Sedierte Studentenschaft

Hallo zusammen,

da daß Thema bereits einen Thread tiefer etwas off
topic behandelt wurde, dachte ich mir ich steche dieses
Faß nochmal an.

Vordergündig geht es um Studiengebühren, oder genauer:
das Verhalten der Studenten darauf.
Mein Eindruck ist der, daß wir es momentan mit der
politisch uninteressiertesten und auch egoistischsten
Studentengeneration aller Zeiten zu tun haben.
Klar, auch heute gibt es noch ASten und eine handvoll
engagierte Studis dort. Aber wo früher Politik gemacht
wurde, geht es heute vornehmlich um den Verkauf alter
Prüfungssammlungen.
Die Ankündigung von Studiengebühren oder Aussagen vom
Politikern Studenten würden sich auf dem Rücken der
Gesellschaft einen Lenz machen, führen nicht etwa zu
heftigem Protest wie man erwarten dürfte, sondern zu
einem defensiven kollektiven wegducken.

Wenn ich mir überlege welches Potential an den Unis
vorhanden ist, daß dort letztendlich die
Leistungsspitze der Gesellschaft von morgen vertreten
ist, wird mir Angst und Bange.

Das prinzipielle Motto scheint zu lauten, daß das
vermittelte Wissen möglichst Jobgerecht aufzubereiten
ist, alle Nebensächlichkeiten die zu einem Blick über
den Tellerrand führen würden sind bitteschön
wegzulassen, und die Zeit an der Alma Mater so kurz wie
möglich zu sein hat, um später im Beruf punkten zu
können. Seht her, ich hab’ meinen Master in 4 Jahren
gemacht. Allerdings bleibt die Schärfung der
Persönlichkeit auf der Strecke. Eigene Standpunkte,
gerade zu wichtigen Fragen der Hochschulpolitik, werden
nicht eingenommen und vertreten. Man verkonsumiert
Wissen genau so wie das was man von den
Bildungspolitikern vorgesetzt bekommt.

Der Student als perfekt assimiliertes Wesen, der geübt
im wegstecken von Zumutungen ist. Vielleicht doch eine
Blaupause für den gewollten Arbeitnehmer in der
deutschen Wirtschaft?

Gruß
Tom

Hallo,
sicherlich möchte ich mich nicht gemein machen mit manch kriden Aussagen weiter unten. Besonders süß die Haltung, dass die Eltern eigentlich aus Dankbarkeit, dass man studiert, schon dafür zahlen müssten…

Vordergündig geht es um Studiengebühren, oder genauer:
das Verhalten der Studenten darauf.

Studiengebühren sind kein geeigneter Diskussionspunkt, warum sollte man nicht für Studiengebühren sein, aber trotzdem politisch interessiert?

Mein Eindruck ist der, daß wir es momentan mit der
politisch uninteressiertesten und auch egoistischsten
Studentengeneration aller Zeiten zu tun haben.

„Aller Zeiten“, so ein beliebtes, massenmediales Unsinnsschlagwort, was soll das heißen.

Wenn ich mir überlege welches Potential an den Unis
vorhanden ist, daß dort letztendlich die
Leistungsspitze der Gesellschaft von morgen vertreten
ist, wird mir Angst und Bange.

Und ich werde immer misstrauisch, wenn ich Aussagen nach dem Motto: „Wir damals hätten aber…“ lese. Zuviel Konjunktive und offensichtlich ein allgemeines Phänomen unserer Zeit, in der sich die Generationen gegenseitige Ihre Defizite vorhalten, immer wissend, dass sie ja alles besser gemacht hätten.

Das prinzipielle Motto scheint zu lauten, daß das
vermittelte Wissen möglichst Jobgerecht aufzubereiten
ist, alle Nebensächlichkeiten die zu einem Blick über
den Tellerrand führen würden sind bitteschön
wegzulassen, und die Zeit an der Alma Mater so kurz wie
möglich zu sein hat, um später im Beruf punkten zu
können. Seht her, ich hab’ meinen Master in 4 Jahren
gemacht. Allerdings bleibt die Schärfung der
Persönlichkeit auf der Strecke. Eigene Standpunkte,
gerade zu wichtigen Fragen der Hochschulpolitik, werden
nicht eingenommen und vertreten. Man verkonsumiert
Wissen genau so wie das was man von den
Bildungspolitikern vorgesetzt bekommt.

Wenn wir nun also unsere guten 68er (denen jeder Student heute sicherlich nach wie vor eine Menge zu verdanken hat) nehmen: Wie einfach hatten Sie es nicht in gewisser Hinsicht zur heutigen Studentengeneration. Wenn wir das Finanzielle mal weglassen: Sie wurden gebraucht, sie konnten sich aussuchen, wo es nach dem Studium hinging. Die grundlegenden Existenzängste einer heutigen Generation kannten sie nicht.
Zudem frage ich mich immer, wo eigentlich der Protest all jener bleiben, die Bildung auch für einen Teil der Persönlichkeitsentwicklung halten. Bitte, welche Generation bringt und den diesen BA/MA-Schwachsinn ein auf Kosten einer guten abendländischen Bildungstradition? Wenn eine Gesellschaft ihre Bildungsgüter bestimmt, dann handeln die Studenten von früher fahrlässig, während jene von heute sich lediglich einer unterlassenen Hilfeleistung schuldig machen. Woher sollten die von heute es denn auch besser wissen, nachdem die, die sie ausbilde(te)n seit den 70er Jahren mit dem alles zersetzenden Verdikt der Praxisrelevanz gequält werden. Haben sich nicht die Studenten von früher selbst zu absolut gesetzt, vielleicht nicht aus egoistischen Gründen, aber doch mit einer erschreckenden Portion Egozentrik?

