Hallo!
…3-Familienhaus wäre, so Ende 50iger. Einfachverglasung, 24er Mauerwerk, Einzelöfen (Gas, Öl, Holz, Kohle), :nahezu ungedämmtes Dach, ungedämmte Kellerdecke. Neben einem Zelt das energetische Worst Case.
Die recht großen Wohnungen sind für ca. 300€ vermietet. Es besteht keinerlei Schimmelproblem.
Bist du wirklich der Meinung, dass es einen irgendwie gearteten Sinn macht dieses Gebäude zu sanieren?
Soetwas zu sanieren – nur mit Dämmung wird es nicht getan sein – kommt oft einem Neubau gleich. Deswegen wird eben nichts mehr investiert und abgewohnt. Die hohen Heizkosten und die vorsintflutliche Dauerbetreuung der Einzelfeuerstellen ist Mietersache und interessiert den Eigentümer weiter nicht. Ob sich der Eigentümer sein Verhalten leisten kann, ist eine Frage der regionalen Marktlage.
Die Mieter wohnen dort weil die Miete billig ist, nicht weil es ihnen gefällt.
Genau das sollte der Eigentümer immer im Hinterkopf behalten und wissen, dass sein Agieren langfristig wirtschaftlich nicht tragfähig sein wird. Die Brennstoffpreise werden weiter steigen und der Eigentümer kann sich ausrechnen, bei welchen Kosten pro kWh sich das Spiel für die Mieter nicht mehr lohnt. Weil nur der Preis die Mieter hält, werden absehbar Argumente wie diese …
Mieterwechsel sind kein Problem. Leerstand gibt es in diesem Haus nicht.
… nicht mehr funktionieren, weil jeder Mieter natürlich die Summe von Miete und Heizkosten bezahlen muss.
Nach einer Sanierung wäre die Miete doppelt so hoch. Dadurch wären die Wohnungen unvermietbar. Es
müsste im Wohnumfeld noch erheblich nachgerüstet werden. Dadurch würde sich die Frage stellen, ob ein Abriss :mit anschließendem Neubau nicht wirklich sinnvoller sei.
Über kurz oder lang wird es so kommen. Sieh hier http://www.tecson.de/historische-oelpreise.html und hier
http://www.tecson.de/pheizoel.html die Preisentwicklung für Roh- und Heizöl. Der Markt zieht den Preis aller anderen Brennstoffe mit und schon kann man abschätzen, wann die bisherige Rechnung nicht mehr aufgeht.
Im Moment ist das Haus schuldenfrei. Ein Neubau auch?
Die Zinsbelastung muss wie überall durch die Mieten refinanziert werden.
Und die Mieter? Die Neubaumiete ist für sie möglicherweise nicht mehr tragbar. Wo bleiben sie dann?
Die von den Mietern zu tragenden hohen Heizkosten interessierten den Hauseigentümer nicht und plötzlich macht er sich Sorgen um deren Portemonnaie?
Der Aufwand der betrieben werden muss um das Haus zu Sanieren, die Energie die dadurch verbraucht wird, wird :erst in Jahrzehnten (wenn überhaupt)wieder eingespart werden.
Das ist zu kurz gesprungen. Es geht neben Geld auch um Umweltschutz und Wohnqualität und damit um einen wesentlichen Teil der Lebensqualität.
Von der Klimaproblematik her gehe ich mal davon aus, dass es genügend andere Fehlentwicklungen auf dieser :Welt gibt und dass der sanierte Gebäudebestand in Deutschland die Welt nicht retten wird.
40 % des Primärenergiebedarfs – der größte Brocken überhaupt – wird in Deutschland für die Heizung von Gebäuden verbraucht. Wir können unseren Primärenergiebedarf und damit teure Abhängigkeiten durch Gebäudedämmung erheblich reduzieren. Alte Gebäude brauchen üblicherweise um 250 kWh pro m² und Jahr, manchmal auch deutlich mehr. Bei zeitgemäßer Bauweise reicht ein Zehntel der Heizenergie. Entsprechend dramatisch sinkt der Anteil am Primärenergiebedarf. Auch allen anderen Ländern wird gar nichts anderes übrig bleiben, als Energieträger sinnvoller und sparsamer als bisher einzusetzen. Das ist keine deutsche Marotte, sondern ein Zwang für die Menschheit, begrenzte Ressourcen nicht einfach zum Heizen zu vergasen.
Ich würde somit keinerlei Sinn sehen dieses Gebäude zu sanieren. Wenn ich allerdings den Außenputz oder das
ach großflächig reparieren lassen möchte, dann schreibt mir die EnEV ein energetisches Aufrüsten vor. Fenster in :der vorhandenen Art gibt es nicht mehr. 1,3 er sind das schlechteste was es auf dem Markt gibt und die DIN :schreibt einen luftdichten Einbau vor. Selbst wenn ich es bestelle, darf der Handwerker etwas anderes nicht mehr :liefern.
Die alte Hütte stößt an Rentabilitätsgrenzen. Hier und da muss etwas instandgesetzt werden, die Kosten können aber nicht auf die Mieten umgelegt werden. Ganze Jahresmieten werden von Halbheiten verschlungen und das Gebäude wirft keinen Ertrag mehr ab. So kann noch eine Weile gewirtschaftet werden, aber absehbar gibt es nur noch die Wahl zwischen grundlegender Sanierung und Neubau, weil andernfalls dauerhaft draufgezahlt wird. Zahllose Vermieter sind in der gleichen Situation. Richtig problematisch wird es in Gegenden mit Bevölkerungsschwund. Ich lebe in solcher Gegend mit zudem kaufkraftschwacher Bevölkerung. Hier werden viele Vermietobjekte nur noch „abgewohnt“. Das Abwohnen bringt kaum Ertrag und Sanierung oder Neubau rechnen sich nicht, weil es keine Mieter gibt. Dieses Problem hat aber wenig mit Wärmedämmung zu tun. Ursächlich sind die demographische Entwicklung, zusammen mit Veränderungen in gewerblichen Strukturen, insbesondere in der Landwirtschaft.
Das was hierzulande gerade läuft ist für mich nichts anderes als ein gigantischer Werbeerfolg der Baustoff
chemischen) Industrie…
Ach bitte nicht auch noch eine Verschwörung. Natürlich wird mit Gebäudesanierung, mit aufwendiger Dämmung und Gebäudetechnik Geld verdient. Aber unter dem Strich rechnet sich das Ganze, weil die Betriebskosten sinken und es ist sinnvoll, weil die Wohn- und Lebensqualität steigt und die durch Heizungen verursachte Umweltbelastung sinkt.
Gruß
Wolfgang