Schönes gedicht oder vers zur Trauerfeier

Hallo,

ein ganz liebes Familienmitglied ist bei uns durch einen Unfall gestorben. Ich möchte zum Trost aller morgen ein Gedicht oder einen Vers vorlesen. Weiß jemand etwas schönes, was nicht zu traurig ist, und voller Hoffnung?

Schon mal herzlichen Dank an alle

Liebes Ufo,
Du tust recht daran, hier im Kreis der hehren Philosophen nach einem Gedicht für eine Trauerfeier zu suchen. Auch ich könnte kein besseres Brett empfehlen. Nichtsdestotrotz kann ich Dir keines bieten. Wahrscheinlich, weil ich nur zu einem Viertel ein richtiger Philosoph bin. Aber der Fritz - oder der Eckard - oder der Thomas - oder gar der Comandante - ganz zu schweigen von Fremdwort-Frank - dürften Dir da sicherlich etwas zu Bieten haben.
Es grüßet Dich aus vornehmer Ferne:
Branden

was nicht zu traurig ist, und voller Hoffnung?

Schon mal herzlichen Dank an alle

Komm in den totgesagten park und schau:
Der schimmer ferner lächelnder gestade,
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.
Dort nimm das tiefe gelb, das weiche grau
Von birken und von buchs, der wind ist lau,
Die späten rosen welkten noch nicht ganz,
Erlese küsse sie und flicht den kranz,

Vergiss auch diese letzten astern nicht,
Den purpur um die ranken wilder reben
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.

gruß

offtopic?
Lieber Brandmeister,

es ist richtig, dass du die User unterstützt, die richtigen Bretter zu wählen. Traurig, dass du kein Besseres kennst. Aber da weiß ich leider auch nicht weiter. Wahrscheinlich, weil ich kein Psychiater bin. Aber - und ich nenne jetzt absichtlich keine Namen - deine Kollegen werden dir sicher helfen können, ein vollwertiges Mitglied zu sein/bleiben/werden.

Und zur „vornehmen Ferne“ ein Zitat, das du sicher kennst:
„Ich notierte mir gestern … eine Menge Züge, an denen ich die ‚Vornehmheit‘ und den ‚Adel‘ bei Menschen herauswittere - und was, umgekehrt, alles zum ‚Pöbel‘ in uns gehört. (In allen meinen Krankheits-Zuständen fühle ich, mit Schrecken, eine Art Heraziehung zu pöbelhaften Schwächen, pöbelhaften Milden, sogar pöbelhaften Tugenden - verstehen Sie das? O Sie Gesunder!) Vornehm ist z. B. der festgehaltene frivole Anschein, mit dem eine stoische Härte und Selbstbezwingung maskiert wird.“
(Nietzsche aus Sils-Maria an Peter Gast, dreieinhalb Jahre vor seiner bekannten Turiner Postkarte an denselben mit dem Text: „Meinem maestro Pietro. Singe mir ein neues Lied: die Welt ist verklärt und alle Himmel freuen sich. Der Gekreuzigte“)

„Es grüßt … auf das herzlichste das Untier

Thomas Miller

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Hallo Thomas
Witzigerweise habe ich auch gerade -vor einer knappen Stunde- mal wieder Nietzsches Zarathustra am Wickel gehabt und war erstaunt, wie er vor Freud und vor Einstein so Sachen bringen konnte wie
„das Gerade ist immer eine Lüge. Die Wahrheit ist krumm. Die Zeit ist sogar ein Kreis“ (so etwa, jetzt halt aus dem Gedächtnis zitiert, N. lässt das den Zwerg zu Zarathustra sagen)
Gruß,
Branden