Der Student als perfekt assimiliertes Wesen, der geübt
im wegstecken von Zumutungen ist. Vielleicht doch eine
Blaupause für den gewollten Arbeitnehmer in der
deutschen Wirtschaft?

Selbstverständlich - tatsächlich gehe ich mit Dir insofern konform, dass wir von einer jeden Bildungselite eines Landes immer ein Mehr erwarten sollten. Aber die Stummen von heute sind auch ein Produkt der von Gestern und eine Generation sollte kaum die Bildungsverantwortung pauschal auf die nächste abschieben - in der Selbstbezogenheit unterscheidet sich da keiner vom anderen.

Grüße,
Taju

Hallo,

also ich weiss nicht,
1.ich bin für Studiengebühren, was nix kostet is nix wert, sehe ich zuhauf in meinem Umfeld, wo zum x-ten male der Studiengang gewechselt wurde, wenn die Exmatrikulation drohte

  1. wohin haben uns „engagierte“ Studenten den gebracht? Joschka, Gerhard und co? Oder der RAF-Verteidiger Schily? Da habe ich lieber eine brave Studentin Merkl die dann zumindest versucht, das Land aus dem Dreck zu ziehen. Oder jemanden der für´s Studieren noch Geld bekommen hat wie Seehofer, der sich nicht nur um seine Pension kümmert sondern auch um Benachteiligte in unserer Gesellschaft.

grüsse
draonkidd
(die auch Geld für´s Studieren bekommen hat)

Hallo Tom,

ich habe kleinere studienpolitische Erfahrungen gemacht. Folgendes:
An meiner alten Uni sollten einige, für mich eigentlich total unbedeutende, Studiengänge geschlossen werden. Dagegen wurde demonstriert. Wir waren zwei mal mit 10.000 Studenten auf der Straße. Wir haben den Verkehr lahmgelegt (und den Hass der Bevölkerung abbekommen) und haben versucht, mit Politikern zu sprechen - no way. Vorher gab es etwas, was sich Vollversammlung nannte - ich habe noch nie eine so peinliche Veranstaltung gesehen. Von den Rednern waren etwa 80% jenseits der 30 und rühmten sich damit, schon sehr viel in sehr langer Zeit ohne Abschluss studiert zu haben. Andere drückten uns in dem Zusammenhang ein „Rettet die Wale“-Flugblatt in die Hand. Die Diskussion in den dafür vorgesehenen Gremien endete in einem Untersuchungsausschuss, weil Gelder, die für die Demos bereit standen, verschwunden waren. Alles in allem war die Aktion unglaublich peinlich. Als die Studis dann anfingen zu streiken (!), habe ich nicht mehr mitgemacht.

Studis haben keine Macht, keine politische und keine wirtschaftliche. Mir ist es die Sache nicht wert, wegen diesen Demos ein Semester nicht anerkannt zu bekommen oder einen Schein nicht zu schaffen. Ich stehe dazu, ich gehe nur studieren, um möglichst schnell wieder aus der Uni raus zu kommen. Ich brauche aufgrund eines Fachwechsels ein Semester länger, es ist momentan unglaublicher Stress und Druck und trotzdem käme ich nicht auf die Idee, irgendwie mal langsam zu machen und ein Semesterchen dranzuhängen. Ich habe überhaupt keine Zeit, mich irgendwo zu engagieren. Und ich habe gesehen, wie ein Großteil derer, die sich engagieren, genau das Klischee ausfüllen, das man von Langzeitstudenten hat.
Außerdem bin ich noch jung und möchte noch mehr lernen. Ich studiere etwas, was mich wahrscheinlich nicht bis zum Ende meines Lebens glücklich machen wird. Ich möchte Aufbaustudien machen, die ich dann selbstverständlich bezahlen muss, und die möchte ich nicht erst mit 30 anfangen. Ich möchte ins Ausland und nicht für immer in der Provinz an einer Provinzuni rumsitzen und gegen etwas sein, nur um dagegen zu sein. Und dieses Gefühl befällt mich bei Studenten sehr oft.

Grüße!

Lieber Tom
Im Thread weiter unten habe ich Dir ja schon gepostet, dass Du mir aus der Seele gesprichen / geschrieben hast. Ich will das nicht unnötig wiederholen, aber ich denke, genau wie Du, dass es ein ernteres hema ist, als einige hier verlauten lassen. Und - wie Du auch schon sagst - geht es nur vordergründig um Studiengebühren. Wenn ich so die Antworten hier lese, übertrifft das meine Befürchtungen:
„Was nix kostet, taugt nix“. Selbst die schlimmsten Schwaben unter den konservativen Kapitalisten hätten das früher nicht so herausposaunt, wenn sie unter 30 waren. Heute klingen die Zwanzigjährigen schlimmer als unsere Elterngeneration damals.
Wir haben das ja vorausgesehen, wollten es aber irgendwie nicht wahrhaben, dass die nächste Generation eben wieder im Gegensatz zu uns steht. Nach der fortschrittlichen muss anscheinend immer eine reaktionäre, mindestens aber ängstlich-sistierende, Generation kommen.
Ist das eine deprimierende Gesetzmäßigkeit der Geschichte?
Oder ist es noch schlimmer, so wie Du hier sagst:

Mein Eindruck ist der, daß wir es momentan mit der
politisch uninteressiertesten und auch egoistischsten
Studentengeneration aller Zeiten zu tun haben.

