Moin Marcus,
Das Hauptziel des Staates sollte sein die Ausgaben langfristig
zu begrenzen bzw. abzubauen und sich aus unrentablen
Angelegenheiten die andere besser erledigen können
zurückzuziehen.
Ok, dann definier mal „unrentabel“. Ist die Rentenversicherung unrentabel? Bislang hat mir jedenfalls noch keiner jemanden zeigen können, der diese Aufgabe besser erledigen kann als der Staat.
Lieber ein Ende mit Schrecken als ein
Schrecken ohne Ende. Was nützt dir eine kurzfristige Senkung
der Neuverschuldung wenn du dein Volk dadurch so
verunsicherst, dass es in den „Konsumstreik“ tritt?!
Tut es ja nicht. Das geschieht allenfalls dann, wenn das Volk kurzfristig überfordert wird, wenn man zu viele Bereiche gleichzeitig angehen will und die Politik dann in sich widersprüchlich und nicht nachvollziehbar wird.
Dieser
unsägliche Generationenvertrag der mich und Millionen andere
Arbeitnehmer mit mir nötigt, zusätzlich zu über 19%
Rentenversicherungsbeitrag noch privat vorzusorgen und der
durch die jetzige Geburtenentwicklung überhaupt nicht
funktionieren kann, muß so schnell wie möglich durch eine gute
und durchdachte Alternative abgelöst werden. Die Riester-Rente
ist zwar ein Ansatz aber auch ein Beweis, dass „gut gemeint“
und „gut gemacht“ zwei unüberbrückbare Gegensätze sind.
Wie gesagt: „eine gute und durchdachte Alternative“ kann nicht sein, dass der Staat gegenwärtig draufzahlen muss. Das kann er nämlich gegenwärtig nicht.
Wenn wir dies geschafft haben, existiert genügend finanzieller
Spielraum die nächsten Probleme wie eine umfangreiche
Rentenreform anzugehen.
Das wird nichts, sobald Geld da ist wird es von unseren
Politikern schnellstmöglich für irgendwelchen Schrott
umgesetzt.
Wenn Du so denkst, dann sollte wohl Deiner Meinung nach die Staatsschulden nie abgebaut werden? Denn wenn dies geschehen ist, wird eh nur in Schrott investiert.
Alle AN, die nicht mehr in die gesetzliche RV einzahlen, haben
Anspruch auf insg. 15 % aufgeteilt 50/50 wie bisher oder auf
eine Garantierente von € 1000 plus 1,6 %
Inflationsausgleich/Jahr bis zur Rente. Wer mehr Rente haben
möchte kann unbegrenzt aus seinem Einkommen steuer- und
SV-frei einzahlen.
Nur nebenbei: wieso eigentlich ein fester Inflationsausgleich?
Mal verlieren die Rentner dann, mal gewinnen sie über Gebühr.
Das macht keinen Sinn.
Den könnte man ja nachträglich anpassen.
Ok, also kein fester Inflationsausgleich.
Der Inflationsausgleich wird ja auch nicht ausgezahlt sondern
hilft nur bei der Prognose der auszuzahlenden Rente.
Und dann wird er ausgezahlt. Im übrigen gibt es ja auch Rentner. Die erhalten dann wohl den jährlichen Inflationsausgleich, der dann also nicht fix 1,6% betragen muss. Oder wie ist das bei Rentnern?
Nur kannst du bei
einem 20-jährigen nicht die selben Werte nutzen wie bei einem
40-jährigen. Lebensversicherungen rechnen übrigens ähnlich.
Eben. Lebensversicherungen müssen auch nicht nach dem
Solidaritätsprinzip operieren. Wenn es z.B. für ein von der
Geburt an schwerbehindertes Kind mit geringer Lebenserwartung
keine Lebensversicherung gibt, dann gibt es eben keine. Der
Staat sollte anders handeln.
Auch bei Lebensversicherungen gibt es das Solidarprinzip.
Irgendjemand muß es doch zahlen wenn du bei einer Risiko-Leben
nach 1 Jahr verstirbst bzw. wenn du eine BU-Rente
abgeschlossen hast und nach 5 Jahren BU wirst.
Jein. Innerhalb der Lebensversicherung gilt das Solidarprinzip. Die Lebensversicherung schauen sich Dein Risiko an und bestimmen danach Deine Prämie (z.b. 10%), wenn die Gefahr, dass der Versicherungsfall eintritt bei 1% liegt. Tritt er dann ein, erhälst Du 1000% Deiner Einzahlungen (einfach gerechnet, ohne Gewinn für den Konzern, aber ich will ja nur das Prinzip zeigen). Wenn aber vor Eintritt in die Lebensversicherung zu 100% feststeht, dass der Versicherungsfall eintreten wird, dann wird die Versicherung sagen: Leider können Sie sich bei uns nicht versichern.
Das darf der Staat heute nicht und sollte er auch nicht dürfen.
Krankenversicherung: In einer Zeit von Online-Banking und
Direktversicherungen ist eine Organisation wie die AOK
untragbar geworden. Es kann nicht sein, dass in der heutigen
Zeit eine Versicherung in jeder Stadt eine Zweigstelle und
wahrscheinlich auch noch einen Zweigstellenleiter hat.
Das macht nur Sinn, wenn Du jedem Deutschen einen
Computer mit Internetzugang zur Verfügung stellst. Es soll
durchaus noch Leute ohne Internet geben. Im übrigen hat auch
nicht nur die AOK Zweigstellen.
