Hallo,
Arbeiten, Steuern bezahlen, mitdiskutieren, wählen gehen und
gesellschaftliche Aktivitäten mitorganisieren, um nur ein paar
Dinge zu nennen - kurz gesagt: den Staat mittragen!das ist ja sehr löblich!
Aber leider vemisse ich das (zumindest in meiner Stadt).Wie stellst Du Dir das Mitorganisieren denn vor, wenn gerade
die Muslime jeglicher gesellschaftlichen Aktivität „aus
religiösen Gründen“ fernbleiben?
Fernbleiben dürften Muslime, wenn Alkohol getrunken wird, aber mal ganz ehrlich so wirklich viel inhaltliche Integration geschieht ab einem bestimmten Grad an Alkohol nicht mehr. Aber vor allem bei der Stadtteilarbeit (respektive Dorfarbeit), Jugendberatung, Kinderfesten usw… sind Muslime dabei; Vereinzelt - das will ich gerne zugeben, allerdings ist genau das Potenzial zu suchen! Wenn in unserem Dorf zum Strassensaubermachen aufgerufen wurde, wurden wir nicht durch unsere Andersreligisität davon abgehalten, mitzumachen (ganz im Gegenteil). Beim Saubermachen hat man den ein oder anderen kennengelernt. Dasselbe stelle ich mir vor in Stadtteilen. Selbst Strassen- oder Stadtteilfeste können Muslime besuchen (und eben mitorganisieren) - vorausgesetzt es gibt eine Zeit, in der Kinder dabei sind und wo deshalb zumindest ein Teil der Eltern nicht mittrinken und sich so konstruktiv unterhalten können. Meine Mutter hatte lange Zeit an der evangelischen Familienbildungsstätte mitgewirkt und vor allem den Kleiderbasar mitorganisiert. Klar, manche Frauen haben sich an ihrem Kopftuch gestört, auf der anderen Seite waren das meist die Aussiedlerfrauen, die ihrem Unbehagen Luft gemacht haben…
Es wird beispielsweise an der Zeit, dass Stadtteilforen auch in Moscheen stattfinden (Arbeitsräume gibt es inzwischen in den meisten Moscheen). Zu den letzten Bundestagswahlen habe ich mich gefragt, warum keine Wahlräume in Moscheen eingerichtet werden. Mir ist klar, dass bei einigen Aktivitäten vor allem Muslime gefragt sind, dass sie von sich aus mitwirken (und dass genau an der Stelle ein Defizit herrscht), allerdings glaube ich nicht, dass man mit polarisierenden Diskussionen weiterkommen kann. Vor allem bringt es nichts von den Muslimen zu verlangen, ihre Identität vollkommen aufzugeben. Denn zusätzlich zum Strassenfest gibt es eben auch spezielle Feste der Muslime, die diese veranstalten müssen, weil es eben zu ihrer Idendität dazu gehört (nur um ein Beispiel zu nennen). Das ist dann eben nicht eine „gefährliche“ Parallelgesellschaft, wie das propagiert wird…
Gruss, Omar Abo-Namous