Das hieße also, diese neue Studenten-Generation ist noch schlimmer als die um die Jahrhundertwende, diese nationalen Burschenschaftler, Florettfechter und Biertrinker. Mag sein.
Wir können natürlich nicht nur jammern, wir müssen uns fragen, warum das so ist.
Sind die so „sediert“, wie Du sagst, weil man nix mehr aktiv beruflich großes machen kann? Weil die großen Perspektiven fehlen?
Aber haben andere Generationen nicht gerade besonders aktiv gegengesteuert, wenn das Land darnieder lag?

Man verkonsumiert
Wissen genau so wie das was man von den
Bildungspolitikern vorgesetzt bekommt.

Du zeichnest also eine Art oral-depressiven Studenten-Charakter.
Mag sein, dass Du damit einen Großteil der heutigen Studenten triffst.

Der Student als perfekt assimiliertes Wesen, der geübt
im wegstecken von Zumutungen ist. Vielleicht doch eine
Blaupause für den gewollten Arbeitnehmer in der
deutschen Wirtschaft?

Und ein Stück weit auch den analen Arschkriecher.
Leider kann ich Dir im Augenblick nur zustimmen.
Gruß,
Branden

Hallo Tom,

Deinen und Brandens Ausführungen habe ich nichts hinzuzufügen, möchte aber doch kundtun, wie oft ich mittlerweile hier Beiträge lese, die mich sofort unverhätnismäßig aggressiv machen. Meist beginnen sie so etwa „Ich bin 16, bereite mich jetzt schon auf das Abitur vor und habe vor, internationale BWL zu studieren um so schnell wie möglich Manager in einem Großkonzern zu werden. Wie kann ich …“.

Es entspricht eigentlich nicht meinem Charakter und auch nicht meiner Überzeugung, aber in solchen Momenten möchte ich eigentlich nur -verbal- zuschlagen. HIIILFEEEEE! Sind das die Menschen, die ab übermorgen unsere Gesellschaft prägen werden?

Also: Dank für die schönen Worte. Ach, und Stern natürlich auch.

Gruß
Ramona

Also: Dank für die schönen Worte. Ach, und Stern natürlich
auch.

Danke, danke. Aber wo sind sie denn jetzt, unsere Sterne?

1 „Gefällt mir“

Hallo Taju,

danke für Dein ausgewogenes Posting! Natürlich hast Du
Recht mit der Aussage, daß die Generation die heute die
Unis bevölkert
ein Produkt der Gesellschaft, und damit mehrheitlich
der Generationen vor Ihnen ist.
Letztlich manifestiert sich ja an den Hochschulen nur
die grundsätzliche „Übersättigung“ der Gesellschaft.
Genau wie andernorts freiwillige Feuerwehren wegen
mangelndem Engagement schließlich müssen oder die
Wahlbeteiligungen auf historische Tiefstände fallen, so
denken die Studis von heute eben einzig an ihren Platz
an der Sonne. Wo früher auf dem Weg zur Mensa die
Marxistisch-Leninistische Partei oder der RCDS
Flugblätter verteilte, werden heute billige
Handyverträge angeboten.
Vielleicht hast Du Recht und die Existenzangst trägt
ihren Teil dazu bei. Allerdings sind die Jobaussichten
der Akademiker immer noch sehr gut und die
Arbeitslosenquote der Hochqualifizierten sehr viel
geringer als der
Durchschnitt. So greift dieser Ansatz wohl zu kurz.
Vielleicht ist es auch das genaue Gegenteil: Es geht
uns zu gut. Wir jammern, wenn überhaupt, auf hohem
Niveau, aber die Schmerzgrenze die uns zur aktiven
Teilnahme am politischen Diskurs zwingen würde ist noch
weit entfernt. Es gibt keine APO mehr. Die Reizworte
von gestern, Atomkraft, Studiengebühren oder Abtreibung
lockt heute niemanden mehr hinter dem Ofen vor.

Der Befund, daß fehlendes soziales oder politischen
Engagement mit pragmatischem Realitätssinn verwechselt
wird, bleibt aber bestehen. Die Frage ist nur was
dagegen
unternommen werden kann.

Gruß
Tom

Danke, danke. Aber wo sind sie denn jetzt, unsere Sterne?

…sofort nach Posting erteilt und bei mir auch problemslos im Browser sichtbar.

Sternschulden sind schließlich Ehrenschulden ; )

Merci vielmal owT
:wink:

Hi!

1.ich bin für Studiengebühren, was nix kostet is nix
wert,sehe ich zuhauf in meinem Umfeld, wo zum x-ten
male der Studiengang gewechselt wurde, wenn die
Exmatrikulation drohte

Nun Ja, was soll man dazu sagen? Ich halte diese
Begründung für recht naiv. Außerdem geht sie am Kern
der Diskussion hier vorbei. Vielleicht, würde mich
freuen, können wir das nochmal in einem eigenen Thread
durchkauen?

  1. wohin haben uns „engagierte“ Studenten den
    gebracht? Joschka, Gerhard und co? Oder der
    RAF-Verteidiger Schily? Da habe ich lieber eine brave
    Studentin Merkl die dann zumindest versucht, das Land
    aus dem Dreck zu ziehen. Oder jemanden der
    für´s Studieren noch Geld bekommen hat wie Seehofer,
    der sich nicht nur um seine Pension kümmert sondern
    auch um Benachteiligte in unserer Gesellschaft.

