Schuleignungsuntersuchung

Hallo zusammen,

zur Zeit sind Schuleignungsuntersuchungen in unserem Bekanntenkreis (alles Kann-Kinder). Auf der einen Seite sollen die Kinder immer jünger eingeschult werden, auf der anderen Seite wird mit an den Haaren herbeigezogenen Begründungen die Schulfähigkeit dann doch verneint.

Best of:

  • „Ihr Kind ist zu ernst“ (hatte den „Test“ als "Test verstanden und konzentriert die Aufgaben gelöst)

  • „Sprachkompetenz ist grenzwertig“ (ohne ersichtlichen Grund, Kind hat alle Fragen grammatikalisch und inhaltlich einwandfrei beantwort)

  • „Mängel in der Feinmotorik und Koordination“ (Kind malt die tollsten Bilder, bastelt mit Schere und Klebstoff und kann schon Zahlen und Wörter ganz akkurat schreiben wie ein Zweitklässler und hat einen Tag später sein „Seepferdchen“ gemacht)

  • „Ihr Kind hat zwar alle motorischen und sozialen Fähigkeiten, aber ich habe den Eindruck, ich hätte ein Kindergartenkind vor mir“ (Das Kind hatte Spaß, freut sich auf die Schule, hatte alle Aufgaben erfüllt)"

  • „Besser bleibt Ihr Kind noch ein Jahr zu Hause. Meine jüngste Tochter habe ich auch als Kann-Kind eingeschult und die hat das schlechteste Abitur von allen meinen Kindern gemacht“

  • Auch ein Klopfer: Kind soll eine Sprungübung machen, wird von der Ärztin aber zu weit von der Absprunglinie entfernt aufgestellt, schafft es trotzdem noch, die Ärztin fordert das Kind nach 6 Sprüngen auf, aufzuhören (das Kind stand nicht etwa vor dem Kollaps) und notiert dann: „Hat die erforderlichen 8 Sprünge nicht gemacht“

Wir kennen jetzt ein Dutzend Eltern mit den gleichen Erfahrungen und den gleichen abenteuerlichen Begründungen, mit denen Einschulungen abgelehnt werden.

Wie sieht es bei Euch aus? Und was macht man da? Wie soll man solchen Experten vertrauen?

Greets
EK

Wer hat das tollste Kind
Moin,

Wir kennen jetzt ein Dutzend Eltern mit den gleichen
Erfahrungen und den gleichen abenteuerlichen Begründungen, mit
denen Einschulungen abgelehnt werden.

Wie sieht es bei Euch aus? Und was macht man da? Wie soll man
solchen Experten vertrauen?

Vermutlich sind auch alle Kinder mindestens hochbegabt?
Also ehrlich, ich glaube, da erzählen sich die Eltern gegenseitig einen vom Pferd. Es scheint ja bei einer gewissen Sorte Eltern derzeit unglaublich „in“ zu sein, das Kind möglichst früh einzuschulen (ist ja so ein tolles, begabtes, schulreifes Kind). Wenn es dann doch nicht klappt, will man den anderen Eltern gegenüber sicher nicht zugeben, dass das tolle Kind vielleicht doch nicht so toll schulreif ist. Es kann ja nicht am Kind liegen, es muss also am „Experten“ liegen.

Sicher mag es Einzelfälle geben, wo ein Kann-Kind schon schulreif ist. Wenn aber ein ganzer Schwung Eltern mit lauter Kann-Kindern sich gegenseitig erzählt, warum das Kann-Kind dann doch nicht genommen wurde, dann wäre ich was die Begründ angeht mindestens vorsichtig.

Gruß
Marion

Hallo,

deine Beispiele in Ehren, aber warst du dabei?

