Psychologische theorien aus philosophischer sicht?

hallo,

Beide Begriffe - Wiedererleben und
Verdrängung - sind so eng mit Freudscher Psychoanalyse
verknüpft, daß es wundern sollte, wenn niemand in einer
Diskussion auf Freud zu sprechen käme.

jo, aber sicher ist es trotzdem möglich, das auszuklammern.

(unabhängig davon, ob es „echte“ oder suggerierte erinnerungen
sind)

Nur provoziert (provocare - hervorrufen) die These vom
Wiedererleben des Verdrängten die Frage geradezu, ob diese
These gültig ist.

ja und genau darum geht es mir :smile:

viele grüße
wega

hallo,

Deine Theorie

ist ja nicht meine :o)

ist eher Tatsache, denn wenn man(frau)den
Liebeskummer täglich erlebt, so wird er langsam aber sicher
abgeflacht. Dies ist ein Schutzmechanismus unseres Gehirns.

nein, der ausgangspunkt war ja nicht *ein* liebeskummer (dass der vergeht, ist klar) sondern die these, dass man angeblich im ganzen leben keinen mehr erlebt, wenn man den „eigentlichen“ frühkindlichen schmerz irgendwie bearbeitet.

gruß
wega

hallo metapher,

Mit dem „Wiederleben“ ist etwas anderes gemeint: Es geht um
das Reaktualisieren (das wäre der korrektere Ausruck) eines
bestimmten traumatischen Ereignisses oder eine länger
andauernden traumatischen Situation der Vergangenheit, bei der
der Schmerz (oder Trauer oder Entsetzen oder ähnliches) aus
irgendwelchen Gründen nicht „adäquat“ ausagiert werden konnte.

was heißt das denn. was wäre ein adäquates ausagieren?

Dann geschieht Folgendes: Das traumatische Erlebnis bleibt
aktuell,

ok, es wird durch eine gegenwärtige situation aktualisiert.
dann kann doch aber die gegenwärtige situation als möglichkeit des „adäquaten ausagierens“ genommen werden.

… und hier stellt das Bewußtsein offenbar einige Tricks zur
Verfügung, dennoch den aktuellen Schmerz aus dem
Tagesbewußtsein wegzuzaubern. Einer dieser Tricks ist nun mit
dem Ausdruck „Verdrängung“ belegt worden. Verdrängung ist also
selbst gerade eine Form der Befreiung vom Schmerz.

welche soll es denn aber sonst geben?
selbst wenn der schmerz, wie du schreibst, adäquat ausagiert würde, müßte er doch irgendwie verschwinden. worin unterscheidet sich dann dieses aus-dem-bewußtsein-verschwinden von der verdrängung?

  1. insofern permanent Verdrängungsarbeit geleistet
    werden muß, die sich z.B. in Vermeidungsverhalten zeigen kann

vermeidung von was?
wenn es um schmerzvermeidung geht, ist das doch eine alternativlose variante.

oder sogar in der Weise, daß - ohne daß es von kognitiven
Kritiren steuerbar wäre - dem ursprünglichen Trauma verwandte
Situationen immer wieder provoziert bzw. inszeniert werden.

aber welche funktion erfüllt das?
es wird immer wieder provoziert, damit sozusagen das „ursprüngliche“ trauma angeblich ausagiert oder verarbeitet werden kann.
warum dann aber nicht direkt das aktuelle als ersatz hernehmen und bearbeiten?

Also: Nicht im Wiedererleben des verdrängten Traumas liegt die
Befreiung (sonst wären backflashs schon die Therapie), sondern
die Verdrängung (oder Abspaltung oder Konversion oder …) ist
selbst ein vorläufiger Befreiungsversuch, der aber mißlingt.

worin liegt die befreiung denn dann?
wie würde in einer therapie mit den aufgedeckten erinnerungen umgegangen werden müssen, um eine befreiende wirkung zu erzielen?

gruß
wega

hallo metapher,

nein, der ausgangspunkt war ja nicht *ein* liebeskummer (dass
der vergeht, ist klar) sondern die these, dass man angeblich
im ganzen leben keinen mehr erlebt, wenn man den
„eigentlichen“ frühkindlichen schmerz irgendwie bearbeitet.

Wieso „angeblich“?? Behauptet das denn irgendjemand? Das wäre
natürlich ebenso Unsinn.

ja, diese behauptung habe ich neulich gelesen. sie soll von arthur janov stammen.

