Rollenspiele

Hallo @all,

im Brett „Sonstiges“ läuft gerade ein Thread zu LARP, der bei mir folgende Frage angeregt hat:

Was macht das „feeling“ bei Rollenspielen (jeglicher Art, nicht nur LARP) aus? „Lebt“ man für diese Zeit in der Rolle, gelingt sozusagen der vollständige Wechsel in die Rolle? Oder bleibt es Spiel, anders gesagt, bleibt hinter der Maske der Finanzbeamter Heinz P. immer erkennbar, für sich selbst und andere?

Gibt es wissenschaftl. Ansätze, die das Phänomen „Rollenspiel“ beschreiben bzw. durchleuchten? Habt Ihr eigene Erklärungsansätze?
Ist jemand von Euch Rollenspieler und kann benennen, was für ihn den Reiz ausmacht?

Danke & viele Grüße
Diana

Hallo Diana:

Einfach gesagt: je mehr sich jemand in eine Rolle hinein begibt, umso „realer“ wird sie, bis hin zur Intensität eines Tagtraums.

Dagegen stehen häufig Ängste, die genau dieses sich Hingeben, in der anderen Realität Aufgehen, zu verhindern versuchen: meist „erfolgreich“.
Dann entsteht dieses unangenehme Gefühl, weder rein noch raus zu können, Aggression - sehr bald gefolgt vom Abbruch des Spiels (Flucht, Zynismus, Zerstörung der entstehenden Atmosphäre).

Einmal hat eine Gruppe eine geführte Traumreise gemacht, dabei waren alle in einem Fesselballon und genossen die Aussicht über grüne Hügel, Kirchtürme, sonnige Blumenwiesen, etc.
Plötzlich wird eine Teilnehmerin unruhig, genau jene, die zuvor schon mit zynischen Bemerkungen versucht hat, die anderen von dem Plan abzubringen, und sagt ganz laut: „Entschuldigung, ich komm’ ja gleich wieder, ich muss dringend auf die Toilette.“

Wie das aufzufangen ist, das ist Trainersache.

Hier wird aber das Phänomen deutlich, dass die Angst vor dem sich Fallenlassen, sich Mitnehmenlassen, zwar die Aktualisierung einer gefürchteten (Ur-?) Szene gerade noch verhindern kann, aber in keinem Fall den beteiligten Konflikt lösen oder auch nur momentane Zufriedenheit bringen kann.

Deshalb sehe ich Deine Frage so, dass die erreichbare Tiefe oder „Identifikation“ mit der „Rolle“ hauptsächlich davon abhängt, wie viel oder wenig Angst dieser begrenzte Identitäts-Tausch für den/die Einzelne/n in sich birgt.

Diese Angst / Abwehr / Aggression kann sogar grob als ein Maß für die Stärke des inneren Konfliktpotenzials genommen werden.

Schöne Grüße,
Vo.

Allgemeiner Tip
Hallo Diana -

im Rahmen kleiner Feldforschungen haben sich bereits zahlreiche Kulturanthropologen dem Phänomen Rollenspiel genähert. Entsprechend findest Du in diesem Fachbereich diverse Aufsätze darüber - vom mittelalterlich orientierten Spectaculum im Wald bis zu Online-SF-Rollenspielen.

Ich selbst habe jahrelang bei DSA und ähnlichen Systemen mitgespielt. Meine persönliche Vorliebe bestand darin, Figuren, Dramaturgien usw. plausibel zu entwerfen und zu konzipieren. Das Spiel selbst war interessant, aber nicht die Hauptsache für mich. Meine Lieblingsfigur war ein fahrender Skalde (für DSA-Kenner: Thorwaler), der das Geschehen in dichterische Form brachte. Diese Texte zu schreiben war für mich ein noch viel größerer Anreiz als die „Action“. Außerdem war unsere Gruppe ein netter Freundeshaufen, mit dem ich auch statt dessen zwei Tage Uno gekloppt hätte…

