Hi,
jetzt platzt mir bald die hutschnur…was da gestern bei uns
passiert ist, war so …so …so überflüssig, beschämend,
peinlich…
Och…Du bist doch Mama, das passiert bestimmt noch öfter 
guten morgen erstmal,
ich muß mich hir mal kurz auslassen, weil ich sonst fürchte,
richtig auszuticken.
ich beschreibe euch mal meinen gestrigen tag: meine tochter
(6) ist in der schule, ich auf arbeit, ich hole sie um 14 uhr
ab, nachhause, essen, hausaufgaben, rad fahren, spaß gehabt.
dann habe ich beim einkaufen eine puppe entdeckt, die ihr
bestimmt gefallen würde. also denke ich mir, ich bring sie ihr
mit. einfach so, obwohl kein geburtstag ist, weihnachten oder
sonst was. sie freut sich riesig, bedankt sich mehrfach
überschwenglich bei „der besten mama der ganzen welt“.
Das war sicher nicht das erste Mal, daß Du ihr einen solchen Herzenswunsch einfach so erfüllst, oder?
(Manchmal neigt man dazu, Dinge mit anderen Dingen zu kompensieren, dazu vielleicht später mehr
)
(sie
weiß das wirklich zu schätzen, weil sie genau weiß, wie knapp
das geld ist, weil ich mit ihr alleine bin.)
Mit 6 kann sie sich dieser Tragweite nicht bewußt sein, egal ob hochbegabt oder nicht.
kurz bevor sie
ins bett muß, passiert das undenkbare: sie kugelt
unbeabsichtigt einen arm der puppe aus, der dann nicht mehr
richtig funktioniert. sie fängt sofort an zu brüllen, wie eine
wilde „mama reparier das wieder!“ ich antworte, noch relativ
ruhig, daß ich mir das in ruhe anschauen müsse und daß ich mir
da was einfallen lassen muß, damit der arm wieder richtig
funktioniert. nein, das reicht der kleinen nicht. also
versuche ich mein bestes, aber der arm bewegt sich halt nicht
mehr richtig. sie schreit herum, rastet richtig aus.
Als Du das geschrieben hattest, dachte ich, das wäre von mir *g* und meinem Sohn geschrieben…
ich
schaffe sie irgendwie ins bett, sie brüllt mir gemeinheiten
ins gesicht wie „andere kinder haben nicht solche gemeinen
miesen mamas wie ich“ oder „warum hast du mir son scheiß
gekauft - ich wollte ja eigentlich was ganz anderes“.
Sagt mein Sohn auch immer, wenn es dann kaputt geht, weil er sich so einen „Schrott“ gewünscht hat. Bringe ich etwas mit, das nicht seinen Vorstellungen entspricht…ist es „eh nur Schrott“
in
diesem moment überschreitet sie bei mir eine grenze und ich
komme auch in das fahrwasser von schreierei und brülle zurück.
ich werde während des ganzen szenarios immer gefrusteter, weil
ich wirklich nicht weiß, was ich machen soll. ich habe
versucht, ihr im guten zu erklären, daß ich versuchen würde,
die puppe zu reparieren, JETZT aber nichts machen kann. es hat
alles keinen zweck. die schreierei dauert über 2 stunden.
Ich erkläre genau einmal, warum etwas nicht jetzt zu reparieren ist, und erkläre genau, wie man das am nächsten Tag machen kann. Ist das nicht ausreichend als Erklärung, wandert das Teil erst einmal in den Schrank.
ich
werde immer zorniger und muß mich wirklich zurückhalten. ich
nehme einen gegenstand und schleudere ihn quer durchs
treppenhaus. dieses ventil mußte ich öffnen - weiß nicht, was
sonst passiert wäre. das kind kriegt angst - angst vor mir -
angst vor meiner reaktion. alles reden nutzt nichts…da hat
sich eine mauer aufgebaut. -schnitt-
Ich beende die Diskussion, und lasse mich nicht mehr (hab ich früher auch oft) auf langandauernde Streitszenen ein. Ich bin so konsequent geworden, daß es mir manchmal selbst weh tut. Letztenendes ist es aber eine Hilfe, eine Stütze, die Beiden zugute kommt. Es dauert halt seine Zeit und es gibt immer wieder neue Herausforderungen.
das frühstück verlief ziemlich wortkarg. sie fragte: „mama,
bist du noch böse?“ ich sage „nein“. sie erwidert: „gut, dann
kauf mir ne neue puppe und am besten auch das, was ich mir
sonst noch gewünscht habe“ ich versuchs zu ignorieren, spüre,
daß schon wieder diese wut in mir aufsteigt. ich bringe sie in
die schule. auf dem weg sagt sie:" mama, als du mich gestern
so angebrüllt hast, da hat mir der ganze körper wehgetan." sie
sagte das ganz leise. das hatte wirkung bei mir.
Ja klar, Dein Kind ist nicht doof…und was viele hochbegabte Kinder haben, sie ist sensitiv…sie spürt die Emotionen der Anderen, und das öffnet ihr Tür und Tor zur Manipulation… (In diesem Fall hat sie Dir ein schlechtes Gewissen eingeredet)
als ich auf
die arbeite fuhr, habe ich mit vorwürfe gemacht, habe geweint,
weil ich das alles nicht wollte. ich habe mich reizen lassen,
über meine grenzen hinaus. mir gehts jetzt richtig mies…wie
lange wird das dauern, bis wir uns wieder richtig verziehen
haben…wieder richtig zueinander gefunden haben?
