Hi Marion,
Wenn es nicht die einzige Möglichkeit ist, die er sieht, dann
braucht er das Schlagen hier nicht zu propagieren, dann gibt
es ja auch noch andere Möglichkeiten, also kann er auf das
Schlagen dann auch verzichten.
Point taken!
Klar gibt’s die, aber wenn ich bei einigen Muettern staendig
auf „musst du doch nicht“ und „lass das bitte“ hoere deren
Wirkung gleich Null ist und die Umgebung von den Kids ziemlich
genervt wird - dann habe ich halt so meine Zweifel…
Hast du dir schonmal Gedanken darüber gemacht, warum Kinder in
manchen Situationen nerven ? Dass es vielleicht nicht an dem
Kind, sondern der Situation liegt ? Wenn man sich mit einer
Freundin zu einem ruhigen Gespräch treffen will, dann sollte
man vielleicht nicht grade eine 4-jährige mit ins Edelcafe
schleppen. Auf der Parkbank eines Spielplatzes lässt es sich
genauso gut reden und man kann ein Auge auf sein Kind haben,
ohne das es aus schlichter Langeweile anfängt zu nerven.
Das ist genau meine Meinung, ich kann es einfach nicht verstehen, dass manche Muetter meinen ihre Kinder ueberall mitnehmen zu muessen(auch zu einer Dauerwelle beim Friseur, die ja bekanntermassen ein paar Stunden dauert) obwohl Alternativmoeglichkeiten durchaus vorhanden sind. Oder Eltern die da meinen es sein klasse ihre Kids (auch Babies) auf ein Open-Air-Festival mitzuschleppen - von der Hygiene auf solchen Veranstaltungen mal abgesehen, ich finde es unverantwortlich mit so einem Knopf auf den Schultern ewig lange vor einem Lautsprecher zu stehen. Wenn sie sich selbst einen Gehoerschaden zufuegen, ok, aber das Kind kann sich nicht wehren. Auch das ist fuer mich „Gewalt“.
Im übrigen hab ich bei manchen Eltern den Verdacht, dass sie
zu Hause ihr Kind sehr wohl schlagen. Wenn dann in der
Öffentlichkeit ein verbaler Verweis nicht mehr wirkt, müssen
sie sich auch nicht wundern, genau so wenig wie bei Kindern,
die bei jedem kleineren Anlass bereits angemeckert werden.
Irgendwann stellen die Kids dann auf Durchzug.
Stimme ich zu!
Das Leben mit Kindern ist nunmal anders, als das Leben ohne
Kinder. Kinder haben nun mal eigene Bedürfnisse, die nicht
unbedingt die gleichen Bedürfnisse sind wie die von
Erwachsenen. Meiner Meinung nach sollte man versuchen,
möglichst beiden gerecht zu werden, so wie in jeder
anderen zwischenmenschlichen Beziehung auch.
Auch hier bin ich Deiner Meinung!
Hilflosigkeit ja, Unfaehigkeit und gestoertes Verhaeltnis
stelle ich in Frage - waren wirklich alle Eltern vergangener
Generationen unfaehig und hatten ein falsches Verhaeltnis zu
Kindern?
Es ist ein großer Irrtum zu glauben, die Eltern vergangener
Generationen hätten alle geschlagen. Allerdings war es wohl
früher so, dass Schlagen allgemein als probates
Erziehungmittel angesehen wurde und gesellschaftlich nicht
geächtet war. Genauso war Gewalt gegen Frauen in der Ehe oder
Vergewaltigungen in der Ehe akzeptiert und wurde
gesellschaftlich nicht geächtet. Die Gründe für Gewalt gegen
Frauen sind übrigens sehr ähnlich wie die Gründe für Gewalt
gegen Kinder.
Nein, ich weiss natuerlich, dass frueher alle Eltern ihre Kinder geschlagen haben, ich meine ja auch nur, dass es zu der Zeit sogar noch Pruegelstrafen in der Schule gab. Versteh mich nicht falsch, ich finde das alles andere als gut oder richtig!
Gewalt hat nunmal den Vorteil, dass sie häufig zumindest
kurzfristig funktioniert. Es würde übrigens vermutlich
ebenfalls funktionieren, wenn ich meinen mir körperlich
unterlegenen Mitmenschen (Nachbarn, Arbeitskollegen etc.)
jedesmal was auf die Fresse haue, wenn sie nerven.
Komischerweise wird diese Möglichkeit im Brett Psychologie als
diskussionswerte Handlungsalternative aber nie erörtert.
Kannst du dir vorstellen warum ?
Oh ja, das kann ich sehr gut!!!
Die Kids meiner Freundin haben ab und zu ganz bewusst
einen Klaps bekommen, und ich kenne niemanden der mehr
„Mutter“ ist als meine Freundin - sie kann gut mit Kindern
umgehen. Sollte ich ein Kind haben und mir und meinem Partner
etwas passieren - sie waere meine erste Wahl als Pflegemutter.
Vielleicht solltest du dir dann mal über deine persönlichen
Erziehungsziele im klaren werden und was du „gut mit Kindern
umgehen“ nennst.
Ich versuche 'mal das zu erklaeren. Kids haben einen sehr guten Riecher dafuer bei wem sie was machen koennen bzw. wie weit sie gehen koennen. Ihre Kids haben mich auch irgendwann 'mal „auf die Probe“ gestellt und getestet was passiert wenn sie nicht in’s Bett gehen. Genauso haben Kinder auch einen siebten Sinn dafuer wer Kinder mag und wer eher nicht - und sie ist bei Kindern sehr beliebt.
Ich erinner mich da grade an Eltern, deren
4-jähriges Kind es fertig bringt, 1 Stunde im Restaurant auf
einem Stuhl zu hocken und mehr oder weniger schweigend auf die
Tischdecke zu starren, während die Eltern sich unterhalten.
Nach meinem Verständnis ist dies Kind verhaltensgestört.
Klar ist das nicht normal, darin stimme ich Dir voll und ganz zu.
Kinder in dem Alter wollen normalerweise die Welt erkunden,
KOntakt aufnehmen, die Umgebung austesten, sich bewegen etc.
Aber die Eltern dieses Kindes verbuchen das Verhalten
vermultich als Erziehungserfolg und Kommentare wie „Ach habt
ihr aber ein braves Kind“ geben ihnen auch leider noch recht
damit.
Nee, das wuerde ich nicht als „Erfolg“ zaehlen, habe es selbst schon erlebt. Das Kind war etwas aelter, die Erwachsenen sassen im Hotel an einem Pool, 2 andere Kinder sind rumgetobt und haben im Wasser geplanscht, die Kleine sass zwischen Mutter und deren Freund und hat keinen Piep gesagt. Irgendjemand meinte dann sie sei „wohlerzogen“ worauf hin ich gesagt habe, dass sie auf mich eher total veraengstigt wirkt denn das Verhalten ist nicht normal)
Auch ich behaupte ja gar nicht, dass „Schlagen“ eine Loesung
ist, aber ich differenziere ganz stark zwischen einem „Klaps“
und jemanden „verhauen“.
Wenn das Kind es als Schmerz in Verbindung mit dem Gefühl von
Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein erfährt, ist es egal, wie
du das nennst.
Definiere „Schmerz“ - wenn ein Kind einen Klaps auf den Po (am besten noch 'ne Windel davor) oder auf die Hand bekommt glaube ich nicht, dass es Schmerzen bereitet.
Es ist echt schwierig ueber ein solch komplexes Thema zu schreiben, es kommt einfach nicht so 'rueber wie es gemeint ist, stelle ich fest.
liebe Gruesse & schoenes WE,
Astrid