Hallo Gernot,
es ist schon erschreckend, mit welchen Vorwürfen hier immer wieder rücksichtslos gehandelt wird, obwohl nur ein ziemlich mageres Halbwissen zugrunde liegt.
Sie fragen:
Wozu? (auf die Frage von Elimelech, welchen konkreten religiösen Führer Sie nun meinen)
Eben dazu, dass wir alle wissen, auf welcher Basis Sie Ihre Vorwürfe erheben. Wenn ich eine Behauptung aufstelle, muss ich sie zumindest belegen können.
Erstens sitzen dort ja wohl religiöse Parteien im Parlament.
Und zweitens neehmen die ganzen orthodoxen Juden ja schon
genug Einfluß.
Wieviel Einfluss nehmen denn die orthodoxen Juden? 60% der israelischen Juden leben nicht religiös, die restlichen 40% teilen sich in orthodoxe, konservative, liberale und sonstige Richtungen auf. Selbst bei sehr hoch gerechneten Zahlen, komme ich auf nicht mehr als maximal 15% orthodoxe Juden.
Wer schreit denn am lautesten gegen jeden
Ausglaich mit dem Arabern?
Ja, wer? Können Sie mir das sagen? Die israelische Friedensbewegung ist es nicht!
Ämter brauchen die ja nicht, die
müssen ja nicht mal zur Armee. Das Sterben für die jüdische
Sache haben sie ja vornehm den weltlich eingestellen Vetretern
ihres Volkes überlassen.
Und dass diese sterben liegt an den orthodoxen Juden? Greifen sie denn die weltlichen Juden mit Steinen, Brandgeschossen, Bomben und Gewehren an? Ich glaube nicht, dass das so ist.
Äußerst kritisch ist allerdings die ganze Geschichte im jüdischen :Selbstverständnis zu sehen. Das die Juden als auserwähltes Volk ja :angeblich automatisch alleinigen Anspruch auf Israel haben, sind :sie in dieser Beziehung schlicht weg in einer Zwangslage.
Ich fürchte, Sie missdeuten den Begriff „auserwähltes Volk“. Auserwählt heißt nicht, dass die Juden mehr Rechte haben, als die anderen Völker, es heißt lediglich, dass sie sich an die Gebote der Torah zu halten haben. Der Bund G-ttes mit dem Volk Israel ist kein Privileg sondern eine verantwortungsvolle Pflicht.
Denn sie müssen dazu einen arabischen Staat verhindern
Das ist ein Irrtum, denn G-tt hat niemals verlangt, dass Israel keine andersgläubigen Menschen in seinen Toren wohnen lässt. Und es ist nicht das Ziel Israels, einen Staat Palästina zu verhindern. Die Palästinenser selbst haben es abgelehnt, einen autonomen Staat zu gründen, als unter britischem Mandat die Aufteilung des Landes stattfand, weil es für die Palästinenser einer Anerkennung des Staates Israel gleichgekommen wäre und das wollten sie unter allen Umständen verhindern.
und das paßt logischerweise den Arabern nicht, die seit 1000 und :mehr Jahren dort wohnen.
Ja, sie wohnen seit 1000 Jahren dort, genau wie die Juden. Dazu eine Zeittafel, die Ihnen die Rechtsansprüche verdeutlichen soll:
- seit der Altsteinzeit besiedelt
-
- Jhtsd. v. Z.: Jericho besitzt städtischen Charakter mit
Befestigungsanlagen.
- Anfang 3. Jhrtsd. v. Z. viele Stadtstaaten in Palästina, Bewohner: semit. Einwanderer und nichtsemit. Bevölkerung
- zw. 2000 und 1550 v. Z.: höchste Blüte kanaanitischer Stadtkultur
- während des 2. Jhrtsd. v. Z. : Einflußnahme der Hethiter, Ägypter u.a.
- zw. 14. und 12. Jh. v. Z.: Einwanderung der Juden ins Landesinnere und der Philister in die Küstengebiete
-
- Jh.: israelitisches Königtum entsteht
- 926 v. Z.: Zerfall in die Teilstaaten Israel und Juda
- 721 v. Z. Israel von den Assyrern erobert
- 597 v. Z. Juda von den Babyloniern erobert
- 63 v. Z.: Juda wird römische Provinz
- 135 n. Z. nach dem Bar Kochba-Aufstand nennen die Römer ihre Provinz Judäa in Palästina um
- nach der Teilung des Röm. Reichs gehört Palästina zum Byzantinischen Reich
- 636 erobern die islamischen Araber das Land
- 1099 gründen die Kreuzfahrer das Königreich Jerusalem
- 1187 wird es von Saladin vernichtet
- seit 1291 gehört Palästina zu Ägypten
- seit 1517 gehört es zum Osmanischen Reich
- das Land hatte immer arab.-islam. und jüdische Bewohner, erstere waren
mehr
- seit Ende 19. Jh.: organisierte Einwanderung von Juden nach Palästina
- WW I: Großbritannien erobert Palästina
- 1922 Palästina steht unter britischem Mandat
An dieser Zeittafel erkennt man, dass es niemals ein autonomes Palästina gab und dass es niemals nur von Nichtjuden besiedelt war, sondern beide Seiten eine Daseinsberechtigung im Land habe, da beide schon seit Menschengedenken dort leben.
Sicherlich ließe sich auch hier eine Lösung finden, zumindest aus :religiöser Sicht. Die Frage ist nur, ob das die Beteiligten wollen.
Die beteiligten Juden schon, bei den Palästinensern habe ich manchmal allerdings noch Zweifel.
Woher meine Zweifel kommen? Weil ich mich nicht auf die TV-Berichterstattung alleine verlasse, weil ich nicht mit Raimund Brendle konform gehe, und mir erzählen lasse, dass die armen Palästinenser von den bösen Israelis ja so gequält werden.
Wussten Sie, dass es der Palästinensichen Autonomiebehörde bekannt war, dass Sharon mit seinen Mannen den Gang zum Tempelberg machen wollte? Sie erhob keinen Einspruch dagegen. Als dann aber Sharon auf dem Weg war, da nahmen sie es als einen Affront, als bewusste Provokation von Seiten Israels.
Wussten Sie, dass die Bilder, die im TV zeigten, wie ein 14-jähriger palästinensischer Junge von einem Israeli getötet wurde, nicht zeigten, ja, es sogar bewusst ausblendeten, dass gleichzeitig mehrere Scharfschützen auf palästinensischer Seite auf den Israeli schossen? Nein, woher sollten Sie es wissen, Sie sehen ja nur „bereinigtes“ TV, nicht die Bilder, so wie sie wirklich sind. Um mir nicht die Finger wund zu schreiben, hier ein Link: http://www.juergen-elsaesser.de
Vielleicht werden Sie nach dem Artikel die Sache etwas differenzierter sehen.
Viele Grüße!
Inge