Hallo Rolf,
Das bringt mich dazu, einen schon oft erwogenen Gedanken
wiederum der geneigten Öffentlichkeit vorzustellen: Ich halte
es für ein Unding, die weibliche Form der Substantive von der
männlichen abzuleiten derart,
Ja weißt denn du nicht, dass das Weib vom Mann abgeleitet, nämlich aus seiner Rippe geschnitten ist?
dass nur ein „-in“ angehängt
wird: der Sänger - die Sängerin, der Lehrer - die Lehrerin
etc.
In dieser Form der Substantivbildung definieren sich die
Frauen stets und ständig über die Männer: der Mann besetzt
sprachlich das Feld und läßt der Frau nur die Möglichkeit,
durch ein Anhängsel - Fritz würde es wohl ein Suffix nennen -,
das „in“ nämlich, ebenfalls definiert zu sein.
Dies kann einer politisch bewußten, auf ihre Eigenart und
Selbständigkeit bedachten Frau nicht genügen!
Deswegen müssen die weiblichen Formen der Substantive gebildet
werden durch das Anhängen des „in“ direkt an den Wortstamm,
also: der Lehrer - die Lehrin, der Schüler - die Schülin etc.
Da sei aber man froh, dass du Rolf heißt, und nicht Oranier, sonst würde dir Fritz zu solchen kruden Vorschlägen was anderes erzählen!
Schwierigkeiten erwarte ich nur bei einigen musikalischen
Berufen: der Cellist - die Cell?, der Bassist - die Bass?, der
Tenor - die Ten?
Das Problem ließe sich doch vielleicht dadurch lösen, dass man die Frauen wieder aus den Orchestern entfernt. Die Amateusen wären dann eben z.B. Cellospielerinnen.
Beim Geiger, Oboer, Bratscher ist die Sache aber wieder klar.
Na ja, ein Bratscher ist im Rheinland jemand, der zu viel flennt. Vielleicht doch auch hier besser: Bratschist.
Ich finde, wir Männer sollten genügend Selbstbewußtsein haben,
den Frauen auch sprachlich ihre Selbständigkeit zurückzugeben.
Also, Spaß beiseite! Im Deutschen haben sich eben wirklich, und zwar von Beginn an, die männlich dominierten Formen herausgebildet, mit Zurückgeben ist da nichts zu wollen, allenfalls mit der Entwicklung neuer Formen, und die lassen sich zwar am Reißbrett - sorry: am „deutsche Sprache“-Brett - konstruieren, jedoch kaum voluntaristisch bei den Sprachteilnehmern durchsetzen.
Es ist schon ein Phänomen, dass sich das monströse große I, wenn auch nur partiell, so etablieren konnte. Aber den anderen, bereits schwächelnden, von feministischen Linguinnen vorgeschlagenen Formen konnte Fritz Ruppricht jedenfalls den finalen Todesstoß versetzen.
Grüße
Oranier