Psychologische Diagnostik

Hallo,

ich habe schon ein bisschen gewikipedelt und gegoogelt.

Es gibt wohl verschiedenste Orientierungen (tiefenpsychol.-psychodyn.; verhaltenstherapeutisch; systemisch). Daher ist meine Frage sicher nicht eindeutig zu beantworten. Ich versuche es dennoch.
Es geht hier um die „gängigen“ Methoden in einer psychiatrischen Klinik.

Werden dort grundsätzlich auch Tests durchgeführt, oder erfolgt die Diagnose eher nur durch Einzelgespräche?

Werden in der Psychiatrie eigentlich grundsätzlich Medikamente verabreicht?

Gibt es einen groben Richtwert, wieviele Sitzungen durchschnittlich notwendig sind?

Ich könnte mir vorstellen, dass ein neu aufgenommener Patient ja recht schnell an Angeboten der Klinik teilnehmen sollte, bevor eine abschließende Diagnose überhaupt erstellt werden konnte.

Gibt es da eine Art ‚allgemeine Therapie‘ die erst Mal für jedes Krankheitsbild ‚taugt‘, und falls ja, was wäre dies? (Ergo-, Kunst-, Musiktherapie) oder auch schon spezielle/allgemeine Gruppentherapien?

Ich hoffe das ist nicht zu komplex.

Danke vorab Agnes

Die Behandlung, z.B. ob Medikamente oder nicht, hängen sehr von der Diagnose ab. Während z.B. bei Psychosen die Medikamentenbehandlung essentiell sind und die therapeutischen Gespräche eher unterstützend eingesetzt werden ist es bei anderen Problemen (z.B. leichte Depression, Phobien) usw. eher umgekehrt.
Bei Phobien schlägt z.B. die Verhaltenstherapie recht gut an, bei anderen Problemen wiederum andere Richtungen - und dann kommt es natürlich stark auf den Klienten, sein Reflexionsvermögen, Leidensdruck usw. an. Insgesamt sind aber die Effekte von Psychotherapie, wenn man sie langfristig mit der spontanen Verbesserung vergleicht, eher gering.

Wenn diverse Therapeuten unterschiedlicher Richtungen miteinander verglichen werden, zeigt sich, dass der erfolg mehr mit der Person des Therapeuten zusammenhängt, als mit seiner verwendeten technik. Ein guter Therapeut ist also bei verschiedenen Methoden gut, ein schlechter bei allen schlecht. Dies unterstützt, bei allem Bemühen, die Wirkprinzipien von Psychotherapie empirisch weiter zu erforschen, den Schluß, das Psychotherapie letzlich so etwas wie eine „Kunst“ ist.

Werden dort grundsätzlich auch Tests durchgeführt, oder
erfolgt die Diagnose eher nur durch Einzelgespräche?

in der regel ja, um die diagnose zu sichern. ist aber auch eventuell entbehrlich, wenn vom vorbehandler die daten z.b. übermittelt wurden (gegen einverständniserklärung!)

Werden in der Psychiatrie eigentlich grundsätzlich Medikamente
verabreicht?

nein. nur nach bedarf. die ärztlichen verordnungen sind immer nur vorschläge, die der patient selbst für sich annehmen oder ablehnen kann. das ist doch bei allen ärztlichen verordnungen so: der arzt empfiehlt eine bestimmte behandlung (hier: einsatz von tabletten) und der patient stimmt zu. muss er aber nicht, er kann auch mit dem arzt besprechen, was er selbst für richtig hält und ob es auch so geht. ausnahme in der psychiatrie ist selbst- und fremdgefährdung. wenn man mit der einnahme von einem medikament nicht einverstanden ist, kann man das sagen, besprechen und wird im allerschlimmsten fall mit einem schlechtgelaunten und narzistisch gekränkten arzt konfrontiert, der einem sagt, man solle sich woanders behandeln lassen. das passiert aber nicht oft.