Gruß,

Pengoblin

Hallo Diana,
ich nehme persönlich seit 6 1/2 Jahren aktiv an einem Rollenspiel teil. Bin da durch einen Arbeitskollegen und gutem Freund hineingeschliddert, der das schon über Jahre als Spielleiter praktizierte. Unsere Truppe ist bei MIDGARD anzusiedeln und es gibt mehrere Gründe für mich dort mitzumachen:
a) lernte ich dort meine Liebste kennen
b) interessiere ich mich sehr für Alles im Bereich Fantasy (Bücher, Filme, mittelalterliche Märkte sowie Musik aus diesem Bereich)
c) sind wir ein total chaotischer Freundeskreis, der jede Menge Spass an dem „Bestehen“ der einzelnen Abenteuer hat
und d)
ich viel Freude daran habe in fremde Rollen (Masken) zu schlüpfen und mich dort „austoben“ zu können.

Unsere Truppe verzichtet auf Verkleidungen, der Einzelne besitzt allerdings bestimmte Artefakte, welche er für das Spiel benötigt
(in der Regel irgendwelche magischen Amulette etc. welche in dem Spiel nur genutzt werden können, wenn der Spieler daran gedacht hat sie mitzuführen bzw. anzuziehen)!
Natürlich gehen wir im Spiel in der Rolle unseres Abenteurers auf aber es geht sicher nicht soweit, dass wir darüber vergessen wer wir im „richtigen Leben“ sind.
Das Ausleben der Spielerfigur ist für den Spielspass und - verlauf, meines Erachtens, von immenser Bedeutung.
Ich zumindest habe jedesmal einen Heidenspass in meine Rolle schlüpfen zu dürfen. Als Samurai mit einer Selbstbeherrschung eines konstant gereizten Warzenschweines (ich hatte beim Auswürfeln der Selbstbeherrschungswerte das Pech eine 6 von 100 möglichen Punkten hinzulegen)schaffe ich es jedesmal meine Mitstreiter in den Wahnsinn zu treiben!
Alles in Allem ein grosser Spass…

Das ist allerdings nur meine persönliche Einstellung dazu - ich kenne Leute (auch aus anderen Rollenspielbereichen) die das ganze bedeutend ernster nehmen!

Hoffe Dir geholfen zu haben

Grüsse

Ronin

*derimrichtigenlebeneinenselbstbeherrschgungswertvonzehnvorweisenkönnte:wink:*

huhu Diana!!

Ich habe zwar schon lange an keinem Abenteuer mehr teilgenommen, aber ich habe eine ganze Zeit lang immer wieder mitgemacht.
Und ich kann mich auch noch genau an diesen Reiz erinnern, der dich schon erfasst, wenn du grade erst auf dem Weg zu dem Treffen bist.

So, wie die anderen vor mir schon beschrieben haben, geht es dabei um das Phänomen, daß sich Menschen fallen lassen, vertrauen aufbauen, ängste bekämpfen/vergessen, für ein paar Augenblicke eine andere gestalt annehmen können, und ihre Welt für ein paar Augenblicke zu vergessen.

Ich kann mich erinnern, das ich anfangs total Angst hatte davor, weil ich ja nicht wußte, was da auf mich zu kommen würde.
Aber als ich dann das erste Mal mit meinem fertigen Charakter( dazu gleichmehr) in dieser Gruppe, von Freunden saß, da verschwand diese Angst schlagartig.

Ich persönlich interessiere mich auch für Fantasy, Mittelalter…usw.
Und die Figur, die ich mir zurecht bastelte, war eine Hexe. Keine alte Hexe, sondern eine junge, die rechtgut aussieht, und vor allem auch mutig ist, und eben lernen kann mit Magie umzugehen.
Wenn du mich kennen würdest, dann würdest du wissen, das ich mich zu dem zeitpunkt, als genau das gegenteil davzu gesehen habe. Ich fand mich nicht hübsch, ich war nicht mutig, sondern extrem ängstlich, eben genau das gegenteil!
Und mit dieser Rolle habe ich es auch ein wenig geschafft, mich für einen Moment gehen zu lassen, alles das zu vergessen, was mich im Altag so beschäftigt hat, meine probleme für den Moment eben vergessen!

