Römer in Deutschland

Wann kamen und gingen eigentlich die Römer. Gibt es eine namentliche
Bezeichnung für das besetzte bzw. unbesetzte Land?
Mit Gruß, Alexander

Hallo!

Wann kamen und gingen eigentlich die Römer. Gibt es eine
namentliche
Bezeichnung für das besetzte bzw. unbesetzte Land?
Mit Gruß, Alexander

Augustus richtete 15 v.Chr. nach dem Vorstoss von Tiberius und Drusus die Provinz Rätien ein, 476 n.Chr. zieht Odoakar die letzten römischen Truppen aus Rätien ab.
Rätien hiess damals das heutige Schwaben (inkl. deutschsprachige Schweiz) und Bayern, östlich des Inn begann die Provinz Norikum. Nördlich der Donau/des Limes und östlich des Rhein begann „Germania magna“, das freie Germanien.

VG
Christian

Hallo Alexander,

Deutschland gab es zu der Zeit der Römer noch nicht. Selbst der Begriff „Germanien“ oder „Germanen“ war lange Zeit noch nicht scharf von dem der Gallier getrennt. Die eindeutige Trennung beginnt erst mit Caesar, der in seinem Kriegsbericht „De bello gallico“ zwischen Germanen und Galliern klar unterscheidet. Dabei nennt er als Gebiet der Germanen das Land östlich des Rheins. Diesen Fluß überquerte Caesar während der Eroberung Galliens zweimal: 55 und 53 v. Chr. Man kann daher die Zeit des Gallischen Krieges als Zeitraum nehmen, in dem die Römer nach Germanien kamen, obwohl sie zu dieser Zeit noch nicht dauerhaft militärisch präsent waren.

Unter Kaiser Augustus bestand das Ziel der römischen Germanienpolitik in der Eroberung des Landes. In mehreren Feldzügen unterwarfen die Feldherren des Kaisers große Teile des Landes, Süddeutschland wurde als Provinz Raetien dem Reich eingegliedert, Tiberius ist bis zur Elbe gekommen. Die Römer zogen sich allerdings nach der Varus-Schlacht 9 n. Chr. wieder auf die westliche Rheinseite zurück. Rhein und Donau bildeten die Grenze des Reiches. Zur Sicherung der Grenze entstand der Limes.

Unter Kaiser Domitian (81-96 n. Chr.) wurden die während der Zeit des Augustus eingerichteten linksrheinischen Heeresbezirke in die Provinzen „Germania inferior“ (Hauptort: Köln) und „Germania superior“ (Hauptort: Mainz) umgewandelt und das Land zwischen Rhein und Donau besetzt.

Die germanischen Grenzen wurden mehr oder weniger erfolgreich bis in die Endzeit des Reiches verteidigt und gingen erst im 5. Jahrhundert endgültig verloren. 411 wurde der Limes aufgegeben, die römische Herrschaft endete dann mit dem Einfall der Franken in die linksrheinischen Gebiete und ihrer Eroberung Kölns 454.

Grüße,

Oliver Walter

Hallo Alexander!

Ein bissel weiter muß man da imho schon differenzieren, um der Fragestellung gerecht zu werden.

Schon zu Beginn des Gallischen Krieges ( 58-51 v.u.Z. ) wurde C. Julius Caesar mit Ariovist , dem Anführer der germanischen Sueben , die den Rhein überschritten hatten und versuchten in Gallien Raum und Einfluß zu gewinnen, konfrontiert. Sie wurden jedoch von Caesar im Gebiet des Elsaß geschlagen und über den Rhein zurückgeworfen. Caesar selbst verzichtete, bis auf zwei Vorstöße auf das rechte Rheinufer (55 und 53 v.u.Z.), die mehr demonstrativen Charakter hatten, auf weitere Expansionsversuche rechts des Rheines.

