Hai, Fritz,
Habt ihr auch schon bemerkt, dass Religionen in ihren
künstlerisch gestalteten Äußerungen bei weitem erträglicher
sind, als in ihren weltanschaulichen. politischen,
gesellschaftliche?
ich denke, das kann man auch nicht so pauschal behaupten - Bach, z.B., war einfach ein genialer Komponist - das ein Teil seines Werkes kirchlicher Art ist, liegt, so denke ich, eher an der Zeit, in der er lebte…
Aber die „Kleinigkeiten“, die sich zu großartigen Gesamtkunstwerken fügen…
Als Beispiel nehm ich jetzt mal das Straßburger Münster. Genau betrachtet ist das ein Gebäude mit ästhetisch eher zweifelhaften Proportionen und mit Nippes bis in den letzten Winkel vollgemüllt…
…und doch: gerade DAS auch noch im letzten Winkel, der eigentlich nicht dazu gedacht war, je von Menschen gesehen zu werden, liebevoll jeder Stein zu Schnörkeln gehauen wurde, an wirklich keiner Stelle der „das-reicht-so“-Gedanke sichtbar wird - das ringt uns Hochachtung ab. Und was da sichtbar wird, ist der tiefe Glaube dieser Handwerker.
Die haben jeden Stein, jede Stütze, jede Statue für ihren Gott gebaut - selbst, wenn nie ein Mensch diese Stelle zu Gesicht bekommen sollte - sie wurde perfekt ausgeführt, denn sie war Ausdruck des Glaubens.
Eine Art tätliches Gebet…
Die Organisation Kirche hat mit diesem Glauben herzlich wenig zu tun. Die Organisation Kirche ist eine politische Struktur von Menschen für Menschen. Sie funktioniert, wie alle Organisationen funktionieren - Machterhalt und Machtzugewinn mit (fast) allen Mitteln. Der Glaube ist wohl kaum der Grund für die RaubKreuzzüge nach Jerusalem gewesen - es ging um Macht.
Und, auch, wenn es sich gerade so liest, meine ich nicht nur die katholische Kirche. Überall, wo Organisationen entstehen/gegründet werden, verselbständigen sich diese nach einiger Zeit.
Die Folge ist, daß ein großer Teil der Handlungen einer solchen Organisation oft nur noch mit allergrößter Mühe mit den Grundsätzen der ursprünglichen Gründer und der zugehörigen Gläubigen in Übereinstimmung zu bringen sind - wenn überhaupt…
Und daher auch die Diskrepanz zwischen Werken, die Ausdruck des Glaubens sind und „Werken“, die Ausdruck von Machtgier unter dem Deckmäntelchen des Glaubens sind…
Gruß
Sibylle