Was mir jetzt auffällt ist, das man solche Rollenspiele NUR mit Menschen, in einer Gruppe spielen kann, die sozial sind( mir fällt jetzt kein anderes Wort dafür ein)
ich will es erklären.
Da das ganze ja ein Strategiespiel ist, kann man auswählen, was manin verschiedenen Situationen unternimmt, und man muß eventuell auch seinen Kameraden helfen, weil die sich zu gerne auch mal in sehr prikäre SItuationen bringen.
Jemand, der egoistisch ist oder wenig sozialen Aspekt an sich hat, der lernt entweder damit umzugehen, weil die anderen ihm das zeigen, oder er merkt sehr schnell, das es für ihn nihcts ist, weil er sich nicht auf diese Abenteuer einlassen kann, ebensowenig, wie auf die anderen Mitspieler!
Ist also auch eine gute Therapiemöglichkeit!

Ich habe viele Freunde, die das spielen, und die auch live-Rollenspiele machen.
Da ist der Reiz noch größer, weil man zwar schon seine Fantasie braucht, aber eben das ganze nicht nur „trocken“ durchspielt, sondern richtig aktiv.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen;o)
nicht vergessen:

„THE QUEST WILL CLAIM OUR LIFES“

Liebe Grüße
Berlind

Hallo Diana,

ich spiele sowohl Midgard - und in etwa mit der Intention und dem Anspruch, den Ronin beschrieben hat (*wink*@Ronin!) als auch ( eher seltener ) LARP. Liebe Fantasy und ScFi.

Ich „lebe“ mal mehr mal weniger in meiner Rolle, so ganz jemand anders ist man nie, meine ich. Meine letzte Rolle war Marianne Mac Moneysack, eine albische Weinhändlerin:smile:) (Alba ist sowas wie Schottland) - sie war aufbrausend (bin ich nicht), hat gerne Streit angefangen mit jedem, der ihr dumm kam (ich bin eher ne Harmoniebrumsel:smile:), extrem ungeduldig, geizig und einiges mehr. Der Spaß an der Sache ist für mich, solche auch mal schrulligen Charaktereigenschaften wirklich auszuspielen und mit den anderen da „richtig“ in Interaktion zu kommen. Das hängt glaube ich auch vom Alter der Spieler ab. Midgard spielen meiner Erfahrung nach eher 30+ Leute und die haben oft andere Intentionen (weniger abenteuerlösend orientiert (sprich: kämpfen, Punkte + Fähigkeiten sammeln), sondern eher kommunikationsorientiert) zu spielen.

In einer anderen Gruppe war ich einige Male echten Horroszenarien ausgesetzt - in einem Alptraum (wie sich später herausstellte) haben dämonenhafte Sirenenvampirwesen angefangen mich auszusaugen und ich konnte nichts machen! - dann bin ich sozusagen aufgewacht. Puh! - also wenn’s ganz hart kommt, lasse ich das nicht so an mich ran. Andere schon und genießen das (gerade beim LARPEN)- einmal sind wir nachts, bzw frühmorgens überfallen worden. Fast das ganze Dorf wurde ermordet, bzw gefangen genommen. Die Leute in unserem Zelt kamen davon - was erstmal nicht absehbar war. Ich hatte, da ich ja wirklich aus dem Schlaf geschreckt wurde und nicht wusste, was passiert, erstmal richtig Angst!! - schon die Nacht davor war der drohende Angriff eine Sache, die echte mulmige Gefühle weckte.

Der Reiz ist dann, dass man sich gespielt in Abenteuer und Gefahren begeben kann, von denen man natürlich doch immer irgendwo im Hinterkopf weiß, dass es keine „echten“ Gefahren sind. Und der Reiz für mich ist auch schon, das „Verkleiden“ (macht einfach Spaß:smile:), das „In-andere-Rollenschlüpfen“.