Aber das war auch nicht Inhalt dessen, was du unter
„These“ ursprünglich schriebst: Die (bestimmte Art) des
Wiedererlebens dient lediglich dazu, ein biografisch
früher liegendes und dann verdrängtes Trauma zu bewältigen.
(Übrigens auch dann, wenn die Verdrängung nicht gelang. So
jedenfalls nach Auffassung einer Richtung von
Traumapsychotherapie.)

die behauptung, die ich aufgegriffen habe, zielte darauf ab, dass z.b. liebeskummer *immer* nur eine aktualisierte traumasituation ist.
hat man das ursprüngliche trauma „bearbeitet“ - durch wiedererleben -
tauche kein schmerz im leben jemals mehr auf.
dabei frage ich mich dann aber, ob dann nicht jeder mensch traumatisiert ist und ob nicht eine situation auch aus sich heraus schmerzen verursachen können soll.

Damit ist nicht gesagt, daß eine vergleichbare Situation nicht
wieder auftauchen kann. Es gibt keine Immunisierung gegen
(z.B.) Liebeskummer. Das ist unmöglich.

wie unterscheidet man denn dann, ob ein aktueller schmerz mit einem trauma aus der kindheit zu tun hat oder nicht ?

gruß
wega

Hallo Ben
Wenn Du Lust hast, kannst Du meine Promillezahl

„diagnostizieren“, bei Null ist sie nicht, weil ich gerade von
einer Party gekommen bin :wink:

Davon war nichts zu merken - Deine Ausführungen waren stringent, absolut klar und eine hervorragende Zusammenfassung des bisher Abgelaufenen.
Gruß,
Branden

Hallo Branden

Wenn Du Lust hast, kannst Du meine Promillezahl
„diagnostizieren“, bei Null ist sie nicht, weil ich gerade von
einer Party gekommen bin :wink:

Davon war nichts zu merken - Deine Ausführungen waren
stringent, absolut klar und eine hervorragende Zusammenfassung
des bisher Abgelaufenen.
Gruß,
Branden

Danke für die Bestätigung;
(die Promille-Diagnose war nur als running gag zwischen Tahere und mir gedacht)

Viele Grüße
franz

hallo metapher,

aber, sorry, es soll im Rahmen bleiben, sonst müssen die MODs
den Thread ins Psychobrett verschieben …

wenns sein muss…

was heißt das denn. was wäre ein adäquates ausagieren?

nimm ein einfaches Beispiel: Ein Kind erlebt etwas Trauriges
und es weint. Dann wird es - WEIL es weint - mit Strafe
bedroht oder gar wirklich verprügelt, eingesperrt o.ä. … es
wird dann aus Angst vor zusätzlicher Quälerei nicht mehr
weinen …

ok. was aber, wenn es als erwachsener doch weinen kann?
wirkt dann das trauma oder nicht?

Dann geschieht Folgendes: Das traumatische Erlebnis bleibt
aktuell,

ok, es wird durch eine gegenwärtige situation aktualisiert.

nein, das alte traumatische Erleben bleibt (unbewußt)
aktuell und steuert, kognitiv nicht kontrollierbar, das
gegenwärtige Verhalten und Gefühlsleben.

wenn nun aber das traumatische erleben bewußt ist, warum sollte es dann das verhalten nicht immmernoch steuern?

dann kann doch aber die gegenwärtige situation als möglichkeit
des „adäquaten ausagierens“ genommen werden.

Nein, Menschen funktionieren halt so nicht.

ich denke, der aktuelle auslöser des vergangenen traumas wird von der psyche als möglichkeit des ausagierens inszeniert?

welche soll es denn aber sonst geben?
selbst wenn der schmerz, wie du schreibst, adäquat ausagiert
würde, müßte er doch irgendwie verschwinden.

das tut er dann (wenn es gelingt) auch. Er versinkt dann in
die bloße externe (und als Erinnerungsfakt auch abrufbare)
Erinnerung, was er sonst nicht könnte, weil er bewußt nicht
gewußt würde.

es kommt also nur auf das erinnern an?
und wenn man z.b. glaubt, die ursache gefunden zu haben und das erleben ändert sich trotzdem nicht, hat man nicht wirklich die ursache gefunden? und wenn dem so ist, woher will man dann wissen, ob die weitersuche erfolgreich sein würde?

worin unterscheidet sich dann dieses aus-dem-bewußtsein-verschwinden
von der verdrängung?

wie du in den Links zu meinen früheren Artikeln nachlesen
magst, gibt es verschiedene Formen davon, Verdrängung ist eine
davon, und es gibt auch verschiedene Formen der Verdrängung.

ich habs nachgelesen, habe aber keine antwort darauf gefunden.
wenn ich eine situation samt dazugehörigem gefühl der vergangenheit zuordnen kann und nunmehr von diesem erleben „befreit“ bin, muss
ja der schmerz dennoch irgendwie aus dem bewußtsein herausgelangt sein.

