisse wieder aufzufrischen, und zwar… durch ein französisches Hörbuch. Einfach mal wieder den Klang der Sprache reinkriegen, dass wär schon was…
- und letztens: Man sagt ja immer, die Skandinaven könnten so
gut Englisch. Habt ihr dazu irgendwelche Bemerkungen?
Da ich ja zur Zeit wiegesagt in Schweden bin, konnte ich mir über dieses Gerücht ein ganz gutes Urteil bilden. Ergebnis: Es stimmt teilweise, aber es gibt auch sehr viele (auch junge) Schweden, deren Englisch ganz schön mies ist. Sprechen können sie es allerdings meistens recht gut, d.h. vor allem ihre Aussprache ist viel viel besser als die der Deutschen (ich hab ja öfters mal den direkten Vergleich vor Augen, z.B. bei Referaten). Die Rechtschreibung ist nicht unbedingt immer vom Feinsten, und auch das aktive Vokabular lässt manchmal zu wünschen übrig, aber die generelle Bereitschaft, sich in der Fremdsprache wirklich zu *unterhalten* ist bei den Schweden meiner Meinung nach viel größer.
Viele Deutsche versuchen bei Kontakt mit englischsprachigen Ausländern immer, das Gespräch möglichst auf die Standard-Redewendungen zu beschränken - nicht so hier in Schweden. Obwohl es natürlich auch in diesem Punkt wieder Ausnahmen gibt.
Aber sagen wir es mal so: Es ist für mich mitunter verdammt schwierig, mein Schwedisch zu trainieren, weil die Schweden beim kleinsten Anzeichen eines ausländischen Akzents sofort ins Englische überwechseln, und da auch bleiben. Ist schon fast nervig…
Ich denke, dass die Schweden auf jeden Fall ein deutlich besseres Hörverständnis haben als die meisten Deutschen. Das lässt sich ja mit den vielen Originalversionen auch kaum vermeiden.
So, das war’s für heute, aber ich werde versuchen, mir in den nächsten Tagen auch noch die Zeit zu nehmen, auf Einzelpostings zu antworten.
Hej då
Annika