Hi Infotalk,
Das ist ja interessant. Der Papst vertritt also mit seiner
Vorstellung von Familie eine Extremposition.
Nicht diese Vorstellung von Familie ist eine Extrempostion, sondern eine Extremposition ist es, dieses Bild von Familie als die einzig legitime Lebensform darzustellen und alle anderen Lebensformen und sexuellen Veranlagungen als abartig und gesellschaftsschädigend abzuwerten. Niemand möchte die traditionelle Familie abschaffen oder abwerten. Jede® der so leben möchte, darf dies natürlich tun und genießt weiterhin alle Vor- und Nachteile, die sich aus diesem Status ableiten.
Als Extremposition bezeichne ich es, sozialen Unfrieden zu stiften, indem öffentlich zu Diskriminierung aufgerufen wird. Es ist nunmal eine Tatsache, dass in unserer Gesellschaft verschiedene Lebensformen und religiöse Überzeugungen nebeneinander und miteinander existieren. Aufgabe des Staates ist es, integrativ zu wirken, die Freiheiten möglichst aller Bevölkerungsgruppen zu respektieren und Gesetze für ein geregeltes Miteinander zu erlassen. Und genau das geschieht, wenn auch das Zusammenleben von schwulen/lesbischen Paaren auf eine gesetzliche Grundlage gestellt wird.
Der Papst versucht sich in die Gesetzgebung von souveränen Staaten einzumischen, indem linientreue Anhänger in Machtpositionen zu Gehorsam gegenüber der päpstlichen Autorität aufgerufen werden. Das ist meiner Meinung nach eine sehr gefährliche Strategie, erzeugt sozialen Unfrieden und ist mit demokratischen Grundprinzipien nicht zu vereinbaren.
Dann ist wahrscheinlich das folgende jetzt normal:
„Ansonsten propagiert die herrschende Ideologie das
abgefuckte Modell der kleinbürgerlichen Familie“
Wundert es dich, dass Menschen, die ständig diskriminiert werden, sauer reagieren? Genau das meine ich, wenn ich sage, dass das Geschreibsel aus Rom ein friedliches soziales Miteinander gefährdet.
"Ohnehin ist die okzidentale kleinbürgerliche Familie die
letzten Jahrzehnte schwer in Mitleidenschaft gezogen worden.
Die propagierten Ideale waren im vergangenen Jahrhundert
ständigen Wechseln unterworfen. Statt Kinder fürs Vaterland
wurde sie auf eine Konsumgemeinschaft mit kostenlosem Sex
reduziert. Sollte trotz Präservative, Pesare und Pille das
-selbstverständlich geplante- Kind die traute Gemeinschaft
durchkreuzen, reduziert sich ihr Erziehungsauftrag auf die
Weitergabe der repressiven und konsumistischen Mechanismen
staatlicher, halbstaatlicher und privater
"Bildungs"instutionen der Gesellschaft.
Hm, das ist vermutlich eine ziemlich genaue Analyse der Situation, wie man sie heute in vielen Familien vorfindet. Es nutzt ja auch niemandem, wenn man mit idealistisch verklärter Sichtweise die reale Situation verkennt. Genau hier liegt doch der Hund begraben. Es wäre Aufgabe der Kirchen Familien zu unterstützen, Rückhalt zu bieten und sie in ein psychsoziales Umfeld einzubetten. Das geschieht aber nicht! Es wird moralisiert und abgewertet, aber alltagstaugliche Handlungsalternativen werden nicht geboten. Da ist es doch kein Wunder, dass immer weniger Menschen etwas mit der KK zu tun haben wollen!
Es lohnt sich sich nicht, das ganze Pamphlet durchzulesen,
aber daß man daran arbeitet, unser Gesellschaftssystem
kaputtzumachen, dürfte doch damit klar sein – wenn jemand noch
daran gezweifelt hat.
Für mich ist nur klar, dass in unserem Gesellschaftssystem einiges nicht stimmt. Die Frage nach den Ursachen ist keineswegs geklärt! Die KK propagiert weiter ein „Friede-Freude-Eierkuchen-Familienbild“, das oft nicht der Realität entspricht. Vielleicht entscheiden sich auch wegen der zahlreichen Probleme, die damit verbunden sind, immer weniger Menschen für eine traditionelle Familie. Anstatt die Situation sachlich zu betrachten und echte Hilfestellungen zu bieten, schiebt die KK alles auf die Schwulen und Lesben. Man hat wohl Angst, dass sich immer mehr gefrustete Menschen, zu dieser alternativen Lebensweise hingezogen fühlen könnten. Aber das ist doch schlicht Blödsinn! Wer nicht schwul/lesbisch ist, wird es auch nicht, nur weil es jetzt die Möglichkeit der eingetragenen Lebenspartnerschaft gibt! Und wer schwul/lesbisch ist, der ist es sowieso, auch wenn es diese Möglichkeit nicht gibt. Die KK sollte jedenfalls erst mal vor der eigenen Türe kehren und ihre Methoden, ihr negatives Menschenbild und ihre Betriebsblindheit gründlich überdenken.
Viele Grüsse,
Lisa