'Rauchen kann tödlich sein'

Hallo,
die Aufschrift scheint ab 1.10. durch eine EU-Verordnung u.a. auf Zigarettenpackungen üblich zu werden. Was ich daran interessant finde, ist das davon durch hervorheben dieser offensichtlich wahren Aussage (denn was kann denn nicht tödlich sein ?) zunächst (vor einschalten des Ratios) eine negative Wirkung ausgeht. Es scheint, daß durch das Betonen, das Offensichtliche eine andere Qualität gewinnt. Wie ist das psychologisch zu erklären ? Mich würden auch Hinweise auf ähnliche Phänomene interessieren.

Gruss
Enno

PS: Ich beschäftige mich z.Z. spaßeshalber wieder mit formalsprachlichen Modellen in der Linguistik (überwiegend ausgehend vom Lambek Kalkül). Solche Bsp. verdeutlichen IMO gut, wie schwer es ist natürliche Sprache oder besser das von ihr vermittelte formal zu fassen.

Vielleicht weil

Es scheint, daß durch das Betonen,
das Offensichtliche eine andere Qualität gewinnt. Wie ist das
psychologisch zu erklären ? Mich würden auch Hinweise auf
ähnliche Phänomene interessieren.

…es gestalterisch wie eine Todesanzeige aussieht. Zudem schlicht schwarz auf weiß. Das wirkt.

hat deshalb schon jemand mit rauchen aufgehört?
hi,

Es scheint, daß durch das Betonen,
das Offensichtliche eine andere Qualität gewinnt.

natürlich ist es typografisch an eine todesanzeige angelehnt, das schwarz und weiß steht in starkem kontrast zu den verpackungen und fällt deshalb stark auf. aber:

gibt es da schon eine untersuchung über die WIRKUNG? hast du im freundeskreis leute, die deshalb mit dem rauchen aufgehört haben?
gibt es vielleicht hier einen raucher, den das abschreckt?

ich saß vorgestern in der u-bahn und hörte das gespräch zwischen drei jugendlichen: „kann tödlich sein! boahhh!“ und sie brachen alle in heftigstes gelächter aus (so wie jugendliche manchmal über brutale filme lachen, wenn jemand der arm abgehackt wird o.ä.). über ausdrücke wie „sargnagel“ würde früher auch schon viel gelacht. ich bin mir nicht sicher, ob das die gewünschte wirkung erzielen wird, und denke, dass die meisten leute kurz stutzen, sich aber irgendwann an den anblick gewöhnt haben und fröhlich weiter schmauchen…

gruß
tobias

Hallo,

…es gestalterisch wie eine Todesanzeige aussieht. Zudem
schlicht schwarz auf weiß. Das wirkt.

ja, die Aufmachung spielt dabei sicher auch eine Rolle.

Gruss
Enno

Hallo,

ich bin mir nicht sicher, ob das die gewünschte wirkung erzielen wird, und denke, dass die
meisten leute kurz stutzen, sich aber irgendwann an den anblick gewöhnt haben und fröhlich
weiter schmauchen…

das nehme ich auch an. Wirkungsvoller für Jugendliche sind da schon Bestrebungen, Rauchen in Filmen den positiven Beigeschmack zu nehmen oder andere Aufklärungsarbeit.

Gruss
Enno

Moin Enno,

Es scheint, daß durch das Betonen,
das Offensichtliche eine andere Qualität gewinnt. Wie ist das
psychologisch zu erklären ? Mich würden auch Hinweise auf
ähnliche Phänomene interessieren.

Die meinsten Raucher setzen Rauchen vermutlich erstmal mit Genuß gleich. Sicher wissen die meisten Raucher auch um die Gefahren, die mit Zigarettenkonsum verbunden sind, aber gerade, wenn man sich ansonsten gesund und munter fühlt, denkt man vielleicht nicht unbedingt, dass diese Gefahren etwas mit einem selbst zutun haben. Das Wissen um die Gefahren wird also verdrängt.

Andererseits setzen sich die meisten Menschen hin und wieder mal mit dem Tod auseinander, sei es, weil ein Familienmitglied, ein Nachbar oder Bekannter stirbt oder weil das Thema grad mal wieder „dran“ ist. Auch dieser Gedanke, wird jedoch häufig verdrängt.