Übrigens habe ich die Erfahrung gemacht, dass du für dich selbst immer weisst, wer du wirklich bist. Für die anderen ist das aber überhaupt nicht so! Als Orkin waren wir mit einem großen Tross anderer Orks unterwegs, hatten zwei Mädels gefangen genommen (sprich: wir waren die BÖSEN:smile:)) - und irgendwann hatten die Ritter und Helden auch endlich unser Lager aufgespürt , um die beiden zu befreien und es kam zum Kampf (dem ich gekonnt entfloh). Einige unserer Orks sind wirklich richtig gut verkleidet und sehen wirklich furchterregend aus. Mir erzählte später einer der Jungs, dass er mitten in einem Schwertkampf gemerkt hat, dass der Gegenüber völlig am Abtillen war vor echter Angst vor dem Monster und er den Kampf kurz abgebrochen hat.

Ich selbst habe auch in manchen Rollen gemerkt, dass ich dann wirklich nur der Elb sowieso war.

Hm, ist schwer zu erklären, man muss es glaube ich einfach mal selbst ausprobieren:smile:),

liebe Grüße,

barbara
Ich persönlich meine

Allerdings bist du für die anderen manchmal schon!!!

Hallo Diana,

puh, das sind eine Menge Fragen, die garnicht so einfach zu beantworten sind.

Was macht das „feeling“ bei Rollenspielen (jeglicher Art,
nicht nur LARP) aus?

Was war früher daran so faszinierend daran, Räuber&Gendarm oder Cowboy&Indianer zu spielen. Im Grunde genommen handelt es sich hierbei um Rollenspiele, wenn auch mit dürftigem Regelwerk: „Peng, Du bist tot!“ - „Nein, bin ich nicht“

Das Faszinierende daran sind:

  • Interessante Herausforderungen, Action, Rollen anzunehmen, die man im richtigen Leben nicht spielt oder nicht spielen kann. Und das alles, ohne irgendwelche negativen Konsequenzen für sich selbst in Kauf nehmen zu müssen.

  • ein gewisses Gemeinschaftsgefühl. Man arbeitet zusammen auf ein Ziel hin.

  • Offenes Spiel: Es werden zwar Ziele vorgegeben, aber wenn’s die Spieler nicht interessiert, daß der Drache die Prinzessin geraubt hat, können sie auch was anderes unternehmen. Genauso gibt es im Rollenspiel keinen Sieger oder Verlierer. Wichtigster Punkt ist einfach das Spielen selbst.

„Lebt“ man für diese Zeit in der Rolle,

gelingt sozusagen der vollständige Wechsel in die Rolle?

Da kann ich nur für mich selbst antworten: Eindeutig nein. Der Charakter ist für mich immer eine stellvertretende Person. Bei der Ausdrucksweise wechsle ich auchim Spiel ab zwischen: „Mein Charakter schleicht sich an den Wächter ran“ und „Ich schleiche mich an den Wächter ran“. Stimmungsvoller ist natürlich die Ich-Variante.

Oder

bleibt es Spiel, anders gesagt, bleibt hinter der Maske der
Finanzbeamter Heinz P. immer erkennbar, für sich selbst und
andere?

Den „Heinz“ wird man meistens nicht los. Eine intensive Identifikation mit dem Charakter ist recht selten, was auch dazu führt, daß die Charaktere immer auch vom Spieler geprägt sind. Man kann recht gut abschätzen, wie sich Charaktere verhalten, wenn man die Spieler gut kennt. Verschiedene Charaktere total unterschiedlich darzustellen, ist etwas das nur sehr gute Schauspieler können.

D6+3 Grüße

Tomcat

Was macht das „feeling“ bei Rollenspielen (jeglicher Art,
nicht nur LARP) aus?