Puh, also daß Du hier jetzt die parteipolitische Karte
spielst ist irgendwie unangemessen. Ich könnte viel,
sehr viel, zu den korrupten und teilweise kriminellen
Seilschaften der sicherlich sehr braven und
RCDS-kooperierten ehemaligen Studenten Kohl, Koch und
Kanther schreiben.

Es geht aber doch viel mehr um fehlende Engagement im
Allgemeinen. Ich meine doch gar nicht unbedingt die
linken Krawallos die am 1. Mai Kreuzberg in Schutt und
Asche legen. Man kann sich ja auch, wenn Dir das besser
gefällt, bürgerlich für etwas einsetzen.

Gruß
Tom

2 „Gefällt mir“

„Ich bin 16, bereite mich
jetzt schon auf das Abitur vor und habe vor, internationale
BWL zu studieren um so schnell wie möglich Manager in einem
Großkonzern zu werden. Wie kann ich …“.

HIIILFEEEEE! Sind das die
Menschen, die ab übermorgen unsere Gesellschaft prägen werden?

Und wo genau siehst du das Problem mit solchen Menschen?

Gruß
Oliver

Hi!

Deinen und Brandens Ausführungen habe ich nichts hinzuzufügen,
möchte aber doch kundtun, wie oft ich mittlerweile hier
Beiträge lese, die mich sofort unverhätnismäßig aggressiv
machen. Meist beginnen sie so etwa „Ich bin 16, bereite mich
jetzt schon auf das Abitur vor und habe vor, internationale
BWL zu studieren um so schnell wie möglich Manager in einem
Großkonzern zu werden. Wie kann ich …“.

Warum macht dich das aggressiv? Was ist daran verkehrt wenn jemand solche Gedanken oder Vorstellungen hat? Kannst du das bitte erklären?

Sind das die
Menschen, die ab übermorgen unsere Gesellschaft prägen werden?

Öhmm!? Wieso ab übermorgen? Sie haben es bereits getan, sind dabei, und werden aus auch weiterhin tun.

Gruß
Felix

Hallo Tom,

Letztlich manifestiert sich ja an den Hochschulen nur
die grundsätzliche „Übersättigung“ der Gesellschaft.
Genau wie andernorts freiwillige Feuerwehren wegen
mangelndem Engagement schließlich müssen oder die
Wahlbeteiligungen auf historische Tiefstände fallen, so
denken die Studis von heute eben einzig an ihren Platz
an der Sonne. Wo früher auf dem Weg zur Mensa die
Marxistisch-Leninistische Partei oder der RCDS
Flugblätter verteilte, werden heute billige
Handyverträge angeboten.

Herrlich provokativ. Aber naja, ernsthaft kann ich das so nicht bestätigen.

Vielleicht hast Du Recht und die Existenzangst trägt
ihren Teil dazu bei. Allerdings sind die Jobaussichten
der Akademiker immer noch sehr gut und die
Arbeitslosenquote der Hochqualifizierten sehr viel
geringer als der
Durchschnitt. So greift dieser Ansatz wohl zu kurz.

Mittlerweile bin ich seit 6 Jahren an der Uni tätig - und immer noch auf der Suche nach einem (ehemaligen) Studenten mit guten Jobaussichten. Klar, ich bin in der theologischen und der philosophischen Fakultät tätig und Geisteswissenschaftler haben natürlich eh gerade im Moment einen schweren Stand. Die Existenzangst halte ich schon für einen schwerwiegenden Grund, warum manch ein Ausflug in ein Engagement jedweder Art ausbleibt. Praktika und gute Zeugnisse dafür zählen. Nur mal nebenbei: Auch hier zeigt sich die Kurzsichtigkeit europäischer Bildungspolitiker (und Arbeitgeber) die vom amerikanischen Modell träumen: Gesellschaftliches Engagement ist dort sowohl eine wichtige Voraussetzung für einen Studienplatz an einer „Elite-Uni“ als auch für einen angeshenen Arbeitsplatz (was natürlich auch wieder manche Absurdität zur Folge hat). Auch sehe ich (sicherlich sehr Perspektivgebunden) die konsequente Ignorierung der Bedeutung von Geisteswissenschaften für die Bildungselite eines Landes allgemein. Wer in Harvard in Jura promovieren will, hat gar keine Chance, wenn er sich nicht auch fachlich außerhalb seines Faches umgesehen hat.
Wir Euopäer gönnen es uns nun, unsere Studenten in ein verschultes System zu zwängen, bei denen wir Arbeitsstunden in Credit-Points umrechnen. Verzweifelt versuchen wir nun, z.B. ein Theologiestudium europäischer Wissenschaftstradition dort hinein zu packen. Wohin mit den notwendigen Hilfswissenschaften: Latinum, Graecunm, Hebraicum, Philosophicum, Paedagogicum? Wie in abstruse Module, die die Verschulung zwingt, periodisch anzubieten, ein umfassendes Studium der Kirchengeschichte einpassen? Fremdsprachige (also auch ursprachliche) Lektüre kostet mehr Creditpoints als das Lesen einer hübschen, deutschsprachichgen Zusammenfassung…
Keine geisteswissenschaftliche Fakultät teilt diese Problem nicht. Gleichzeitig werden Studenten unter einer Art „Artenschutz“ gestellt, bloß nicht mehr verlangen, als erlaubt ist. Das bedeutet dann erfreuliche Diskussionen (mit denen ich derzeit meine Zeit verschwende): „Ich habe an dem ersten Teil der Hausaufgabe schon mehr als zwei Stunden gesessen, ich hätte aber nur eine Stunde benötigen dürfen, muss ich dann alles zuende lesen?“
Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass ein Rudi Dutschke mit dieser Einstellung studiert hat. Die meisten Studenten werden aber schon zu dieser Einstellung erzogen. Das von mir beklagte Diktum der Praxisrelevanz, und das ist ein schlechtes Erbe der 68er, hat tatsächlich die Einstellung des Studierens für den Beruf zur Folge (man erkennt das auch schön an dem untenstehenden Postings, wo man darüber philosophiert, dass man in der NÄhe des Elternwohnortes studieren sollte, sich aber gleichzeitig als lernbegierig darstellt…). Woher aber eine gute Praxis ohne fundierte Theorie kommen soll, wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben.
Tatsächlich erziehen wir Bildungskonsumenten heran und auch manch eine Schuldiskussion zeigt, dass man die Verantwortung für die Bildung einseitig auf die Lehrenden abwälzt.
Zudem sind aber auch die „satten alten Männer (und Frauen)“, die zu einer Mehrheit die Professorenschaft stellen, nicht hilfreich. Auf politische Zumutungen wird letztlich mit Resignation reagiert, statt für eine gute Ausbildung zu kämpfen, findet man sich damit ab, Qualität zu senken - man ist ja auch schließlich dauernd damit beschäftigt, auf dem Papier Leistungsvereinbarungen und -erklärungen zu verfassen. Ein Schelm, wer bei der ausufernden Bürokratisierung Böses denkt. Aber auch die Professoren haben die Freiheit der Universität, der Lehre und Forschung fallen lassen wie eine heiße Kartoffel.

