Religion - Wofür eigentlich?

Hallo,

Warum brauchen viele Menschen unbedingt eine Religion oder besser die mehr oder weniger starke Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft?

Vor allem in unserer Gesellschaft in der die soziale Grundabsicherung der Staat übernimmt, in der eine gewisse Grundbildung ausgeprägten Aberglauben und Ängste verhindert und in der man jede Möglichkeit hat, durch Übernahme von Verantwortung, den Weg seines Lebens selbst zu bestimmen, ist es doch gar nicht mehr notwendig sich über eine Religion zu definieren.

Gut und Böse sind doch sowieso Moralbegriffe die sich stark an der jeweiligen Zeit und ihren Menschen orientieren. Ich denke jeder weiss sehr genau, was heute als Gut und was als Böse gilt, diese Moral ist uns quasi kulturell mitgegeben, gesteuert durch unser Gewissen.

Welche Funktion hat also Religion?

Gruss

D.K.

Ich denke
jeder weiss sehr genau, was heute als Gut und was als Böse
gilt, diese Moral ist uns quasi kulturell mitgegeben,
gesteuert durch unser Gewissen.

Welche Funktion hat also Religion?

sie ist sehr oft - aber nicht immer - grundlage dieser moral, die uns „kulturell mitgegeben“ worden ist. auch wenn heute nur mehr sehr wenige menschen religiös denken und/oder leben, sind moralische und philosophische inhalte dieser religion/en nach wie vor in der bevölkerung präsent, ohne daß ihnen das bewußt ist, da sie wie fische im wasser nur EINE möglichkeit kennen.

frage dich mal selbst folgende dinge:

  • haben alle menschen dieselben rechte?
  • ab wann beginnt menschliches leben?
  • ist es immer falsch zu lügen?
  • besteht die ideale partnerschaft zwischen genau zwei menschen?
  • hat der tote körper einen wert?
  • gibt es eine seele/ein bewußtsein neben dem körper?
  • darf man tiere essen?

usw. usf.

gruß
datafox

Ich denke
jeder weiss sehr genau, was heute als Gut und was als Böse
gilt, diese Moral ist uns quasi kulturell mitgegeben,
gesteuert durch unser Gewissen.

Welche Funktion hat also Religion?

sie ist sehr oft - aber nicht immer - grundlage dieser moral,
die uns „kulturell mitgegeben“ worden ist. auch wenn heute nur
mehr sehr wenige menschen religiös denken und/oder leben, sind
moralische und philosophische inhalte dieser religion/en nach
wie vor in der bevölkerung präsent, ohne daß ihnen das bewußt
ist, da sie wie fische im wasser nur EINE möglichkeit kennen.

Was steckt hinter deiner Aussage? Wir brauchen Religion weil sie der Ursprung unserer Moral ist? Quasi aus Nostalgie oder Tradition? Sollten wir dann nicht unter manche Autos runde Holzbalken anbringen um auf den Ursprung für das Rad hinzuweisen?

frage dich mal selbst folgende dinge:

  • haben alle menschen dieselben rechte?
  • ab wann beginnt menschliches leben?
  • ist es immer falsch zu lügen?
  • besteht die ideale partnerschaft zwischen genau zwei
    menschen?
  • hat der tote körper einen wert?
  • gibt es eine seele/ein bewußtsein neben dem körper?
  • darf man tiere essen?

usw. usf.

gruß
datafox

Jede deiner Fragen werden manche Menschen bejahen, andere verneinen.
Und doch gibt es Fragen mit grundsätzlicher Übereinstimmung.

  • darf man zum Spass töten?
  • darf man Menschen essen?
  • darf man Menschen mit Absicht Leid zufügen?
  • darf man mitten im Wohnbereich pinkeln?
    usw.

Und hier öffnet sich schon die nächste Frage. (Fast schon philosphisch) Sind diese Fragen und das passende Nein nicht schon immer in uns Menschen enthalten? Ist es nicht eine Frage der Vernunft, ob der Konsequenzen diese Fragen mit Nein zu beantworten und hätten bzw. brauchen wir für diese Beantwortung tatsächlich Religion? Vor allem heute, als Erben einer 3000-4000 jährigen Moralkultur?

Gruss D.K.

Hallo D.K.,
wen es auf einer hohen Plattform schwindelt, braucht ein Geländer. Wer seinen eigenen Beinen nicht mehr vertrauen kann, braucht einen Stock zum Gehen. Wer sich alleine zu schwach fühlt, sucht sich gleichgesinnte Gefährten.

