Hallo Klio,
mir fehlen exakte Daten, aber ich denke, daß wir mit Vitaminen eher über- als unterversorgt sind. Ich leite das vor allem daraus ab, daß wir im klinischen Betrieb Mangelzustände praktisch nur bei Darmerkrankungen sehen, bei denen die Nährstoffresorption gestört ist, und bei Alkoholikern, die ihren gesamten Brennstoffbedarf durch Alkohol decken.
In der Laienliteratur findet man Angaben, die diesen Beobachtungen glatt widersprechen. Auf seriöse Studien werden sich nur die wenigsten berufen können.
Gerade unserer moderner Lebensstil hat dazu geführt, daß wir einen sehr vielfältigen Nahrungspool zur Verfügung haben. Früher z.B. war die Versorgung mit Obst und Gemüse stark Saisonabhängig und auf nur wenige Sorten beschränkt. Heute fliegen wir das Zeug aus allen möglichen Ländern ein, und das ganzjährig.
Auch bestimmte Nährungsaufbereitungsverfahren haben dazu geführt, unsere Vitaminversorgung zu verbessern: Tiefkühlgemüse wird sofort nach dem Ernten tiefgefroren und hat so wesentlich mehr Vitamine gespeichert als das Einmachglaszeug, das die Bauernglasfamilie früher durch den Winter bringen sollte.
Die Vitamine selbst sind eine höchst heterogene, eigentlich willkürlich von anderen Substanzen abgegrenzte Stoffgruppe. Die meisten Vitamine werden im Körper nicht verbraucht, sondern recycled, Zufuhr von außen ist kaum nötig. Andere stellt der Körper sogar selbst her. Umgekehrt gibt es Substanzen, die der Körper nicht selbst herstellen kann, die in großen Mengen verbraucht werden, dabei aber trotzdem nicht unter die Vitamindefinition fallen. Aminosäuren aus tierischem Eiweiß gehören z.B. dazu. Vor allem für Vegetarier mit ihrer (deshalb?) verkürzten Lebenserwartung wäre eine Pillenzufuhr sehr sinnvoll. Das gleiche gilt für Fette mit ungesättigten Fettsäuren.
Vitamin D ist kein Vitamin, sondern ein Hormon, daß sich nur minimal von Östrogen, Progesteron und Testosteron und Konsorten unterscheidet. Die Pille oder Kortison als Nahrungsergänzungsmittel? Naja.
Vitamin-A-Säure wird bei verschiedenen Hauterkrankungen eingesetzt, immer als Mittel der letzten Wahl. Falls eine Frau unter Behandlung schwanger wird, so sind Mißbildungen fast sicher. Auch normales Vitamin A wird innerhalb des Körpers zur Säure umgewandelt (ein bißchen davon braucht der Körper nämlich, aber nur ein bißchen!)
Vitamin C: In hohen Dosen bindet es an die DNA und ist damit krebserregend. Hier ein Link zu seriösen Quellen aus dem Archiv:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
Immerhin ist Vitamin-C-Papst Linus Pauling ja tatsächlich an einem Prostatakarzinom gestorben (kein Beweis, aber in diesem Kontext bezeichnend).
Die Wirkung von Vitamin C aufs Immunsystem scheint mir übrigens frei erfunden, wie so vieles. Jedenfalls habe ich in Immnologie und Virologie promoviert, viel gelesen und nirgends auch nur einen Anhaltspunkt für den immunsteigernden Effekt gefunden. Das ist auch gut so, leiden doch heutzutage fast mehr Menschen an Autoimmunerkrankungen als an Infektionskrankheiten. Ein Rheumatiker unter Vitamin C müßte eigentlich tot umfallen.
Oliver