Ich arbeite an einer Schule, auch bei uns sind derzeit die Einschulungsuntersuchungen im Gange.
Unsere Schule hat einen hohen Anteil an Kannkindern.
Ich sehe sie fast täglich: die meisten davon gehören nicht in die Schule. Sie sind u.U. zwar intellektuell in der Lage, dem Unterricht zu folgen, aber es fehlen oft die sozialen Kompetenzen. Man tut diesen Kindern keinen Gefallen, den Lehrern übrigens auch nicht. Da bei uns, wie an englischen Schulen, jedem Lehrer ein „classroom assistant“ zur Seite steht, können diese Kinder aufgefangen werden, aber diese Helfer verbringen einen großen Teil des ersten Halbjahres damit, diese Kinder zu trösten, ihnen bei der Ordnung zu helfen, beim Anziehen, beim Essen – und es sind sehr auffallend eben fast immer (allerdings nicht ausschließlich) die Kannkinder, die diese Hilfe in überdurchschnittlichem Maße in Anspruch nehmen.
An unserer Schule wird - wie in immer mehr Grundschulen Hessens - Klasse 1 und 2 zusammen unterrichtet. Was ist das Ergebnis, dass wir viele Kannkinder haben? Immer mehr durchlaufen diese Klasse 1 und 2 in drei Jahren, statt in zwei (es gibt auch die Möglichkeit diese Klassen in einem Jahr zu durchlaufen, was vorkommt, aber selten).

Eltern traue ich in der Beurteilung ihrer Kinder selten. Ihr Blick ist nicht nur gefärbt, sie erleben das Kind auch in anderen Situationen als die Lehrer in der Schule. Oft ist die Absicht gar nicht bösartig: sie kennen ihr Kind zuhause, wo es alles kann, und erleben fremde Kinder nur so, wie andere ihr Kind erleben. Da stimmt einfach der Blickwinkel nicht. Es gibt aber auch Eltern, die einfach lügen. Bei uns werden nur Kinder angenommen, die Englisch sprechen. Wenn die dann bei uns sind und außer ein paar nachgeplapperten Brocken nichts sagen können und nichts verstehen, bekommen wir gesagt: sie sind schüchtern.

Nachdem ich all das gesagt habe: Schulärzte sind nicht unfehlbar, in unserem Landkreis ist eine, die einfach nicht mit Kindern arbeiten sollte. Aber das wissen Schulleiter auch und zumindest in Hessen sind diese Untersuchungsergebnisse nicht bindend.

Gruß
Elke

IO

Hallo,

wenn es sich so häuft, wäre ich auch vorsichtig. Gerade, wenn die Mütter sich kennen und das zum „Kaffeeklatsch-Thema“ wird. Da ist oftmals übertrieben, um sein Kind ins beste Licht zu rücken… Ich kenne euch nicht, daher kann ich mir auch kein Urteil erlauben, ist nur meine Meinung.

Meine Tochter war auch ein Kann-Kind, allerdings grenzwertig, sie hatte noch vor der Einschulung ihren 6. Geburtstag. Wir waren auch bei dieser Untersuchung und es gab keinerlei Probleme. Auch in der Schule nicht. Sie ist jetzt in der 2. Klasse und ist die zweitjüngste, allerdings auch die zweitgrößte.(und im besten Drittel leistungsmäßig *auch mal stolz bin*) Bei ihr noch zu warten, hätte nix gebracht, sie hat sich nämlich im Kiga wirklich gelangweilt. Das jüngste Kind der Klasse allerdings hätte ICH nicht eingeschult, das Mädel ist nicht nur über ein Jahr jünger als die anderen (soll heißen, sie wurde mit gerade mal 5 Jahren und 1 Monat eingeschult), sondern ist auch fast 1 1/2 Köpfe kleiner als der Durchschnitt. Und bei jedem Ausflug ist Mama dabei, damit nix passiert…

Vielleicht ist aus Sicht der Ärztin ja auch die Kannkind-Regel Unsinn und sie versucht, auf ihre Weise, der Tendenz Einhalt zu gebieten?

