Psychologische Ursachen der Armut

Hallo,

nachdem ich im Allgemeinen Forum den Thread „Leben Sozialhilfeempfänger besser“ gelesen habe, fragte ich mich, was eigentlich in den entwickelten Ländern die Ursachen der Armut sind. Mit Armut meine ich hier diesen Zustand, dass das Geld nicht einmal ungefähr reicht, also am Anfang des Monats gibts Nudeln mit Margarine, am Ende des Monats gibt es nichts und Geld für irgendwelche kleine Anschaffungen (neue Schuhe oder ein Fenster reparieren lassen) gibt es sowieso nie.

Nach einiger Recherchiererei fand ich neben vielen Stellen zur dritten Welt eigentlich nur zwei Richtungen, die mich beide nicht überzeugen:

Die einen sagen, Armut in Deutschland wäre nur ein Problem der Verteilungsgerechtigkeit, andere (am krassesten die Junge Union Niedersachsen) sagen, es wäre durchweg selbstverschuldet durch Akoholismus, Verschwendungssucht, etc.

Ich kenne einige, die ein Jahr oder weniger auf Sozialhilfe waren und sich dann aber gerappelt haben. Mir scheint es, als würden (relativ) wohlhabende Leute auch immer wieder auf die Füße fallen. Andere habe ich kennengelernt (meist in Vereinen oder so), denen half auch eine Erbschaft oder ein Lottogewinn nicht aus dieser Dauermisere heraus.

Gibt es eigentlich Eigenschaften - erworben oder angeboren - die Armut hervorrufen? Mangelnde Intelligenz kann es ja nicht sein, denn das scheint nicht so zu korrelieren. Welche Eigenschaften sind es, dass von zwei Personen mit dem gleichen Einkommen eine auf der Straße landet und die andere ein Sparbuch und eine Wohnung hat? Ich habe mal unter den online-Dissertationen gesucht, aber alle scheinen sich auf soziale Faktoren zu beschränken, so als kämen diese Faktoren von außen auf einen zu und man wäre an ihrer Entstehung nicht beteiligt…

Kennt jemand vielleicht einen Link auf eine Veröffentlichung, oder gibt es ein Buch? („Armut in Deutschland“ kenne ich, das vertritt eine der eher - äääh - marxistischen Sichtweisen.)

Gruß, Claudia

Hallo Claudia

nachdem ich im Allgemeinen Forum den Thread „Leben
Sozialhilfeempfänger besser“ gelesen habe, fragte ich mich,
was eigentlich in den entwickelten Ländern die Ursachen der
Armut sind.

In erster Linie die Arbeitslosigkeit, dann das Problem,
alles haben zu müssen.
Viele haben Kredite am Hals, denen es schwer fällt,
diese zurückzuzahlen.
Die Werbung macht es ja auch leicht, heute kaufen,
morgen bezahlen, für einige hat das ein böses Erwachen
zur Folge.
Wenn man schon mal im Kaufrausch ist, kein Problem,
wozu gibt es den Dispo.
Dazu noch überflüssige Versicherungen und Zeitungs-Abos
abgeschlossen, fertig ist die Schuldenfalle.
Einige bekommen dann die Depri-Phase werden Alkoholabhängig, Pfändungen und Job verlust sind die
Folge.
Man ist dann arm dran !
Eine Chat-Partnerin hat mir mal in einen anderen Forum
davon berichtet,(sie ist aus der Ex-DDR) das es in der
DDR nicht möglich war, sich zu verschulden, Raten und
Dispositionskredite soll es dort nicht gegeben haben.
Das heißt man konnte nur das ausgeben, was man zu
Verfügung hatte.
Vom Prinzip her gar nicht so verkehrt, alles bar zu
bezahlen.
Bei uns hast Du je nach Laufzeit, 25 Jahre dafür Zeit, klar die Banken wollen auch verdienen.
Solange diese Kreditraten zurückgezahlt werden können,
ist das ja auch kein Problem.
Dann wird man arbeitslos, Frau will weg,
Unterhaltszahlungen für diese, Pech sie ist auch noch
schwanger geworden, für das Kind als auch noch.
Das Haus wird gepfändet, die Bank will Geld sehen.
So schnell wird man arm.

Die einen sagen, Armut in Deutschland wäre nur ein Problem der
Verteilungsgerechtigkeit, andere (am krassesten die Junge
Union Niedersachsen) sagen, es wäre durchweg selbstverschuldet
durch Akoholismus, Verschwendungssucht, etc.

