Religionen ästhetisch

Habt ihr auch schon bemerkt, dass Religionen in ihren künstlerisch gestalteten Äußerungen bei weitem erträglicher sind, als in ihren weltanschaulichen. politischen, gesellschaftliche?

Die gotischen Kathedralen, Michelangelos Fresken, Grünewalds Bildtafeln, die Bach’schen Choräle, usw.

Eben höre ich im Radio eine Sendung zum jüdischen Neujahrstag. So schöne Lieder!

Allen Jidden ein schönes Rosch-ha-Schana!

Fritz

Habt ihr auch schon bemerkt, dass Religionen in ihren
künstlerisch gestalteten Äußerungen bei weitem erträglicher
sind, als in ihren weltanschaulichen. politischen,
gesellschaftliche?

Lieber Fritz,
so neu scheint mir diese Erkenntnis nicht zu sein,aber manchen bleibt sie wohl für immer verborgen.
Ich finde es z. B. faszinierend, dass (Legende? Geschichte?) vor über 1000 Jahren die „Taufe Russlands“ in den Ritus von Konstantinopel erfolgte wegen der Schönheit der Liturgie, also aus ÄSTHETISCHEN Gründen.
Meine Sorge ist manchmal, wieviel an Kunst und Musik verloren gehen wird, wenn die religiösen Themen (eingeschlossen die Mythen der Antike) und die lateinische Sprache (Kirchenmusik) obsolet werden.
Ein Beispiel: Im vergangenen Mozartjahr waren alle Opern dran, mehrmals sogar im BR. Dagegen waren doch Aufführungen und Übertragungen von Mozarts kirchenmusikalischen Werken geradezu verschwindend wenige (nur ein paar der großen Messen), von Vollständigkeit kann schon überhaupt keine Rede sein.
Um die Ausgangsfrage aufzunehmen:
WARUM wird dieser ästhetische und kulturelle Aspekt der Religion überlagert von der Aversion aus den von dir genannten Gründen?
Schöne Grüße!
Hannes

BS"D

So schöne Lieder!

Vor allem erst die weltanschaulischen, gesellschaftlichen und politischen Inhalte dieser Lieder :wink:

Allen Jidden ein schönes Rosch-ha-Schana!

Nach obigen weltanschaulichen Inhalten ist es ja nicht nur ein jüdisches Neujahr, sondern das Neujahr der ganzen Menschheit, da dieses Datum auf die Erschaffung des ersten Menschen zurück geht. Der gesellschaftliche Inhalt ist, dass wir an dem Tag nicht arbeiten gehen, was ich selber eigentlich auch nicht so schlecht finde. Und politische Inhalte hat es insoweit, dass zu diesem Datum auch das Urteil über alle Menschen für das kommende Jahr gesprochen wird und für ein gutes Urteil ein bestimmtes politisches Verhalten vorausgesetzt wird.

Gruss,
Eli

WARUM wird dieser ästhetische und kulturelle Aspekt der Religion überlagert von der Aversion aus den von dir genannten Gründen?

Nun, wohl darum, weil die anderen, negativen und unmenschlichen Aspekte sehr viel umfangreicher und größer und negativer un unmenschlicher sind.

Keine Kathedrale, keine Kantate, keine Beethovenmesse wiegt die Übeltaten der christlichen Kirche auf, die sie bis heute begeht, sodass man sagen könnte: Weil Bach so schöne Musik machte, vergebe ich den Kirchen ihre Inhumanität!

Schöne Grüße Fritz

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Habt ihr auch schon bemerkt, dass Religionen in ihren
künstlerisch gestalteten Äußerungen bei weitem erträglicher
sind, als in ihren weltanschaulichen. politischen,
gesellschaftliche?

Ich habe bemerkt, dass sich hier immer wieder Leute finden, die Religion grundsätzlich ablehnen und dann meinen, jeder müsste ihnen in diesem Punkt zustimmen.

Und das nervt auf Dauer!

