bin immer noch nicht ganz einverstanden
Hallo Wolfgang,
zunächst einmal vielen Dank für die wiederholte ausführliche Antwort. Ich stimme dir in den meisten Punkten zu, aber ich möchte noch einige Dinge zur Sprache bringen.
damit nach 2 Tagen noch Alkohol im Blut ist, mußt Du schon
sehr heftig gebechert haben. Jede Stunde 0,1 Promille - das
mag zutreffen, je nach körperlichem Zustand kann das aber
recht heftig schwanken. Außerdem macht Dich so ein Wert auch
nicht schlauer, denn Du weißt nicht, wie hoch der
Alkoholgehalt am Ende der Trinkerei tatsächlich ist. Deshalb
und weil die Abbaugeschwindigkeit mit so vielen Unsicherheiten
behaftet ist, kann eine durchschnittliche Nacht von 8 Stunden
zu kurz sein, um sicher wieder auf 0,0 Promille zu sein. Ein
oder zwei Biere kannst Du Dir nach wie vor gönnen, wenn das
Auto stehen bleibt und Du eine Nacht schlafen kannst. Wenn Du
Deinen Führerschein behalten willst, ist eine ausgedehntere
Zecherei aber nicht drin.
Das ist in Ordnung. Ich trinke nur sehr unregelmäßig Alkohol und eigentlich nie über den Durst. Ich halte es einfach für ungerecht, dass ich, wenn ich am Abend bei mir zuhause - wie du gesagt hast - ein oder zwei Bier trinke, schlafen gehe und am nächsten Morgen wieder topfit aus dem Bett springe, mir aber nicht sicher sein kann, ob ich schon wieder auf 0,0 Promille bin, obwohl ich mich fühle wie an jedem Morgen.
Ungerecht? Nein, zumindest nicht aus meiner Sichtweise. Ich
finde es nur inkonsequent, daß nicht für jeden Autofahrer
grundsätzlich 0,0 Promille gilt. Wie begeistert wärst Du wohl,
wenn Dich jemand zum Krüppel fährt, weil er eben gerade den
Rausch ausgeschlafen, aber nicht topfit einen Hauch zu spät
reagierte?
Das ist etwas anderes: Ich sagte, wieso sollte ich nicht am nächsten Morgen fahren, wenn ich
a) am vorigen Abend nur wenig getrunken habe (nicht mal angeheitert war) und
b) mich wieder topfit fühle (also zu 100%) ?
Gewöhne Dich ruhig im Alltagsverhalten an absolute
Alkoholfreiheit am Steuer. Die 0,0-Promille-Grenze kommt nach
meiner Überzeugung so sicher wie das Amen in der Kirche, und
zwar für alle und grundsätzlich. Es hat in den letzten 20
Jahren einen langsamen Sinneswandel gegeben. Ich erinnere mich
noch an das öffentliche Gezeter, als 1,2 Promille eingeführt
wurde. Damals war es üblich, daß am Arbeitsplatz (keineswegs
nur auf dem Bau) zu jeder Gelegenheit getrunken wurde. Auf
einem Bein kann man nicht stehen und aller guten Dinge sind
drei, waren nur einige der überall kursierenden Sprüche. Trotz
geringerer Verkehrsdichte gab es aber allein in der
Bundesrepublik mit damals 60 Mio Einwohnern jährlich über
12.000 Verkehrstote, ein erheblicher Teil als Folge
alkoholisierter Fahrer.
Ich kann mich schon an die 0,0 Promillegrenze gewöhnen, ich finde es nur so unfair, dass man kaum einschätzen kann, wann man nach Alkoholkonsum wieder auf diesem Wert ist. Nach einer Nacht ist der Körper womöglich schon wieder voll regenieriert auch wenn ein Alkotest vielleicht noch 0,2 Promille ergeben würde. Verstehst du was ich meine?
Und in meinem Fall kostet mich das den Führerschein, obwohl ich mir dann wirklich keines Vergehens schuldig bewusst wäre.
Der negative Einfluß schon kleinster Alkoholmengen auf das
Fahrverhalten ist sattsam bekannt. Die bei der Diskussion um
Promille-Grenzen regelmäßig ihren Untergang beschwörende Lobby
aus Gastronomie und Brauereien ist eindeutig auf der
Verliererstraße. So wird sich hoffentlich bald die Vernunft
durchsetzen und für eine unmißverständliche Regelung für alle
sorgen, die nur absolutes Alkoholverbot am Steuer heißen kann.
Wer früher mit Hinweis auf das vor der Tür stehende Auto
Wasser statt Bier haben wollte, mußte sich hirnrissiges Gerede
anhören. Heute wird dieser Wunsch in jedem Kreis anstandslos
akzeptiert. Früher gehörte mancherorts zu einem richtigen
Kerl, daß er einen ordentlichen Schluck vertrug. Hat sich auch
geändert, ist sogar eher verpönt.
Wo also ist Dein Problem? Laß’ also die Finger vom Alkohol, Du
outest Dich damit nirgends. Alkoholkontrollen, drohender
Führerscheinverlust mit MPU und hohen Kosten haben dann für
Dich jeden Schrecken verloren. Übrigens wird Alkohol
inzwischen auch an keinem Arbeitsplatz mehr akzeptiert. Die
wiederholte Fahne ist Anlaß für ein Gespräch mit Hilfsangebot,
wenn das nicht fruchtet folgt die Abmahnung und sodann die
Kündigung. Abgesehen von den erheblichen Gefahren an vielen
Arbeitsplätzen zahlt eben kein Arbeitgeber für ein benebeltes
Gehirn.
Wie gesagt, ich bin hänge nicht ständig sternhagelvoll in der Gegend herum, meine Frage bezog ich auf - angemessenen - Aloholkonsum. Sonst stimme ich dir eigentlich in allen Punkten zu.
Grüße
Jerry