Das ist für jeden unterschiedlich. In der Regel ist es nichts anderes als ein Abenteuerspiel, wie es schon kleine Kinder spielen, also das „sich etwas vorstellen“, „so tun als ob“. In dieser Phantasiewelt ist schon für kleine Kinder alles möglich, selbst wenn man nur Steine, Holz und ein paar Grashalme hat. Insofern ist es kein Phänomen, dass solche Spiele Spaß machen, es ist die Möglichkeit, zu spielen, wie man als Kind gespielt hat. Grenzenlos, und dennoch mit Regeln, auf die sich alle gleichermaßen einlassen.

„Lebt“ man für diese Zeit in der Rolle,
gelingt sozusagen der vollständige Wechsel in die Rolle? Oder
bleibt es Spiel, anders gesagt, bleibt hinter der Maske der
Finanzbeamter Heinz P. immer erkennbar, für sich selbst und
andere?

Das ist auch bei jedem unterschiedlich, je nachdem, wie tief man sich fallen lässt, wie es angenehm ist, und wie es einem Spaß macht.

Gibt es wissenschaftl. Ansätze, die das Phänomen „Rollenspiel“
beschreiben bzw. durchleuchten? Habt Ihr eigene
Erklärungsansätze?

Ich denke nicht, dass es sich hier um ein „Phänomen“ handelt, und wüsste nicht, was daran so myteriös ist, dass man es erklären müsste oder es wissenschaftlich zu durchleuchten?!?

Verwirrt-Andi

unbeherrschtes zurückwinken :wink: o.w.T.
:wink:

Rollenspiele der einen und der anderen Art…
Hallo Diana,

jaaahaa, ich bin auch so eine und zwar eine Bekennende…

Was macht das „feeling“ bei Rollenspielen (jeglicher Art,
nicht nur LARP) aus?

Im Moment überschlagen sich in meinem Hirn die Gegenfragen… Laß mich mal so anfangen: warum verkleiden sich kleine Mädchen als Prinzessin? Warum spielen kleine Jungs Räuber und Gendarm oder Indianer? Genau, weil es Spaß macht. Weil man - bis Muttern einen abends in die Wanne stopft und die Kriegsbemalung im Ausguss verschwindet - jemand anders sein kann. Weil Phantasien ausgelebt werden wollen… Warum sollte es nur Kindern erlaubt sein, vorübergehend in die ‚Haut‘ eines Anderen schlüpfen zu dürfen?

Mich haben - und zwar seitdem ich denken kann - Vampire und alles, was damit zusammenhängt, fasziniert. Ich erzähle darüber, ich schreibe Short-Stories darüber, ich war (bzw. bin es heute immer noch) in der Gothic-Szene.

Bei mir liegt das Feeling bei dieser Art von Rollenspielen in der Tat darin, daß ich für eine Zeitlang die Identität wechseln kann, ohne mich in dieser zu verlieren bzw. ohne meinen Bezug zur Realität zu verlieren. Weißt Du, was ich meine? Während des Spiels bin ich die Ventrue-Prinzessin, trage ein schwarzes Kleid (ähmm… blödes Beispiel *lach*), spreche anders und bin anders geschminkt. Ich identifiziere mich durchaus mit meiner Rolle, aber ich bin immer noch ich… Gerade bei den Vampir-Spielen liegt der Charme darin, daß man den eigenen Charakter (also die Rolle) selbst entwickeln kann.

„Lebt“ man für diese Zeit in der Rolle,
gelingt sozusagen der vollständige Wechsel in die Rolle?

Ich glaube, diese Frage habe ich schon zur Hälfte beantwortet, deswegen würde ich gerne in einem anderen Zusammenhang etwas weiter ausholen und zwar in puncto SM. Warum? Weil SM ein Rollenspiel par excellence ist, gerade weil just bei dieser Spielart die Grenzen des Spiels sehr deutlich werden… Auch wenn es einige hier im Forum nicht vorstellen können: nein , ich renne nicht den ganzen lieben langen Tag in voller Ledermontur und mit einer Peitsche/Gerte durch die Gegend und ja , ich habe auch ganz ‚normalen‘ Sex… *grins*

Oder
bleibt es Spiel, anders gesagt, bleibt hinter der Maske der
Finanzbeamter Heinz P. immer erkennbar, für sich selbst und
andere?