  1. insofern permanent Verdrängungsarbeit geleistet
    werden muß, die sich z.B. in Vermeidungsverhalten zeigen kann

vermeidung von was?

Von bestimmten Situationen, die assoziativ an das Erlebte
anknüpfen.

wenn es um schmerzvermeidung geht, ist das doch eine alternativlose variante.

Nein, ist nun mal nicht so, siehe oben.

was ist mit lernprozessen? wenn jemand auf eine heiße herdplatte gefaßt hat, wird er doch verstärkt drauf achten, in der nähe des herdes keine unkontrollierten bewegungen zu machen…

es wird immer wieder provoziert, damit sozusagen das
„ursprüngliche“ trauma angeblich ausagiert oder verarbeitet werden kann.

ungefähr so kann man sagen, ja. Aber das Provozieren solcher
Situationen geschieht nicht bewußt, nicht kognitiv gesteuert.

warum dann aber nicht direkt das aktuelle als ersatz hernehmen und bearbeiten?

wiederum siehe oben: So „funktionieren“ Menschen aber nicht.

„das ist halt so“ ist eine schlechte erklärung :o)

Also: Nicht im Wiedererleben des verdrängten Traumas liegt die
Befreiung (sonst wären backflashs schon die Therapie), sondern
die Verdrängung (oder Abspaltung oder Konversion oder …) ist
selbst ein vorläufiger Befreiungsversuch, der aber mißlingt.

worin liegt die befreiung denn dann?

wurde doch schon gesagt: Es wird aus dem Tagesbewußtsein
verdrängt.

nein, ich meine, die „richtige“ befreiung?

wie würde in einer therapie mit den aufgedeckten erinnerungen
umgegangen werden müssen, um eine befreiende wirkung zu
erzielen?

Das hängt von der Therapiemethode ab und von der jeweiligen
Therapietheorie, da gibt es verschiedene. Aber das hier zu
explizieren ist unmöglich, dazu gibt es die
Therapieausbildungen …

wie müßte denn *deiner* meinung nach damit umgegangen werden?

gruß
wega

Hallo Branden,

bist du eigentlich Freudianer? Du erwähntest auch Stavros Menzos und Kernberg als Orientierungspunkte? Nur Neugierde bei mir!

Nein. Das sehe ich anders. Ich stehe als Arzt den
Naturwissenschaften mindestens so nahe wie den
Geisteswissenschaften und halte diese Trennung m.E. nicht mehr
für sinnvoll, sondern eher für hinderlich.

Ich schreibe mal nur ein paar Punkte auf, die sollen kein Angriff sein, sondern ich bin neugierig.

Ich würde normalerweise nicht nur die Medizin, sondern auch die Psychologie rein und ausschließlich den Naturwissenschaften zuordnen. Sowohl der Forschungsgegenstand als auch die Methoden sind (bzw. sollten) nach meiner Meinung eindeutig den Naturwissenschaften zuzuordnen sein.

Allerdings ist die Psychoanalyse/ tiefenpsychologische Ansätze bei den Methoden da etwas außen vor, weil die grundlegenden Theorien nicht dem Kriterium der Falsifizierbarkeit genügen. Auch gibt es natürlich Probleme der Überprüfung der Wirksamkeit, weil von einigen Vertretern gerne mit dem blumigen Ausdruck der Symptomverschiebung jeglicher empirischer Vergleich und damit die Kontrolle von Ergebnissen beiseite geschoben wird. Das sind Punkte, die mich an den tiefenpsychologischen Ansätzen sehr stören.

Das liegt zum Teil daran, dass wir Psychoanalytiker eher
defensiv als aggressiv in Hinsicht auf unser Wissensgebiet
sind. Wir sind abwartend. Neulich sagte mal ein
psychiatrischer Kollege zu mir in Hinblick auf eine
Fortbildung: „Und vergiss da mal deine vornehme analytische
Zurückhaltung - da musst du dich richtig in die Menge werfen.“

Die Vornehmheit der Psychoanalyse, das ist ein weiterer Punkt, der mich stört. Es ist doch eine eher elitäre Behandlungsform, die sich für Patienten eignet, die durch Begabung, Ausbildung und Sozialisation eine gute Introspektionsfähigkeit mitbringen. Patienten mit nur einer durchschnittlichen Intelligenz und einer durchschnittlichen Schulbildung (sagen wir mittlere Reife und IQ von ca. 100) sind doch bereits kaum geeignet, oder (ist eine ehrliche Frage)? Zudem ist natürlich durch die lange Behandlungsdauer (Behandlungskosten) auch eine soziale Schranke vorhanden, zumindestens teilweise.

