Hallo,
also erst einmal bin ich ja froh, dass ich dich mit meinem
letzten posting nicht schon gänzlich vergrault habe!
nein, so schnell geht das nicht … 
in diesem sinne, wird mir die „weisheit“ immer wichtiger sein,
als mein „ego“…
Das finde ich einen guten Ansatz.
soviel zu ockham
Dass du dich zu Ockham informiert hast, finde ich klasse.
ob sartre nun tatsächlich „beide modi an nimmt als
gegenwärtig“, erschließt sich mir nicht mal eindeutig!
Ich weiß nicht genau, was du mit „eindeutig erschließen“ meinst, aber ich versuche einmal - leider muss das im Moment recht kurz geschehen - zu präzisieren, was ich meine. Sartre behandelt seine beiden Modi, die er meines Erachtens durchaus einführen darf, quasi empirisch, wenn er von Ihnen behauptet, dass zwischen ihnen nur die Zeit steht, weil die Zeit die Empirie konstituiert. Dadurch erweckt er den Eindruck, man könne prinzipiell (wenn auch nicht wirklich) auf beide Modi zugreifen bzw. über beide Modi gleichzeitig bestimmen - und das ist nicht richtig.
anderes beispiel: nimm „prüfungsangst“. du willst deinen
doktor machen, der du aber eigentlich noch nicht bist. dein
„jetzt-sein“ beinhaltet aber bereits „dein-dr.-sein“
Nein, nur virtuell, also in der Vorstellung. Nach der Vorstellung Sartres könnte man entweder in diesem Modus nicht durchfallen (was absurd ist, denn das kann man natürlich doch) oder man hat diesen Modus eben noch nicht genug verinnerlicht. Das aber wäre ein antiker Fehlschluss, der zwar interpretatorisch (erkenntnistheoretisch) interessant sein kann (Beispiel: Der unbehauene Stein enthält schon die Statue, der Künstler muss nur das überflüssige Gestein entfernen.), darf aber nicht ontologisch verstanden werden. Auf diese Weise werden nämlich die verschiedenen Arten von Ursachen (Kausalursache, Finalursache, logischer Grund etc.) durcheinandergebracht.
und jetzt erklär mir doch bitte schön, was du unter der
prämisse „wahr“ in der „philosophie“ verstehst!?!?
( ich habe da zb. einen satz von kant in vager erinnerung: "
die erkenntnis richtet sich nicht nach den gegenständen,
sondern die gegenstände nach der erkenntnis"…tja ich
glaube, dass würden nicht nur philosophen des „realismus“ als
nicht „wahr“ betrachten…)
Das nun ist wirklich ein bisschen zu umfangreich. Wenn du möchtest, kannst du mal nach dem Begriff „wahrheitstheorien“ googeln, eine Einführung bietet die Seite http://www.gavagai.de/themen/HHP68.htm .
Nietzsche gehört zu den am schwierigsten verständlichen Philosophen.
Man kann Nietzsche nur auf der Kenntnis der Grundlage des 18. und
19. Jahrhunderts und der antiken Philosophie verstehen.
na da haben wir ja meine theorie von der „elitären kaste der
philosophen“.
Nein, man kann im Prinzip mit jedem Philosophen anfangen, nur eben nicht mit Nietzsche, weil Nietzsche so einfach und überzeugend nur scheinbar ist. In Wirklichkeit setzt die Lektüre Nietzsches ein ungeheueres Wissen voraus, gerade weil er nicht immer sagt, worauf er sich eigentlich in seinen Sätzen bezieht. Nietzsche darf man nirgendwo in seinen Werken trauen, weil man nie einfach davon ausgehen kann, dass er das, was er sagt, auch wirklich meint oder vielleicht nur ad absurdum führen oder persiflieren will. Wenn es unbedingt Nietzsche sein muss, dann sollte man mit der Geburt der Tragödie beginnen, aber auch das ist nicht risikolos.
frage mich allerdings, welcher art wert eine „kenntnis“ von
der grundlage des 18. und 19. jahrhunderts ist, ohne selbst diese
zeit erfahren zu haben
Wenn man mal davon absehen würde, dass der Wert sich schon daraus ergibt, dass wir immer noch Anleihen aus dieser Zeit haben, bliebe trotzdem gerade immer noch bei Nietzsche die Notwendigkeit bestehen, weil seine gesamte Argumentation sich auf diesen Zeitraum erstreckt. Und wenn man nicht weiß, was Nietzsche wirklich kritisiert, kommt es leicht zu Irrtümern. Das erlebe ich nicht nur bei vielen anderen Personen, sondern ich bin als Jugendlicher selbst auf Nietzsche hereingefallen, was ich anderen gerne ersparen möchte. Das bedeutet aber nicht, dass ich Nietzsche selbst für wertlos erachte, wohl aber, dass zu seiner Interpretation mehr gehört als die Primärlektüre.
na so ein zufall! „ontologie“ erinnert mich irgendwie an
heidegger, den wiederum sartre sehr schätzte!!
Auch richtig, aber Sartre hat Heidegger in seinem Sinn umgedeutet. Ich weiß nicht, wie lange du hier mitliest (deine Vika ist ja ganz frisch), aber ich habe hier mehrfach bekannt, dass ich auf Heidegger große Stücke halte. Wenn man Heidegger nun aus Sartrescher Sicht liest, dann scheint die Sache klar. Wenn man aber umgekehrt Sartre aus der Sicht Heideggers liest, dann merkt man, welchen Missverständnissen Sartre erlegen ist. Aus Zeitgründen kann ich nur auf ein Buchkapitel verweisen, dass aber sehr erhellend ist und gar nicht schwierig zu lesen: Dominique Janicaud, Heidegger imd Jean-Paul Sartre. Anerkennung und Abweisung, in: Dieter Thomä (Hg.), Heidegger-Handbuch, Stuttgart 2003, S. 410-417 .
ebenso herzlich grüße (und hoffend, dass du eher mit mir
lachst, als dich über mich zu ärgern…)
Warum sollte ich über dich lachen, ich finde es sehr mutig, wie du an die Texte herangehst. Deine Sorge
…und wenn deine vorangegange antwort zu sartre die letzte
war, dann sollt es so sein…
ist unberechtigt, mein „noch einmal“ bezog sich darauf, dass du mein Argument nicht zu Kenntnis genommen hattest. Das Problem ist jetzt aber ausgeräumt.
Herzliche Grüße
Thomas Miller