Hallo Branden,

„das Gerade ist immer eine Lüge. Die Wahrheit ist krumm. Die
Zeit ist sogar ein Kreis“ (so etwa, jetzt halt aus dem
Gedächtnis zitiert, N. lässt das den Zwerg zu Zarathustra sagen)

etwa zeitgleich heißt es im Nachlass: „Gedächtnis ist nur möglich mit dem beständigen Unterstreichen des schon Gewohnten, Erlebten“ - und das ist auch bei Zwergen der Fall, nur Zarathustra glaubt sich darüber erhaben und meint, diese wirklich wichtige Antizipation Freuds bei sich selbst vernachlässigen zu können. Ich weiß schon, dass der Zarathustra ein schwerverständliches Buch ist - es sieht nur leicht aus. Natürlich kann man ihn - Nietzsche, aber insbesondere den Zarathustra - wörtlich lesen. Allerdings muss man dann mit den Folgen leben. So ist das halt.

(im einsteinschen Sinn) zeitlose und esoterische Grüße

Thomas Miller

Hallo,

ich hab das in der Todesanzeige für meine Mutter gesetzt:

**An Zimmern

Die Linien des Lebens sind verschieden,
Wie Wege sind, und wie der Berge Grenzen.
Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen
Mit Harmonien und ewigem Lohn und Frieden.**

Hölderlin

Und als Musikstück für die Beerdigung hatte ich das Lied „Der Abschied“ aus Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ ausgesucht, gesungen von Christa Ludwig unter Klemperer.

Das hat leider aus technischen Gründe nicht geklappt.

Fritz

Hallo Thomas

nur Zarathustra glaubt sich darüber erhaben und meint, diese
wirklich wichtige Antizipation Freuds bei sich selbst
vernachlässigen zu können. Ich weiß schon, dass der
Zarathustra ein schwerverständliches Buch ist - es sieht nur
leicht aus.

Verstehe ich dich dahingehend recht, dass Du (wie einige Nietzsche-Interpreten) meinst, dass Nietzsche einiges gesagt hat, was er selber nicht restlos verstanden hat bzw. was ihm nicht ganz bewusst geworden ist, was aber trotzdem richtig bzw. sogar avangardistisch ist?
Gruß,
Branden

Hallo Branden,

Verstehe ich dich dahingehend recht, dass Du (wie einige
Nietzsche-Interpreten) meinst, dass Nietzsche einiges gesagt
hat, was er selber nicht restlos verstanden hat bzw. was ihm
nicht ganz bewusst geworden ist, was aber trotzdem richtig
bzw. sogar avangardistisch ist?

nein, das wollte ich nicht sagen. Zwar gibt es auch Stellen, wo ich diesen Gedanken hege, aber das meinte ich mit meiner Antwort an dich nicht.

Ich wollte vielmehr sagen, dass Nietzsche seine Inhalte manchmal (und gerade im Zarathustra) so verklausuliert, dass man nicht nur einmal, sondern mehrfach um die Ecke denken muss, wenn man wissen will, was Nietzsche gemeint hat. Man braucht nur an die vielen missverständlichen Interpretationen der Stelle mit der Peitsche und den Weibern zu denken, aber das ist beileibe nicht die einzige Stelle, wo Nietzsche so vorgeht. Vielmehr ist diese Art zu schreiben im Zarathustra wenigstens die Regel.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Ich wollte vielmehr sagen, dass Nietzsche seine Inhalte
manchmal (und gerade im Zarathustra) so verklausuliert, dass
man nicht nur einmal, sondern mehrfach um die Ecke denken
muss, wenn man wissen will, was Nietzsche gemeint hat. Man
braucht nur an die vielen missverständlichen Interpretationen
der Stelle mit der Peitsche und den Weibern zu denken, aber
das ist beileibe nicht die einzige Stelle, wo Nietzsche so
vorgeht. Vielmehr ist diese Art zu schreiben im Zarathustra
wenigstens die Regel.