Durch die Kombination von „Rauchen“ und „tödlich“ werden somit zwei Gedanken aus dem Hintergrund angeregt, einmal die Gesundheitsgefährdung des Rauchens, zum anderen das Wissen um die eigene Sterblichkeit. Diese beiden Gedanken gekoppelt verstärken einander, insbesondere dann, wenn man grade dabei ist, eine Zigarette zu rauchen.

Bei gesunden fitten Menschen, mag das immer noch nicht ausreichen und nicht wirklich ins Bewusstsein vordringen (oder veralbert werden, wie bei den Jugendlichen) aber bei anderen Menschen, kann noch ein dritter verstärkender Gedanke dazukommen, nämlich bei Menschen, die nicht ganz so gesund sind und wissen, dass sie eigentlich eh nicht rauchen sollten (und sei es „nur“ wegen der Pille z.B.). Hat man ein ernstes Gesundheitsproblem, ist der Gedanke an den Tod vielleicht eh präsenter. Da könnte ich mir vorstellen, dass der Hinweis vielleicht doch zumindest ein mulmiges Gefühl auslöst.

Ähnlich funktioniert das auch bei der Werbung. Man versucht Aussagen miteinander in Verbindung zu bringen und dies an eine persönliche Erfahrung oder Erlebniswelt des Konsumenten zu koppeln. Dies natürlich dann auf eine positive Art und Weise. Fiktives Beispiel für ein Erfrischungsgetränk: „Dynamozisch macht fit“ als Angebot an Sporttreibende (Sport = fit als persönliches Erleben).

Gruss
Marion

Hi Enno,
Rauchen ist Sucht. Eine teuflische Sucht. Das sag’ ich als Kettenraucher. Und einen Süchtigen haben die Folgen noch nie interessiert, der will nur seinen Stoff.
Anja, die weiß, wovon sie redet

hi,

die Aufschrift scheint ab 1.10. durch eine EU-Verordnung u.a.
auf Zigarettenpackungen üblich zu werden.

obs was hilft? eher im gegenteil. das macht es ja noch cooler und gefährlicher.

übrigens: autofahren kann auch tödlich sein. sollte man auf jedes auto raufschreiben. würde deswegen weniger gefahren werden? nein. weil es demjenigen der es tut sowieso wurscht ist. besser sollte man raufschreiben: „wenn ihr kind lungenkrebs kriegt, dann gehen sie einsitzen.“

gruß
datafox

Moin Anja

Rauchen ist Sucht.

Ja.

Und einen Süchtigen haben die Folgen noch nie
interessiert, der will nur seinen Stoff.

Manchen Süchtigen vielleicht. Andere Süchtige hören auf, wenn es gesundheitliche Probleme gibt. Ist ja nicht so, dass es nicht zu schaffen wäre.

Gruss
Marion, ehemalige Kettenraucherin, vor ein paar Jahren während einer Lungenentzündung aufgehört

Der Schatten der Zukunft
Hi,

es gibt eine soziologische Theorie, die nennt sich Rational Choice. Nach dieser verhält sich der Mensch als Nutzenmaximierer, allerdings subjektiv & kurzfristig orientiert.
Das typische Besipiel ist eine Schafweide zur allgemeinen Nutzung, bei der alle ihr Vieh drauf weiden lassen, bis nach kurzer Zeit nix mehr da ist. Sinnvoller wäre es, die Weide weniger stark zu benutzen aber dafür längerfristiger, der Nutzen wäre dann ja für alle höher. Genau dies geschieht aber nicht.

Beim Raucher sieht´s ganz genauso aus: für den ist der sofortige Genuss der höchste kurzfristige Nutzen. Auch er verhält sich suboptimal, da er früher stirbt. Und jetzt kommt der Schatten der Zukunft ins Spiel: Die Angst vor negativen Konsequenzen KANN die kuerzfristige Nutzenmaximierung besiegen. Allerdings gilt dabei, je weiter der Schatten der Zukunft entfernt ist, desto weniger Einfluss hat er auf das aktuelle Handlungsgeschehen - er ist häufig ohne Effekt, wie Dir ja auch schon aufgefallen ist. Die Regierung will mit der Maßnahme also den Schatten der Zukunft für die Süchtigen ins Bewusstsein bringen. Da er aber weit entfernt ist, bleibt er meist wirkungslos. Um das Beispiel mit der zeitl. Distanz zu verdeutlichen: Je kürzer die Zeit, desto effektiver: In einem Jahr tödlich, nächste Woche, morgen, in 5 Minuten usw.

