Moin,
Ganz einfach in der gesellschaftlichen Realität. Unsere
Gesellschaft ist auf die Muslime nicht angewiesen, umgekehrt
die Muslime auf die Gesellschaft aber sehr wohl.
Wie kannst du dir eigentlich erlauben die
gesellschaftliche/staatliche/wirtschaftliche Relevanz anhand
der Religionszugehörigkeit zu messen??
Nicht ich erlaube mir das, sondern die Gesellschaft erlaubt
sich das. Frag doch mal rum, wieviel Deutsche der Meinung
sind, dass Muslime ein nicht versichtbarer Anteil unserer
Gesellschaft sind.
Das ist wirklich originell, „das sag ja nicht ich, die sagen
das!“, willst du nicht für deine Aussage gradestehen?
Meine Aussage lautete:
Unsere Gesellschaft ist auf die Muslime nicht angewiesen, umgekehrt die Muslime auf die Gesellschaft aber sehr wohl..
Steht übriges noch weiter oben zum Nachlesen. Und ich bin nun mal nicht diese Gesellschaft. Wenn du gerne einen persönlichen Feind zum Beleidigen haben möchtest, viel Spaß beim Suchen, ich stehe für derartige Sandkastenscharmützel nicht zur Verfügung. Wenn du jedoch gesellschaftliche Realitäten diskutieren möchtest, dann weiter.
Die Behauptung ist
nicht nur sehr überheblich, sondern gibt Einblick in eine sehr
beschränkte Sicht!
Natürlich ist die Sicht einer Gesellschaft beschränkt. Die
Schranken fangen genau da an, wo die Gesellschaft
unterscheidet zwischen „Teil der Gesellschaft“ und „die
anderen“ oder „draußen“.
Nicht „die Gesellschaft“ unterscheidet, sondern du! Und dafür
bin ich nicht verantwortlich.
Meine persönlichen Unterscheidungen stehen hier aber nicht zur Debatte und sind gesamtgesellschaftlich gesehen auch ziemlich irrelevant. In obigem Zusammenhang sind sie sogar völlig unbrauchbar, nämlich ich allein kann gar nicht entscheiden wer „drin“ ist und wer „draußen“, das kann nur die Gruppe.
Oder willst du mir andeuten, ich liege falsch und die Muslime sind ein mit offenen Armen aufgenommener uns allseits freunlich akzeptierter Bestandteil dieser Gesellschaft ? Dann ist ja gut. Worüber reden wir dann hier ?
Lass mich rekapitulieren: Du glaubst, dass Muslime, die sich
ausserhalb der Gesellschaft stellen (mit ihren
„Wertanschauungen“, was auch immer du gerade damit meinen
magst), nicht Teil der Gesellschaft sind! Das wäre mir ja nie
eingefallen. Aber genauso ist die Aussage „Christen, die sich
mit ihren Wertanschauungen bewusst außerhalb der Gesellschaft
stellen, sind nicht Teil der Gesellschaft“ richtig.
Ja, natürlich, und ? Vielleicht erinnerst du dich auch noch an die Empörung, die irgendwelche Christen hervorgerufen haben, die ihre Kinder nicht in die Schule schicken wollten oder ihnen z.B. bestimmte medizinische lebensrettende Maßnahmen vorenthalten. Übrigens ist diese gesellschaftliche Ausgrenzung nicht auf Religionen beschränkt. Auch Menschen, die extremen politischen Ansichten anhängen, sind davon betroffen etc.
Eine im Wesentlichen zugewanderte Minderheit kann
sich nunmal nicht Kraft eigenen Willens zum „Teil der
Gesellschaft“ erklären. „Teil der Gesellschaft“ ist man erst,
wenn man von dieser auch als Teil aufgenommen und akzeptiert
wurde.
Beachte: Hier hängt das „Dazugehören“ davon ab, ob die
„Gesellschaft“ einen aufnimmt…
Natürlich. Das Zugehören zu jeder Gruppe hängt davon ab, ob die Gruppe einen aufnimmt. Ich hätte nicht gedacht, dass man das noch erklären muss.