Wer weiß?

LG, Conny

Ich kann die Diskussion nicht ganz verstehen - mein Kind hat (aus meiner Sicht zum Glück) zwei Tage nach dem Stichtag Geburtstag.
Ich käme nicht im Entferntesten auf die Idee irgendjemanden zu fragen, ob ich sie ein Jahr früher einschulen lassen kann.
Sollte sich später herausstellen, dass Sie die Sache mit Links macht und den anderen weit voraus ist kann sie immer noch eine Klasse überspringen.

Ich habe den Eindruck, das frühe Einschulen bei Kann-Kindern hat primär damit zu tun, dass die geplagten Eltern dann rein rechnerisch ein Jahr früher die „Plage“ los sind.

Gruß D.

Hallo zusammen,

zur Zeit sind Schuleignungsuntersuchungen in unserem
Bekanntenkreis (alles Kann-Kinder). Auf der einen Seite sollen
die Kinder immer jünger eingeschult werden, auf der anderen
Seite wird mit an den Haaren herbeigezogenen Begründungen die
Schulfähigkeit dann doch verneint.

Tja, da scheint sich mir doch wieder einmal zu bewahrheiten, dass das Einschulungsalter einem erheblichen sozialen Druck unterliegt. Dank meiner weitverstreuten Verwandschaft habe ich inzwischen mitbekommen, dass es Gegenden gibt, bei denen es der Normalfall ist, Kann-Kinder einzuschulen, damit sie so schnell wie möglich so viel wie möglich lernen können. In anderen, und dazu gehört unsere, ist die Einschulung von Kann-Kindern eher die Ausnahme.

Die kürzliche Einschulungsuntersuchung unseres Großen war absolut korrekt und nicht zu beanstanden. Allerdings ist sein Schuleintrittsalter auch sechseinhalb, der Kindergarten nun mit der Zeit zunehmend langweilig (Nicht so schlimm, desto mehr wächst die Freude auf die Schule :smile: ).

Was sollt ihr machen? Entweder ihr nehmt es locker und sagt euch, dass es für die Rente 2070 nicht erheblich ist, ob man 45 oder 46 Berufsjahre hatte. Oder ihr macht Rabatz und verlangt, dass die Einschulungsuntersuchung wiederholt wird.

Hallo

wenn es sich so häuft, wäre ich auch vorsichtig. Gerade, wenn
die Mütter sich kennen und das zum „Kaffeeklatsch-Thema“ wird.

Allerdings haben die wahrscheinlich auch immer die gleiche Kinderärztin bei der Schuluntersuchung. Es könnte auch daran liegen.

Viele grüße
Simsy

Hallo

Sie sind u.U. zwar intellektuell in der Lage, dem
Unterricht zu folgen, aber es fehlen oft die sozialen
Kompetenzen.

Ich finde es aber ein bisschen schade, wenn ein Kind z. B. nicht dann intellektuell gefördert wird, wenn es vom Intelektuellen her angebracht ist, sondern dass immer ein ganzes Paket von Fähigkeiten vorhanden sein muss. Dieses Schema passt doch wahrscheinlich bei ziemlich vielen Kindern nicht. Eigentlich gibt es doch keinen vernünftigen Grund, dass ein Kind nicht rechnen lernen soll, nur weil es noch keine Schnürsenkel zubinden kann.

Meiner Meinung nach sollte es auch schon in den Kindergärten die Möglichkeit geben, rechnen schreiben usw. zu lernen. Die könnten dann ja die Klasse 1 und 2 einfach schneller durchlaufen.

An unserer Schule wird - wie in immer mehr Grundschulen
Hessens - Klasse 1 und 2 zusammen unterrichtet.

Eltern traue ich in der Beurteilung ihrer Kinder selten. Ihr
Blick ist nicht nur gefärbt, sie erleben das Kind auch in
anderen Situationen als die Lehrer in der Schule.