Gruß
Eckard

Was steckt hinter deiner Aussage? Wir brauchen Religion weil
sie der Ursprung unserer Moral ist? Quasi aus Nostalgie oder
Tradition? Sollten wir dann nicht unter manche Autos runde
Holzbalken anbringen um auf den Ursprung für das Rad
hinzuweisen?

eine überlegung und eine versuchte erklärung von zusammenhängen. nein. nein. nein.

  • darf man zum Spass töten?
  • darf man Menschen essen?
  • darf man Menschen mit Absicht Leid zufügen?
  • darf man mitten im Wohnbereich pinkeln?

noch bessere fragen!
und siehe da, es gibt menschenfresser.
es gibt rituelle quälereien, auspeitschungen, durchbohrungen des körpers, selbstgeißelungen…
und vielleicht gibt eine kultur, die rituell pinkelt? :smile:
es gibt nichts das noch so absurd wäre, daß es nicht irgendwo eine bedeutung hätte. und wenn du deine eigenen rituale mit „fremden“ augen betrachtest, dann wirst du das auch ganz schön grotesk finden.

Und hier öffnet sich schon die nächste Frage. (Fast schon
philosphisch) Sind diese Fragen und das passende Nein nicht
schon immer in uns Menschen enthalten?

ein klares nein von meiner seite. aber das ist meine meinung :smile:

brauchen wir für diese
Beantwortung tatsächlich Religion? Vor allem heute, als Erben
einer 3000-4000 jährigen Moralkultur?

nein. zumindest nicht in aufgeklärten gesellschaften.

gruß
datafox

Hallo,

Warum brauchen viele Menschen unbedingt eine Religion oder
besser die mehr oder weniger starke Zugehörigkeit zu einer
religiösen Gemeinschaft?

In dieser Form möchte ich die Frage für mich nicht gelten lassen: dies würde nämlich bedeuten, daß Religion einen Zweck hat und daß die Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft zweckbestimmt ist. Dann kämen wir ganz schnell zu dem alten Sigmund Freud, der Gott für nichts anderes hält als eine Projektion der menschlichen Wünsche an den Himmel (Ich weiß, das ist verkürzt, aber für den Anfang mag’s genügen.)
Vielmehr möchte ich Dir gern antworten auf eine etwas anders formulierte Frage: Woher kommt Religion? Zuallererst einmal aus der Erfahrung, daß wir Menschen nicht selber Herren und Meister unseres Lebens sind.

Vor allem in unserer Gesellschaft in der die soziale
Grundabsicherung der Staat übernimmt, in der eine gewisse
Grundbildung ausgeprägten Aberglauben und Ängste verhindert

Schau doch mal in eine beliebige Tageszeitung: In jeder findest Du ein Horoskop, und das gäbe es nicht, wenn die Menschen das nicht verlangen würden. „eine gewisse Grundbildung verhindert Aberglauben“?
„…verhindert Ängste“? Die Gegenbeispiele liegen auf der Straße.

und in der man jede Möglichkeit hat, durch Übernahme von
Verantwortung, den Weg seines Lebens selbst zu bestimmen,

Genau das kannst Du nicht. Es gibt derart viele fremde Einflüsse, fremde Leben, die mit Deinem verbunden sind, Zufälle, Imponderabilien, daß Du den Weg Deines Lebens eben nicht selbst bestimmen kannst. Es gibt Unfälle, Unglücke, Katastrophen, Krankheit, Leid, Schuld, Tod - das wäre dann alles selbst verantwortet. Und dann wärest Du ziemlich schnell am Ende.

ist :es doch gar nicht mehr notwendig sich über eine Religion zu

definieren.

Ich behaupte jetzt mal etwas steil, daß Religion immer etwas Abgeleitetes, Sekundäres ist: am Anfang steht eine Erfahrung von Bewahrung, Befreiung, meinethalben Erlösung. Diese Erfahrung wird weitergegeben, und damit sie weitergegeben werden kann, muß sie vermittelbar sein, muß also auf eine rationale Ebene gehoben werden. Sie muß erzählt werden können. Das wäre dann die Religion.