Schöne Grüße

Petra

Recht hast Du, wenn Du es so willst. Aber soll es tatsächlich weniger nervig sein, wenn Religionen grundsätzlich verherrlicht werden? Ist es nicht einträglicher, wenn die beiden Grundhaltungen ihre Positionen im DIALOG austragen, als sich bloß als nervig zu diffamieren? Schon deshalb, weil bei manchem dieser Disput sogar bis in sein eigenes Innerstes reichen dürfte…

guvo

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Die gotischen Kathedralen, Michelangelos Fresken, Grünewalds
Bildtafeln, die Bach’schen Choräle, usw.

Weil man das Göttliche durch die Kunst in seiner Größe, Schönheit und Macht darstellen kann, was auf die Sinne einen viel intensiveren Eindruck macht. Was man durch die Verinnerlichung erfährt, wird hier viel deutlicher und konkreter. Das beeindruckt auch den Nicht-Religösen Menschen.

Weltliches Handeln dagegen birgt die größten Widersprüche in sich.

gruß
rolf

Autsch

Habt ihr auch schon bemerkt, dass Religionen in ihren
künstlerisch gestalteten Äußerungen bei weitem erträglicher
sind, als in ihren weltanschaulichen. politischen,
gesellschaftliche?

Die gotischen Kathedralen, Michelangelos Fresken, Grünewalds
Bildtafeln, die Bach’schen Choräle, usw.

Wenn jetzt auch noch einer in der Lage ware ein Argument zu finden, warum gotische Kathedralen, Michelangelos Fresken, Grünewalds Bildtafeln, Bach’sche Choräle, usw. mehr religios (d.h. wohl christlich – aber dieses Detail kann man ja untern Tisch fallen lassen) sein sollen als aztekische Opfertempel, die chinesische Mauer, zentralafrikanisches Kriegsgeheul (soweit vorhanden) mehr oder weniger religios sein soll als die genannten Bsp.
Ist doch absurd und unbegruendet in irgendwelche profanen Stuecken nach Verbindungen zu kodifizierten Glaubensvorstellungen zu suchen.

Und was findest du an christlicher Nachstenliebe oder christlichem Erbarmen unertraeglich??

wo ist der MOD??

Keine Kathedrale, keine Kantate, keine Beethovenmesse wiegt
die Übeltaten der christlichen Kirche auf, die sie bis heute
begeht, sodass man sagen könnte: Weil Bach so schöne Musik
machte, vergebe ich den Kirchen ihre Inhumanität!

Der christlichen Kirche?? Von welcher redest du?

WO IST DER MOD??!! INTERVENIEREN!

MOD: Hier!
Hallo Karl Heinz,

Keine Kathedrale, keine Kantate, keine Beethovenmesse wiegt
die Übeltaten der christlichen Kirche auf, die sie bis heute
begeht, sodass man sagen könnte: Weil Bach so schöne Musik
machte, vergebe ich den Kirchen ihre Inhumanität!

Der christlichen Kirche?? Von welcher redest du?

Darüber kann man doch diskutieren.

WO IST DER MOD??!! INTERVENIEREN!

Wozu? Damit gleich wieder jemand „Zensur!“ brüllen kann?

Gruss Harald
(MOD)

die chinesische Mauer, zentralafrikanisches Kriegsgeheul

Autsch!
Sind das von einer Religion angeregte Kunstwerke?

Und was findest du an christlicher Nachstenliebe oder christlichem Erbarmen unertraeglich??

Dass es so wenig davon gab und gibt!

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Hallo,

Und was findest du an christlicher Nachstenliebe oder christlichem
Erbarmen unertraeglich??

Dass es so wenig davon gab und gibt!

Meinst du: dass (viele) Christen erst das Elend verursachen, dessen
(wenige) Christen sich dann erbarmen ?

Nescio

Meinst du: dass (viele) Christen erst das Elend verursachen,
dessen (wenige) Christen sich dann erbarmen ?

Moin Nescio,

hab ich es doch schon immer geahnt: Wir sind das Problem, für dessen Lösung wir uns ausgeben!

Mit „wir“ meine ich uns Christen.