Gruß

Tahere

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Tahere

bist du eigentlich Freudianer? Du erwähntest auch Stavros
Menzos und Kernberg als Orientierungspunkte?

Ja, aber nicht mehr Freudianer als es die Angesprochenen Mentzos und Kernberg sind. Ich kenne beide aus vielen Büchern und life-events und weiß daher, wovon ich spreche. Kernberg ist „sogar“ noch freudianischer als ich. Ich bin nicht orthodox freudianisch,. sondern sehr offen - das wird in diesem Brett wohl selten deutlich, weil ich hier zu der „Minderheit“ gehöre, die die Psychoanalyse verteidigt. Es ist wie immer seltsam mit den Positionen: Im Kreise von orthodoxen Freudianern werde ich bestenfalls als Freigeist toleriert :wink:.

:Ich würde normalerweise nicht nur die Medizin, sondern auch

die Psychologie rein und ausschließlich den
Naturwissenschaften zuordnen. Sowohl der Forschungsgegenstand
als auch die Methoden sind (bzw. sollten) nach meiner Meinung
eindeutig den Naturwissenschaften zuzuordnen sein.

Allerdings ist die Psychoanalyse/ tiefenpsychologische Ansätze
bei den Methoden da etwas außen vor, weil die grundlegenden
Theorien nicht dem Kriterium der Falsifizierbarkeit genügen.

Darüber haben wir hier wochenlang bis monatelang bis zur Erschöpfung diskutiert. Wahrscheinlich warst Du da noch nicht im Brett. :wink:

Auch gibt es natürlich Probleme der Überprüfung der
Wirksamkeit, weil von einigen Vertretern gerne mit dem
blumigen Ausdruck der Symptomverschiebung jeglicher
empirischer Vergleich und damit die Kontrolle von Ergebnissen
beiseite geschoben wird.

Da bringst Du wohl -mit Verlaub- zwei Dinge durcheinander. Die Symptomverschiebung ist ein empirisches Phänomen, welches einfach häufig auftritt, aber keineswegs von uns mißbräuchlich benutzt wird. Ich überweise bzw. empfehle öfters mal Patienten weiter an einen befreundeten Verhaltenstherapeuten, der über den Tellerrand schauen kann. Wir können doch eh nur Patienten mit klarer Indikation für Tiefenpsych. oder PA in Behandlung nehmen. Nicht ausreichend differenzierte Patienten oder Menschen mit fehlender Introspektionsfähigkeit können wir nicht analytisch fundiert behandeln. Diese überweisen wir z.B. zur VT.

Die Vornehmheit der Psychoanalyse, das ist ein weiterer Punkt,
der mich stört. Es ist doch eine eher elitäre Behandlungsform,
die sich für Patienten eignet, die durch Begabung, Ausbildung
und Sozialisation eine gute Introspektionsfähigkeit
mitbringen.

Genau so ist es. Das ist aber die Realität. Du kannst auch ncht jedes Kind studieren lassen, oder?

Gruß,
Branden, der sich heute abend noch in Urlaub fährt…

hallo

So ungefähr ist das nicht ganz falsch; ich möchte es kurz mit
Lacan (ein „Nachfolger“ Freuds) skizzieren; der Analytiker
muss ein „sujet supposé savoir“ darstellen, ein Subjekt, dem
Wissen unterstellt werden kann; dies ist unabhängig davon, ob
er tatsächlich die Bedeutung des Symptoms des Patienten weiß;
wichtig ist nur der Mechanismus, dass ihm dieses Wissen
unterstellt werden kann, weil erst so der Prozess der Analyse
in Gang kommen kann, in dessen Verlauf erst die tatsächliche
Bedeutung des Symptoms ans Licht kommt; wie gesagt ist es eine
reine Illusion, dass der Analytiker die Bedeutung wüsste, aber
eben eine Real-Illusion, eine Illusion, die etwas Reales in
Gang setzt;

aber doch eigentlich nur, solange sie nicht durchschaut wird…

gruß wega

hallo,

für alle, die es interessiert: ich habe doch noch einen titel gefunden, der sich mit analytischen theorien kritisch auseinandersetzt:
"grünbaum, adolf, the foundation of psychoanalysis - a philosophical critique, california press, 1984.

werde mir das bei gelegenheit mal durchlesen.

gruß
wega

hallo oliver,

da ziehe ich mir in diesem Thread wieder einmal den Haß der
Herren Analytiker zu, weil ich in meinen Postings mehrfach auf
genau das Buch verweise, das Du jetzt „gefunden“ zu haben
angibst.