Die AOK hat Zweigstellen in jedem Ort. Ich bin bei
einer BKK versichert, die hat nur eine Geschäftsstelle und
deshlab zahle ich auch nicht 15% Beitrag. Lies meinen Text
bitte noch einmal.
Eben, das habe ich geschrieben:
- Hat nicht nur die AOK Zweigstellen. Ich habe nicht
bestritten, dass die AOK Zweigstellen hat.
- Gibt es halt immer noch Leute ohne Internetzugang in
Deutschland. Was machen die?
Wie gesagt, du denkst eindimensional. Irgendwo wird es schon
eine Zweigstelle geben. Die rufst du dann an (ich denke, daß
über 90 % der Einwohner Deutschlands ein Telefon haben) oder
schreibst einen Brief (können auch fast alle).
Ok, Deine Betonung lag anfangs auf „jeder“ Stadt. War mich nicht klar. Das ist dann eh wurscht, weil das sogar die AOK abbaut. Natürlich kann man dann drüber streiten, wie viele Zweigstellen nötig sein sollten. Reichen Hamburg, München, Berlin aus oder doch die 100 größten Städte oder wie viel?
Deshalb: die AOK wird komplett abgeschafft. Eingeführt für
alle, die sich eine alternative KV nicht leisten können wird
eine gesetzliche Pflichtkasse. Diese Pflichtkasse zahlt nur
Notmaßnahmen, 1x/Jahr Zahnarzt (außer man hat Schmerzen),
1x/Jahr Vorsorge beim Hausarzt, keine Kur, keinen Zahnersatz,
keine Medikamente, kein gar nichts.
Wieder schlecht gelesen. Ich habe geschrieben, daß nur wer
sich keine „richtige“ Krankenkasse leisten kann in dieser
Pflichtkasse versichert wird und da unser Sozialstaat nicht
mehr so viel Geld hat, ist es nur richtig daß nicht jeder
alles bezahlt bekommt!
Eben, genau darauf habe ich geantwortet. Wer arm und krank
ist, zahlt bei Deiner Reform drauf. Denn er kann sich keine
„richtige“ Krankenkasse (Deine Wortwahl) leisten und muss sich
Zahnersatz, Medikamente etc. selbst bezahlen. Da dies dann
viele nicht mehr können, denn Medikamente sind teuer, führt
Dein Modell zu einem langsamen Aussterben der Armen.
Auch eine Lösung.
Jeder der arbeiten geht kann sich eine gesetzliche KV leisten.
Wer mind. 60 Monate einbezahlt hat oder für den mind. 60
Monate einbezahlt wurde (vom Vater/Mutter od. Ehepartner) hat
Anspruch auf vergünstigte Beiträge. Das sollte genug
Solidarität sein.
Und wer nicht arbeiten gehen kann? Es gibt Schwerbehinderte (von Geburt an), die werden nie einen Arbeitsplatz finden. Wie passen die in Dein System rein?
Oder wer länger arbeitslos wird?
Und was nützen mir vergünstigte Beiträge, wenn ich die Medizin selbst bezahlen muss?
Arzt: „Sie sind krank. Ich schreibe Ihnen eine Medizin auf. Die Packung kostet 5000 Euro im Monat.“
Patient: „Aber ich verdiene nur 1000 Euro im Monat.“
Arzt: „Ok, dann bleiben Sie halt krank. Auf Wiedersehen.“
Netter Dialog? Finde ich nicht. Aber nach Deinem System wäre das tägliche Praxis. Oder glaubst Du nicht, dass es Medizin für 5000 Euro im Monat gibt?
Und welchen Sinn hat das dann? Wer gesund ist, profitiert von
der Regelung. Wer krank ist, zahlt drauf. Sehr solidarische
Idee.
Ich tippe mal, dass Du gegenwärtig gesund bist.
Andersrum: ich zahle brav meine 13 %, gehe 2x/Jahr zum Arzt.
Wenn ich aber richtig krank bin, habe ich überarbeitete Ärzte,
gestresste Krankenschwestern, veraltetes Material und
Medikamente (Ratiopharm läßt grüßen) und ich werde nach
möglichst kurzer Zeit aus dem Krankenhaus abgeschoben. Findest
du das richtig?
Ja. Weil die Medizin für die Kranken sein sollte und du bist offensichtlich gesund. Natürlich wäre ich auch dafür, dass Ärzte, Krankenschwestern weniger gestresst und das Material neuer wäre (obwohl ich da kein Problem sehe. Mein Aufzug im Haus ist von 1961 und funktioniert einwandfrei. Die Instrumente im Krankenhaus sind meist jünger). Neben den Kranken sollte da das Geld reinfliessen. Nicht in die Entlastung der Gesunden wie Dich und mich. Allenfalls als letztes, wenn noch Geld übrig ist.
Sicher muß es es Solidarität geben aber ich finde es
unverantwortlich so mit dem Medizin und Pflegepersonal
umzugehen. Möchtest du von einem Arzt operiert werden, der
schon 12 Stunden Schicht hinter sich hat? Warum ist die
Situation in den Kliniken so? Weil die KK kein Geld haben.
Also muß man sie entlasten.
Es ist dann halt nur die Frage, wen man stattdessen belastet. Für Dich sind das die Alten und Kranken. Für mich nicht.
Ciao
Ralf