Gut und Böse sind doch sowieso Moralbegriffe die sich stark an
der jeweiligen Zeit und ihren Menschen orientieren. Ich denke
jeder weiss sehr genau, was heute als Gut und was als Böse
gilt,

Moral hat mit Religion zuerst einmal nichts zu tun. (Ich finde, es hat der christlichen Kirche sehr geschadet, daß sie sich immer mehr mit der bürgerlichen Moral identifiziert hat. Das kommt sicher daher, daß das Bürgertum die Schicht war, die die Kirche getragen und bestimmt und natürlich auch für seine Zwecke benutzt hat). Freilich wird etwas anderes geschehen: Wer eine solche Erfahrung der Erlösung, Befreiung gemacht hat, wird verändert sein und deswegen gewisse Dinge nicht mehr tun wollen oder nicht mehr tun können, die dieser Erfahrung widersprechen. Auch das wird auf einer sagbaren Ebene, meinetwegen also der rationalen, vermittelt werden müssen; und wenn Du daraus ein System machst, dann hast Du die Moral.

diese Moral ist uns quasi kulturell mitgegeben,

Unsere Kultur ist aber von der Religion, in diesem Fall dem Christentum bestimmt, geradezu imprägniert.

gesteuert durch unser Gewissen.

Das Gewissen ist aber eine ganz persönliche Instanz. Nun kannst Du sagen, es sei einfach die Summe aus Über-Ich (dann wären wir wieder bei Freud) und der Gesamtheit der Folgerungen, die wir aus unseren Erfahrungen gezogen haben. Dabei übersiehst Du aber, daß man sein Gewissen prägen oder prägen lassen kann. Ein Christ wird sein Gewissen von Christus prägen lassen und ihn zum Maßstab seines Handelns machen.

Welche Funktion hat also Religion?

Eine Funktion kann sie nur haben, wenn ihre „Funktionäre“ sich vor irgendeinen Karren spannen lassen, also eine Funktion in einem übergeordneten System erfüllen. Aber das ist nicht ihr Wesen.

Gott segne Dich! - Rolf

Gruss

D.K.

Hallo, D.K.

Warum brauchen viele Menschen unbedingt eine Religion oder
besser die mehr oder weniger starke Zugehörigkeit zu einer
religiösen Gemeinschaft?

Es gibt keine „kostenlose Moral“. Dass Dir das
so vorkommt, ändert nichts daran. Der Preis für das
heute einigermassen gesittete Zusammenleben sind 2000
Jahre harte Zucht durch eine wie-auch-immer geartete
Priesterkaste an einem wiederspenstigen und barbarischen
Bauern- und Kriegervolk.

Was die „Religion“ nicht frühzeitig regelt, bleibt am
Ende für die Polizei zu tun übrig. So galt es noch
bis vor 100 Jahren.

Es bedarf nur eines „Fingerschnipsens“ und unsere
schöne „avantgardistische Kultur“ bricht zusammen
wie eine morsche hohle Säule. Verunsicherte Massen
lagern sich dann verängstigt um einen Führer, der
ihnen Trost und Mut spendet. Seine Weltsicht wird
deren „Religion“. Er zeigt ihnen, wie sie ihr Leben
in neuen Strukturen organisieren können.
Das ist Religion.

Täusche Dich darin nicht :wink:

Grüße

Euer CMБ

  • darf man zum Spass töten?
  • darf man Menschen essen?
  • darf man Menschen mit Absicht Leid zufügen?
  • darf man mitten im Wohnbereich pinkeln?

noch bessere fragen!
und siehe da, es gibt menschenfresser.
es gibt rituelle quälereien, auspeitschungen, durchbohrungen
des körpers, selbstgeißelungen…
und vielleicht gibt eine kultur, die rituell pinkelt? :smile:
es gibt nichts das noch so absurd wäre, daß es nicht irgendwo
eine bedeutung hätte. und wenn du deine eigenen rituale mit
„fremden“ augen betrachtest, dann wirst du das auch ganz schön
grotesk finden.

(Ich gebs ja zu, es war eine vorbereitete kleine Falle)…war es nicht schon immer vor allem die jeweilige Religion die verantwortlich war, bzw. herhalten musste, dass Verstöße gegen die natürlichen Regeln legitim und moralisch wurden?

Ok, es gibt da noch ganz wenige andere Gründe, zB. die klassische Mutprobe oder wenn andere Gefühle (Neid, Liebe, Hass) über der Vernunft stehen. Doch sobald diese aussergewöhnliche Situation gegessen ist, gelten wieder die natürlichen Regeln.

Und hier öffnet sich schon die nächste Frage. (Fast schon
philosphisch) Sind diese Fragen und das passende Nein nicht
schon immer in uns Menschen enthalten?

ein klares nein von meiner seite. aber das ist meine meinung

)

Begründung?

