Hallo Martina,
meiner Ansicht nach ist es zu kurz gegriffen, die Motivation eines Schülers auf das Elternhaus und das Geld zurückzuführen. Freilich erscheint Kostenloses häufig auch als wertlos, eben weil es nichts kostet: aber es kostet ja durchaus was, nämlich den Steuerzahler.
Lassen wir also die Privatschulen mal außer Acht und beleuchten nur die staatlichen Schulen im Vergleich, da gibt es ja schon länderspezifische Unterschiede: So wird z.B. in Bayern im allgemeinen besser gelernt als in Niedersachsen, aber auch innerhalb ein und derselben Schule treten Unterschiede krass zutage. Woran liegt das wohl? Ich will es Dir sagen: Es fehlt der Leistungsdruck und -wille auf Seiten der Lehrer, gerade der verbeamteten, und es fehlt die Qualitätskontrolle. Und dann die Ausbildung selbst: eine didaktische Katastrophe. Eine Bekannte von mir wurde als Junggesellin (also nie Mutter gewesen) mit 40 verbeamtet. Jezt ist sie 50, mit den Nerven fertig und spinnt (in meinen Augen), ist aber immer noch im Schuldienst, obwohl sie in die Klapse gehört. Wie kann man nur eine Frau mit so einer Vita zur Lehrerin machen? Das Kultusministerium vergleicht offenbar nur die Abschlussnoten, die mit Fleiß zu erzielen sind. Wie gut aber so eine Frau mit Kindern überhaupt umgehen kann, wird offenbar nicht geprüft.
Ich habe bewusst den Vergleich mit der Kneipe gebraucht. Es hängt mit dem Einstand eines Lehrers bei den Schülern am ersten Tag zusammen und wie er sich in der Folge Respekt verschafft. Freilich ist jeder Schüler anders gelagert, aber damit umzugehen sollte der künftiger Lehrer verdammt noch mal an der Hochschule gelernt haben. Falls das nicht zum Studium gehört, haben die Kultusminister nicht alle an der Brezel.
Als Student hatte mich der Leiter eines Schulaufgabenbetreuungsszirkels als einzigen Nichtlehrer nebenberuflich eingestellt und mir die schwierigste Gruppe gegeben, nämlich Grundschüler von der 5.- 8. Klasse. Bei der schaffte kein gelernter Pädagoge Disziplin rein. Er gab mir deshalb diese Gruppe, weil er in mir als Psychologiestudenten den „Fachmann“ vermutete. Nun ja, ein paar Tricks wie Löschreize hatte ich schon drauf, aber es lag nicht nur an den Kenntnissen aus der Entwicklungs- und Lernpsychologie, die mir weiterhalfen. Es war schlicht und ergreifend das Gemeinschaftsgefühl, das ich den SchülerInnen vermitteln konnte: das Wir-Gefühl.
Nun, auch diese Eltern hatten für die Nachmittags-Hausaufgabenüberwachung bezahlt, aber das war es nicht. Sie begriffen: wenn ich mitmache, habe ich einen Vorteil, wenn ich mich verweigere, bin ich am Ende der Arsch. Und es sind gerade die Grundschulabgänger, die kaum eine Chance haben, im Berufsleben Erfolg zu haben und in diesem Frust gerne den Unterricht torpedieren. Und genau da habe ich sie gepackt: Jetzt erst recht, war die Devise. Denen (da oben) werden wir’s zeigen, dass wir nicht doof sind usw.
Ich habe selbst Witze-Erzählen zugelassen, habe mitgelacht und schon mal gesagt: der war gut. Ich gehörte eben zur Gruppe und war nicht der Pauker. Und dennoch habe ich ab und zu auch mal gebrüllt und/oder gedroht. Aber die Handreichung folgte sehr bald und Alles war wieder im Lot: „Sorry Leute, ärgert mich halt nicht so, dann muss ich auch nicht brüllen. Machen wir also wieder normal weiter…“ Und ich verwendete Ihre Nicknamen, wie sie die anderen Schüler auch gebrauchten.
Hätte ich mich als klassischer Pauker geriert, hätte ich sicher auch die oben beschriebenen Probleme bekommen. OK, die Sache hat einen Haken: ich hatte keinen neuen Stoff zu vermitteln, sondern bereits gelernten aufzuarbeiten und die Aufgaben so zu überwachen, dass sie es am Ende nicht nur richtig machten, sondern auch begriffen. Dass da Vieles zuvor in der Schule nicht begriffen worden war, kannst Du Dir aber sicher vorstellen.
Gruß
Richard
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ich denke die Privatschulen haben das Problem nicht, weil die
Schüler dort einfach anders funktionieren. Sie haben meiner
Meinung nach eine andere Einstellung und gehen bewusst in die
Schule. Meine Kollegin war auch auf einer Privatschule und sie
hat einfach eine super Einstellung zum Lernen, d.h. sie wurde
ganz anders gefordert und gefördert. Meist zahlen die Eltern
auch ein Schulgeld und da geht man schon anders an die Sache
ran, nimmt es ernst und will sich auch im Kreise der anderen
Schüler nicht blamieren. „Gut sein“ ist hier keine Schande,
die Kid´s haben Ziele (oft auch weil z.B. der Papa ne Firma
hat, die Sohnemann übernehmen will).
Auf öffentlichen Schulen ist man jedoch der „Held“ wenn man
möglichst oft blau-macht und gute Schüler sind eh alle nur
„Streber“. Und nen Lehrer mögen ist oberpeinlich…
Daran liegen die Unterschiede meiner Meinung nach.
Gruß Martina