Ja, ich habe mich auch schon öfters korrigierend an dem Beispiel betätigt, wo N. das alte Weib sagen lässt „Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht.“
Hattest Du denn den Eindruck, dass nur einige Wenige den Zarathustra recht verstehen?
Es klang ein wenig so…:wink:
Gruß,
Branden

Hallo Branden,

Hattest Du denn den Eindruck, dass nur einige Wenige den
Zarathustra recht verstehen?
Es klang ein wenig so…:wink:

ich kenne kaum jemanden, der von sich ernsthaft behaupten könnte, den Zarathustra ganz verstanden zu haben, ohne überheblich oder (einschließendes oder!) esoterisch zu wirken oder (ausschließendes oder) gar zu sein - und selbstverständlich schließe ich mich da selbst ein. Der Zarathustra eignet sich gut als Arbeitstext, aber nicht als Manifest. Verwendet man ihn aber so wie eine heilige Schrift, hat man schon verloren.

Nietzsche selbst wusste schon recht genau, was er schreiben wollte und schrieb. Aber er formulierte es im Zarathustra nicht immer so, dass man es sofort erkennt. Und nun wollen wir Nietzsche wieder beiseite legen, denn er hat ja mit der Ausgangsfrage nichts zu tun.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

ich kenne kaum jemanden, der von sich ernsthaft behaupten
könnte, den Zarathustra ganz verstanden zu haben, ohne
überheblich oder (einschließendes oder!) esoterisch zu wirken
oder (ausschließendes oder) gar zu sein - und
selbstverständlich schließe ich mich da selbst ein.

Naja, das klang aber schon so ein bißchen nach „Ich, der Thomas Miller, habe ihn allerdings verstanden“ :wink:

Der
Zarathustra eignet sich gut als Arbeitstext, aber nicht als
Manifest. Verwendet man ihn aber so wie eine heilige Schrift,
hat man schon verloren.

Nietzsche selbst wusste schon recht genau, was er schreiben
wollte und schrieb.

Mit Verlaub - woher willst Du das denn wissen?

Aber er formulierte es im Zarathustra
nicht immer so, dass man es sofort erkennt. Und nun wollen wir
Nietzsche wieder beiseite legen, denn er hat ja mit der
Ausgangsfrage nichts zu tun.

Gern. Aber Du hast mich schon an gewisse alte Lehrer meiner Gymnasialzeit erinnert mit Deiner Argumentation und Erklärungsweise. :wink:
Nichts für ungut und Gruß,
Branden

Hallo Branden,

Naja, das klang aber schon so ein bißchen nach „Ich, der
Thomas Miller, habe ihn allerdings verstanden“ :wink:

dass das so klingt, ist ja nicht unbedingt mein Problem.

Nietzsche selbst wusste schon recht genau, was er schreiben
wollte und schrieb.

Mit Verlaub - woher willst Du das denn wissen?

Das geht aus seiner Textarbeit hervor, aus der Sorgfalt des Formulierens.

Aber Du hast mich schon an gewisse alte Lehrer meiner
Gymnasialzeit erinnert mit Deiner Argumentation und
Erklärungsweise. :wink:

Auch das ist nicht mein Problem. Nur weil er weiß, warum eine Interpretation falsch ist, muss er noch lange nicht wissen, wie eine richtige aussehen müsste. Aber das Problem erkannt zu haben, ist immer der erste Schritt - naja, das weißt du ja selbst.

Nichts für ungut und Gruß,
Branden

Herzliche Grüße zurück

Thomas Miller

Hallo Ufonet,

ich finde das hier sehr schön

Hermann Hesse

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde

Hallo Thomas

Nur weil er weiß, warum eine
Interpretation falsch ist, muss er noch lange nicht wissen,
wie eine richtige aussehen müsste.

Wen meinst Du mit „er“ ? Nietzsche? Ich verstehe Dich hier nicht.
Gruß,
Branden

Hallo Branden,

Nur weil er weiß, warum eine
Interpretation falsch ist, muss er noch lange nicht wissen,
wie eine richtige aussehen müsste.

Wen meinst Du mit „er“ ? Nietzsche? Ich verstehe Dich hier nicht.

ich meinte ganz allgemein „man“, „einer“, „jemand“. Sorry für die Unklarheit.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

ich meinte ganz allgemein „man“, „einer“, „jemand“. Sorry für
die Unklarheit.