Ich glaube eigentlich nicht, dass Eltern ihre Kinder oft falsch einschätzen. Ich glaube, dass sie eher 1. die anderen Kinder und 2. die Schule falsch einschätzen.

Oft ist die Absicht gar nicht bösartig

In welchem Sinne könnte denn die Absicht hier „bösartig“ sein?

Viele Grüße
Simsy

Hallo

Wenn die Eltern der Eignung der Schuleignungsuntersuchung misstrauen, können sie ja ihr Kind noch von jemand anderen untersuchen lassen. Hier bei uns gibt es so ein Frühförderzentrum, die hatten so etwas gemacht. Vielleicht kann man auch einen Kinderpsychologen fragen, ob der weiß, wo man das machen kann.

Die Eltern sollten auch mal vergleichen, ob es immer die gleiche Ärztin ist, die solche Begründungen abgibt.

Viele Grüße
Simsy

Moin,

Sie sind u.U. zwar intellektuell in der Lage, dem
Unterricht zu folgen, aber es fehlen oft die sozialen
Kompetenzen.

Ich finde es aber ein bisschen schade, wenn ein Kind z. B.
nicht dann intellektuell gefördert wird, wenn es vom
Intelektuellen her angebracht ist, sondern dass immer ein
ganzes Paket von Fähigkeiten vorhanden sein muss.

Es ist hier kein ganzes Paket von Fähigkeiten vorhanden. Kein Kind muss bereits Lesen oder Rechnen können, wenn es in die Schule kommt. Das bekommt es in der Schule schon beigebracht. Es muss aber auf jeden Fall in der Lage sein, z.B. seine Schuhe zuzubinden, sich alleine an und auszuziehen, auch mal 15 Minuten auf dem Hintern sitzen und zuhören können und mit den anderen Kindern in der Klasse zurecht kommen. Eine Sportlehrerin hat nunmal nicht die Zeit, 25 Kann-Kindern nach dem Sport beim Anziehen zu helfen.

Ursachen für derartiges Versagen bei Kindern sehe ich übrigens durchaus in den Eltern mit einem falschen Verständnis von „Förderung“ dieser Altersklasse in völliger Unkenntnis von Entwicklungspsychologie. Es scheint bei manchen Eltern wichtiger zu sein, dass 4-Jährige sich Buchstaben einpauken, als dass sie lernen, einen Knopf zuzumachen oder auf den Spielplatz zu gehen. Das böse Erwachen kommt dann mit der Einschulung oder spätestens im ersten Schuljahr, wenn das Kind zwar prima Buchstaben kann, aber ansonten eine Katastrophe ist. Spätestens nach 1-2 Jahren hat sich dieser vermeintliche Vorsprung dann relativiert, wenn die andern Kinder nachgezogen haben, und unser „schlaues“ Buchstabenkind vollends ins Hintertreffen gerät.

Eigentlich gibt es doch keinen vernünftigen Grund, dass
ein Kind nicht rechnen lernen soll, nur weil es noch keine
Schnürsenkel zubinden kann.

Doch den gibt es. Eine Lehrerin ist nämlich dazu da, fitten Kindern Rechnen beizubringen, und nicht unfitten Kindern die Schnürsenkel zuzubinden.

Meiner Meinung nach sollte es auch schon in den Kindergärten
die Möglichkeit geben, rechnen schreiben usw. zu lernen. Die
könnten dann ja die Klasse 1 und 2 einfach schneller
durchlaufen.

Das glaubst du doch wohl selbst nicht. Spätestens wenn ein Kind von anderen gehänselt wird, weil es nicht in der Lage ist, sich die Schnürsenkel zuzubinden „Baby, Baby“ düfte es mit dem Glanz der Schule vorbei sein. Dann kann man nur noch kämpfen, dass aus dem vermutlich tatsächlich intelligenten Kind, nicht noch ein Schulversager wird.

