Radfahren

Hi,

ich hatte eigentlich nie besonders viel Kraft, darum bin ich auf Radtouren Hügel immer im ersten Gang hochgestrampelt.

Nachdem ich vor 2 Wochen ein bisserl im Bayerischen Wald rumgekurvt war, merkte ich auf einmal, daß ich weniger Probleme hatte beim Bergauffahren bzw. daß ich jetzt in höheren Gängen fahren konnte. Allerdings taten mir die nächsten Tage gleich meine Knie weh.

Ist das generell so, daß Bergauffahren im höheren Gang mehr auf die Knie geht? Oder mache ich da irgendwas falsch? Ließe sich das durch regelmäßiges Training vermindern?

Viele Grüße
Martin

Moin Martin,

Ist das generell so, daß Bergauffahren im höheren Gang mehr
auf die Knie geht? Oder mache ich da irgendwas falsch? Ließe
sich das durch regelmäßiges Training vermindern?

Falsch machst du eigentlich nichts, aber Radfahren mit großem Gang bedeutet mehr Kraftaufwand, das sich auch bei der Belastug der Knie bemerkbar macht.
Deswegen ist es immer günstiger, den Kraftaufwand zu verringern und mehr in Wegaufwand, sprich kleiner Gänge mit höherer Trittfrequenz, zu investieren.
Durch regelmäßiges Training kannst du tatsächlich einiges verbessern, indem du zuerst längere Strecken mit relativ kleinem Gang und höherer Trittfrequenz(>90/min) radelst.
Das ist auf Dauer nicht ganz einfach, weil das über einen längereen Zeitraum nur mit einer festen Verbindung Fuß-Pedal möglich ist, also entweder auf so genannte „Klickpedale“ umrüsten oder wie die Altvorderen mit Haken und Riemchen am Pedal fahren.
Wenn das einigermaßen über längere Strecken hinhaut, kannst du auch mal mit etwas größeren Gängen fahren, auch mal am Berg mit niedrigerer Trittfrequenz, aber nicht zu lange, damit das Knie nicht zu haoch belastet wird.
Außerdem besteht beim Fahren mit zu „dickem“ Gamg die Gefahr, leichter zu übersäuern.
Deswegen ist es immer besser, mit möglichst kleinem Gang bergauf zu fahren.
Darum sollte jemand, der viel Berge zu bewältigen hat sich eine Schaltung mit vielen Schaltmöglichkeiten und relativ enger Abstufung anzuschaffen, damit beim Bergauffahren immer noch eine vernünftige Tritfrequenz getreten werden kann ohne sich zu überlasten.

CU

Axel

Hallo

Regelmässiges Training macht das auf jeden Fall besser, weil du beim
Fahren ja auch deine Muskeln mit trainierst. Vor allem wenn du bergauf
fährst.
Das wird mit der Zeit besser. Ich fahre jetzt auch erst seit 3 Jahren
Rad und war früher eher faul. Mir tun immer noch die Beinmuskeln weh
beim fahren (manchmal) aber es ist schon deutlich besser geworden.

Alles also eine Frage des Trainings!

Grüsse
Zettt

H wie Hola.

Generell sollte man als Anfänger eher versuchen, möglichst große Gänge mit ordentlich Druck auf den Pedalen zu treten, damit die Trittfrequen z nicht zu groß wird.

Das erste Problem ist nämlich eher der Puls - in der Regel ist es so, daß die Herzfrequenz drastischer zunimmt, wenn Du kleine Gänge mit hoher Frequenz trittst, denn sie zunähme, wenn Du mit einer angenehmen Frequenz aber mehr Kraft treten würdest.

Das zweite Problem geht mit dem ersten einher: Hohe Trittfrequenzen erfordern **deutlich** mehr Sauerstoffaufnahme, also mußt Du bei kleinen Gängen die Atmung kräftig steigern, damit Du eine gute Dauerleistung erzielst.

Ein Ausnahme gibt es im Profisport - wenn man genügend intensiv hohe Fequenzen tritt, reagiert der Körper ab einer gewissen Schwelle recht merkwürdig, weil er plötzlich die Sauerstoffaufnahme noch einmal deutlich erhöhen kann. Dazu muß man jedoch sagen, daß dieses Phämnomen (noch) nicht ganz gesichert ist.

Das dritte Problem ist die Anpassung der Trittfrequenz an die Steigung: Achtung - je steiler es wird, desto **niedriger** muß die Trittfrequenz werden, während dem Fahrrad durch **mehr Druck [Kraft]** mehr kinetische Energie zugeführt werden muß.

Deine „Kniebeschwerden“ sind nichts Ungewöhnliches, weil Du die Anstrengung einfach nicht gewöhnt bist/warst.

Es kann jedoch auch daran liegen, daß Dein Fahrrad absolut beschissen eingestellt ist. Überprüfe also auch 'mal zur Sicherheit, ob Du bei einer Umdrehung das Bein ***fast*** (auf keinen Fall ganz!) durchstrecken kannst. Wenn es zu stark gebeugt ist, tut es schnell weh und Du kannst gar nicht richtig nach unten drücken.