Vielleicht ist es auch das genaue Gegenteil: Es geht
uns zu gut. Wir jammern, wenn überhaupt, auf hohem
Niveau, aber die Schmerzgrenze die uns zur aktiven
Teilnahme am politischen Diskurs zwingen würde ist noch
weit entfernt. Es gibt keine APO mehr. Die Reizworte
von gestern, Atomkraft, Studiengebühren oder Abtreibung
lockt heute niemanden mehr hinter dem Ofen vor.
Der Befund, daß fehlendes soziales oder politischen
Engagement mit pragmatischem Realitätssinn verwechselt
wird, bleibt aber bestehen. Die Frage ist nur was
dagegen
unternommen werden kann.

Dem Befund stimme ich zu, sehe dafür aber nicht nur die Studenten verantwortlich.
Es sollte jedem Studenten klar sein, dass mit oder ohne Gebühren, ein Studium ein Privileg (!) des Studenten ist (und nicht etwa seiner Eltern). Es sollte jedem, der lehrt, klar sein, dass sich die Gesellschaft seine Tätigkeit eine Menge kosten lässt und demenstprechend seinen Beruf als ein ebensolches Privileg ist.
Das Problem ist: Wir überlassen den gesellschaftlichen Diskurs einer eigenen Kaste, die sich durch einen derart erschreckenden selbstbezogenen Monolog mit dualistischer Standardrhetorik auszeichnet, dass sich jeder (nicht nur) halbwegs gebildeter Mensch angewidert abwendet, als zu tun, was seinen Privilegien und Möglichkeiten entspricht.

Grüße,
Taju

1 „Gefällt mir“

Danke für diese amüsanten Zeilen.

Den Vogel schoß aber jenes ab:

Nach der fortschrittlichen muss
anscheinend immer eine reaktionäre, mindestens aber
ängstlich-sistierende, Generation kommen.

Das war Dein bester fürs restliche Jahr, Du darfst zuhause bleiben.
Die letzte echte „Studentengeneration“ - die 68er - sind genau die, die für den Großteil der Probleme heutzutage direkt, *direkt*, verantwortlich sind.

Man betrachte das gescheiterte Menschenbild.
Man betrachte den gescheiterten Versuch in Sachen Pädagogik an Schulen.
Man betrachte das gescheiterte bundesrepublikanische Bildungssystem.
Man betrachte den gescheiterten Versuch in Sachen antiautoritärer Erziehung.
Man betrachte das blindwütige Dem-Verfall-preisgeben von gesellschaftlichen Normen und Werten.
Man betrachte das Abkippen der ursprünglichen 68er-Ideale, gut zu erkennen an Hand der ehemaligen Steinewerfer.
Man betrachte die allgemeine Entfremdung der Menschen vom logischen Denken.

Mit den Worten eines analytischen Hardliners: Alleine schon für diesen schmalen Ausschnitt an nachweislichen Verfehlungen müßte man alle damaligen Beteiligten auf der Stelle erschießen.

:wink:

MfG

Hi Tom,

die Logik hinter dem Desinteresse ist die, dass man es als Politiker nur als Psychotiker an die Spitze schafft. Der Politiker par exellance ist der Joker aus Batman. Der lacht wie ein Honigkuchenpferd, ballert aber alles kaputt. Solche leute suchen sie händeringend.

Ich engagiere mich nicht politisch, weil ich im wahrsten Sinne des Wortes kein Symphatisant irgendeines Funktionärs bin. Um mich einzubringen bin ich zu anspruchsvoll in der Wahl meines Umgangs. Einem dieser besagten Funktionäre eine Stimme zu geben, führt zwangsläufug zu einer Enttäuschung. Ich enthalte mich deshalb seit Jahren, damit auch sichergestellt ist, dass ich so wenig Kapital wie möglich für ihre selbstgefälligen Werbekampagnen beisteuere. Ansonsten mache ich das, was sie auch tun. Ich kümmer mich um meinen eigenen Kram. Allerdings brächte ich es nicht fertig mir meinen Dr. via Ghostwriter zu besorgen, egal, ob ich ihn irgendwann mal machen sollte.