Ich glaube eigentlich nicht, dass Eltern ihre Kinder oft
falsch einschätzen. Ich glaube, dass sie eher 1. die anderen
Kinder und 2. die Schule falsch einschätzen.

Richtig. Und die Kinder müssen es dann ausbaden.

Oft ist die Absicht gar nicht bösartig

In welchem Sinne könnte denn die Absicht hier „bösartig“ sein?

Zum Beispiel in dem Sinne, dass Eltern ihre Kinder missbrauchen, um mit deren vermeintlichen Fähigkeiten ihr eigenes Ego zu pinseln, und damit ihre Kinder geradewegs in die Katastrophe laufen lassen. (Natürlich sind dann auch nur die Lehrer schuld).

Gruß
Marion

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Hallo EK,

zur Zeit sind Schuleignungsuntersuchungen in unserem
Bekanntenkreis (alles Kann-Kinder).

hatte auch so ein Kannkind zuhause. In einer Zeit, als es als Schwerverbrechen zu gelten schien, ein Kind einschulen zu lassen, obwohl es noch gar nicht in die Schule musste. Aber das ist nicht hier das Thema.

Best of:

Hier der Bericht der Mutter eines Mädchens, deren großer Bruder mit meinem Neffen in die Schule ging (auch schon 18 Jhare her):

Nach der Untersuchung: „Ein aufmerksames Kind mit gutem Sozialverhalten. Körperlich, geistig und sozial schulreif.“

Anruf am Nachmittag: „Hallo hier Schulärztin xyz, ich muss ihnen leider mitteilen, dass ich mich geirrt habe. Ihre Tochter ist leider noch nicht schulreif.“
Mutter: „Warum denn nicht?“
Ärztin: „Ich habe vergessen, auf das Alter des Kindes zu sehen. Sie ist einfach noch zu jung.“

Der Geburtstag des Kindes lag Anfang Oktober, und ich hatte bis dahin geglaubt, die Untersuchung diene der Erkenntnis, ob ein Kind mit einem Geburtsdatum nach dem Einschulungsstichtag schulreif sei…

Wir kennen jetzt ein Dutzend Eltern mit den gleichen
Erfahrungen und den gleichen abenteuerlichen Begründungen, mit
denen Einschulungen abgelehnt werden.

Sieht ganz danach aus, als gebe es zuviele Erstklässler in dem Jahrgang, dann sind Kannkinder im allgemeinen nicht gerne gesehen.

Wie sieht es bei Euch aus? Und was macht man da?

Meine Schwester ist mit ihren Söhnen zum Kinderarzt gegangen, allerdings schon vor der schulärztlichen Untersuchung. Das Attest von diesem wurde dann anstelle jener Untersuchung akzeptiert.

Gruß, Karin

Hallo,

ich glaube aber, etwas ungerecht ist es schon.
Mein Kind z.B. ist (glücklicherweise) kein Kann-Kind, aber ich bezweifle, dass er sich die Schuhe zubinden könnte. Ich weiß, dass er Defizite in der Motorik hat (wir arbeiten auch daran), aber niemand würde auf die Idee kommen, ihn zurückstellen zu lassen.
Aber Kann-Kinder, die motorisch und im Sozialverhalten „besser“ sind als er, werden vielleicht aufgrund von „Nichtigkeiten“ abgelehnt.

Ich glaube, das ist auch mit dem Beitrag gemeint, dass Kannkinder nach einem anderen Maßstab beurteilt werden als Musskinder - und das sollte nicht sein. Die Entwicklung ist nun mal bei verschiedenen Kindern unterschiedlich und nicht altersmäßig immer gleich.