Das hängt vom Spieler ab… Es gibt Leute, die versuchen, Defizite in ihrem Leben durch bestimmte Rollen zu kompensieren. Deswegen sage ich auch immer, daß diese Menschen die Pfoten von SM lassen sollten…

Beste Grüße

Tessa

PS. Gotcha zählt nicht, obwohl ich es früher - also zu Teenie-Zeiten - auch leidenschaftlich gerne gespielt habe… *fg*

PPS. Spielen wir in unserem Leben nicht alle eine Rolle?

[teilw.offtop] Rollenspiele/Das ist spannend:
Hallo Tessa,

das find ich spannend hier:

PPS. Spielen wir in unserem Leben nicht alle eine Rolle?

Wie meinst Du das?

Viele Grüße
Gitte

Hallo Gitte,

PPS. Spielen wir in unserem Leben nicht alle eine Rolle?

Wie meinst Du das?

Das kann ich Dir gerne sagen, meine Liebe: es gibt eine Office-Tessa im Büro und es gibt eine Private-Tessa…

Ich habe mich sehr früh (mit 22) in einer für Frauen ätzenden/unvorstellbaren Branche (Bau) selbständig gemacht. Was passiert mit Frauen in dieser Branche? Exactly: sie werden belächelt. Also spielte ich eine Rolle… Dann ging es weiter: ich rutschte in die Bankenwelt. Wieder einmal war ‚eine Rolle spielen‘ angesagt, weil mich ansonsten niemand in dem Alter (24/25) ernstgenommen hätte.

Auch heute spiele ich noch eine Rolle, wenn ich im Büro bin… Die Tessa im Büro ist knallhart und eiskalt; die Tessa zu Hause ist allerdings total anders. Dennis (mein bester Freund, der vor einem Jahr tödlich verunglückt ist) hat mir mal gesagt, daß er sich eine Freundschaft zwischen den beiden Tessas, die es gibt, nicht vorstellen kann…

Beste Grüße

Tessa

Hallo Tessa,

Wieso spielst Du heute immer noch ne Rolle und bist im Büro
anders, als zu Hause. Hast Du Angst, man nimmt Dich immer noch nicht ernst, jetzt wo Du doch längst keine 24 mehr bist?

Ich hasse übrigens Spiele im realen Leben, könnte mir nie
vorstellen, mich selbst spielend am Arbeitsplatz in jemand
anderen zu verwandeln. Das ist doch Maskerade, wozu?

*neugierig*

Mit herzl. Grüssen
hd

Hallo Diana,

Was macht das „feeling“ bei Rollenspielen (jeglicher Art,
nicht nur LARP) aus? „Lebt“ man für diese Zeit in der Rolle,
gelingt sozusagen der vollständige Wechsel in die Rolle? Oder
bleibt es Spiel, anders gesagt, bleibt hinter der Maske der
Finanzbeamter Heinz P. immer erkennbar, für sich selbst und
andere?

ich denke, das ist sehr verschieden. Ich habe während meines Studiums eine Zeit lang regelmäßig an Rollenspieltreffs teilgenommen, zwar nicht als Spieler, aber als Beobachter. Dabei ist mir u. a. aufgefallen, dass die Art, die Spiele zu betreiben, auch von der Persönlichkeit des Spielers abhängt. Eigentlich ein völlig normaler Vorgang, der aber nicht von allen Rollenspielern unterstützt wird, wie ich gemerkt habe. Die meisten Fans scheinen eher eine Figur zu bevorzugen, die ihrer eigenen Person völlig fremd ist, wohingegen es eine kleine Anzahl von Spielern gibt, die das Spiel anscheinend für sich selbst quasi therapeutisch einsetzen, indem sie einen Charakter wählen, der ihrem Selbstbild sehr ähnlich ist. Sobald das allerdings in der Gruppe deutlich wurde, gab es meistens Diskussionen über die Zulässigkeit dieser Wahl.

Gibt es wissenschaftl. Ansätze, die das Phänomen „Rollenspiel“
beschreiben bzw. durchleuchten? Habt Ihr eigene
Erklärungsansätze?