Viel wichtiger ist jedoch, daß Du Deine aerobe Kraftausdauerfähigkeit steigerst, weil diese maßgeblich das Gesamtleistungsvermögen (egal wobei) Deines Körpers bestimmt. Insbesondere beim Radfahren erzielst Du bei dieser Langzeitgrundausdauerfähigkeit enorme Zuwächse, wenn Du möglichst stundenlang *langsam* berghochfährst (Richtwert: länger als 2 Stunden!) - also nicht im stark anaeroben Pulsbereich oder gar am Pulslimit wie ein Verrückter die Rampen hochkeulen.

Allerdings auch nicht den Bummelletzten spielen.

Über den Daumen kannst Du Dir merken, daß die Schwelle vom aeroben zum anaeroben Puls bei Hobbysportlern und Normalbürgern vielleicht bei 150 bis 165 liegt, je nach individueller Beschaffenheit des Körpers.

Ein bißchen Deinen Fahrstil testen, solltest Du auch - sprich: Wie reagiert Dein Körper bei Abgeforderter Hochleistung?
In welcher Weise schnellt der Puls nach oben? Wie reagiert er auf hohe Frequenzen (Armstrong), wie reagiert er auf Kraftbetontheit (Ullrich)? Wo ist überhaupt Dein Maximalpuls? Welchen Puls knapp unter dem Maximalpuls kannst Du länger als 20 Minuten halten, ohne wegzubrechen?

Noch ein Tip: In die Getränke (Tee, Wasser), die Du hoffentlich häufig zu Dir nimmst, mische nicht *zuviel* Traubenzucker. Dagegen kannst Du ruhig ein bißchen Magnesium hineintun (Magnesiumtabletten in jedem Supermarkt zu finden), denn durch das Magnesium wird Dein Getränk zu einem Elektrolyt - damit verminderst Du spürbar das Ziehen in den Muskeln (Du kannst viel kräftiger und angenehmer treten, speziell am Berg). Zudem wird der Muskelkater nicht zu unangenehm ausfallen, vermeiden läßt er sich ja bekanntlich nur mit dem „DDR-Trick“.

MfG

Moin,

Generell sollte man als Anfänger eher versuchen, möglichst
große Gänge mit ordentlich Druck auf den Pedalen zu treten,
damit die Trittfrequen z nicht zu groß wird.

Das ist natürlich Käse.
Zuerst sollte eine vernünftige Grundlagenausdauer aufgeabut werden, das machst du keinesfalls, indem du dicke Gänge mit niedriger Trittfrequenz trittst.
Das geht nur durch niedrigem Trittwiderstand und relativ hoher Trittfrequenz.

Hier nochmal zum Nachlesen:
http://www.radsporttraining.de/inhalt/radsport_train…

Was sagte unser alter Lndesverbandstrainer: „Dicke Gänge machen dicke Beine“, das gilt nicht nur für Radsportler sondern für alle Radfahrer, denn Fahren mit hohem Widerstand und niedriger Trittfrequenz führt oft zu Übersäuerung des Muskels, das wird verhindert, indem schneller getreten wird.
Es ist nun einmal so, zuerst wird die Grundlagenausdauer und dann die Kraft- und Schnelligkeitsausdauer entwickelt wird, das ist simpelste Radsportgrundschulung.

Hier noch ein Trainingsplan für Anfänger:

http://medien2.ifs.sozialwissenschaften.uni-tuebinge…

Da siehst man auch, dass das erste Kraftausdauertraining mit niedriger Trittfrequenz erst nach 15(!) Wochen durchgeführt wird.

CU

Axel

P.S. Beim Radfahren bekommt man übrigens keinen Muskelkater

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H wie Hola

Das ist natürlich Käse.
Zuerst sollte eine vernünftige Grundlagenausdauer aufgeabut
werden, das machst du keinesfalls, indem du dicke Gänge mit
niedriger Trittfrequenz trittst.

Käse ist das ganz bestimmt nicht, im Gegenteil.
Ich sagte nicht „dicke Gänge“, sondern größere Gänge als dieses Geeier, was viele für effizient halten.

Es gibt diverse Wirkungsgrade, wichtig sind physiologischer und biomechanischer Wirkungsgrad. Der physiologische liegt vergleichsweise bei niedrigen Trittfrequenzen, der biomechanische bei relativ hohen.

Das zu tretende Optimum liegt dazwischen, und der Körper sorgt dafür, daß man möglichst einen angenehmen Punkt erwischt - das „Sich-gut-fühlen“.

Der fragende Kollege ist zweifelsohne ein Hobbysportler und es gibt genügend Untersuchungen, die belegen, daß im Hobbybereich sowieso *deutlich niedrigere* Trittfrequenzen gefahren werden als bspw. im Profibereich.