(Nach Caesars Bericht bildete übrigens der Rhein die Grenze zwischen Kelten und Germanen, die heutige Forschung tendiert eher zu der Ansicht, daß eine derartig schematische Unterscheidung nicht getroffen werden kann. Dies soll hier aber nur insofern wichtig sein, als das linksrheinische Gebiet zunächst den gallischen Provinzen zugerechnet wurde und erst etwas später unter Augustus (30 v.u.Z. bis 14 u.Z.) um 13 v.u.Z. von diesen abgeteilt und als separate Provinz Germania eingerichtet wurde, welche noch einmal etwas später (um 83/84 u.Z.), unter Domitian (81-96 u.Z.), in die Provinzen Germania Inferior (Unter- oder Niedergermanien, Hauptstadt Köln) und Germania Superior (Obergermanien, Hauptstadt Mainz) aufgeteilt wurde.)

Ebenfalls in die Regierungszeit des Augustus fällt die Eroberung des Raumes zwischen Alpen und Donau , unter den Stiefsöhnen des Augustus, Tiberius und Drusus im Jahre 15 v.u.Z.. Das Gebiet wurde dann zu den Provizen Raetia (Hauptstadt Augsburg) und Noricum (auf dem Gebiet des heutigen Österreichs).

Die nach diesem Feldzug freigewordenen Legionen wurden auf die linke Rheinseite verlegt, um ab 12 v.u.Z. für die geplante Groß-Offensive gegen das freie Germanien ( Germania Magna oder Germania Libera ) zur Verfügung zu stehen, welche dann nach einigen Jahren, nämlich 9 u.Z. , mit der CLADES VARIANA , der bekannten verheerenden Niederlage in der „Schlacht im Teutoburger Wald“, die mit der Vernichtung von 3 Legionen (= 10 % des stehenden Heeres des gesamten Imperiums!) unter P. Quintilius Varus endete. (Tatsächlich übrigens nicht im Teutoburger Wald sondern im Raum Kalkriese bei Bramsche/Osnabrück http://www.kalkriese-varusschlacht.de/ )

Fortan war zunächst Ruhe, um es mal so salopp zu formulieren, und Rhein und Donau bildeten die Grenze zwischen dem Imperium Romanum und der germanischen Stammeswelt.

Zu Erweiterungen des römisch beherrschten Territoriums kam es dann sukzessive erst unter den flavischen Kaisern Vespasian , Titus und Domitian (insgesamt von 69 u.Z. bis 96 u.Z.). Diese Expansionen nördlich der Donau und östlich des Rheines endete schließlich mit der Errichtung des rätischen und des obergermanischen LIMES , einer befestigten Grenze, welche die Rhein-Donau-Linie verkürzte.

Der Rückzug nur in Stichpunkten:

Aufgabe des befestigten Limes und wiederum Beschränkung auf die Flußgrenzen nach schweren Germanenangriffen um 269/270.

Ende der Germania Superior um 406 mit
der Eroberung durch Sueben , Vandalen und Alanen.

4.-5.Jh. ohne fixierbares Datum: allmähliche Eroberung der Germania Inferior durch die Franken.

Bis 476 sind noch vereinzelte römische Truppen in Raetien nachgewiesen, das aber im Wesentlichen seit Mitte des 5.Jh. von den Alamannen beherrscht wird.

Noricum wird zwischen 395 und der zweiten Hälfte des 5.Jh. wiederholt von Markomannen , Vandalen , Ost- und Westgoten sowie - den Hunnen (nichtgermanisches Volk) vewüstet, aber erst 488, also nach dem „offiziellen“ Ende des Imperium Romanum im Jahre 476, gibt dessen „Rechtsnachfolger“, der in Italien regierende (germanische) König Odoaker den Befehl zum Verlassen des Landes.

Links (Auswahl):
http://imperiumromanum.com/
http://www.romanum.de/
http://www.limesprojekt.de/
http://www.antikefan.de/

Museen (Auswahl):
http://www.saalburgmuseum.de/
http://www.apx.lvr.de/
http://www.uni-tuebingen.de/uni/ymu/index.html
http://www.museenkoeln.de/roemisch-germanisches-museum/

Literatur (Auswahl):
Baatz, ISBN:3786123470 Buch anschauen
Bechert, ISBN:3150105161 Buch anschauen
Kemkes u.a., ISBN:3799534008 Buch anschauen
Wolters, ISBN:3406447368 Buch anschauen

Gruß, Hartmann,
der es manchmal bedauert, nicht mehr im Dreck nach den Hinterlassenschaften wühlen zu können :wink: