Hallo Jenny,
eine der ersten Fragen, die Du stellen solltest ist, welchen Zeichumfang Du für die Arbeit benötigst. Werden Sonderzeichen benötigt? Welche? Sind diese Sonderzeichen im Font enthalten, den Du zu verwenden gedenkst?
Sicher, man kann sich auf den Standpunkt stellen: wieso, ich habe doch »Sympbol«, da sind die Zeichen drin, die ich brauche. Typografisch gesehen ist das schlicht falsch. Viele Leute haben keine Skrupel, Texte in Arial (m.E. ist das an sich schon ein Verbrechen) zu setzen und griechische Buchstaben von »Symbol« einzufügen und bemerken nichtmal, daß sie dabei eine Mixtur von einer Serifenlosen mit einer Serifenschrift kreieren. Wer mal die vorgesehenen Zeichen direkt nebeneinander vergleicht, wird den Unterschied sehen. Und es fällt einem dann auch sofort in anderen Machwerken auf.
Typografisch ist es das Ziel, einen möglichst einheitlichen Grauwert einer Seite zu bekommen. Und das geht am besten, indem die Zeichen und Sonderzeichen verwandt werden, die speziell für diesen Font entworfen und angepaßt wurden. Auf »Symbol« sollte man daher nur in absoluten Notfällen zurückgreifen, denn nicht mal zu Times New Roman paßt sie 100%ig. Eine besondere Gemeinheit ist, daß Word nicht mal in der Version 2002 in der Lage ist, unter »Sonderzeichen« den erweiterten Zeichenbereich z.B. installierter OpenType Schriften auszulesen. Aber wenn Du mal unter Times New Roman oder Palatino schaust oder die Windows »Zeichentabelle« bemühst, wirst Du feststellen, daß gerade Times und Palatino sehr gut ausgebaut sind und viele Sonderzeichen enthalten. Wenn Du also technische Zeichen benötigst, sind Times NR und Palatino keine schlechte Wahl, weil sie einen großen Zeichenumfang abdecken. Die Times ist leider etwas angestaubt, obwohl sie recht gut lesbar ist und hat vorallem einen unheimlich häßlichen fetten Schnitt; außerdem bekommt ihr hochweißes Papier nicht sonderlich und das automatische Kerning ist problematisch. Bei der Palatino ist das automatische Kerning deutlich besser und der fette Schnitt fügt sich besser ein. Allerdings hat sie einen leich »historischen« Charakter, ist nicht so technisch.
Für sehr empfehlensewert halte ich ich die »Minion«, welche in der OpenType-Version von Adobe sehr reich ausgebaut ist. Allerdings muß man sie kaufen und sie ist, wie eben alle guten Fonts, sehr teuer. Das automatische Kerning ist nicht perfekt aber ausreichend und es gibt halbfette Schnitte, welche sich sehr gut zum Absetzen der Überschriften eignen.
In »Schriften erkennen« (Sauthoff, Wendt und Willberg, Verlag H. Schmidt, Mainz; gerade für Dein Problem ein empfehlenswertes Buch, welches noch erschwinglich ist, auch wenn es nicht **alle** Schriftarten auflistet! (o:>:wink: wird zudem auf die ITC Galliard hingewiesen, welche ebenfalls reich mit allen möglichen Sonderzeichen ausgebaut ist. Leider ist dies bei meiner alten Linotype-Version nicht der Fall.
Also, wenn Du in Schriften investieren möchtest, würde ich die Minion empfehlen, mit welcher ich selber gute Erfahrung gemacht habe. Wenn Du vorhandene Schriften nutzen möchtest/mußt, würde ich persönlich eher zur Palatino neigen, weil sie einfacher zu handhaben ist. Hast Du ansonsten mal überlegt, die Times mit einer Serifenlosen in den Überschriften zu mischen, um den häßlichen fetten Schnitt loszuwerden?
In der Hoffnung, Dich nicht vollständig verwirrt zu haben!
Liebe Grüße,
Christian