Ich kenne keine, ich selbst hatte allerdings vor einigen Jahren geplant, solche Spiele als Szenarien für Analysen zu verwenden. Das daraus nichts geworden ist, hatte äußerliche Gründe.

Ist jemand von Euch Rollenspieler und kann benennen, was für
ihn den Reiz ausmacht?

Wenn ich einmal den Rollenspieler zum Spieler von Adventures erweitere, dann scheint mir das Entscheidende die Identifizierung mit einem emotionalen Charakter zu sein, der aber gleichzeitig in seinen Emotionen nicht verletzbar ist, jedenfalls nicht real. So scheint mir also das risikolose Ausleben von Emotionen wesentlich mitbegründend für Rollenspiele zu sein.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hi Dilarah

Ich hasse übrigens Spiele im realen Leben,

Tatsächlich? :wink: „Spielt“ nicht jeder irgendwann, irgendwie eine Rolle?

vorstellen, mich selbst spielend am Arbeitsplatz in jemand
anderen zu verwandeln. Das ist doch Maskerade, wozu?

Tja, wenn ich da an meinen Beruf denke, da kann ich einfach nicht so sein, wie im Privatleben. Ich schätze Ehrlichkeit. In meinem Beruf unterliege ich aber einer strengen Verschwiegenheitspflicht, was mich manchmal zur „Lüge“ zwingt.
Ich neige daheim ein bißchen zur Sorglosigkeit mit Unterlagen, auch das kann ich mir im Beruf nicht leisten *g*

Das sind nur ein paar kleine, „harmlose“ Beispiele, warum man sich am Arbeitsplatz manchmal ein bißchen anders verhalten muß wie im Privatleben.

Gruß
Edith

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wer?/wie?/was?/wieso?/weshalb?/warum?
Hallo Andreas,

Ich denke nicht, dass es sich hier um ein „Phänomen“ handelt, und wüsste nicht, was daran so myteriös ist, dass man es erklären müsste oder es wissenschaftlich zu durchleuchten?!?

muß etwas mysteriös sein, um sich damit auseinanderzusetzen? Anders gefragt, gibt es irgendetwas, das dem menschlichen Auge in den Blick fallen könnte, das nicht mysteriös genug ist, um es zu durchleuchten und den Versuch zu machen, es zu erklären?

Viele Grüße
Diana (die gern allem auf den Grund geht :wink:

Risiken und Chancen des Rollenwechsels
Hallo Thomas,

Dabei ist mir u. a. aufgefallen, dass die Art, die Spiele zu betreiben, auch von der Persönlichkeit des Spielers abhängt.[…] Die meisten Fans scheinen eher eine Figur zu bevorzugen, die ihrer eigenen Person völlig fremd ist, wohingegen es eine kleine Anzahl von Spielern gibt, die das Spiel anscheinend für sich selbst quasi therapeutisch einsetzen, indem sie einen Charakter wählen, der ihrem Selbstbild sehr ähnlich ist. Sobald das allerdings in der Gruppe deutlich wurde, gab es meistens Diskussionen über die Zulässigkeit dieser Wahl.

Über die ‚Zulässigkeit der Wahl‘? Warum? Gibt es eine (ungeschriebene) Regel, daß der gewählte Charakter (Meilen) vom RL entfernt sein muß?

Ich kenne keine, ich selbst hatte allerdings vor einigen Jahren geplant, solche Spiele als Szenarien für Analysen zu verwenden. Das daraus nichts geworden ist, hatte äußerliche Gründe.

Ein Bekannter von mir, der Trainings für Führungskräfte zur Verbesserung der Kommunikation mit deren Mitarbeitern durchführt, wendet eine Art „Rollenwechsel“ in seinen Trainings an: Die gestandenen Chefs müssen in einer inszenierten Krisensituation in die Rolle eines Untergebenen schlüpfen, was ihnen oft absolut nicht gelingt - nicht so sehr, weil sie sich sperren, sondern weil sie es nicht können.