Gruß - Rolf

Hai, Fritz,

Habt ihr auch schon bemerkt, dass Religionen in ihren
künstlerisch gestalteten Äußerungen bei weitem erträglicher
sind, als in ihren weltanschaulichen. politischen,
gesellschaftliche?

ich denke, das kann man auch nicht so pauschal behaupten - Bach, z.B., war einfach ein genialer Komponist - das ein Teil seines Werkes kirchlicher Art ist, liegt, so denke ich, eher an der Zeit, in der er lebte…

Aber die „Kleinigkeiten“, die sich zu großartigen Gesamtkunstwerken fügen…
Als Beispiel nehm ich jetzt mal das Straßburger Münster. Genau betrachtet ist das ein Gebäude mit ästhetisch eher zweifelhaften Proportionen und mit Nippes bis in den letzten Winkel vollgemüllt…
…und doch: gerade DAS auch noch im letzten Winkel, der eigentlich nicht dazu gedacht war, je von Menschen gesehen zu werden, liebevoll jeder Stein zu Schnörkeln gehauen wurde, an wirklich keiner Stelle der „das-reicht-so“-Gedanke sichtbar wird - das ringt uns Hochachtung ab. Und was da sichtbar wird, ist der tiefe Glaube dieser Handwerker.
Die haben jeden Stein, jede Stütze, jede Statue für ihren Gott gebaut - selbst, wenn nie ein Mensch diese Stelle zu Gesicht bekommen sollte - sie wurde perfekt ausgeführt, denn sie war Ausdruck des Glaubens.
Eine Art tätliches Gebet…

Die Organisation Kirche hat mit diesem Glauben herzlich wenig zu tun. Die Organisation Kirche ist eine politische Struktur von Menschen für Menschen. Sie funktioniert, wie alle Organisationen funktionieren - Machterhalt und Machtzugewinn mit (fast) allen Mitteln. Der Glaube ist wohl kaum der Grund für die RaubKreuzzüge nach Jerusalem gewesen - es ging um Macht.
Und, auch, wenn es sich gerade so liest, meine ich nicht nur die katholische Kirche. Überall, wo Organisationen entstehen/gegründet werden, verselbständigen sich diese nach einiger Zeit.

Die Folge ist, daß ein großer Teil der Handlungen einer solchen Organisation oft nur noch mit allergrößter Mühe mit den Grundsätzen der ursprünglichen Gründer und der zugehörigen Gläubigen in Übereinstimmung zu bringen sind - wenn überhaupt…

Und daher auch die Diskrepanz zwischen Werken, die Ausdruck des Glaubens sind und „Werken“, die Ausdruck von Machtgier unter dem Deckmäntelchen des Glaubens sind…

Gruß
Sibylle

BS"D

Hallo Guvo.

Recht hast Du, wenn Du es so willst. Aber soll es tatsächlich
weniger nervig sein, wenn Religionen grundsätzlich
verherrlicht werden?

Nein, aber mit diesen beiden Haltungen wird wohl auch kein Dialog entstehen, da beide ja schon apriori das Andere nicht zulassen. Angemessener wäre hier von beiden Seiten (und das hat Petra wohl auch nur eingefordert), wenn sie vornerein zulassen, dass es andere Meinungen gibt und sich auch entsprechend ausdrücken, so dass eben ein offener Dialog passiert, der beide Seiten bzw. Personen respektiert.

Gruss,
Eli

PS. So nervt es mich auch, wenn Sekuläre immer wieder betonen, dass alleine areligiös zu sein, vernunftig sei und damit per Definition auch sie selber und das Gegenüber eben gleich mit als Dumm und Naiv abgestempelt wird.

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Hallo Elimelech,

die sogenannten Grenzgänger zwischen der religiösen und der sekulären Welt, sind die eigentlich GLÄUBIGEN. Sie führen permanent miteinander Dialoge, die bis tief in ihr eigenes Innerstes hineinreichen.

Die Mehrheit, bestehend aus tumpen Nachläufern sowie den Extremisten der ´reinen´ Lehre aus dem Lager der Religiösen und dem der Sekulären, sind die eigentlich UNGLÄUBIGEN. Und die nerven. Total!

Gruß
guvo

BS"D

Was heißt das bitte?

auch Lehrer

hab ich es doch schon immer geahnt: Wir sind das Problem, für
dessen Lösung wir uns ausgeben!

Das klingt plausibel. lieber Rolf!

Ähnlich:

Lehrer sind Leute, die uns bei der Lösung von Problemen helfen, die wir ohne sie nicht hätten.