Beatrix

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Hallo

Kein
Kind muss bereits Lesen oder Rechnen können, wenn es in die
Schule kommt. Das bekommt es in der Schule schon beigebracht.
Es muss aber auf jeden Fall in der Lage sein, z.B. seine
Schuhe zuzubinden, sich alleine an und auszuziehen, auch mal
15 Minuten auf dem Hintern sitzen und zuhören können und mit
den anderen Kindern in der Klasse zurecht kommen.

Ja eben, das meine ich doch. Manche Kinder können aber vielleicht mit 5 rechnen lernen, mit 6 Jahren 15 Minuten still sitzen und mit 7 sich die Schuhe zubinden (oder in anderer Kombination und Reihenfolge). Ich wollte sagen, dass ich es schade finde, wenn dieses Kind dann erst mit 7 Jahren rechnen darf.

Eine
Sportlehrerin hat nunmal nicht die Zeit, 25 Kann-Kindern nach
dem Sport beim Anziehen zu helfen.

Deswegen habe ich ja auch diesen Vorschlag gemacht:

Meiner Meinung nach sollte es auch schon in den Kindergärten
die Möglichkeit geben, rechnen schreiben usw. zu lernen. Die
könnten dann ja die Klasse 1 und 2 einfach schneller
durchlaufen.

Ich bin dann davon ausgegangen, dass die sie schon im Kindergarten rechnen und schreiben lernen können, und demzufolge die Schule, in die sie dan eingeschult werden, wenn sie ihre Schnürsenkel zubinden können, möglicherweise schneller durchlaufen können.

Deswegen passt diese Antwort nicht ganz:

Spätestens wenn ein
Kind von anderen gehänselt wird, weil es nicht in der Lage
ist, sich die Schnürsenkel zuzubinden „Baby, Baby“ düfte es
mit dem Glanz der Schule vorbei sein.

Im übrigen haben in der Grundschulzeit die Lehrer noch sehr großen Einfluss darauf, wer gehänselt wird und wer nicht. In den ersten beiden Schuljahren ganz bestimmt.

Es scheint bei manchen Eltern
wichtiger zu sein, dass 4-Jährige sich Buchstaben einpauken,
als dass sie lernen, einen Knopf zuzumachen oder auf den
Spielplatz zu gehen.

Das kann es auch geben, es gibt aber auch 4-jährige, die das einfach interessiert, was die Buchstaben bedeuten, und die es einfach nicht interessiert, wie man Schuhe zubindet.

Viele Grüße
Simsy

Sicher mag es Einzelfälle geben, wo ein Kann-Kind schon
schulreif ist. Wenn aber ein ganzer Schwung Eltern mit lauter
Kann-Kindern sich gegenseitig erzählt, warum das Kann-Kind
dann doch nicht genommen wurde, dann wäre ich was die Begründ
angeht mindestens vorsichtig.

Hallo pendragon,

nur zur Klarstellung: Es war bis auf einen Fall jeweils dieselbe Schulärztin und aus dem ganzen Kindergarten wurde KEIN Kannkind für schulfähig erklärt, während die MUSS-Kinder, die nur 2-4 Monate älter sind, ALLE schulfähig waren.

Wir hatten sowohl die Kann- als auch die Muß-Kinder alle schon oft zu Besuch, da die alle befreundet sind und die unterscheiden sich in ihren Fähigkeiten nicht. Eher würde ich noch sagen, dass die Kann-Kinder - alles Mädchen - in allem viel weiter als die Jungs sind.

Die Kinderärzte der betroffenen Kinder und die Leiterin des Kindergartens haben übrigens unabhängig von der Schulärztin in allen Fällen Schulfähigkeit attestiert.

In dem einen Fall, wo ein Kind zwar im selben Kindergarten ist, aber zu einer anderen Schule gehen wird, wo eine andere Schulärztin zuständig war, gab es die gleichen Äußerungen im selben Wortlaut, als wenn es so eine Art Textbaukasten für Schulärzte gäbe ohne jegliche sachliche Fundierung. Will damit sagen: Auf die Frage: „Woran konkret machen Sie die fehlende Schulreife jetzt fest?“ (Kind hatte alle Tests bestanden) kommt dann die Antwort: „An meiner Erfahrung“.