Richtig, viele können nicht mit Geld umgehen, die
Ausgaben übersteigen dann die Einnahmen.

Gibt es eigentlich Eigenschaften - erworben oder angeboren -
die Armut hervorrufen? Mangelnde Intelligenz kann es ja nicht
sein,

Sowohl als auch, wer zu blöd ist, Unterlagen vollständig
abzugeben, das angeforderte sogar auf einen Zettel
zu stehen mitbekommen hat und dann mit der Hälte der
Unterlagen zum Termin kommt, denen auferlegt wird beim
nächsten Mal den Rest vorzulegen, was passiert wohl,
wieder nicht alles vollständig.
Sich dann aber beschweren, das die Bearbeitungszeit
zu lange dauert.
Es gibt in Deutschland jede Menge Dumpfbacken, die
nicht in der Lage sind, den einfachsten Job ordentlich
auszuführen.
Deshalb gibt es auch offene Lehrstellen, die nicht
besetzt werden können, weil die Bewerber, zum Schreiben
und Rechnen zu dämlich sind.
Da ist die Armut vorprogrammiert.

Herzliche Grüße von Iwan

sind für mich negatives , destruktives Denken, Pessimismus und fehlendes Selbstbewußtsein.
Außerdem fehlendes Gottvertrauen und der Hang keine Verantwortung
für eigenes Schicksal und Handeln zu übernehmen.
Sondern die Schuld für alles Erlittene auf andere Menschen oder die Umstände zu verladen.
Oder das Gesetz von Ursache und Wirkung auch im psychischen Bereich
außer Acht zu lassen.
Gewisse Lehren, die einem das Leben erteilt, nicht anzunehmen.

merkurische Grüße

Hallo,

ich denke schon, das es bestimmte psychische Störungen gibt, die Armut begünstigen. Da fällt mir ein die Depression, bei der einem Menschen der Antrieb zu der Verbesserung des eigenen Schicksals verloren geht, die Manie, bei der ein Mensch unvernünftige und haltlose Projekte startet, die ihn in Schulden führen, die Suchterkrankung, die dem Menschen die Kraft zur Meisterung des eigenen Lebens raubt, die Schizophrenie, die dem Menschen die Möglichkeit des geordneten Denkens nimmt und ihn seiner sozialen Kompetenz beraubt, und sicher könnte ein Psychiater noch weitere Störungen nennen, die mit einem Verlust der sozialen, beruflichen und Alltagskompetenz und mit sozialem Abstieg verbunden sind.

Liebe Grüße

Aimée

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Hallo, fred,

dann gibt es also doch noch mehr, die wieder rauskommen. Wenn ich das bei dir so sehe, hast du einmal die Disziplin gehabt, die fünf Zipfel zusammenzuhalten, und bist nicht, sagen wir, auf Pump in den Urlaub gefahren, und du hast Freunde gehabt, die dir geholfen haben. Und vielleicht ist am wichtigsten das Licht am Ende des Tunnels, dass die Fortbildung einmal zu Ende sein wird, dass es dann besser wird.

Wenn ich so überlege, hatte ich während meiner Ausbildung auch nichts, habe das aber gar nicht schlimm empfunden. Ist halt so als Student. Ich fand nicht, dass ich „arm“ war. Vielleicht war da auch der Gedanke, dass meine Eltern im Notfall immer eingesprungen wären, aber wenn dieser Notfall gewesen wäre, dass ich einen Kredit nicht zurückzahlen kann, dann hätte ich vor meinen Eltern mehr Angst gehabt als vor jedem Kredithai…

Gruß, Claudia

Hallo,

ich denke schon, das es bestimmte psychische Störungen gibt,
die Armut begünstigen. Da fällt mir ein die Depression, bei
der einem Menschen der Antrieb zu der Verbesserung des eigenen
Schicksals verloren geht, die Manie, bei der ein Mensch
unvernünftige und haltlose Projekte startet, die ihn in
Schulden führen, die Suchterkrankung, die dem Menschen die
Kraft zur Meisterung des eigenen Lebens raubt, die
Schizophrenie, die dem Menschen die Möglichkeit des geordneten
Denkens nimmt und ihn seiner sozialen Kompetenz beraubt, und
sicher könnte ein Psychiater noch weitere Störungen nennen,
die mit einem Verlust der sozialen, beruflichen und
Alltagskompetenz und mit sozialem Abstieg verbunden sind.