Mama sein bedeutet nicht, dem Kind heile Welt vorzuspielen, es bedeutet nicht Friede Freude Eierkuchen vor dem Kind zu verbreiten. Es gibt immer Konflikte, aber Du bist die Mama, egal ob hochbegabtes Kind oder nicht. Du erklärst den Weg und wann er begangen wird.
Du setzt die Grenzen und erweiterst sie, wenn sie älter wird. Das Kind probiert ständig immer und immer wieder diese Grenzen zu überwinden, und kommt eben auch mit Sätzen wie „Dann ahb ich Dich nicht mehr lieb“ und „alle anderen Mütter sind besser als du“
Weißt Du…ich hab auch so einen Knallfrosch an der Backe kleben, dem die Kindergärtnerinnen auch schon den Stempel „hochbegabt“ aufgedrückt haben…ich war auch schon in einer Mutter und Kind Kur mit ihm…da war er 2. Die Erzieherinnen dort meinten er sei in diesem Alter mit Eimer und Schaufel im Sandkasten zufrieden…das Resultat war, daß ich nach einer Woche diese Kur abbrechen mußte, weil die dortigen Erzieher nicht in der Lage waren ihn nach seinem Freiheitsdrang und Neugierde angemessen zu beaufsichtigen. Zitat Kinderarzt „Dann kann man ja auf so ein Kind überhaupt nicht aufpassen“…das war nachdem mein Sohn trotz wiederholter Ermahnung gut auf ihn aufzupassen -wenn der ein oder andere von uns zwei eine Therapieleistung hatte- fast in einem Teich dort ertrunken wäre.
Und ich glaube etwas schlimmeres kann einer Mutter gar nicht passieren…
Er war mit 2 schon so willensstark, daß er mich fast zum Wahnsinn getrieben hat, aber diese Erfahrung hat mich kuriert. Ich nehme es mit meinem Sohn auf…egal wo, egal wann, egal wie hartnäckig ich sein muß. Ich bin die Mama!
Und Du bist die Mama!
Das mit dem Kompensieren…
wie lange Du mit ihr schon alleine bist weiß ich ja nicht, aber Kids haben eine verdammt gute Nase für solche Situationen…sie verstehen es perfekt uns Erwachsene um den Finger zu wickeln…und wenn dann noch der „Klugscheisser-Modus“ dazu kommt…dann Gute Nacht.
Mach Dir keine Sorgen, Du hast nicht ganz verkehrt reagiert. Kinder sollen erfahren, daß auch ihre Eltern nicht immer nur gut gelaunt sind, sie dürfen schon merken, daß man sich schlecht fühlt oder genervt ist. Und genauso darf man als Mama sagen „Ich rede jetzt nicht mehr darüber“ oder „Ende der Diskussion“
Time out oder festhalten ist je nach Situation hilfreich…kommt aber auf das Kind an…aber im Gegensatz zu …sag ich jetzt mal „ruhigeren“ Kindern kann das schon dauern…Folgeschäden…nicht ausgeschlossen (Bei uns mußte das Zimmer neu tapeziert werden)
Nein, die Zimmertür war nicht abgeschlossen, er ist nicht raus und ich bin nicht rein…
Zornickel eben…
Manche Beratungsstellen der Städte bieten auch eine Art „Viedeo Hometraining“ an. Da besucht Dich jemand für eine längere Zeit zu unterschiedlichen Terminen, filmt eine bestimmte Tagessequenz und bespricht sie einige Tage später mit Dir.
Da kannst Du mal einen Schritt zurück machen und Dich selbst im Umgang mit Deinem Kind erleben. Die Kids gewöhnen sich normalerweise schnell an die fremde Person…
Aber bei manchen Dingen, denkst Du echt…hey hoppla, das ist es!
Streitet Euch nicht stundenlang…das ist furchtbar zermürbend, und bringt nur neuen Frust.
Zofft Euch kurz, es darf auch heftig sein
aber dann redet und kommt zu einem gemeinsamen Nenner…und da Tochter noch klein ist, bestimmst Du im Zweifelsfall (Wenn kein Ende absehbar ist) Einen.
Dabei bleibst Du dann aber auch, ohne wenn und aber.
Ich sage meinem Sohn auch, daß ich ihm jetzt keine Antwort mehr gebe, wenn er weiter auf einem Thema reitet.
Liebe Elisa, sei Dir gewiss, ich gebe Di keine guten Ratschläge vom Hörensagen, ich setze mich mit einer solchen Persönlichkeit Tag für Tag selbst auseinander.
Die Mutter und Kind Kur, war für mich zwar keine Kur in diesem Sinne…aber ich habe alle Kräfte mobil gemacht, um das selbst zu meistern…wer kann besser sein, als eine Mama?! Ha!
Du darfst nur eins nicht machen…den Humor verlieren!
Lies doch mal Erma Bombeck, die hat viele tolle Bücher geschrieben, und hat genau das erlebt wie wir…
Liebe Grüße
Maja