Nicht die Wählerschaft, sondern die Minister (lat. Diener) sind an der Misere schuld. Wer kontinuierlich lügt, dem glaubt man nicht. Staatsoberhäupter, die sich selbst nicht an die Regeln halten, die sie zu ihren Gunsten festlegen erhalten durch niedrige Wahlbeteiligungen genau das Feedback, das ihnen zusteht. Wenn Politiker abends im Bett liegen und sich fragen, warum sie keiner mag, dann hat die Demokratie ganze Arbeit geleistet.

Ich finde, dass Alles in bester Ordnung ist.

Viele Grüsse,

Hilmar

Hi!

Naja, irgendwie muß ich Branden da schon Recht geben.
Gesellschaftlich und auch historisch scheinen sich
viele Dinge in Zyklen abzuspielen. Es geht hier doch,
daß scheinen einige gar nicht begriffen zu haben, nicht
um „richtig“ oder „falsch“. Es geht um das znächst
einmal wertneutrale Engagieren für ein Ding das die
Allgemeinheit betrifft. Aus welchen persönliche
Überzeugungen heraus das kommt ist zunächst mal nicht
wichtig.

die, die für den Großteil der Probleme heutzutage
direkt, *direkt*, verantwortlich sind.

Naja, daß ist jetzt aber auch etwas polemisch. Zumal
das Welt- und Menschenbild der Konservativen, soweit
sowas überhaupt geschlossen existiert (da bin ich mir
nicht so sicher), auch nicht eben bessere Früchte
getragen hat.
Alles hat doch immer zwei Seiten.

Man betrachte das gescheiterte Menschenbild.

Das verstehe ich nicht. Gefällt Dir die klassische
Rollenaufteilung besser? Oder meinst Du, die linken
hätten sich beim Glauben an das Gute im Menschen
geirrt?

Man betrachte den gescheiterten Versuch in Sachen
Pädagogik an Schulen.

Kann ich so nicht nachvollziehen. Für mich ist das
dogmatisches Festhalten am Dreigliedrigen System, eine
Herzensache der Konservativen, jedenfalls pädagogisch
ziemlich fragwürdig. Außerdem haben seinerzeit vor
allem die „Linken“ eine Lehre an Schulen ermöglicht die
frei von körperlicher Züchtigung war. Ich z.B. bin von
netten Ordensschwestern an meiner Grundschule im
tiefschwarzen Bayern Mitte der 80er noch mit
Backpfeiffen und Kopfnüssen bestraft worden.

Man betrachte das gescheiterte bundesrepublikanische
Bildungssystem.

Das scheitert gerade durch die vollkommen
schwachsinnige Föderalismusreform, die Einführung von
BA und MA sowie Studiengebühren und einer vollkommenen
Unterfinanzierung. Eine Politik die stark von den
Bürgerlichen Parteien gefördert wird.

Man betrachte den gescheiterten Versuch in Sachen
antiautoritärer Erziehung.

Punktuell richtig. Die Autoritäre Erziehung hat ein
paar Jährchen davor aber auch nicht wirklich gut
funktioniert, was?

Man betrachte das blindwütige Dem-Verfall-preisgeben
von gesellschaftlichen Normen und Werten.

Wenn Politiker die sich christlich nennen und bis über
beide Ohren in Korruptionsskandalen, Waffenschiebereien
und Geldwäsche verstrickt sind, wie unser toller
Innenminister a.D. Manfred Kanther (mittlerweile
vorbestraft), dann ist das wohl keine Abkehr von
gesellschaftlichen Normen und Werten?

Man betrachte das Abkippen der ursprünglichen
68er-Ideale, gut zu erkennen an Hand der ehemaligen
Steinewerfer.

Wirst Du Fischer vor, daß er sich von seinen Handlungen
distanziert hat?

Man betrachte die allgemeine Entfremdung der Menschen
vom logischen Denken.

Die Mehrzahl der Intellektuellen hierzulande wählt
immer noch nicht schwarz. Ist Dir das entgangen?
Ich jedenfalls halte mir zugute logisch denken zu
können und stehe trotzdem nicht dem bürgerlichen Lager
nahe. Was sagst Du jetzt?

Mit den Worten eines analytischen Hardliners: Alleine
schon für diesen schmalen Ausschnitt an nachweislichen
Verfehlungen müßte man alle damaligen Beteiligten auf
der Stelle erschießen.

Dein analytischer Hardliner sollte für diese Aussage
wegen Volksverhetzung angeklagt werden und sich besser
in Behandlung begeben. Vielleicht zu Branden in die
Praxis? :smile:

Gruß
Tom

2 „Gefällt mir“

Mein Eindruck ist der, daß wir es momentan mit der
politisch uninteressiertesten und auch egoistischsten
Studentengeneration aller Zeiten zu tun haben.

Dann würde ich Sozialarbeit oder Lehramt studieren. Da gibt es genug linksgrüne Gutmenschen, genau das was du suchst.

Klar, auch heute gibt es noch ASten und eine handvoll
engagierte Studis dort.

Selten so gelacht!

MfG

Hallo zur abschließenden Klärung.
Nachtrag: Mußte den Kommentar nochmal neu schreiben, weil alles plötzlich weg war :frowning:

die, die für den Großteil der Probleme heutzutage
direkt, *direkt*, verantwortlich sind.