Gibt es einen groben Richtwert, wieviele Sitzungen
durchschnittlich notwendig sind?

nein. den gibt es nicht. es gibt nur eindeutig festgelegte geldkontingente von der krankenkasse, die, geteilt durch therapiestundenpreis, eine anzahl an stunden im „gesamtpaket“ ergeben: 25 oder 50 stunden

Ich könnte mir vorstellen, dass ein neu aufgenommener Patient
ja recht schnell an Angeboten der Klinik teilnehmen sollte,
bevor eine abschließende Diagnose überhaupt erstellt werden
konnte.

klar, so ist es. macht doch auch sinn, die angebote wahrzunehmen, dafür sind sie da.

Gibt es da eine Art ‚allgemeine Therapie‘ die erst Mal für
jedes Krankheitsbild ‚taugt‘, und falls ja, was wäre dies?
(Ergo-, Kunst-, Musiktherapie) oder auch schon
spezielle/allgemeine Gruppentherapien?

für die meisten aller psychischen störungen ist das gespräch mit einem profi und das gespräch mit anderen patienten in der gruppe sehr hilfreich. daher kann man die positive wirkung generell für die meisten unterstellen, aber auch das wird ärztlich vorher verordnet und individuell auf jeden patienten abgestimmt. das stationsteam entscheidet da in der regel mit, was sinn macht.

Wenn diverse Therapeuten unterschiedlicher Richtungen
miteinander verglichen werden, zeigt sich, dass der erfolg
mehr mit der Person des Therapeuten zusammenhängt, als mit
seiner verwendeten technik. Ein guter Therapeut ist also bei
verschiedenen Methoden gut, ein schlechter bei allen schlecht.
Dies unterstützt, bei allem Bemühen, die Wirkprinzipien von
Psychotherapie empirisch weiter zu erforschen, den Schluß, das
Psychotherapie letzlich so etwas wie eine „Kunst“ ist.

Das sicher auch. Ein guter Therapeut wird jedoch mit einem gut sortierten Werkzeugkasten immer noch bessere Ergebnisse erzielen, als mit einem vergleichsweise simpel oder gar falsch sortierten. Zu letzteren zählen alle, außer der Traumanalyse. Wenn also ein Patient dafür nicht geeignet ist - und dazu zählen leider! die meisten, dann liegt es nicht daran dass die Traumanalyse schlecht sortiert wäre, sondern ist daran schlicht der Umstand Schuld, dass sie überhaupt nicht therapiefähig sind. Freuds Sortiment und Methode machen nämlich nicht den naturwissenschaftlich unverzeilichen Fehler, den Gesundheitszustand mit dem sonst überall üblichen statistischen Kriterium der „Normalität“ zu gleichzusetzen; er setzt biologische und evolutionstheoretische Kriterien an, den Krankheits- vom Gesundheitszustand der menschlichen Psyche und Physis zu unterscheiden.

Danke euch beiden @ Fellow und @alpha. Hat mir geholfen!

Ich kann euch aber keine Sterne geben.
Naja, kapier ich nicht. Einerseits wurden die Kriterien für die Dinger extrem erweitert und ihnen der ursprüngliche Sinn genommen. Sympathiesternchen wurden legitimiert, aber andererseits spricht man neuen Mitgliedern einen Monat lang (oder sogar 2?)ab, die „Sinnhaftigkeit“ dieser Dinger adäquat anwenden zu können.
Nunja, in meinen Augen eine Farce. nich Fisch und nicht Fleisch. Einerseits sind sie wichtig genug, um sie für Neuankömmlinge zu sperren, andererseits dienen sie dazu, um mit ihnen um sich zu schmeißen.

Aber das muss ich ja nicht verstehen. Zumindest nicht im Psychologie-Brett :wink:

Agnes

Hallo!
Ich war mal lange in einer Psychiatrie. Dort wurde eigentlich keine Diagnose gestellt, es gab auch keine Einzelgespräche, es wurden aber viele Tests durchgeführt wie CT, Blutuntersuchung, EEG, EKG, Schlafentzugstest, etc.
In meiner Abteilung hat glaube ich jeder Medikamente bekommen.
Sitzungen gab es dort nicht.
Ich habe dort überhaupt keine Form von Therapie erlebt.
Grüsse Ali