Ritter mit Schwert,
ich weiß nicht, ob es recht ist, dass ich hier antworte, zumal ich mich nicht auf eigene Erfahrungen, sondern nur auf Literatur stütze. Aber das Thema interessiert mich und ich habe mich auch schon häufiger über solche „Fehler“ in den sogenannten „historischen Romanen“ von der Art des Medikus von Noah Gordon regelrecht geärgert.
Setzt sich doch der Held eben im Medikus ins Chorgestühl der Hagia Sophia in Konstantinopel! Dann findet so en passant eine Blinddarmoperation statt! Im 11. Jh.! Sapienti sat! Und da wagt es der Gordon im Nachwort mit seinen Recherchen zu prahlen.
Bei dem Buch mit dem Ritter, der sein Schwert ständig an der Seite baumeln hat, handelt es sich vermutlich ebenfalls um einen der beliebten „historischen Romane“, von denen noch die besten, etwa die von Gisbert Haefs, nicht ohne Anachronismen auskommen.
Schon in den ältesten Ritterromanen der Romantik, die von Tieck etwa, wimmelt es von solchen Fehlern. Allein wenn man sich anhört, wie die Leute glaubten, dass die Rittersleut redeten, kommt einem der Graus. Heutzutage imitieren diese Mittelalterfreaks, die Jahrmärkte und Turniere für Touristen aufführen, diese Talmisprache der Romantik.
Selbst unter wissenschaftlicher Betreuung – und das habe ich bei der Spätmittelalterausstellung in Karlsruhe selbst erlebt – sprechen diese Schauspieler ein Pseudomittelochdeutsch und das nach Anweisung der Ausstellungsleiterin, ich habe nachgefragt! Sie bekamen den Text so vorgelegt.
Aber das nur so im Vorübergehen.
Schaut man die Epen des MA an, so ergibt sich ein anderes Bild. Gewappnet und gewaffnet waren die Ritter nur, wenn sie auf Abenteuerfahrt, einer Queste, oder auf Kriegsfahrt gingen.
Und auch dabei werden, solange man unterwegs ist, die schweren Waffen, wie Schild und Lanzen stets von Knappen auf einem Extrapferd – das hatten wir schon – mitgeführt. Allenfalls das Schwert an der Seite und das Schild auf dem Rücken, so ritten die Ritter zum eigentlichen Ritterkampf, erst wenn es heiß wurde „gürtet man sich zum Streit“, setzt den Helm auf, legt die Rüstung an, fasst Schild und Lanze und los geht es.
Es gibt einige wenige, die stets in voller Montur unterwegs waren, Parzival etwa, von dem wird das aber als ein Ausnahmefall berichtet. Und wo er auch hinkommt, ist das erste, was die züchtigen Burgfräulein für ihn tun, dass sie ihm aus der Rüstung helfen und ihm vom Rost und den Dreck, den es reichlich unter dem Blech gab, befreiten.
An den Nibelungen tadelt König Etzel, dass sie in Waffen zum Gastmahl kamen. Das war also durchaus unüblich. Naja, die wussten ja, was ihnen bevorstend.
Waffen trug man eben nur, wenn es in den Kampf ging, und natürlich bei den Waffenübungen und den Turnieren. nicht im Alltag, nicht an Festtagen.
Was so ein rechter Ritter war, der hatte außer seinen Waffen einen Tross dabei, der einem Campingbus allererster Güte an Komfort nicht nachgestanden haben wird. Das Zelt und die Ausstattung des Herzogs Orilus wird von Wolfram mit sichtlicher Begeisterung geschildert. Dieser Orilus hatte sogar seine Frau mit dabei, wenn er auf der Suche nach Aventiure war.
Man kann also davon ausgehen, dass die Ritter höchst selten Waffen trugen.
Und die, die heute „Ritterles“ spielen, haben eher selten ihre Waffen bei sich.
Mit besten Grüßen
Fritz Ruppricht