Ich denke es bilden sich ganz von selbst Grundregeln des Zusammenlebens. Es sind immmer die Regeln, die einen grundsätzlichen Nutzen für alle Parteien bringen.
Und ich glaube, Religion hat von Anfang an ihr Potential als Regelwerk und die daraus resultierende Machtstellung erkannt und konsequent umgesetzt.

Gruss D.K.

Nein, nein sei beruhigt, da täusche ich mich nicht. Die Wichtigkeit einer Orientierung ist mir vollkommen bewusst. Worauf ich hinaus wollte, ist ja nicht die Abschaffung sondern eine Hinterfragung. Ohne langes herumreden, aus meiner Sicht ist Verantwortung der Schlüssel für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft (auch die Massen). Je mehr Menschen Verantwortung übernehmen, desto weniger werden sie sich einfach irgendeinem Regelwerk unterwerfen, dass ihrer natürlichen Moral widerspricht. Nachteil, ganz klar, auch gute Regeln werden selbstbewusst ignoriert, aber der grosse Vorteil, die verunsicherten Massen wären weniger.

Doch das ist ein WasWäreWenn Spiel.
Ansonsten gebe ich dir völlig recht in deinen Ausführungen.

Gruss D.K.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Eckard,
hast du nicht auch manchmal den Eindruck, dass so manche Religion erheblich dazu beiträgt, dass das Schwindelgefühl anhält, dass die Knie sich wie Gummi anfühlen und dass die Angst vor Einsamkeit und Schwäche grösser wird?

Gruss D.K.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Vielmehr möchte ich Dir gern antworten auf eine etwas anders
formulierte Frage: Woher kommt Religion? Zuallererst einmal
aus der Erfahrung, daß wir Menschen nicht selber Herren und
Meister unseres Lebens sind.

SIND ist hier fraglich. Ist es nicht so, dass sie NICHT WOLLEN?
Betrachte doch bitte die Keimzelle jeder Form von Religion. Jemand übernimmt die Verantwortung für sich und für alle die, die eben keine Verantwortung übernehmen wollen.

Doch gehen wirr doch noch einen Schritt zurück. Meine Frage ist, gibt es so etwas wie natürliche Regeln, eine natürliche Moral die für alle Menschen ungefähr gleich ist? (Siehe meinen Dialog mit datafox) Wenn ja, dann hat Religion dieses Regelwerk annektiert und über die Zeit so pervertiert, dass Verletzungen gegen diese natürlichen Regeln legitim sind. Die Gründe liegen auf der Hand.

Schau doch mal in eine beliebige Tageszeitung: In jeder
findest Du ein Horoskop, und das gäbe es nicht, wenn die
Menschen das nicht verlangen würden. „eine gewisse
Grundbildung verhindert Aberglauben“?
„…verhindert Ängste“? Die Gegenbeispiele liegen auf der
Straße.

Willst du dem Gedanken „je mehr Bildung, desto weniger Aberglauben und Ängste“ widersprechen? Was ist an einem Horoskop anders (besser, schlechter) als an einer Religion. Ist Religion nicht eigentlich ein Aberglaube aus der Sicht der jeweils anderen Religion?

und in der man jede Möglichkeit hat, durch Übernahme von
Verantwortung, den Weg seines Lebens selbst zu bestimmen,

Genau das kannst Du nicht. Es gibt derart viele fremde
Einflüsse, fremde Leben, die mit Deinem verbunden sind,
Zufälle, Imponderabilien, daß Du den Weg Deines Lebens eben
nicht selbst bestimmen kannst. Es gibt Unfälle, Unglücke,
Katastrophen, Krankheit, Leid, Schuld, Tod - das wäre dann
alles selbst verantwortet. Und dann wärest Du ziemlich schnell
am Ende.

Oh, ich denke hier verbindest du Religion mit dem Glauben an etwas Höheres. Es bleibt doch jedem selbst überlassen durchaus an Gott oder Ähnliches zu glauben, doch das geht natürlich auch ohne Religion bzw. Religionsgemeinschaft. Mir klingt das aber auch zu sehr Schwarz-Weiss…selbstverständlich kann jeder sein Leben selbst bestimmen, je mehr er Verantwortung dafür übernimmt, desto mühsamer aber auch besser. Je weniger Verantwortung desto grösser der Drang, jemand oder etwas zu finden, der für einen die Verantwortung übernimmt, aber ob der es immer so gut mit einem meint?

