Hi!
Ja, neben Beslan gibt es eine anhaltende und sehr blutige
Besatzung! Dass Beslan nicht die richtige Antwort darauf ist,
darauf können wir uns schnell einig werden, aber die Ursache
vollkommen aus dem Bild zu lassen, ist nicht sinnvoll.
Korrekt, aber die Ursache für den Konflikt liegt nicht im Religiösen. Von daher fallen Gewalttaten, die mit religiöser Motivation unterfüttert werden, logischerweise auf die entsprechende Religion - und deren Anhänger - zurück.
Es gibt eine Ideologie, die nennt sich „Kommunismus“, dazu diverse Abwandlungung wie „Marxismus-Leninismus“, „Stalinismus“, „Maoismus“. Nach deiner Argumentationsstruktur ist keine dieser Ideologien schlecht, weile keine Krieg, Mord, Totschlag usw. propagiert, sondern die Gleichbehandlung und Gleichwertigkeit aller Menschen. Nichtsdestotrotz erstickte die Welt in Atomraketen, weil die eine Seite sich vor der anderen und umgekehrt schützen wollte. Wer der Ideologoie anhing, war in einem Teil der Welt höchst suspekt (ein Kommunist war aus ideologischen Gründen ungeeignet, eine Lokomotive zu fahren!), wer die Ideologie ablehnte, war im anderen Teil der Welt höchst suspekt, weil er Konterrevolutionär war.
Ähnlich geht es mir bei deiner Argumentation über den Islam. Was da im Buch steht, ist rein friedliebend. Folglich sind alle Anhänger dieser Religion friedliebend. Ich persönlich glaube das nicht. Vielmehr wird die Religion herangezogen als Argumentationshilfe für eigene Gewalttaten (die christlichen Kreuzfahrer nannten das „deus vult“, im Islam gibt es ähnliche Begründungen).
Im Irak bringen sich die Muslime mittlerweile gegenseitig um.
Vor allem werden im Irak Muslime durch Christen umgebracht!
Warte, friedliche Muslime werden von angreifenden
terroristischen Christen umgebracht! Oder sind die Mehrheit
der Amis nicht Christen???
Korrekt.
Aber werden die Muslime im Irak aus religiösen Gründen getötet oder geht es da nicht viel stärker um wirtschaftliche Motive - was keinen Deut besser ist, aber für diese unsere Diskussion einen Unterschied macht?
Im Iran wachen „islamische Revolutionswächter“ darüber, dass die
Bevölkerung nicht mit westlichem Gedankengut in Kontakt geraten oder
sich „westlich“ benehmen.Das ist ein sehr interessanter Punkt: Iraner, die nach
Deutschland kommen werden vom Bild Irans gänzlich überrascht.
Aber es ist natürlich viel leichter sich sein Bild anhand von
schlecht recherchierten Reportagen zu bilden!
Nun ja, gleiches gibt es über Deutschland und dessen Bild in den arabischen Staaten auch zu berichten: Mann aus Anatolien kommt nach Deutschland und grapscht auf dem Bahnhof die nächstbeste Frau an, weil alle Frauen in Deutschland bekanntermaßen Huren sind - und wundert sich, dass er eine gescheuert bekommt.
Wenn jemand öffentlich Kritik am Islam oder dessen
Umsetzung übt, muss er um sein Leben fürchetn (Rushdie).Mit einem Beispiel hast du die Aussage bewiesen???
Ok, wie wärs mit folgendem:
„In Europa muss man vorsichtig sein, welche Politik man
vertritt, denn sonst wird man umgebracht!“ Als Beispiel nenne
ich die schwedische Politikerin Anna Lindh.
Stimmt.
Aber wie viele Morde an europäischen Politikern sind religiös (christlich) motiviert? Wir sprechen hier über religiös motivierte Gewalttaten. Nicht ablenken!
Die Christen der Kreuzzüge waren keinen Deut besser, genauso
die christlichen Konquistadoren in Amerika oder die
europäischen Eroberer Afrikas. Aber nicht umsonst hat sich ein
mehr oder minder starker Laizismus in Europa entwickelt,
parallel dazu die Philosophie der Vernunft.Europäische Bürger, Politiker und Medien müssen sich davor
wappnen zu glauben, dass sie der Laizismus davor bewahren
wird, wieder radikal zu werden.
Habe ich auch nicht behauptet.
Meine Aussage war, dass ein starker Einfluss der Religion auf die Politik eine große Gefahr der Radikalität bedeutet. Europa hat aus religiösen Gründen blutigste Zeiten erlebt, angefangen von der Christianisierung Mitteleuropas unter den Franken bis hin zum Dreißigjährigen Krieg. Als Folge daraus leitete sich die Trennung von Staat und Religion ab. Das hat uns zwar nicht vor radikalen Staatsführungen bewahrt, aber vermutlich eine Menge Religionskriege erspart. Blöderweise lässt sich das Nichteintreten eines Ereignisses nur sehr schwer beweisen.
Hitler war nicht religiös. Der
Kolonianismus wurde nicht immer unter christlicher Hoheit
ausgetragen und die beiden Weltkriege konnten auch nicht durch
die Entwicklung der Demokratie gestoppt werden. Seit dem
letzten Weltkrieg, der hauptsächlich in Europa angefangen
wurde, sind es gerade einmal 50 Jahre!
Frage: Wann fand in Europa der letzte Krieg zwischen zwei parlamentarischen Demokratien statt?
Grüße
Heinrich