Okay, soviel ist klar. Ich verstehe aber immer noch nicht „die Botschaft“.
Gruß,
Branden

viel zu lang, aber hoffentlich klärend
Hallo,

Okay, soviel ist klar. Ich verstehe aber immer noch nicht „die
Botschaft“.

die besteht darin, dass man durchaus wissen kann, was falsch ist, ohne dass man gleichzeitig wissen muss, was richtig ist. Und es ist besser, das Falsche anzugeben und zuzugeben, dass man die richtige Interpretation nicht unbedingt kennt, als eine möglicherweise falsche Interpretation (für deren Falschheit man gute Gründe anführen kann) zu vertreten.

Falsch ist es, Nietzsche als Manifest zu verstehen, dem man einfach so folgen kann, ohne sich der Schwierigkeiten, die gerade im Zarathustra Legion sind, bewusst zu sein. Ich habe dich so verstanden, dass du die Figur Zarathustra wie eine Art zweiten Konfuzius verstehen möchtest, der im Prinzip immer Recht hat, weil er den Rationalisten eins überzieht. Diese Interpretation greift für eine Nietzscheinterpretation einfach zu kurz, nimmt den Zarathustra sehr naiv und vergisst, dass Nietzsche - auch gerade im Zarathustra - ein Ironiker war, der durchaus auch einmal die Wertungen mischte, um den Leser wachzuhalten. Außerdem ist Nietzsche ja gerade dadurch interessant, dass er eben nicht wie die heutige Esoterik die Rationalität einfach weglässt, transzendiert und trotzdem bekämpft, sondern eben dadurch dass er mit der Rationalität gegen sie kämpft. Das macht seine eigentliche Schärfe aus, aber das wird eben leider oft ausgespart, weil man sich nicht die Mühe macht, Nietzsche im Zusammenhang zu lesen, sondern ihn punktuell liest.

Dadurch hat man zwar immer noch nicht die Gewissheit, dass man weiß, was er meinte, aber man kann ziemlich deutlich zeigen, was er eben nicht gemeint hat - aber genau dies wird eben leider immer wieder schnell und gerne vertreten, weil Nietzsche es dem Leser ja (vermeintlich!) so leicht macht. Und weil er das so macht, gehört er nur oberflächlich betrachtet zu den leichten Philosophen, im Grunde genommen aber gehört er zu den am schwersten zu lesenden, weil er nämlich des öfteren (und wiederum gerade im Zarathustra) die Perspektive ändert, unter der er den Text verstanden wissen möchte.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo Thomas

Ich habe
dich so verstanden, dass du die Figur Zarathustra wie eine Art
zweiten Konfuzius verstehen möchtest, der im Prinzip immer
Recht hat, weil er den Rationalisten eins überzieht.

Mir ist schleierhaft, wie auf sowas kommst.

Diese
Interpretation greift für eine Nietzscheinterpretation einfach
zu kurz, nimmt den Zarathustra sehr naiv und vergisst, dass
Nietzsche - auch gerade im Zarathustra - ein Ironiker war, der
durchaus auch einmal die Wertungen mischte, um den Leser
wachzuhalten. Außerdem ist Nietzsche ja gerade dadurch
interessant, dass er eben nicht wie die heutige Esoterik die
Rationalität einfach weglässt, transzendiert und trotzdem
bekämpft, sondern eben dadurch dass er mit der
Rationalität gegen sie kämpft.

Das ist richtig. Da sind wir d’accord.

Das macht seine eigentliche
Schärfe aus, aber das wird eben leider oft ausgespart, weil
man sich nicht die Mühe macht, Nietzsche im Zusammenhang zu
lesen, sondern ihn punktuell liest.

Mag alles sein, ich weiß aber immer noch nicht, was Dich dazu bringt, so über mich zu denken, zu phantasieren bzw. das auf mich zu projizieren. Ick wunder mir, wie der Berliner zu sagen pflegt.

