Schwäb. Krankh.bez. (um 1900): Gschneit, Rähsein

Hallo zusammen;

in einem Text aus dem Jahr 1900 listet der Autor neben der Bez. „Gfröst“ (= Schüttelfrost) zwei weitere Krankheitsbezeichnungen auf, zu denen ich bislang nichts finden konnte. Es handelt sich um die Begriffe „Gschneit“ und „Rähsein“.

Bei der Bezeichnung „Gschneit“ habe ich die Idee, dass - vielleicht aufgrund eines Hörfehlers - „Gschneiff“ (= Schnupfen) gemeint sein könnte, doch ist das reine Spekulation.

Einen Satz wie "i be(n) räh" oder "mir isch ('s) räh" oder ähnlich Klingendes habe ich selbst niemals gehört.

Vielleicht woiß jo vo Uich äbber ebbes?

Danke für Eure Mühe!

Es grüßt
Renardo

Hallo zusammen,

inzwischen konnte ich immerhin zu dem Begriff „Rähsein“ etwas finden:

rä(ch) […]: 1. steif, bes. vom Pferd. Man muß ihn reiten, daß er net r. wird. Vom Menschen. Ich bin ganz r. vom Arbeiten.2. wund. – 3. ich bin ganz r. heiser. – […]“
[Quelle: Fischer, Hermann u. Taigel, Hermann (Bearb.): Schwäbisches Handwörterbuch, H. Laupp’sche Buchhandlung; Tübingen 2012 4 . S. 339]

Der Begriff „Gschneit“ (rot unterstrichen) ist aber leider noch immer unklar.


Transkription:
"Krankheiten u. Heilmittel.
Gfröst, Gschneit, Zuschlag u. Räh-
sein gelten als Krankheiten."

Es grüßt
Renardo

Könnte der letzte Buchstabe evtl. ein f sein?
Der Strich geht deutlich unter die Grundlinie, was bei allen anderen t’s in dem Ausschnitt nicht der Fall ist.

Gschneif = Schnupfen

https://www.jstor.org/stable/40499785

Gruß

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Nachtrag:

Auch die Oberlänge spricht für ein f.
Vgl.die drei t’s und das f in Gfröst.

OMG :wink:
Ich lese jetzt erst, daß Du die Idee mit dem Schnupfen bereits selber hattest.
Bis auf das Doppel-f. Das steht da nicht!

Was steht denn bei Heilmittel zu dieser Krankheit?

P.S.: In meiner Gegend ist G(e)schniefe (mit oder ohne e!) und schniefen für Schnupfen üblich.

Gruß

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Hallo Gudrun,

dieselbe Idee hatte ich, wie Du nachträglich bemerkt hast, auch schon.

Der Verfasser hat eine akkurate und regelmäßige Handschrift, die Unterlängen des „f“ sind deutlich ausgeprägt, ebenso die Schleife am oberen Ende:
Pferde Kopf

Das gilt nicht nur für das „f“ innerhalb eines Wortes, auch am Wortende weist das „f“ eine Unterlänge auf, die es vom „t“ deutlich unterscheidet:
Kindle schlof - Schof

Dass Du unabhängig von mir genau die gleiche Idee hattest, gab den Anstoß, die Akkuratesse des Schreibers nun doch kritisch zu hinterfragen:
Ich habe die gesamte Handschrift nach "f"s am Wortende durchsucht.
Schließlich habe ich tatsächlich noch ein weiteres „f“ gefunden, das wie ein „t“ aussieht, da a) die Unterlänge weitgehend fehlt und b) die typische Schleife oben kaum zu erkennen ist:
Schaf
(Was sich hier wie „Schat“ liest, soll „Schaf“ heißen. Das ist in diesem Fall vom Kontext - im Gs. zu „Gschneit / Gschneif“ - eindeutig!)

Wenn ich jetzt das rätselhafte Wort „Gschneit“ / „Gschneif“ vor diesem Hintergrund nochmals betrachte, hätte mich die Schleife am oberen Ende des vermeintlichen „t“ doch schon eher irritieren sollen …!

Kurzum, die Lösung des Rätsels lautet:

Gschneif = Schnupfen
„G(e)schnäuf(e) -ei n.: […] der Schnupfen.“
[Fischer, Hermann u. Taigel, Hermann (Bearb.): Schwäbisches Handwörterbuch, H. Laupp’sche Buchhandlung; Tübingen 2012 4. S. 198]

Gudrun, i dank’ Dir schee fir’s A’schugge! :+1:

Beste Grüße!

Renardo

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Ergänzung, nur so um etwas Klugzuscheissen:

Daher hat die Huferkrankung „Hufrehe“ ihren Namen. Weil die Pferde zu Beginn der Erkrankung steif und kurztrittig laufen, später laufen sie dann ggf. überhaupt nicht mehr (und liegen viel) oder nie wieder :-\ je nach Verlauf (Hufrehe ist die zweithäufigste Todesursache gleich nach Kolik)

Gruß h.

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Was steht denn bei Heilmittel zu dieser Krankheit?

Der Verfasser nimmt keinen Bezug zu den genannten Krankheiten, sondern listet im folgenden Abschnitt weitere Erkrankungen plus damals angewandte Heilmittel auf:

„Warzen können durch Seidelbast oder durch den Absud von Eichenrinde entfernt werden. Pferdemilch wird gegen Sommersprossen angewendet. Kopfweh verliert sich durch Tannenschößlingsabsud. Brunnenmoos dient gegen böse Augen. Rosshuben (Huflattich) befreien von Zahnweh. Mutterkornabsud heilt offene Wunden.“

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