Naja, daß ist jetzt aber auch etwas polemisch. Zumal
das Welt- und Menschenbild der Konservativen, soweit
sowas überhaupt geschlossen existiert (da bin ich mir
nicht so sicher), auch nicht eben bessere Früchte
getragen hat.

Das mag stimmen, geht aber am Kern der Sache vorbei, denn 1. pflege ich kein konservatives Weltbild und 2. bin ich nicht von einem ausgegangen. Daher hebt mich der Fingerzeig auf die Konservativem überhaupt nicht an.
Polemisch ist es ganz und gar nicht; ich habe extra in der Liste die Dinge aufgeführt, die inzwischen eben *nachweisbar* sind und/oder sich tagtäglich empirisch beobachten lassen. Beispielsweise beklagen die führenden Demographen seit Jahren den spürbaren Erziehungsnotstand der Republik.

Alles hat doch immer zwei Seiten.

Sicher - nur begreifen die meisten nicht, daß der Mensch ein in zwei ziemliche Extreme zerrissenes, metaphysisches Wesen ist - sich demzufolge auch ein solches Denken ausgebildet hat und echte Fortschritte stets nur mit Hybridlösungen (Mischlösungen) zu erreichen sind. Das zeigt die Geschichte eindeutig, und die Geschichte zeigt auch, daß oft „Kompromiß“ das Gegenteil einer wirkungsvollen Hybridlösung ist.
Also bspw. nicht liberal gegen konservativ, sondern beides gleichzeitig in dem bekannten „Widerstreit der Kräfte“, wie es Goethe nannte und als eines der zentralen Themen im Faust verarbeitete.

Man betrachte das gescheiterte Menschenbild.

Das verstehe ich nicht. Gefällt Dir die klassische
Rollenaufteilung besser? Oder meinst Du, die linken
hätten sich beim Glauben an das Gute im Menschen
geirrt?

Im ersten Moment mag man es ja als Errungenschaft betrachten, die klassische Familie gebrochen zu haben. Doch statt bspw. die klassische Familie liberaler umzubauen oder Alternativen parallel dazu zu bieten, wurde das Grundelement einer jeden menschlichen Gemeinschaft - die Familie - radikal ausgelöscht. Nicht Modernisierung fand statt (wie es die 68er oft behaupten, um noch gut wegzukommen), sondern die Familie als solche wurde rigoros durch die „Kommune 1“ und die „freie Liebe“ ersetzt.
Die Ernte fahren wir heute ein: Geburtenrückgang, Einkindehen, Nullkindehen, tagtäglich mehr und mehr schwindender Gemeinsinn.
Neueste Erkenntnis: Einzelkinder und/oder Kinder mit geringer/unregelmäßiger Kindergartenerfahrung tendieren selsbt stark dazu, kinderarm oder kinderlos zu werden. Mit anderen Worten: In diese Gesellschaft ist Gift bis aufs Mark eingedrungen und die mittelfristigen Entwicklungen sind so gut wie unumkehrbar festgelegt. Nicht nur, daß JETZT die Kinder fehlen, sie werden auch in Zukunft fehlen, WEIL sie jetzt schon fehlen.

Man betrachte den gescheiterten Versuch in Sachen
Pädagogik an Schulen.

Kann ich so nicht nachvollziehen. Für mich ist das
dogmatisches Festhalten am Dreigliedrigen System, eine
Herzensache der Konservativen, jedenfalls pädagogisch
ziemlich fragwürdig.

Das mag stimmen, ist aber auch keine Ausrede - die Linken haben ebensowenig den Finger krumm gemacht. Keiner der Genossen der BRD wollte bis 1990 etwas hören von den Genossen hinter dem Eisernen Vorhang in Sachen Ganztagsbetreuung und Schulstruktur.

Wie sagte es ein einstiger Bundeskanzler: „Die Linken bestreiten alles, nur nicht ihren Lebensunterhalt“. Mag dieser Satz im allgemeinen natürlich Unfug sein, so trifft er auf die damalige und in Teilen eigentlich noch auf die heutige BRD-Linke zu.

Außerdem haben seinerzeit vor
allem die „Linken“ eine Lehre an Schulen ermöglicht die
frei von körperlicher Züchtigung war.

Das mag stimmen, hier treten Dir jetzt aber Deine „zwei Seiten“ ans Bein. Die Linken mögen die „Methode Ohrfeige“ abgeschafft haben, doch haben sie gleich das gesamte Wertefundament einer Schule mit aus dem Fenster gekippt; regelrecht zerstört wurde die „Erziehungsanstalt Schule“ und zur reinen abstrakten, kuschligen „Bildungseinrichtung“ entstellt. Es wurde einfach zuweit getrieben und die Probleme erntet man heute.

Man betrachte das gescheiterte bundesrepublikanische
Bildungssystem.

Das scheitert gerade durch die vollkommen
schwachsinnige Föderalismusreform, die Einführung von
BA und MA sowie Studiengebühren und einer vollkommenen
Unterfinanzierung. Eine Politik die stark von den
Bürgerlichen Parteien gefördert wird.

Das mag *jetzt* stimmen, übersieht aber die „zweite Seite“ - diesen Mangel des Systems, dieses Gehabe in der Tradition eines Deutschen Bundes hätte man schon vor *Jahrzehnten* eliminieren KÖNNEN und MÜSSEN.