Und es gibt da noch eine psychologische Erklärung: die Motivationstheorie nach Lewin. Sie sagt, je näher man an etwas dran ist, desto stärker die (pos./neg.) Motivation. Kippen sind i.d.R, SEHR nah, haben also eine sehr starke Anziehungskraft.

Hallo,
stimmt an die „assoziative Komponente“ hatte ich gar nicht gedacht. Assoziationen lenken ja in welche Richtung wir „zuerst denken“ (sozusagen Beweisheuristiken im deduktiven Denken/Schließen des Menschens).

Gruss
Enno

Hallo,

obs was hilft? eher im gegenteil. das macht es ja noch cooler
und gefährlicher.

bei längeren Rauchern wird es wohl kaum eine Wirkung entfalten, ebenso wenig bei Jugendlichen. Evtl. bei (älteren) „Neuzugängen“ der Rauchenfront ?

„wenn ihr kind lungenkrebs kriegt, dann gehen sie einsitzen.“

Ist das nicht eine Bevorzugung der kettenrauchenden, autofahrenden und kinderlosen Spezi ? *g*

Gruss
Enno

Hallo,

Und es gibt da noch eine psychologische Erklärung: die
Motivationstheorie nach Lewin. Sie sagt, je näher man an etwas
dran ist, desto stärker die (pos./neg.) Motivation. Kippen
sind i.d.R, SEHR nah, haben also eine sehr starke
Anziehungskraft.

zielt die auch in die Richtung, daß die Wichtigkeit resp. das Gewicht von Assoziationen über die Zeit hin abnimmt, es sei denn sie werden wieder extern (also z.B. durch so eine Aufschrift) wieder verstärkt ?

Gruss
Enno

Hallo,
mag sein aber es gibt ja auch hier Unterschiede in der Abhängigkeit, die sich vermutlich schon allein am Konsum ablesen lassen. Das der Langzeitraucher durch so einen Spruch vom Rauchen abkommt, halte ich auch für fraglich. Evtl. wird hier mehr an die Neuzugänge oder präventiv gedacht.

Gruss
Enno

PS: Ich rauche selber seit ca. 1/2 Jahr. Als Sucht sehe ich das bisher nicht, da ich Tage bequem ohne Kippe überstehen kann. Das einzige was mich stutzig macht, ist das seltsame Bedürfnis nach dem Sporttreiben nach einer Zigarette *g*.

hi,

bei längeren Rauchern wird es wohl kaum eine Wirkung
entfalten, ebenso wenig bei Jugendlichen. Evtl. bei (älteren)
„Neuzugängen“ der Rauchenfront ?

längere raucher sind bereits süchtig. gegen eine sucht hilft vielleicht eine therapie aber sicher nicht so ein lächerlicher aufkleber.

ältere neuzugänge kann ich mir nicht so recht vorstellen. weiviel prozent der raucher machen die aus? ich bin „älter“ und nichtraucher von geburt. ich weiß wie rauchen sich anfühlt, weil ich es probiert habe. es schmerzt in den lungen und löst hustenkrämpfe aus. schöner kann eigentlich nur giftgas sein. warum in alles in der welt sollte ich damit anfangen?

jugendliche fangen damit an, auch wenn es schmerzt, weil sie cool sein wollen und dazugehören wollen. irgendwann schmerzt es dann nicht mehr und der genuß stellt sich ein. bald setzt die wirkung des gifts im gehirn ein. und dann sind sie süchtig. da ist die wurzel allen übels. so ein dummer aufkleber ermuntert sie ja geradezu!

„wenn ihr kind lungenkrebs kriegt, dann gehen sie einsitzen.“

Ist das nicht eine Bevorzugung der kettenrauchenden,
autofahrenden und kinderlosen Spezi ? *g*

ah verstehe. nein ist es nicht. wer kein kind hat, hat eben keine verantwortung und kann sich in den tod rauchen wenn er will.

gruß
datafox

Hallo,

längere raucher sind bereits süchtig. gegen eine sucht hilft
vielleicht eine therapie aber sicher nicht so ein lächerlicher aufkleber.

viele kriegen das auch ohne Therapeuten hin - sogar mehrfach *g*.

