Psychotherapie: Beispiel Angst

Hallo!

Ich halte einen Vortrag über die Psychotherapie.
Zuerst werde ich die Grundziele der Therapie aufzählen. Damit das nicht zu abstrakt bleibt, würde ich dann gerne eine Angststörung als Beispiel nennen.
Könnt ihr mir sagen wie die Schritte dann da ablaufen?

Hier die Zielsetzung der Therapie:
Diagnose : welche Störung liegt vor?
Ursache : woher kommt die Störung? Welche Funktion haben
die Symptome?
Prognose : Krankheitsverlauf mit und ohne Therapie vorhersagen
Behandlung : Entwicklung einer Therapie, Durchführung
Beseitigung der Symptome im Idealfall auch der
Ursachen

wie diagnostiziert man z.B. die Angststörung?
wie bekommt man heraus woher die Angst des Klienten kommt?
usw.

Vielen Dank und liebe Grüße.

Hallo,

kannst Du vielleicht erst einmal sagen

a) Was Du selbst für Voraussetzungen/Kenntnisse in Psychologie mitbringst

b) vor wem und welcher Altersgruppe der Vortrag gehalten werden soll

c) welche Gedanken Du selbst für die von Dir angegebenen Punkte entwickelt hast

Gruß,
Anja

wie diagnostiziert man z.B. die Angststörung?

Methoden („wie“-Frage) gibt es sehr viele verschiedene, der psychoanalytischen nach läßt sich aber überall dort von einer „Störung“ reden, wo der Betroffene an nicht Realitäts-bezogenen Ängsten/ „Hemmungen“) leidet. Es werden in solchen Fällen grundsätzlich frühere schlechte Erfahrungen (Traumata) auf gegenwärtige Situationen, die an sich keinen Anlaß zur Angst bieten, projiziert.

wie bekommt man heraus woher die Angst des Klienten kommt?

Traumanalyse (Freuds Methode) wäre der mir beste bekannte Weg; er ist im Besitz eines Idealmodells der Psyche, durch das das Sichtbarmachen pathologischer Abweichungen, einsch. ihrer Ursache überhaupt erst möglich wird…

a) Was Du selbst für Voraussetzungen/Kenntnisse in Psychologie
mitbringst

in der schule haben wir einen psychologie-kurs. ansonsten habe ich
mich nur mal mit freud beschäftigt…

b) vor wem und welcher Altersgruppe der Vortrag gehalten
werden soll

vor besagtem Kurs, das heißt vor 17- jährigen schülern ohne
fachliche vorkenntnis, da ich das thema der therpie erklären soll.

c) welche Gedanken Du selbst für die von Dir angegebenen
Punkte entwickelt hast

Diagnose: ich könnte mir denken, dass es im falle der angststörung der klient ist, der sagt dass er große angst vor etwas hat und daher die diagnose quasi selbst stellt. wenn jetzt jemand aber schizophren ist, dann weiß er ja nicht so genau, was mit ihm los ist. wie klassifiziert jetzt der therapeut das leiden des patienten, er deutet dann einfach die symptome? wonach fragt er? beobachtet er ihn im alltag??

Ursache: ich könnte mir denken, dass hier gespräche mit dem patienten geführt werden? um zu lokalisieren in welchem kontext die angst auftritt?

Prognose:vielleicht schaut sich der therapeut ähnliche krankheitverläufe an und stützt sich bei seiner vorhersage auf diese?

Behandlung: je nach Ansatz würde ich sagen, verhaltenstherapeutisch, psychodynamisch, es gibt ja da diese versch. schulen und methoden wie z.B. die konditionierung oder??ß

Liebe Grüße

c) welche Gedanken Du selbst für die von Dir angegebenen
Punkte entwickelt hast

Diagnose: ich könnte mir denken, dass es im falle der
angststörung der klient ist, der sagt dass er große angst vor
etwas hat und daher die diagnose quasi selbst stellt. wenn
jetzt jemand aber schizophren ist, dann weiß er ja nicht so
genau, was mit ihm los ist.

Bleib mal bei der Angst und lass die Schizophrenie weg! Schon das Thema Angststörung an sich ist ausreichend umfangreich! Es gibt nämlich gar nicht DIE Angststörung, wie du als These in den Raum gestellt hast.