Man betrachte den gescheiterten Versuch in Sachen
antiautoritärer Erziehung.

Punktuell richtig. Die Autoritäre Erziehung hat ein
paar Jährchen davor aber auch nicht wirklich gut
funktioniert, was?

Das nun wieder ist tatsächlich polemisch. Wer beim Schlagwort „autoritäte Erziehung“ durch die Blume auf die Nazizeit oder auf Zeiten der körperlichen Züchtigung weist, hat in einer sachlichen Diskussion nichts zu suchen, weil damit ein regelrechtes Abwürgen des Themas stattfindet.

Übrigens ist „autoritäre Erziehung“ eine Tautologie („tote Leiche“, „grünes Gras“, „tiefe Kluft“, …) und „antiautoritäre Erziehung“ ist eine Absurdität -

Erziehung IST von Natur aus STETS autoritär.

Hier sieht man, welch unsinnige Ausmaße der 68er-Versuch eigentlich trägt und welche fatalen Konsequenzen dies heutzutage eben mitsichbringt.

Man betrachte das blindwütige Dem-Verfall-preisgeben
von gesellschaftlichen Normen und Werten.

Wenn Politiker die sich christlich nennen und bis über
beide Ohren in Korruptionsskandalen, Waffenschiebereien
und Geldwäsche verstrickt sind, wie unser toller
Innenminister a.D. Manfred Kanther (mittlerweile
vorbestraft), dann ist das wohl keine Abkehr von
gesellschaftlichen Normen und Werten?

Wieder einseitig durchaus richtig. Doch woher kommt es nur, daß im Gegenzug gleich gegen die Konservativen gewettert wird, wo ich doch kein Wort habe fallen lassen, ich wäre rein konservativ oder dergleichen?

Wenn Du versucht hast, mich damit abzuschießen, geht das also gründlich daneben - aber ich unterstelle Dir einfach das Motiv einer regulierenden Bemerkung, so daß Du also glänzend wegkommst dabei. :smile:

Man betrachte das Abkippen der ursprünglichen
68er-Ideale, gut zu erkennen an Hand der ehemaligen
Steinewerfer.

Wirst Du Fischer vor, daß er sich von seinen Handlungen
distanziert hat?

Ich werfe nicht vor, ich stelle fest, daß die einstigen Umstürzler selbst zu Bonzen wurden. Und da können sich auch solche Holzkasper wie ein Herr Fischer Abertausende Male distanzieren, das spielt dabei in dem Sinne einfach keine Rolle. Sie sind selbst zu einem noch viel selbstgefälligeren Abbild von dem geworden, was sie einst so bekämpften.
Will man das unbedingt als Vorwurf verstehen, meinetwegen, so ist es einer - doch wenigstens ein absolut berechtigter.

Man betrachte die allgemeine Entfremdung der Menschen
vom logischen Denken.

Die Mehrzahl der Intellektuellen hierzulande wählt
immer noch nicht schwarz. Ist Dir das entgangen?
Ich jedenfalls halte mir zugute logisch denken zu
können und stehe trotzdem nicht dem bürgerlichen Lager
nahe. Was sagst Du jetzt?

Da brauch ich nicht viel sagen. Du bist wieder sehr schnell und voreilig mit der schwarzen Karte bei der Hand. Das soll mich nicht weiter kümmern – Der Kommentar war nicht einseitig auf die Intellektuellen bezogen. Es ging um eine regelrecht implantierte Mentalität, die nichts anderes als logische Konsequenz von einigen vorher genannten Punkten ist. Schau Dir an, wie die Gesellschaft eigentlich stündlich zerfällt und welche zwischenmenschlichen Absurditäten dies fördert, hervorbringt, verschärft etc …

Mit den Worten eines analytischen Hardliners: Alleine
schon für diesen schmalen Ausschnitt an nachweislichen
Verfehlungen müßte man alle damaligen Beteiligten auf
der Stelle erschießen.

Dein analytischer Hardliner sollte für diese Aussage
wegen Volksverhetzung angeklagt werden und sich besser
in Behandlung begeben. Vielleicht zu Branden in die
Praxis? :smile:

Nein, er sollte höchstens eine Ohrfeige für einen vorlauten und einnehmenden Tonfall abbekommen - diese Ohrfeige nehme ich aber gerne, sie ist verdient. Das macht aber die gelungene Stichelei nicht schlechter :smile: :smile: :smile:

Übrigens verbaler Faux-pas Deinerseits. Den Satz mit Branden kann man auch sehr lustig gegen die von Dir gewollte Bedeutung auslegen. =)

So genug mit dem Thema jetzt hier.

Ciao

1 „Gefällt mir“

hallo Ramona,
ich fand Deine Überschrift nicht wieder in Deinen Formulierungen. Ich kenne den Spruch etwa so:
Wer mit zwanzig nicht links ist, der hat kein Herz. Wer mit vierzig noch links ist, der hat keinen Verstand."
Wenn ich die Diskussion hier so lese, habe ich den Eindruck: die Phase mit Herz wird übersprungen zugunsten des raschen Vorankommens in der Ellenbogengesellschaft. Ausbügeln können die Ergebnisse ja dann solche Volltrottel wie es z.B. sozial engagierte Sozialarbeiter sind. Erzieher in Einrichtungen für sozial Geschädigte unter Jugendlichen.
Die Leute, die diese Phase überspringen, stehen in ihrem eigenen Leben seelisch teilamputiert da. Das rächt sich im Privaten und auch im Beruflichen, spätestens ab der midlife-crisis. Gruß, I.