Ich behaupte jetzt mal etwas steil, daß Religion immer etwas
Abgeleitetes, Sekundäres ist: am Anfang steht eine Erfahrung
von Bewahrung, Befreiung, meinethalben Erlösung. Diese
Erfahrung wird weitergegeben, und damit sie weitergegeben
werden kann, muß sie vermittelbar sein, muß also auf eine
rationale Ebene gehoben werden. Sie muß erzählt werden können.
Das wäre dann die Religion.

Ich denke, dass Religion von Anfang an sehr wohl einen Zweck und ein egoistisches Ziel hat. Der Deal liegt auf der Hand. Religion bekommt Macht, die Anhänger dafür Sicherheit, Zugehörigkeit, Schutz und Freizeitgestaltung.

Moral hat mit Religion zuerst einmal nichts zu tun. (Ich
finde, es hat der christlichen Kirche sehr geschadet, daß sie
sich immer mehr mit der bürgerlichen Moral identifiziert hat.
Das kommt sicher daher, daß das Bürgertum die Schicht war, die
die Kirche getragen und bestimmt und natürlich auch für seine
Zwecke benutzt hat). Freilich wird etwas anderes geschehen:
Wer eine solche Erfahrung der Erlösung, Befreiung gemacht hat,
wird verändert sein und deswegen gewisse Dinge nicht mehr tun
wollen oder nicht mehr tun können, die dieser Erfahrung
widersprechen. Auch das wird auf einer sagbaren Ebene,
meinetwegen also der rationalen, vermittelt werden müssen; und
wenn Du daraus ein System machst, dann hast Du die Moral.

Ok, was ist Moral? Moral sind Regeln die dort gelten wo kein autoritäres Gesetz greift bzw. Konsequenzen hat. Es sind Regeln des Zusammenlebens. Mehr nicht. Also wenn es keine Gesetze gibt, gilt nur die Moral.
Die Religion war die erste Instanz, die aus diesen (Moral)regeln so etwas wie ein Gesetz machte und mangels vorhandener Autorität (ein) höhere(s), allmächtige(s) Wesen für alle unvorhersehbaren Einflüsse verantwortlich machte und den Zusammenhang zwischen Einhaltung der Religionsgesetze und den Konsequenzen herstellt.

Gruss D.K.

hallo,

war
es nicht schon immer vor allem die jeweilige Religion die
verantwortlich war, bzw. herhalten musste, dass Verstöße gegen
die natürlichen Regeln legitim und moralisch wurden?

bisher hast du nicht geklärt, was „natürliche regeln“ sein sollen. es klingt fast wie ein widerspruch: entweder ein wesen verhält sich natürlich (instinktgemäß), dann hat es eben keine regeln, oder es hält sich an regeln, die dann unabhängig von instinken sind und auch mal gegen diese gerichtet sein können.

Sind diese Fragen und das passende Nein nicht
schon immer in uns Menschen enthalten?

ein klares nein von meiner seite. aber das ist meine meinung

)

Begründung?

weil (für mich zumindest) das menschsein durch den bruch mit der natur und den instinkten gekennzeichnet ist. die geschichte der menschheit setzt dort an, wo die biologische evolution zu ende ist. die dämmerung der kultur beginnt (meiner meinung nach) dort, wo riten und tabus installiert werden und das natürliche eine *bedeutung* bekommt. daran hat sich bis jetzt nichts geändert, auch wenn die riten und tabus ganz andere sind. „religion“ - das war ja das thema - ist eine unterkategorie davon, die mit fortschreitender entwicklung einer gesellschaft immer kleiner wird bzw. in andere formen gedrängt wird, die „rationaler“ erscheinen (aber verschwinden tut sie ganz und gar nicht.)

die einleuchtendsten beispiele für meine meinung sind zwei natürliche grundbedürfnisse, die den erhalt der menschen biologisch sichern: essen und geschlechtsverkehr. bei tieren gibt es hier keine „regeln“, sondern jedes individuum verhält sich instinktgetrieben, sodaß automatisch über generationen eine optimierung der population erfolgt. beim menschen ändert sich das. es tauchen „heiratsregeln“ (jeder darf nicht mehr mit jedem) auf und essensrituale wie zb. opferungen. diese sind erstmal „religiös“ begründet (auch animistisch… was auch immer). relikte davon sind erhalten, ob es der truthahn für thanksgiving ist oder das verbot des inzests. nur: die begründungen sind andere, rationalare: „zusammen essen mit der familie“ gilt als sozial förderlich, und inzestuöse beziehungen als biologisch schädlich. andere rahmenbedingungen wie zb. „inzest = gut“ (die es in anderen kulturen gibt und gab) lösen bei uns automatisch ekel aus. (das essen von insekten ist so ein ähnlicher fall.)

ich sehe religion hier nicht inhaltlich sondern als phänomen in der geschichte der kultur. sie ist auch nichts isoliertes, sondern ein teil eines ganzen sets sozialer verhaltensformen und -regeln und deren zugrundeliegender denkschemen.