Liebe Grüße

Aimée

Hallo,

ja, ich habe auch schon gehört, dass viele der Obdachlosen (vor allem süchtige Obdachlose) auch eine Psychose haben, die nie behandelt worden ist.

Aber die Mehrzahl derer, die gar nicht mehr arbeiten, weil ja eh´ alles gepfändet wird, sollte doch mehr oder minder gesund im Kopf sein, oder?

Gruß, Claudia

Hallo,

noch ein Dale-Carnegie-Fan?! (Ich versuche auch immer, wenn Hausputz ansteht, mich darüber zu freuen, dass ich ein Haus habe, das ich putzen kann, und Arme und Beine, um die Arbeit zu verrichten, aber manchmal - ahemmm…)

Da war doch im Witze-Forum dieser Witz mit dem Hammerwerfer, der olympisches Gold gewinnt, weil ihm schon seine Ahnen beigebracht haben, jedes Werkzeug, das man ihm in die Hand drückt, so weit wie möglich wegzuwerfen.

Mangelnde Eigenverantwortung ist sicherlich ein Hauptfaktor. Wenn man sagt „Die geben mir nicht genug, um ein menschenwürdiges Leben zu führen“, kommt man vielleicht auch nicht auf die Idee, sich selbst darum zu kümmern.

Aber es ist nicht so einfach, vor allem, wenn noch ein höheres Alter dazukommt. Es hat mich schon manchmal traurig gemacht, wenn ich sehe, wie wirklich gute Leute nicht mehr unterkommen, weil sie über 50 sind. Ich kann da beim besten Willen kein persönliches Verschulden entdecken. Schwierig!

Gruß, Claudia

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Wer ist Dale-Carnegie ??
Muß ich den kennen ?

Wer über 50 ist und deshalb keine Arbeit mehr findet, scheitert meines Erachtens daran , dass er sich dieses negative kollektive Denken zu eigen macht. ( mit 50 findet man…)
Und vom Denken hängt nach meiner Erfahrung alles ab.

Gruß
Merkur

Wer über 50 ist und deshalb keine Arbeit mehr findet,

scheitert meines Erachtens daran , dass er sich dieses
negative kollektive Denken zu eigen macht. ( mit 50 findet
man…)
Und vom Denken hängt nach meiner Erfahrung alles ab.

Gruß
Merkur

Lieber Merkur,
ich habe mit 45 angefangen, mein Leben total unzukrempeln,. Weil ich gewusst habe, dass mir ohne Computerkenntnisse kein Job beschieden sein wird, habe ich das eben gelernt. Dann habe ich eine Weiterbildung zur Online-Redakteurin gemacht. (Ich bin/war Journalistin). Jetzt bin ich 49 Jahre alt. Ich habe noch immer keinen Job. Wenn Du mir mit Deinen Theorien kommst, werde ich richtig sauer. Früher habe ich als Texterin sehr gut verdient und auch Reservern angelegt. Das kann ich jetzt alles in die Röhre schmeissen, weil es „Barvermögen“ ist. Andere Leute haben eine Rentenversicherung. Ich Nicht! Ich muss erst einmal mein Barvermögen aufbrauchen, bis ich wie jeder andere Arbeitssuchende behandelt werde.
Bevor Du solche Thesen aufstellst, solltest Du eventuell mal mit Betroffenen reden
Liebe Grüße
Ricarda

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Hallo,

vielleicht könnte man das Ganze mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten.Man schaue jetzt nur mal auf das Urteil zu Esser,Ackermann und co. Der Ehrliche ist der Dumme.
Man kommt eben oft(sicher nicht nur) mit hinterlistigen,unmoralischen Methoden nach oben.Und zumeist stellt sich dann eine Machtpostion und ein Machtgeflecht ein,wo einer den anderen erpresst und so eine geschäftliche, kalte Zusammenarbeit entsteht.
Heutzutage betrügen doch viele und mit ein bisschen krimineller Energie lassen sich doch Einkommensquellen finden,Versicherungsbetrug(z.B. bei altem Auto),über’s Internet fiktive Waren verkaufen usw.

Also das ist jetzt nur ein Aspekt,aber sicher einer der da auch eine Rolle spielt.