Wenn man mit dem Radfahren anfängt, gilt das gleiche wie für das Schwimmen: Es muß „ziehen“ - dann bringt es etwas. Zu Anfang sollte man dann nur darauf achten, daß es nicht „brennt“, das wäre zuviel des Guten.

…denn Fahren mit hohem Widerstand
und niedriger Trittfrequenz führt oft zu Übersäuerung des Muskels

Diese Sichtweise übersieht dennoch die Kopplung zwischen Herz-Lungenkreislauf, Sauerstoffaufnahme und Trittfrequenz/Kraft.

Selbstverfreilich übersäuert man, wenn falsch gefahren wird.
Dann wurden aber nicht *dicke* Gänge getreten, sondern *zu dicke*.
Ein kleiner, feiner Unterschied.

P.S. Beim Radfahren bekommt man übrigens keinen Muskelkater

Das ist natürlich absoluter Unfug, da bei jeder sportlichen Beanspruchung früher oder später Muskelkater aufkommt.

Du brauchst nur lange genug und/oder aggressiv genug zu fahren, und dann „gehen“ Deine Beinchen mit einem Male richtig „blau“.

Soweit soll der Kollege es aber gar nicht treiben, denn er soll herzfrequenzorientiert sein aerobe Leistungsfähigkeit ausbauen.

MfG

Hi,

Es gibt diverse Wirkungsgrade, wichtig sind physiologischer
und biomechanischer Wirkungsgrad. Der physiologische liegt
vergleichsweise bei niedrigen Trittfrequenzen, der
biomechanische bei relativ hohen.

Das ist mir bekannt, aber ich frage mich, warum es im Jugend- und Juniorenbereich Übersetzungsbeschränkungen gibt?

Der fragende Kollege ist zweifelsohne ein Hobbysportler und es
gibt genügend Untersuchungen, die belegen, daß im Hobbybereich
sowieso *deutlich niedrigere* Trittfrequenzen gefahren werden
als bspw. im Profibereich.

Na, dann fahr mal bei einer RTF mit, da wird auch ziemlich gewirbelt.

Wenn man mit dem Radfahren anfängt, gilt das gleiche wie für
das Schwimmen: Es muß „ziehen“ - dann bringt es etwas. Zu
Anfang sollte man dann nur darauf achten, daß es nicht
„brennt“, das wäre zuviel des Guten.

Das ist natürlich nicht richtig, wenn’s „zieht“ ists meistens schon zuviel.

Diese Sichtweise übersieht dennoch die Kopplung zwischen
Herz-Lungenkreislauf, Sauerstoffaufnahme und
Trittfrequenz/Kraft.

Die Kopplung gibt es, aber dann frage ich mich natürlich, haben Generationen von Radsportlern falsch trainiert und tun es immer noch.
Ich war zwar nur ein mäßiger Rennfahrer, habs nur bis in die A-Klasse und 2 Jahre Radbundeslige geschafft, hätte mir aber im Herbst und Winter viel Trainingsarbeit ersparen können, wenn ich statt 42/16 mit 100 U/min immer schön mit 53/14 und 70 U/Min gefahren wäre.

P.S. Beim Radfahren bekommt man übrigens keinen Muskelkater

Das ist natürlich absoluter Unfug, da bei jeder sportlichen
Beanspruchung früher oder später Muskelkater aufkommt.

Das musst du mir mal erklären!

CU

Axel

hilfreiche antwort hier!
hi martin,

nachdem hier die wissenschaftler ihren für dich wenig hilfreichen streit ausgefochten haben mögen, hier ein tip von mir, der seit jahren aktiv und motiviert rennrad fährt:

wenn du nach ein paar tagen „rumkurven“ merkst, dass du besser vorankommst, hat dein körper einfach einen anpassungsprozess mit einer kleinen leistungssteigerung durchgemacht. dabei ist es aber unterschiedlich, ob du vom kreislauf, von der muskulatur oder von den bändern her die neue belastung gewöhnt bist. dir tun die knie weh. das heisst -entschuldigung, ich will dich nicht vereimern!- du musst davon ausgehen, dass deine knie überfordert wurden und die sehnen und bänder das treten von schweren gängen natürlich mit einem kleinen schmerz quittieren. trete also kleinere gänge und fahre vorsichtig weiter. besser den schmerz nicht übergehen.

lass die sportwissenschaftler ihre kunst an den oft gedopten und „fit-gespritzten“ profis vollführen. die verdienen durch nichtbeachtung von körpersignalen schaufelweise kohle, wir hobbyfahrer beabsichtigen ja eher den spaß, oder?

beachte einfach 2 dinge, und du wirst für das hobby immer stärker:

  1. belastung immer schön mit pausen abwechseln (z.b. einen tag fahren, dann 2 tage nicht fahren)

  2. körpersignale beachten, überforderung nur bis zum sogenannten „trainingsreiz“ ziehen, d.h. nicht zu viel oder zu massiv trainieren.

viel spaß!