Ich denke es bilden sich ganz von selbst Grundregeln des
Zusammenlebens. Es sind immmer die Regeln, die einen
grundsätzlichen Nutzen für alle Parteien bringen.
Und ich glaube, Religion hat von Anfang an ihr Potential als
Regelwerk und die daraus resultierende Machtstellung erkannt
und konsequent umgesetzt.

über den „nutzen für alle“ kann man streiten, aber grundsätzlich hast du recht. möglich daß wir von denselben dingen sprechen und sie anders bezeichnen und sehen?

gruß
datafox

Hallo,

ja wir reden vom Gleichen.

Ein Missing Link gibts doch noch…

Aber erstmal zu den „natürlichen Regeln“.
Ich denke natürliche Regeln waren zuerst da. Mit dem Einsetzen des Denkens hat man ziemlich schnell erkannt, dass es gut ist in einer Gemeinschaft zu leben um von den Fähigkeiten des jeweils Anderen zu profitieren und um als Gruppe Dinge zu bewältigen die allein nicht möglich wären.
Aber man hat auch erkannt, dass es sich negativ auf diese Gemeinschaft auswirkt, wenn man keine Regeln hat (also sich gegenseitig tötet, aufisst, Leid zufügt, usw.). Und aus jeder weiteren negativen Auswirkungserfahrung bildete sich eine neue Regel.
Eine Religion kam erst später dazu, hat einerseits die Verwaltung der Regeln annektiert und andererseits Antworten auf Fragen gefunden die sich zeitgleich bildeten. (Warum Tod, Gewitter, Vulkanausbruch, Hunger)

Mein Missing Link ist das Gefühl. Wie z.B. konnte eben diese Eheregelung gefunden werden? Eine rege Fortpflanzung ist ja eigentlich positiv für die Gemeinschaft, ob nun wild durcheinander oder im hierarchischen Sinne (der Stärkste hat alle Frauen). War hier das Gefühl der Eifersucht massgebend? Oder war es eine reine Versorgungsfrage und die Verteilung derselben? Oder war es am Ende die Liebe zwischen zwei denkenden Menschen die sie antrieb ihr Leben miteinander zu verbringen und deren Bund selbst die Moral der damaligen Gemeinschaft nicht brechen konnte? Eine romantische Vorstellung. Zu romantisch?

Gruss D.K.

Hallo D.K.
Historisch gesehen kann man die Abfolge
MAGIE / ANIMISMUS - RELIGIONEN - NATURWISSENSCHAFTEN
sehen. Insofern sind Religionen mehr oder weniger im Laufe der menschlichen Entwicklung überholt. Natürlich gibt es ein langes „Nachwabern“ bis in die Gegenwart und Zukunft, aber das betrifft auch das erste Zeitalter (Magie und Animismus), die sich (insbesondere in der Kindheit) noch manchmal durchsetzen, wenn auch nur vorübergehend oder rudimentär. Je jünger eine Religion, desto eher müssen wir mit einer schrecklichen Pubertät derselben rechnen, das betraf vor einigen Hundert Jahren das Christentum, und jetzt eben den (jüngeren) Islam.
Gruss, Branden

Gravitation- Wofür eigentlich?
Hallo D.K.

Ich habe meine Antwort eigentlich schon in der Überschrift versteckt. Meines Erachtens ist die Frage falsch gestellt. Wofür ist Gravitation eigentlich da? Dazu ist erst einmal festzustellen, dasss Gravitation einfach IST, damit muss ich mich abfinden. Ich kann dann höchstens noch überlegen, inwiefern ich diese Tatsache für mich nutzen kann.

Genauso ist es mit Religion. Jeder Mensch hat eine, sie kommt automatisch, sie ist einfach da.

Alles, was da noch übrig bleibt, ist die Realität dahinter zu erforschen, ist einen Nutzen in Form von Moral oder Sinnfragen zu ziehen usw. Aber das sind erst einmal Konsequenzen und keine Ursachen von Religion.