Gruß
Matthias

Hallo Claudia,

Gibt es eigentlich Eigenschaften - erworben oder angeboren -
die Armut hervorrufen?

ja, die gibt es meines Erachtens.
Einige wurden ja bereits genannt (Krankheit, Antriebslosigkeit etc.)
Ich möchte noch „Risikofreude“ dazunehmen.
Damit meine ich:
Es gibt schlicht Menschen, die ihr wirtschaftliches System permanent im grünen Bereich fahren und es gibt Menschen, die es grundsätzlich und dauerhaft zumindest im gelben Bereich halten. Mit gelb meine ich, dass das Bankkonto grundsätzlich im Minus ist, viele Dinge auf Pump gekauft werden, eine Immobilienfinanzierung mit variablen Gehaltszuschlägen finanziert wird, kaum Versicherungen bestehen etc. Und das eben egal bei welchem Einkommen.

Dass ein solches Verhaltensmuster grenzwertig im Bezug auf Lebenskrisen ist, ist klar… Denn jetzt muss nur ein Unfall passieren, Arbeitslosigkeit drohen etc. und schon gerät das System massiv (und manchmal auch für Jahre oder Jahrzehnte) aus den Fugen. Und dass sich Menschen, die sich bereits in guten Zeiten mit dem Wirtschaften schwer tun, in schlechten noch viel schwerer tun, ist eh’ klar…

Woher jetzt Sparsamkeit bzw. „Freigiebigkeit“ kommt? Ob sie durch Erziehung, Erfahrung oder Genetik bedingt wird? Keine Ahnung.

Grüße
Jürgen

Hi Claudia,

ich habe mich nicht durch alle bisherigen Antworten durchgearbeitet und bin mir auch gar nicht sicher, ob mein Beitrag zu Deiner Frage passt: Unglück oder Pech oder Zufall als Ursache für Armut.

Der unverschuldete Unfall, Insolvenz des Arbeitgebers, angeborene Gebrechen, Krankheit, Anfälligkeit, private Schicksalsschläge (Tod, Erblasten, Scheidung), Opfer von (Gewalt-)Verbrechen und/oder Betrug, Erziehung (z. B. Gutgläubigkeit vers. Geiz)

Natürlich kann man jetzt fragn, welche PSYCHOLOGISCHE Ursache ist dafür verantwortlich, dass A ein Erbe ausschlägt und B es annimmt, aber z. B. bei Krankheit oder Verbrechensopfer schliesse ich diese aus.

Hallo,

bei Schuldnern fällt mir häufig auf, dass eine enorme Kluft zwischen dem tatsächlichen Können und dem Wollen klafft, also eine Fehleinschätzung der eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten, die ich persönlich in vielen Fällen als „Grössenwahnsinn“ definieren würde.

Beispiel: Der Geringverdiener, der sich einen viel zu grossen und teuren BMW auf Kredit „leistet“ und es jeder gebrauchte Japaner oder gar kein Wagen auch tun würde. Werden diese Schuldner arbeitslos, werden wieder viel zu hohe Ansprüche gestellt („Ich geh doch nicht für 10 Euro in der Stunde arbeiten“/ „Ich geh doch nicht putzen“), während andere sofort jede Arbeit annehmen (Praktikumsstellen, Arbeiten mit niedrigem Stundenlohn, etc.), nur um wieder von selbst auf die Beine zu kommen. In einem Krisenfall möchte diese Person von den eigenen Ansprüchen auch nicht abrücken, obwohl die Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt gar nicht (mehr) vorhanden sind.

Bei einigen, die noch nie gearbeitet haben und in einem Umfeld leben, in dem Armut gang und gäbe ist, würde ich es als Milieuschädigung sehen.

Bei einigen wenigen ist es schlichtweg eine andere Form des Lebens, die wenig brauchen und dafür lieber frei sein möchten, wobei diese Personen sich einfach durchschlagen und weniger die Verantwortung und die Kosten der Gesellschaft aufhalsen.