Zudem vermiss ich auch bei vielen Muslimen das „wir“,
wenn sie von dieser Gesellschaft reden. Auch bei dir klingt es
eher wie „wir die Muslime“ gegen die Gesellschaft (bzw.
umgekehrt). Somit scheinst auch du dich nicht als Teil der
deutschen Gesellschaft zu verstehen.
… und hier sind es schon wieder „wir“ die Muslime, die Schuld
sind.
Schuld woran ? Wenn einer nicht Teil einer Gesellschaft sein möchte , dann kann er sich kaum beschweren, wenn er von der Gesellschaft auch nicht als Teil anderkannt wird. Wenn er hingegen Teil einer Gesellschaft (oder Gruppe) sein möchte, dann sollte er sich vielleicht erstmal erkundigen, wie die Spielregeln lauten.
Ein Deutsch-Türke sagte mal etwa „Erst waren wir
Gastarbeiter, dann Gäste, dann Nachbarn, jetzt sind wir wieder
Migranten.“
Ich war auch schon als Migrant im Ausland. Na und ? Ich hab mich dort trotzdem wohl gefühlt. Was ist denn nun schon wieder so schlimm daran, ein Migrant zu sein ?
Natürlich gibt es ein „wir Muslime“, aber genauso
gibt es ein „wir Maschinenbauer“ oder ein „wir Programmierer“
oder „wir Geisteswissenschaftler“ oder halt „wir Katholiken“
usw… Dass das nicht ausschliesst, dass es eben auch das „wir
Deutsche“ gibt oder „wir Hannoveraner“ sollte eigentlich
verständlich sein!
Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass das das Problem ist. Das Problem sind diejenigen, die „wir Muslime“ als Gegensatz zur „deutschen Gesellschaft“ sehen.
Wenn obiges die Kriterien für erfolgreiche Integration wären,
dann hätten wir in Deutschland kaum ein Integrationsproblem.
Es reicht eben nicht, den Staat bzw. durch Steuerzahlungen
mitzutragen. Dies ist kein Kriterium für erfolgreiche
Integration.
Ich mache mich lieber nützlich (der Staat ist nicht zuletzt
auch ein wirtschaftlicher Zusammenschluss) als gross über
anderweitige „Integrationskriterien“ zu grübeln.
Das kannst du halten wie du willst, nur wenn du dich an einer Diskussion über Integration oder Nicht-Integration beteiligen möchtste, dann solltest du vielleicht schon etwas darüber grübeln.
Das hat den
Vorteil, dass ich mir als Messlatte die Regeln zugrundelege
(der deutsche Staat ist ein Rechtsstaat), die im Staat
festgeschrieben sind.
Fein, das reicht mir ja schon. Ich hoffe, du hast das Grundgesetz, das den Regeln dieses Staates zugrunde liegt, auch mal durchgelesen. Ganz sicher steht darin nichts, dass Frauen sich ihren Männern unterzuordnen haben, dass sie irgendwelche Körperteile bedecken müssen, um nicht als Schlampe zu gelten oder gar, wie jemand oben andeutete, die Worte Gottes über denen des Rechtsstaates stehen.
Als ich die deutsche
Staatsbürgerschaft angenommen habe, hat man mir nicht gesagt,
ich müsste zum Christentum übertreten, oder zumindest vom
Islam zurücktreten.
Musst du auch nicht. Wie kommst du auf diesen Blödsinn ? Vielleicht erinnerst du dich, dass ich schrieb, dass es Muslims gibt, die in dieser Gesellschaft bestens integriert sind. Nur um die geht es hier nicht, die stellen nämlich kaum ein Integrationsproblem dar.
Jetzt kommen wir nämlich zur anderen Geschichte: Die
Gesetzgebung Deutschlands sieht eine Freiheitsstrafe für
Volksverhetzung vor. Bevor der Einwand kommt: Mit Volk sind
laut Gesetz „Teile der Bevölkerung“ gemeint. Meines Erachtens
bewegen sich diejenigen mit ihren Wertevorstellungen
ausserhalb der deutschen Gesellschaft (die sich nicht zuletzt
durch ihre Verfassung und ihre Gesetz definiert), die Teile
der Bevölkerung gegeneinander anstacheln wollen!
Ganz recht, und das ist auch gut so.
Gruß
Marion