Gruß
Thomas

Hallo Thomas,

bei der Religion habe ich die Entscheidung ob ich sie baruche, nutze, bei der Gravitation nicht. Ist das nicht ein entscheidender Unterschied?

Gruss D.K.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Wie z.B. konnte eben diese

Eheregelung gefunden werden? Eine rege Fortpflanzung ist ja
eigentlich positiv für die Gemeinschaft, ob nun wild
durcheinander oder im hierarchischen Sinne (der Stärkste hat
alle Frauen).

Ich glaube nicht, dass diese „rege Fortpflanzung“ positiv für eine Gemeinschaft gewesen wäre… Eifersucht hat hier mit Sicherheit großen Einfluss. Rein biologisch ging es doch nur darum seine Gene weiterzugeben und es ist nun mal wahrscheinlicher, dass du DEINE Kinde (Gene) großziehst, wenn du der einzige warst, der mit deiner Frau geschlafen hat, als wenn die Gemeinschaft ein großes Freudenhaus gewesen wäre…
Und um die Gemeinschaft zusammenzuhalten (zum besseren Schutz vor Gefahren) braucht man gewisse Regeln, die ein zusammenleben ermöglichen.

Ich glaube, dass gerade die Ausdifferenzierung geweisser Regeln den Menschen so erfolgreich gemacht hat - Sprache hat hier großen Einfluss gehabt - aber ich möchte auch nicht die sozialen Möglichkeiten gewisser Tierarten vernachlässigen! Auch Wale, Affen, gewisse Vogelarten haben ein stark ausgeprägtes soziales System geschaffen, welches, wie beim Menschen, nur durch Regeln und Rituale funktioniert.

Aus den Regeln und Ritualen muss sich dann irgendwann die Religion gebildet haben… hmmm da wird sicher das ausgeprägte Selbst-Bewußtsein des Menschen eine große Rolle gespielt haben… da er dann angefangen hat Fragen zu stellen: Wo komm ich her? Was soll ich hier? Was passiert nmit mir, wenn ich sterbe?

Gruß vastitas

Keine Religion?

bei der Religion habe ich die Entscheidung ob ich sie baruche,
nutze, bei der Gravitation nicht. Ist das nicht ein
entscheidender Unterschied?

Du wirst nicht ohne Religion auskommen.
Selbst Atheismus ist eine Religion (wenn in diesem Fall auch „ohne Gott“), von daher hat jeder Mensch eigentlich eine Religion, auch wenn ihm das nicht bewußt ist.
Es ist so wie mit der Luft, sie umgibt einen selbst wenn man glaubt, da wäre nichts.
Nur, wenn man tatsächlich mal der völligen Abwesenheit derselben ausgesetzt wird (ob Religion oder Luft) dann gerät man ins Keuchen :wink:

Obwohl man behauptet, man sei vollkommen un-religiös (evtl. ist man ja tatsächlich ungläubig) gibt es doch imo keinen einzigen Menschen im Universum, der mit aller Ehrlichkeit sagen kann, daß ihm NICHTS wichtig ist. Denn was einem wichtig ist, macht irgendwo schon die eigene Religion aus; moralische und philosophische Grundsätze - wer hat sowas nicht?

Gruß,
Mike

Nein, nein sei beruhigt, da täusche ich mich nicht. Die
Wichtigkeit einer Orientierung ist mir vollkommen bewusst.
Worauf ich hinaus wollte, ist ja nicht die Abschaffung sondern
eine Hinterfragung. Ohne langes herumreden, aus meiner Sicht
ist Verantwortung der Schlüssel für jeden Einzelnen und für
die Gesellschaft (auch die Massen). Je mehr Menschen
Verantwortung übernehmen, desto weniger werden sie sich
einfach irgendeinem Regelwerk unterwerfen, dass ihrer
natürlichen Moral widerspricht. Nachteil, ganz klar, auch gute
Regeln werden selbstbewusst ignoriert, aber der grosse
Vorteil, die verunsicherten Massen wären weniger.