Gruss
BM

Hallo Claudia
Es sind ja jetzt sehr viele und auch überzeugende Gründe angeführt worden, warum Leute arm bleiben. Das war alles -wiegesagt- wichtig und ergibt ein komplexes Geschehen.
MICH würde nun auch dabei der Aspekt interessieren, warum manche eben so wohlhabend werden bzw. nachgerade reich. Zum Bleistift die berühmten ALDI-Brüder, die ja nun zu den 10 Reichsten der Erde gehören.
Meiner Ansicht nach („imho“) ist da ein früher Wunsch, einmal viel Knete zu haben, mit der Auslöser. Manche Menschen sind schon in ihrer Jzugend sehr motiviert, reich oder wohlhabend zu werden, einige wollen einfach raus aus der armseligen Gesellschaft, in die sie hineingeboren wurden.
Der Wunsch, einmal viel Geld zu haben, ist meines Erachtens ähnlich früh motiviert wie z.B. der Wunsch, Künstler, Arzt, Musiker zu werden oder eine große Familie zu haben.
Gruß vom gerade wieder heimgekehrten Branden

Du widersprichst Deinem Lebensmotto in Deiner Vita !

Oder hast Du Dein Motto geändert ??

Gruß
Merkur

Hi Branden (willkommen zurück!), hi Claudia,

Meiner Ansicht nach („imho“) ist da ein früher Wunsch, einmal
viel Knete zu haben, mit der Auslöser. Manche Menschen sind
schon in ihrer Jugend sehr motiviert, reich oder wohlhabend
zu werden,

Genau da greift ja der Punkt Umfeld bzw. Erziehung.
Menschen, die in einen wohlhabenden Haushalt hineingeboren werden, in dem das Thema „Geld“ an der Tagesordnung ist, sind im Vorfeld schon ganz anders konditioniert in diesem Anspruch…

einige wollen einfach raus aus der armseligen
Gesellschaft, in die sie hineingeboren wurden.

Leidensdruck beinhaltet ja häufig eine gewaltige Triebkraft…

Der Wunsch, einmal viel Geld zu haben, ist meines Erachtens
ähnlich früh motiviert wie z.B. der Wunsch, Künstler, Arzt,
Musiker zu werden oder eine große Familie zu haben.

Bei mir war’s der Künstler… In unserem Hause war Geld ein Tabu-Thema. („Über Geld spricht man nicht“). Es galten die „höheren Werte“, die Literatur, die Musik, die Künste…
Nie habe ich mit Geld umgehen gelernt, denn ich bekam es bis zur Pubertät kaum zu Gesicht. Gleichzeitig hatten wir immer zu essen und zum Anziehen (dabei waren wir nachkriegsarm, mein Vater verdiente sehr wenig, meine Mutter nähte noch alles aus abgelegten Klamotten, aber das war lange Zeit noch „normal“). Wenn so etwas wie Luxus eingekauft wurde, dann war es ein besonderes antiquarisches Buch oder ein geschnitzter Heiliger von irgendeinem Riemenschneider-Schüler (Riemenschneider selbst war zu teuer *g), aber das sowas auch Geld kostet, wußte ich nicht…
Deshalb nenne ich bis heute die Geldautomaten „Kaugummiautomaten“ und ich freue mich, wenn da noch ein paar bunte Kugeln rauskommen…
Gruß,
Anja

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Menschen, die in einen wohlhabenden Haushalt hineingeboren
werden, in dem das Thema „Geld“ an der Tagesordnung ist, sind
im Vorfeld schon ganz anders konditioniert in diesem
Anspruch…

Genau, Anja. Interessant ist in dem Zusammenhang auch, dass schwer-reich geborene Leute, die aber nicht selber „Macher“ sein durften, wie z.B. Arndt von Bohlen und Hallbach, der damalige Krupp-Erbe, selbst eher so n bissel schlaff rumhängen (was oft sympathisch ist).
Gruss, Branden

Hallo Claudia!

Aber die Mehrzahl derer, die :gar nicht mehr arbeiten, weil :ja eh´ alles gepfändet wird, :sollte doch mehr oder minder :gesund im Kopf sein, oder?

Über gesund und krank will ich mich nicht auslassen. Aber mit aussichtsloser Verschuldung gehen Menschen sehr unterschiedlich um. Einer resigniert und macht überhaupt nichts mehr. Der nächste findet sich mit finanzieller Enge ab und arbeitet womöglich ein Leben lang, um Schulden abzuzahlen. Ein anderer bucht das Ganze unter Erfahrung ab, meldet Insolvenz an, ist damit seine Schulden los und beginnt befreit von vorne.

Es gibt also in der Person des Betroffenen liegende Unterschiede.

Gruß
Wolfgang