Hallo,
mein Kleiner ist nun gut 3 Monate alt, und die Angst vor dem
plötzlichen Kindstod lauert überall.
Warum? Gehört das Kind zu einer besonderen Risikogruppe?
Man hat das bett
ausgeräumt, keine Decke mehr auf dem Kind,
Zimmertemperaturmöglichst bei 18°C…
OK, was man problemlos tun kann, sollte man tun.
Aber das Kind will
absolut nicht auf dem Rücken schlafen.
Dann geht es eben nicht, und kein Kind wird nur aufgrund der anderen Schlafposition im nächsten Moment das Atemen einstellen.
Ich verstehe ja durchaus deine Angst. Der plötzliche Kindstod ist ein sehr in der Öffentlichkeit und den Medien präsentes Thema, und ich kenne natürlich auch die Plakate beim Kinderarzt, … Unser Kleiner ist jetzt auch gerade zwei Monate alt und da haben wir uns natürlich auch so unsere Gedanken gemacht. Insbesondere weil die Hebamme (so eine von der alten, zupackenden und mütterlichen Art) gleich meinte, dass diese Ratschläge ja alle schön und gut wären, viele Kinder damit aber nicht klar kommen und dann die ganze Familie im Dauerstress lebt.
Auch unser Kleiner wollte ums Verrecken in den erste Wochen über Nacht nicht in seiner eigenen Wiege einschlafen, bzw. man konnte ihn nur im Tiefschlaf dort hinein legen. Gerade Nachts ist das ein zeitlicher Aufwand den man nicht leisten kann, wenn man am nächsten Morgen arbeiten muss. Also blieb er in unserem Bett, wo er sich sichtlich wohl fühlte. Natürlich hatte ich auch so meine Bedenken und bin in den ersten Nächten auch nicht richtig zum Schlafen gekommen, aber das hat sich glücklicherweise schnell gelegt. Inzwischen schläft der Kleine übrigens üblicherweise durch und zwar in seiner Wiege.
Geholfen hat mir zu meiner eigenen Beruhigung mal wieder das Thema der kleinen Risiken zu durchdenken. Wir sind alle immer wieder versucht, viel Aufwand in die Reduzierung von kleinen Risiken zu stecken, die wir dadurch zwar problemlos noch weiter reduzieren können, in der Gesamtsicht aller Risiken aber nichts erreichen. Typisches Beispiel sind die Panikreaktionen, wenn es irgendwo ein Verbrechen an einem Kind gegeben hat, und Eltern jetzt ihre Kinder nicht mehr alleine auf die Straße lassen wollen. Das sind Risiken, die sich im Bereich von deutlich unter 1% bewegen, in deren Minimierung dann plötzlich aber alle Energie gesteckt wird. Hier schafft man sich eine Pseudosicherheit und eine Pseudozufriedenheit.
Glücklicherweise liegt die Sterblichkeit bei Kindern bis fünf Jahre (über alle Risiken) in Deutschland schon bei nur 0,5% (lt. Unicef). D.h. nur von 200 Kindern kommt überhaupt bis zum Alter von fünf Jahren nur eines zu Tode. Wenn wir uns da andere Wahrscheinlichkeiten ansehen, mit denen wir leben müssen, ist dies schon mal eine wirklich sehr beruhigende Zahl. D.h. auch wenn der plötzliche Kindstod die häufigste Todesursache bei Säuglingen ist, ist die Wahrscheinlichkeit immer noch extrem gering, weil in die 0,5% Sterblichkeitsrate natürlich auch noch alle anderen Todesursachen mit eingerechnet werden müssen. Und wenn man sich ansieht, wieviele hiervon von Eltern vollkommen unbeeinflussbar sind, wie diverse Krankheiten und Unfälle, dann sieht man, wie wenig man mit den verschiedensten Maßnahmen gegen genau diese eine Möglichkeit an zusätzlicher Sicherheit gewinnen kann. Lass es 0,1% oder 0,2% sein. Glaubst Du wirklich, damit „so richtig“ etwas erreicht zu haben?
Wie schon geschrieben: Dass heißt jetzt nicht, dass man nicht die problemlos durchführbaren Maßnahmen durchführen sollte, aber man sollte eben auch die Kirche im Dorf lassen. Niemand käme auf die Idee innerorts nur noch 30km/h zuzulassen, Alkohol komplett zu verbieten und alle Autos mit umfassenden Systemen zur Unfallvermeidung auszustatten, die technisch zwar heute schon möglich wären, aber den Preis eines Neuwagens locker verdoppeln würden, obwohl man damit die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr in ganz anderen Größenordnungen reduzieren könnte. Aber auch da bewegen wir uns einfach im Bereich eines glücklicherweise zu geringen Risikos, als dass sich so etwas wirklich lohnen und rechnen würde.
Also versuche die Sache etwas mehr vom Verstand her zu sehen und mach dich nicht mit Dingen verrückt, die sich glücklicherweise nur ausgesprochen selten realisieren.
Gruß vom Wiz