Gruß Fritz

Hallo Fritz,

Nescio:

Meinst du: dass (viele) Christen erst das Elend verursachen,
dessen (wenige) Christen sich dann erbarmen ?

Rolf:

hab ich es doch schon immer geahnt: Wir sind das Problem, für
dessen Lösung wir uns ausgeben!

Fritz:

Das klingt plausibel. lieber Rolf!
Ähnlich:
Lehrer sind Leute, die uns bei der Lösung von Problemen
helfen, die wir ohne sie nicht hätten.

Nein, lieber Fritz, isnich ähnlich.
Ich hatte die (rhetorische) Frage durchaus ernst gemeint.

Nescio

Also mal ernsthaft
Hallo, Nesio!

Nein, lieber Fritz, isnich ähnlich.
Ich hatte die (rhetorische) Frage durchaus ernst gemeint.

Oh, so will ich auch etwas ernsthafeter werden.

Hier

Meinst du: dass (viele) Christen erst das Elend verursachen,
dessen (wenige) Christen sich dann erbarmen ?

wie auch da

hab ich es doch schon immer geahnt: Wir sind das Problem, für
dessen Lösung wir uns ausgeben!

wird zu wenig zwischen den einzelnen Christen und dem Christentum, wie es sich in verschiedenen Formen darstellt unterschieden.

Es sind nicht viele Christen, die das Elend verursachen, sondern die Machthaber in den Organisationen.

Die verschiedenen Institutionen und Organisationen, sonst Kirchen genannt, haben durch ihr Wirken so viel Elend und Unglück verursacht, dass es einzelnen Christen niemals möglich sein wird, dies wieder gut zu machen.

Eine Mitschuld des Groses der einzelen Christen kann allenfalls darin liegen, dass sie hinnahmen, was ihre verschiedenen Leitungen verübt haben und nichts dagegen unternahmen.

Es lässt sich doch beobachten, dass alle Reformbewegungen schon nach kurzer Zeit in die Laise der Großorganisation gerieten.

Die Bettelorden waren bald reiche Grundbesitzer.
Die große Reformation endete in Kuschertum und Untertanengesinnung.

Und solche, die dies vermeiden konnten, verschwanden.

Gruß Fritz

Noch ernsthafter

Hallo, Friz! :wink:

Nein, lieber Fritz, isnich ähnlich.
Ich hatte die (rhetorische) Frage durchaus ernst gemeint.

Oh, so will ich auch etwas ernsthafeter werden.
Hier

Meinst du: dass (viele) Christen erst das Elend verursachen,
dessen (wenige) Christen sich dann erbarmen ?

wie auch da

hab ich es doch schon immer geahnt: Wir sind das Problem, für
dessen Lösung wir uns ausgeben!

wird zu wenig zwischen den einzelnen Christen und dem
Christentum, wie es sich in verschiedenen Formen darstellt
unterschieden.
Es sind nicht viele Christen, die das Elend verursachen,
sondern die Machthaber in den Organisationen.

Du meinst also, es sei umgekehrt:
dass (wenige) Christen erst das Elend verursachen,
dessen (viele) Christen sich dann erbarmen.

Nein, doch nicht ganz:

Die verschiedenen Institutionen und Organisationen, sonst
Kirchen genannt, haben durch ihr Wirken so viel Elend und
Unglück verursacht, dass es einzelnen Christen niemals möglich
sein wird, dies wieder gut zu machen.

Ich stimme dir zu:

Eine Mitschuld des Groses der einzelen Christen kann
allenfalls darin liegen, dass sie hinnahmen, was ihre
verschiedenen Leitungen verübt haben und nichts dagegen
unternahmen.

Aber wieso sagst du „kann“ und „allenfalls“?
Ohne dass die Masse das Treiben der (bösen?) „Machthaber“ hinnimmt,
könnten diese ihre Untaten doch kaum verüben. Ausführende braucht man
auch immer…

Meine Bemerkung an Rolf zielte aber eigentlich etwas tiefer:
auf die Psychologie des christlichen und allgemein religiösen
Menschen, insofern sogar auch ein wenig in die Richtung deiner
eingangs bekannten „ästhetischen“ Faszination von christlichen
Kulturleistungen.

Gruss
Nescio