Ich glaube auch, dass Verantwortung der bedeutende Schlüssel ist. Nur glaube ich nicht, dass jeder Einzelne so komplexe Gedankengänge führen kann, um für sich eine positive Form des Menschenlebens zu gestalten. Dazu bedarf es Genies: z.B. I. Kant, F. Nietzsche, uvm.
Der normale Bürger schafft es ja gerade mal dessen komplexe Gedanken zu verstehen… (wenn das die Hälfte der Gesellschaft könnte, wäre unsere Welt bedeutend friedlicher).
Nur leider gibt es da auch das Kaufhausproblem: Eine Flut von Angeboten macht dich blind für die (lebenswichtigen) „Nahrungsmittel“.
Religion beruht ebenfalls auf geniale Gedanken, die das Leben des Menschen moralischer machen soll. Religiöse Werte sind vielleicht die Ur-Werte des Lebens, an deren die Philosophie anknüpfen und sie ggf. hinterfragen kann.

schwierige Sache…

gruß vastitas

Warum brauchen viele Menschen unbedingt eine Religion oder besser die mehr oder weniger starke Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft?

Brauchen? Ja warum, die biblische Antwort ware „Er setzte die Ewigkeit in ihre Herzen“, man braucht etwas woran man glaubt, und irgendwo ist dieses Verlangen in nahezu jedem verborgen. Das ist natürlich nicht gleichbedeutend mit dem Verlangen sonntags in die Kirche zu gehen oder sich gen Mekka zu verneigen - aber Religion ist eigentlich die Antwort des Menschen auf die fundamentalen Fragen der Existenz, die kein Wissenschaftler jemals beantworten kann. Sicher werden die religiösen Systeme mit heranreifender Technologisierung eloquenter, aber das Bedürfnis zur Religion ist fast so ein Grundbedürfnis wie das Bedürfnis nach Bewegung, nach Arbeit.
Wozu man Arbeit braucht, könnte man viel eher fragen in der heutigen Gesellschaft, in der 95% der Erwerbstätigkeit von Maschinen verrichtet werden könnten und das Sozialsystem in der Lage sein sollte, damit die gesamte Bevölkerung zu ernähren.

Vor allem in unserer Gesellschaft in der die soziale
Grundabsicherung der Staat übernimmt, in der eine gewisse
Grundbildung ausgeprägten Aberglauben und Ängste verhindert
und in der man jede Möglichkeit hat, durch Übernahme von
Verantwortung, den Weg seines Lebens selbst zu bestimmen, ist
es doch gar nicht mehr notwendig sich über eine Religion zu
definieren.

Je weniger den Menschen die Religion in die Wiege gelegt wird, desto mehr verirren sie sich in der Suche nach dem „wahren Glauben“. Lies’ mal den Sektenindex, die als psychologisch gefährlichen religiösen Gruppierungen. Der wächst von Tag zu Tag, die Leute, die mit ihren falschen Heilsversprechungen Leute versklaven und unterjochen, werden täglich mehr.
Woran liegt’s? Weil wir keine Religion brauchen?
Oder weil keine vernünftige leicht zur Auswahl steht?
Je mehr man gegen die gängigen, „unschädlichen“ Religionen hetzt, umso mehr wenden sich die Leute den Fanatikern, Extremisten, Seelenfängern und Betrügern zu, die wirklich dem Allgemeinwohl großen Schaden zufügen.
Also, wie sagt man so schön: laß’ dem Kind sein Lolli, bevor das Kind Steine kaut.

Gut und Böse sind doch sowieso Moralbegriffe die sich stark an
der jeweiligen Zeit und ihren Menschen orientieren. Ich denke
jeder weiss sehr genau, was heute als Gut und was als Böse
gilt, diese Moral ist uns quasi kulturell mitgegeben,
gesteuert durch unser Gewissen.

Das stimmt eben nicht, in einer Zeit der Informationsüberflutung und relativen Werte sehnen sich die Menschen nach Halt. Wer diesen Halt nicht hat, geht eben auf Suche. Und findet ihn normalerweise in der Religion, da Religionen etwas zum „Festhalten“ im Sturm der Zeit bieten.
Und das Schlimme ist, daß diejenigen, die den stärksten Halt versprechen, oftmals den schwächsten Halt bieten, aber sie können mit ihren Ammenmärchen so viele Leute hereinlegen, weil die Kinder eben nicht wie früher auf ein System fixiert wurden sondern in völliger Ignoranz in die weite Welt hinausgehen und alles, was man ihnen erzählt, glauben.

Bevor Du fragst, wozu Religion nötig ist, würde ich fragen: WIE bringt man Menschen bei, daß sie Religion nicht brauchen? Daß sie Arbeit nicht brauchen, daß sie Freiheit nicht brauchen? Wo ein Bedürfnis ist, helfen eine Million Erklärungen nicht, das Bedürfnis will befriedigt werden.