So scheint mir also das risikolose Ausleben von Emotionen wesentlich mitbegründend für Rollenspiele zu sein.

Mmmh. Frage ist, inwieweit es für emotional nicht gefestigte Persönlichkeiten (ein besserer Begriff fällt mir leider nicht ein) wirklich risikolos ist und was die Risiken sein können?

Viele Grüße
Diana

S/M
Hallo Tessa,

genau dieser Bezug fiel mir in puncto Rollenspiel auch ein:

…SM. Warum? Weil SM ein Rollenspiel par excellence ist, gerade weil just bei dieser Spielart die Grenzen des Spiels sehr deutlich werden…

Auch dieses Spiel verläuft ja mit z.T. „festen“ Charaktern und „festen“ Regeln. Auch hier ist die Frage interessant, inwieweit das Spiel Spiel bleibt und wann/wie es zu Grenzüberschreitungen kommen kann.

Spielen wir in unserem Leben nicht alle eine Rolle?

Verschiedene Aspekte der Persönlichkeit werden mal stärker ausagiert, mal mehr zurückgenommen, aber handelt es sich dann um eine gänzlich andere Rolle?

Viele Grüße
Diana

Hi,

Ich hasse übrigens Spiele im realen Leben,

Tatsächlich? :wink: „Spielt“ nicht jeder irgendwann, irgendwie
eine Rolle?

Nein, das tu ich nicht.

vorstellen, mich selbst spielend am Arbeitsplatz in jemand
anderen zu verwandeln. Das ist doch Maskerade, wozu?

Verschwiegenheitspflicht, was mich manchmal zur „Lüge“ zwingt.
Ich neige daheim ein bißchen zur Sorglosigkeit mit Unterlagen,
auch das kann ich mir im Beruf nicht leisten *g*

Das ist keine Lüge, das ist der Job. Mit Unterlagen ist es das
gleiche.
Aber wie tessa schreibt, von hier knallhart und eiskalt und
zu Hause ganz anders, dies meinte ich, was ich mit Maskerade ausdrücken wollte.

Grüsse
hd

Hallo Diana,

Über die ‚Zulässigkeit der Wahl‘? Warum? Gibt es eine
(ungeschriebene) Regel, daß der gewählte Charakter (Meilen)
vom RL entfernt sein muß?

ich habe damals natürlich nachgefragt, und einige der Teilnehmer waren wohl der Meinung, dass man, wenn man im Spiel nicht eine fremde „Charakterkonstellation“ wählen würde, gar kein Rollenspiel spiele, weil man eben keine Rolle spiele. Man könne es also dann quasi gleich lassen.

Ein Bekannter von mir, der Trainings für Führungskräfte zur
Verbesserung der Kommunikation mit deren Mitarbeitern
durchführt, wendet eine Art „Rollenwechsel“ in seinen
Trainings an: Die gestandenen Chefs müssen in einer
inszenierten Krisensituation in die Rolle eines Untergebenen
schlüpfen, was ihnen oft absolut nicht gelingt - nicht so
sehr, weil sie sich sperren, sondern weil sie es nicht
können.

Ein interessanter Ansatz, finde ich!

Mmmh. Frage ist, inwieweit es für emotional nicht gefestigte
Persönlichkeiten (ein besserer Begriff fällt mir leider nicht
ein) wirklich risikolos ist und was die Risiken sein können?

Ich denke, dass es nur in wenigen wirklich pathologischen Fällen dazu kommen kann, dass die Geschichte wirklich riskant wird. In der Regel sind aber die privaten Spielkreise eingeschworene Gemeinschaften, die pathologische Persönlichkeiten eher gleich ausschließen, wenn sie merken, dass da etwas nicht stimmt.
Wenn man schon Mitspieler ausschließen möchte, die nur die eigene Rolle spielen - und das habe ich nicht nur einmal erlebt, sondern öfter -, dann schließt man doch Spieler, die das ganze Unternehmen gefährden noch viel eher aus, denke ich.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

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