Du hast ein ganz bestimmtes Bild von Angst und Angststörung im Kopf, das aber nur einen kleinen Teil dessen ausmacht, was das Thema eigentlich umfasst. Wobei sich Angst eigentlich wirklich sehr gut eignet, um sich dem Themenkomplex psychische Störung und Therapie anzunähern.

Mal der Reihe nach.

  • Was ist eigentlich Angst? Ist Angst per se schlecht?

  • Wogegen richtet sich die Angst? Ist sie unspezifisch oder richtet sie sich gegen ein bestimmtes Objekt oder eine bestimmte Situation?

  • Ist die Angst begründet? Ist das, wogegen sie sich richtet gefährlich? Gibt es sein auslösendes Ereignis, das direkt mit der Angst verknüpft ist?

  • Wie zeigt sich die Angst? Zeigt sie sich direkt oder indirekt?*

  • Ist die Angst pathologisch, d.h. hat sie überhaupt einen Krankheits- / Störungswert? Wenn ja, ist die Angst die Störung oder ist sie nur Begleiterscheinung einer anderen Krankheit?

wie klassifiziert jetzt der
therapeut das leiden des patienten, er deutet dann einfach die
symptome?

*Gerade hiervon hängt ab, wie sich der erste Kontakt zwischen Therapeut und Patient gestaltet, wie es überhaupt zur Diagnose kommt.

Der Patient, der Angst vor dem Fliegen hat, kommt in aller Regel wegen dieser konkreten Angst zum Therapeuten.

Bei einer generalisierten Angststörung dagegen kommen die Patienten häufig nicht wegen ihrer Ängste zum Therapeuten. Oftmals suchen die Betroffenen noch nicht einmal einen Therapeuten, sondern einen (oder mehrere) Arzt auf, weil sie eher verdrängen oder verleugnen, dass es sich um eine Angststörung bzw. ein psychisches Problem handelt. Im Vordergrund stehen da körperliche Symptome wie Schlaf- und / oder Konzentrationsstörungen, Herzrasen, Schwindel.

Wieder ein anderer Patient hat auch Angst vor dem Fliegen und meidet alles, was damit zu tun hat. Er leidet unter Schlafstörungen, Albträumen und chronischen Schmerzen. Ursache ist ein erlebter Flugzeugunfall. Hier ist die Angst Begleitsymptom einer anderen psychischen Störung (Anpassungsstörung, akute oder chronische Belastungsstörung) Auslöser für den Therapeutenbesuch kann hier bspw. auch der chronische Schmerz sein.

Der Therapeut bekommt die passende Störung also nicht unbedingt auf dem Silbertablett präsentiert :wink:

So grundverschiedenen diese Störungsbilder sind, so verschieden sind auch die geeigneten Therapien. Bei Angststörungen wie der Flug- oder Höhenangst ist ein verhaltenstherapeutischer Ansatz mit Konfrontation zum Beispiel häufig der effizienteste. Dagegen kann bei einer Traumafolgestörung die tiefenpsychologische Richtung sinnvoller sein.

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Hallo „London_Calling“,

ich schlage vor, dass Du Dich auf eine Störung und auf einen therapeutischen Ansatz beschränkst. Das macht die Darstellung in Deinem Vortrag kompakter und verhindert, dass Du Deine ZuhörerInnen mit Unmengen von Informationen überforderst. Wenn Du ein Publikum von interessierten Laien hast, reicht für den Vortrag ein Niveau aus, wie man es in (guten) Patienteninformationen findet, z.B.

http://www.christoph-dornier-stiftung.de/fileadmin/d…

Beste Grüße
Prokrustes

gehe ich also richtig in der annahme, dass es für eine krankheit nicht DIESE oder JENE behandlung gibt, sondern dass es da einen therapeutischen handlungssprielraum gibt, der zum beispiel davon abhängt ob der behandelnde therapeut mediziner oder psychologe ist und des weiteren welcher schule er angehört, ob er also z.B psychodynamisch oder verhaltenstherapeutisch etc. an die Therapie herangeht?

Liebe Grüße und vielen lieben Dank für die Antworten!