Pädagogik und Medizin scheinen also Geheimwissenschaften zu sein.

Daher wundert mich, welche Absicht dahinterstecken könnte. Geht es um eine bessere Verteilung der Schüler auf das nächste Jahr? Soll die frühe Einschulung hier auf kaltem Wege unterlaufen werden, weil manche nichts davon halten? Klar werden viele Fünfjährige mehr Betreuung bedürfen. Aber wenn die politische Entscheidung dafür gefallen ist, dann müssen sich die Beteiligten darauf einstellen, dass zukünftig mehr in der Klasse geheult wird, Schuhe gebunden werden müssen oder bei Ausflügen mehr Betreuungspersonal vonnöten ist. Nur ist Flexibilität keine große Stärke des deutschen Schulsystems.

Es fällt mir jedenfalls schwer, unter diesen Umständen dem „Experten“ zu vertrauen.

Danke jedenfalls für alle Antworten.

EK

Ärztin: „Ich habe vergessen, auf das Alter des Kindes zu
sehen. Sie ist einfach noch zu jung.“

Hallo Karin,

das glaube ich sofort.

Sieht ganz danach aus, als gebe es zuviele Erstklässler in dem
Jahrgang, dann sind Kannkinder im allgemeinen nicht gerne
gesehen.

Es gibt für 2 Klassen wohl 54 Anmeldungen.

Meine Schwester ist mit ihren Söhnen zum Kinderarzt gegangen,
allerdings schon vor der schulärztlichen Untersuchung. Das
Attest von diesem wurde dann anstelle jener Untersuchung
akzeptiert.

Ein Hoch auf Deine clevere Schwester. Sollten am besten alle machen, denn wenn die, die das Kind seit Jahren tagtäglich erleben, anderer Auffassung sind, kann man auf Dauer die Schulärzte wegrationalisieren.

Grüße

EK

Hallo,

Sieht ganz danach aus, als gebe es zuviele Erstklässler in dem
Jahrgang, dann sind Kannkinder im allgemeinen nicht gerne
gesehen.

Natürlich gibt es das. Schulleiter kämpfen auf ihrer Seite mit der Bürokratie. Aber auch: ein Schulleiter kann sich durchaus über die Einschulungsuntersuchung hinwegsetzen, wenn er das will (in beide Richtungen). Allerdings hat er natürlich gegenüber den Eltern einen leichteren Stand, wenn er einfach den schwarzen Peter an das Gesundheitsamt weiterreicht.

Dennoch bleibe ich dabei: zuviele Kannkinder werden von den Eltern in die Schule geschubst (aber nicht alle).

Gruß
Elke

1 „Gefällt mir“

Hallo,

Sollte sich später herausstellen, dass Sie die Sache mit Links
macht und den anderen weit voraus ist kann sie immer noch eine
Klasse überspringen.

Das siehst du aber falsch. Ein Kind, das schulreif ist, sollte auch eingeschult werden. Man tut ihm mit dem Jahr „zuhause“ keinen Gefallen und es später überspringen zu lassen, ist ganz und gar nicht das Gelbe vom Ei.

Ich möchte hier wieder mal daraufhinweisen, dass in Hessen (und in anderen Bundesländern) es immer mehr um sich greift, Klasse 1 und 2 zusammen zu unterrichten. Das ist dann eine wahre Chance für Kinder, egal ob sie zu früh oder zu spät eingeschult wurden. Die Lehrer können sich nach einem Jahr von den Kindern ein viel besseres Bild machen, als nach einem kurzen „Kennlerntag“ bzw. einer 10minütigen Untersuchung.