Dadurch hat man zwar immer noch nicht die Gewissheit, dass man
weiß, was er meinte, aber man kann ziemlich deutlich zeigen,
was er eben nicht gemeint hat - aber genau dies wird eben
leider immer wieder schnell und gerne vertreten, weil
Nietzsche es dem Leser ja (vermeintlich!) so leicht macht.

Findest Du?

Und
weil er das so macht, gehört er nur oberflächlich betrachtet
zu den leichten Philosophen, im Grunde genommen aber gehört er
zu den am schwersten zu lesenden, weil er nämlich des öfteren
(und wiederum gerade im Zarathustra) die Perspektive ändert,
unter der er den Text verstanden wissen möchte.

Das Springen mit den Perspektiven macht ihn ja unter anderem so interessant und eichhaltig. Ich sehe die Geschichte mit dem „leicht zu lesen“ noch etwas nders: Ich finde ihn für mich ANGENHEMER zu lesen als die meisten anderen Philosophen, das liegt aber nicht an einer vermeintlichen Leicht-Lesbarkeit, sondern an seinem Stil, an seiner Lebendigkeit, seinem Temperament.
Ähnlich geht es mir bei Freud. Ich lese ihn lieber als die meisten anderen psychologischen Autoren, aber nicht weil er „leichter“ wäre, sondern weil er brillianter schreibt.

Gruß,
Branden

Hallo Branden,

ich weiß aber immer noch nicht, was Dich dazu
bringt, so über mich zu denken, zu phantasieren bzw. das auf
mich zu projizieren.

die Zwergenzitate haben mit Freud sehr wenig (und wenn dann nur in einer der möglichen Perspektiven) und mit Einstein gar nichts zu tun.
Der Kontext dieser Stelle ist alles andere als klar, mindestens jedoch interpretationsbedürftig.

Ähnlich geht es mir bei Freud.

Du denkst ziemlich häufig in Analogien (wie Freud auch), ist mein Eindruck. Das ist erlaubt, wenn man sich dessen bewusst ist, dass es bloße Analogien sind. In deinen Postings formulierst du aber so, als wären es Begründungszusammenhänge. Ich vermute, dass darin auch deine Vorliebe für Adorno wurzelt. Nun sind aber Analogien die normalen Denkwege, denen die Philosophie gerade entgegenwirken möchte. Daher sollte man Nietzsche (wie auch Adorno, von den Vorlesungen einmal abgesehen) nicht als Philosophieanfänger lesen oder ihn gar Philosophieanfängern empfehlen, nämlich weil sie gerade dadurch in ihrer natürlichen unkritischen Denkweise bestätigt und von der Philosophie weggedrängt werden. Bevor man begreifen kann, dass und wie „alles Gerade lügt“ und „alle Wahrheit … krumm“ ist, muss man wissen, was mit den Begriffen historisch vor Nietzsche verbunden ist. Zu stellende Fragen an den Nietzschetext etwa wären:

  • Warum sind die Bezüge vertauscht?
  • Warum nennt er nur die Zeit, nicht aber den Raum?
  • Warum sagt das ein Zwerg?
  • Warum „murmelt“ er das?
  • Warum murmelt er das „verächtlich“?
  • Warum sagt er das gerade an dieser Stelle?
  • Warum reagiert der Antwortende so?
  • Ist mit „ich“ zwingend Zarathustra gemeint?
  • Welchen Bezug hat dieser ganze zweite Teil zum ersten Teil des Abschnittes „Vom Gesicht und Rätsel“?
    etc. etc.

Und hier handelt es sich nur um zwei Zeilen eines Textes, der über drei Seiten sich erstreckt. Solche Fragen machen Nietzschetexte und insbesondere den Zarathustra schwierig - und interessant. Bloße Analogien sind schöngeistig, haben aber mit Nietzsche als Philosophen nichts zu tun.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

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