Guten morgen,
> :a) Wieso braucht man zur Gründung einen Kredit? b) Was hat
> :Basel II mit Gründungskrediten zu tun? c) Was spricht gegen
> :KfW-Darlehen?
>
> Meine Fragen:
> Hast du selbst schon ein Unternhemen gegründet?
Hast Du schon mal in meine Visitenkarte geschaut?
> a) Geht eine Gründung grundsätzlich ohne Kredit?
Wenn man als Gründer ein Atomkraftwerk bauen will, wird es knapp. Aus eigenem Interesse sollte man jedenfalls zusehen, daß man über das notwendige Geld verfügt, bevor man sich einer Gründung hingibt. Die meisten vergessen nämlich, daß sie in der Zeit, bis das Projekt Gewinne bzw. Liquiditätsüberschüsse abwirft, auch essen, trinken und wohnen müssen. Dem Unternehmen wird dann gerne mal dieses notwendige Geld entzogen, was das Unternehmen noch gar nicht erwirtschaftet, so daß das Gründerdarlehen am Ende nichts anderes ist, als eine Lebensmittelvorfinanzierung.
> b) Bleibt Ranking, Bonität, Eigenkapitalanteil, Sicherheiten,
> Rentabilitätsvorschau & Co. bei der Gewährung eines Kredites
> unberücksichtigt?
Nein, aber dennoch bleibt die Frage offen, was Basel II mit Gründungsdarlehen zu tun hat.
> c) Welche Bedingungen sprechen dagegen? Wie einfach ist es eines
> zu bekommen? Kennst du die Voraussetzungen?
Sicherlich nicht alle, aber wird einem alles online hinterhergeworfen:
http://www.kfw-mittelstandsbank.de/mportal/Finanzier…
> Hier ist einiges Material dazu, das meine Aussage teilweise
> untermauert.
>
> http://www.kfw.de/DE/Service/OnlineBibl48/Publikatio…
> Seite 24/ 25 Finanzierung -> zögerliche Kreditvergabe und
> besonders S. 26 Abs. 2 Bezug auf Basel II !
Richtig scharf finde ich, daß da „Gründungsexperten“ der Banken zitiert werden. Ich würde gerne mal einen kennenlernen, denn bisher habe ich noch keinen getroffen. Das Problem mit Gründern ist, daß sie noch keine Zahlen der Vergangenheit vorlegen können und wenn Banken bei etwas Erfahrung haben, dann damit, daß geplante Zahlen nur in den allerseltensten Fällen zu Realität werden. Das Gerücht, daß die Kreditvergabe aufgrund von Basel II rückläufig ist, haben Menschen in die Welt gesetzt, die keine Ahnung davon haben, worum es dabei überhaupt geht. Wwwler sind da im Vorteil, denn dazu gibt es FAQ:101
Basel II hat also keine Auswirkung auf die Kreditvergabe als solche, sondern am Ende der Kausalkette lediglich auf die Zinssätze, zu denen Kredite vergeben werden. Dahinter steht der m.E. nachvollziehbare Gedanke, daß Kredite ihrem Risiko entsprechend bezahlt werden müssen.
Zur angeblich zögerlichen Kredivergabe der Banken: Die Kredit nachfrage ist seit einiger Zeit rückläufig
http://www.deutsche-leasing.de/~vwd_meldung_04_02_20…
Natürlich sind die Banken bei der Kreditvergabe zwischenzeitlich etwas vorsichtiger geworden, was einerseits mit den Nachwehen der New Economy-Blase zu tun hat und anderseits mit den erheblichen Kreditausfällen der letzten 3-4 Jahre. Diese Effekte haben das Eigenkapital vieler Banken erheblich angeknabbert, so daß für die Kreditvergabe schlichtweg kein Spielraum mehr bestand. Von dem vielbeschworenen credit crunch ist niemals etwas zu spüren gewesen.
> http://www.lasa-brandenburg.de/brandakt/specials/spe…
> Bei dem konkreten Zugang zur Finanzierung wurde Deutschland
> dagegen kritisiert, weil sich hier die negative Tendenz
> verfestigt hat, dass Banken und Kreditinstitute immer weniger
> Kapital für Unternehmensgründungen zur Verfügung stellen, so die
> GEM-Studie. Durch dieses restriktive Verhalten der Banken gerät
> auch allzu oft die Weitergabe öffentlicher Fördergelder an
> GründerInnen ins Stocken, da die Haubank immer involviert sein
> muss.