Gruß
Elke

Ich finde es aber ein bisschen schade, wenn ein Kind z. B.
nicht dann intellektuell gefördert wird, wenn es vom
Intelektuellen her angebracht ist, sondern dass immer ein
ganzes Paket von Fähigkeiten vorhanden sein muss.

Im Prinzip gebe ich dir recht, aber oft ist diese „intellektuelle Wissen“ auch nur antrainiert und hat mit wirklicher Kompetenz nichts zu tun.

Dieses
Schema passt doch wahrscheinlich bei ziemlich vielen Kindern
nicht. Eigentlich gibt es doch keinen vernünftigen Grund, dass
ein Kind nicht rechnen lernen soll, nur weil es noch keine
Schnürsenkel zubinden kann.

Stimmt. Aber es sollte sich in einer Gruppe zurechtfinden, sollte in gewissem Rahmen schon selbstständig arbeiten können, sollte nicht dauernd die Nähe der Lehrerin suchen, um da Aufmerksamkeit zu bekommen usw. Das sind die sozialen Fähigkeiten, die ich meinte.

In welchem Sinne könnte denn die Absicht hier „bösartig“ sein?

Vielleicht unglücklich ausgedrückt. Ich meinte damit, mit der Absicht zu schummeln oder überhaupt „mit Absicht“.

Was mich an E.Krulls Posting vielleicht am meisten irritiert hat, ist die Menge der Kannkinder, die da in die Schule geschickt werden sollen.
Es ist prinzipiell möglich, Kinder früher rechnen und schreiben zu lehren (siehe andere Länder), aber der Lehrplan an einer deutschen Grundschule ist wirklich auf 6/7jährige abgestellt, nicht auf 5jährige.

Gruß
Elke

Moin E.K.

Der Einzelfall ist hier natürlich immer schwer zu beurteilen. Natürlich gibt es auch Kann-Kinder, wo ich eine Einschulung auf jeden Fall befürworten würde (ich war selbst mal so ein Kann-Kind :smile:). Aber wie das nun konkret bei deinem Kind ist…

Allerdings möchte ich noch eins zu bedenken geben. Es gibt Bundesländer, da findet nach der 4. Klasse bereits eine gnadenlose Selektion hinsichtlich des weiterführenden Schultyps statt. Ich würde da überlegen, ob ich mein Kind nicht lieber noch ein Jahr im Kindergarten lasse, dann eine lockere Grundschulzeit und dann ein lockerer Sprung vielleicht ins Gymnasium, als eine harte Grundschulzeit weil Kann-Kind und dann womöglich durch nur eine Empfehlung für Realschule oder Hauptschule, weil das Kind vielleicht doch noch nicht ganz so schulreif war.

Lieben Gruß
Marion

Huhu,

ich kann mich zwar nicht mehr genau erinnern, empfand aber meine eigene „Schulmusterung“ (im Nachhinein kommt es einem so vor als wäre es das) sehr gruselig und eigenartig vor. Zumal ich einige Dinge (vorallem Koordinationssachen mit rechts und links) falsch gemacht habe. Ich hatte solche Angst, dass ich nicht in die Schule gehen dürfte und war einfach aufgeregt. Daran kann ich mich noch erinnern. In die Schule durfte ich aber trotzdem :wink:. Weiß jedoch nicht ob ich ein KannKind war. Hab Anfang Mai Geburtstag…

Allgemein denke ich liegt es immer am Kind, wann man es einschulen lässt. Man sollte nicht auf Teufel komm raus das Kind in die Schule bringen wollen, wenn es dafür einfach noch nicht reif genug ist. Meine Schwester geht auf eine alternative Schule (Mischung aus Waldorf, Montessori, Jena-Plan) und wurde dort im Februar mit 6 Jahren und zwei Monaten eingeschult. Das war für sie auch gut so, denn noch ein halbes Jahr im Kindergarten hätte sie zu tode gelangweilt, das halbe Jahr früher wär aber einfach zu früh gewesen.

bye Frieda