*g*
niemand, auch du nicht, hat mir einen konkreten titel genannt.
du schriebst lediglich von „grünbaums analysekritik“.
jemand schrieb gar, es wurde sich auf philosophischer, bzw. wissenschaftstheoretischer ebene damit nie beschäftigt.

Hättest Du meine Postings gelesen, wärst Du schon
viel früher darauf gekommen. Stattdessen hast Du mir
geschrieben, daß man ja auch „ohne Freud“ das Thema
diskutieren könne. Warum jetzt also dieser Sinneswandel mit
der Tendenz zu gehobener Lektüre, frage ich mich.

weil mir niemand bisher die frage beantwortet hat,
(und das sollte doch auch möglich sein, ohne freud zu zitieren?)
warum das wiedererinnern (ob suggeriert oder „echt“)
für einen „heilerfolg“ - was auch immer das sein mag -
funktionieren soll. bisher habe ich nur die information, dass das wiedererinnern wichtig ist, um eine situation samt dazugehörigem gefühl zu den akten legen zu können.
doch warum das gleiche gefühl dann nicht in aktueller situation trotz zuordnung zur vergangenheit doch wieder auftauchen sollte, ist mir nicht klar.

Die BBS (nicht BBC) hat zudem ein
Themenheft herausgegeben, das ins Deutsche übersetzt wurde und
1991 im Julius (nicht Axel) Springer Verlag erschienen ist.
Der Band enthält ca. 30 Kommentare von Philosophen,
Psychologen und Psychotherapeuten zu Grünbaums epochaler
Freud-Kritik. U.a. haben zu diesem Band Popper, Eysenck,
Cioffi, Klerman, Farrell und Eagle Beiträge geliefert.

hat das auch einen titel? :wink:

gruß
wega

Literaturhinweis
Hallo,

um die Sache einmal wieder auf einen unemotionalen Stand zu bringen, nenne ich dir hier einen Aufsatz, der die beiden Seiten miteinander vergleicht, indem er beide Seiten zu Wort kommen lässt:

Is Psychoanalysis a Pseudo-Science? Karl Popper versus Sigmund Freud I/II, in: Zeitschrift für philosophische Forschung 31 (1977), S. 333-353 und 32 (1978), S. 49-69.

Interessant vielleicht auch, weil etwas jünger:
H. Vetter und L. Nagl (Hgg.), Die Philosophen und Freud. Eine offene Debatte, Wien/München 1988

Unverzichtbar zur Wertbestimmung der Psychoanalyse aus philosophischer Sicht trotz Grünbaum:
O. Marquard, Transzendentaler Idealismus - Romantische Naturphilosophie - Psychoanalyse, Köln 1987
(damit keine Missverständnisse auftreten: das ist die veröffentlichte Fassung Marquards Münsteraner Dissertation von 1963 (!) mit dem etwas sperrigen Titel: „Über die Depotenzierung der Transzendentalphilosophie. Einige philosphische Motive eines neueren Psychologismus in der Philosophie“).

Leider kein Beitrag zu deiner Ausgangsfrage, sondern nur ein Beitrag zur Versachlichung der Diskussion, vielleicht aber trotzdem hilfreich.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

hallo,

du schriebst lediglich von „grünbaums analysekritik“.

Nein, denn wenn Du Dir meine Postings in diesem Thread
aufmerksam durchgelesen hättest, hättest Du den Titel von
Grünbaums Buch schon früher gefunden.

ok. sorry, ich hatte das überlesen.

Es ist sinnvoller, Freud zu nennen als ihn zu verschweigen,
weil Freud einer derjenigen ist, der die
Wiedererinnerungsthese maßgeblich vertreten hat. Er hat sie
dann später selbst aufgegeben. Das zeigt Dir, daß die
Prämisse, von der Du ausgegangen bist, selbst nicht mehr von
demjenigen vertreten wurde, der sie maßgeblich geprägt hat.

dennoch würde ich gerne die beweggründe für diese these nachvollziehen können.

gruß
wega