ältere neuzugänge kann ich mir nicht so recht vorstellen.
weiviel prozent der raucher machen die aus?

Vermutlich wenige. Ich bin so einer. Ich habe im März diesen Jahres angefangen, als ich knapp 8 Wochen berufsbedingt in München war und wg. terminkritischer Projektarbeit keine Zeit für Sport hatte. Irgendeine Alternative zur ZNS-Stimulation war da angesagt (zumal die Räume eh’ komplett verraucht waren).

ich bin „älter“ und nichtraucher von geburt. ich weiß wie rauchen sich
anfühlt, weil ich es probiert habe. es schmerzt in den lungen und löst hustenkrämpfe aus.

na ja als älterer Mensch :wink: sind Deine Lungen besser darauf vorbereitet, u.a. durch (Hausbrand & ) Abgas & Emissionen die beim Abfeuern von Waffen enstehen.

bald setzt die wirkung des gifts im gehirn ein. und dann sind sie süchtig.

Och menno und ich dachte immer es wäre mein freier Wille zu rauchen…

Gruss
Enno

viele kriegen das auch ohne Therapeuten hin - sogar mehrfach
*g*.

hihi.

Vermutlich wenige. Ich bin so einer. Ich habe im März diesen
Jahres angefangen, als ich knapp 8 Wochen berufsbedingt in
München war und wg. terminkritischer Projektarbeit keine Zeit
für Sport hatte. Irgendeine Alternative zur ZNS-Stimulation
war da angesagt (zumal die Räume eh’ komplett verraucht
waren).

rauchst du immer noch?

na ja als älterer Mensch :wink: sind Deine Lungen besser darauf
vorbereitet, u.a. durch (Hausbrand & ) Abgas & Emissionen die
beim Abfeuern von Waffen enstehen.

was für waffen denn?! du meinst sicher autos.

Och menno und ich dachte immer es wäre mein freier Wille zu
rauchen…

inwiefern süchtige einen freien willen haben kann ich nicht beurteilen. ich kann es mir nur in analogie zu einem anderen bedürfnis vorstellen, zb. wasser. die sucht nach wasser (vulgo durst) kann deinen ganzen organismus in mitleidenschaft ziehen. entzugserscheinungen sind gräßlich und nach längerer zeit mit todesangst verknüpft. wenn drogensucht sich anfühlt wie ein elementares lebenserhaltendes bedürfnis dann gute nacht. das ist folter. niemand kommt hier ohne hilfe raus.

gruß
datafox

Hallo,

rauchst du immer noch?

ja. Macht mir allerdings auch kein Problem ein paar Tage auszusetzen (bisher). Ich werde das Rauchen ggf. noch mal überdenken, wenn morgens der Keuchhusten kommt oder die ersten Glieder taub sind *g*.

was für waffen denn?! du meinst sicher autos.

Nö ich dachte an Deinen Wohnort. Dort wo man unter tösenden Haubitzenschüssen den Alltag bestreiten muß … ok, vielleicht geht hier meine Phantasie etwas durch …

niemand kommt hier ohne hilfe raus.

Statt Wasser gibt’s ja auch Bier. Und statt Kippen irgendwas anderes. Viele scheitern einfach daran, weil sie Sucht ersatzlos streichen wollen.

Gruss
Enno

Wie unterschiedlich Menschen sind…
Hallo Enno,

hinzufügend möchte ich noch sagen, daß ich es überaus interessant finde, wie unterschiedlich Menschen - respektive Raucher - auf das neue Packungslayout reagieren.
Eine Freundin in Kanada, wo die Packungen schon länger diese deutlichen Hinweise enthalten, hat sich ein Zigarettenetui angeschafft, um die Warnungen nicht immer lesen zu müssen. Mein Freund will desgleichen jetzt tun, wo die Hinweise bei uns so ins Auge stechen.

Ich hingegen finde sie lustig und freue mich immer an neuen Sprüchlein, die ich dann lese, während ch mir eine anstecke. In Kanada habe ich sogar die besten Warnhinweise gesammelt.

Jedenfalls stören mich die Hinweise nicht weiter, wenn’s auch für die Verpackungsdesigner wohl eine Katastrophe ist. :wink:

Liebe Grüße,
Nike

[absolut off topic]
Hi Nike,

schön, Dich wieder zu lesen :smile:

Es freut sich
Diana