Das Problem ist ja nun schon seit Jahrzehnten bekannt. Anstatt, daß KfW & Konsorten mal dafür sorgen, daß die Hausbanken (die praktisch die gesamte Arbeit machen) mal ein bißchen an so einem Darlehen verdienen oder die Bearbeitung und Abwicklung selber übernehmen, nörgeln sie undifferenziert herum. So ein Antrag für einen Förderkredit hat mitunter den Umfang einer Diplomarbeit und ist nicht zwangsläufig leichter und schneller zu schreiben.
> :Kinder aus einfachen
> :Verhältnissen sind nicht per se dümmer als ihre Altergenossen
> :aus Akademikerfamilien,
>
> Das stimmt zum Glück, allerdings frage ich mich, warum das
> Schlagwort Chancengleichheit so stark thematisiert wird und
> Studien durchgeführt werden, wenn in D die Chancengleichheit
> wirklich absolut gewährleistet ist.
> Es geht mir primär nicht um die verschiedenen Usachen, sondern
> um meine „Behauptung“, dass Herkunft (Eltern, Region) und Geld
> (Nachhilfe) die Chancengleichheit eben z. T. beeinträchtigen
> (können).
Das ganze hat mit Herkunft und Geld im eigentlichen Sinne nichts zu tun, sondern mit dem in der Familie und der Gesellschaft vermittelten Wertesystem. Wer viel arbeitet und Gut verdient, wird dafür nicht bewundert, sondern beneidet oder belächelt. Schon zu meiner Zeit war jemand mit guten Noten für die meisten nicht Vorbild sondern Streber. Ich kann mir kaum vorstellen – und das, was ich von meinen ehemaligen Lehrern höre, bestätigt mich in der Auffassung – daß sich das bis heute wesentlich zum Positiven geändert haben sollte.
Du kannst Dich ja auch bspw. mal umschauen, wie in diesem Forum geschrieben wird. Wenn mal wieder jemand nicht an sich halten kann, und gewisse Rechtschreibschwächen thematisiert, gibt es als Antwort nie „ohje, ich werde daran arbeiten“ sondern „ich bin aus der Schule raus, da muß ich das nicht mehr können“ oder „ist mir egal, solange jeder versteht, was ich meine“. Nachdem was ich alles schon an Bewerbungen gesehen habe, bezweifle ich, daß die Menschen nur in Internetforen schreiben, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.
> Alarmierende Zahlen, die auf einen unmittelbaren Zusammenhang
> zwischen Bildung und sozialer Herkunft verweisen.
Wie erwähnt: Eine Frage des von den Eltern vernmittelten Wertesystems. Wenn Faulheit und Schmarotzertum vorgelebt werden, wo soll das Kind Leistungsbereitschaft, Eigenverantwortung und –initiative lernen?
> :nur wachsen sie mit einer anderen
> :Lebenseinstellung auf, die dazu führt, daß die Kinder mit den
> :guten Noten nicht um Nachhilfe ange- sondern auf dem Schulhof
> :verhauen werden.
>
> Das ist mir zu pauschal und undifferenziert von dir dargestellt.
> Es passt für mein Empfinden zu deiner anscheinend negativ
> behafteten Einstellung (Voruteile?!) gegenüber Menschen aus
> bestimmten sozialen Schichten. Diesbezüglich lese ich bei dir
> häufig eine eher undifferenzierte pauschale Meinung heraus.
Und wieder ruckzuck auf die persönliche Ebene. Naja, mußte früher oder später so kommen. Zur Information: Ich bin nicht in einer Bank auf die Welt gekommen und wohne hier auch nicht. Ein bißchen weiß ich schon, wie es in der Welt zugeht. Wie oben angemerkt, habe ich durchaus noch Kontakt zu ehemaligen Lehrern, die noch nicht einmal an einer Hauptschule in sozialen Brennpunkten unterrichten, sondern an einem Gymnasium, das in einem relativ gescheiten Vorort steht und lange Jahre als eine der besten staatlichen Schulen in NRW galt. Wenn Du allerdings sagst, daß es an einer Hauptschule in einem sozialen Brennpunkt zivilisierter zugeht, als an der von mir beschriebenen Schule, muß ich meine Meinung radikal verändern.
Gruß,
Christian


