Hallo!
Vielen Dank! Wow - auch ich bin echt überwältigt. Wie kann
eine einzige Person das alles wissen?
Och… ich studier Linguistik und hab mich schon immer für sowas interessiert. Aber echte Professoren wissen noch viel mehr. Unser Professor in der Linguistik scheint wirklich *alles* zu wissen, er scheint auch alle Sprachen zu beherrschen. 
„Subjekt“ und „Objekt“ sind allerdings Begriffe, die nicht auf
alle Sprachen wirklich zutreffen können. So zum Beispiel im
Tagalog (das kann ich nicht erklären, leider) oder im
Acehnesischen (malayo-polynesisch, aus Sumatra) — dort können
„Subjekte“ Eigenschaften haben, die bei uns eher Objekte
hätten… daher passt der Begriff dort nicht. In der
Linguistik versucht man, ihn eher zu vermeiden.
Ich will mal an dieser Stelle einhaken, weil die anderen
Beispiele sehr viel mehr ins Detail gehen:
Meinst Du, dass diese unterschiedlichen grammatikalischen
Strukturen Einfluss auf das Denken eines Menschen haben? Jetzt
nicht speziell die Frage, ob sich Objekte und Subjekte
unterscheiden, sondern generell wenn Sprachen so
unterschiedlich aufgebaut sind.
So eine Theorie gibt es: Die Sapir-Whorf-Theorie, diese besagt, dass das Denken die Sprache nicht nur beeinflusst, sondern sogar bestimmt. Und umgekehrt auch. Kategorien, die wir nicht in unserer Sprache haben, können wir nicht konzeptualisieren.
Die meisten Forscher lehnen diese Theorie jedoch heute ab, bzw. glauben eher an eine abgeschwächte Form: Nämlich, dass Sprache das Denken beeinflusst (und umgekehrt). Das ist fast mit Sicherheit der Fall, wie etliche Untersuchungen gezeigt haben.
Wir haben dazu ein Seminar in diesem Semester: „Allgemeine Relativitätsforschung“, da geht’s u.A. um Sprachen, die unterschiedliche Farbwörter haben, oder Sprachen, die keine Zahlwörter kennen, oder Sprachen, die eine komplett andere Raumdeixis haben — d.h. z.B., im Himalaya gibt’s Sprachen, die keine Wörter für „links“ und „rechts“ haben, sondern die sich absolut orientieren, also nach Himmelsrichtungen bzw. nach „oben“ und „unten“ oder „bergauf“ und „bergab“. Da gibt’s dann Versuche, wo sie Bilder beschreiben, wiederfinden oder Anordnungen von Gegenständen reproduzieren müssen… und das machen sie dann anders als wir.
Ein Beispiel habe ich genannt: Das grammatikalische Geschlecht
entscheidet unter anderem darüber, welches Geschlecht wir
einem geschlechtslosen Gegenstand zuordnen: Die Sonne ist eine
Frau, der Mond ein Mann. Hunde sind Jungs, Katzen sind Mädchen
… irgendwie. Das ist relativ harmlos.
Lustig! Ich habe nächste Woche zu *genau* diesem Thema einen Kurzvortrag in obengenanntem Seminar! Es gibt Untersuchungen, ob Spanisch-, Französisch-, Englisch- und Deutschsprecher sich an den grammatikalischen Geschlechtern orientieren, wenn man ihnen sagt, dass sie für Personen und Gegenstände sagen sollen, welche Stimme (männl. oder weibl.) diese in einem zu produzierenden Film haben sollten. Dabei verhalten sich nicht alle gleich. Es scheint, als gehen Deutsche nicht sehr stark nach ihrem Genus-System vor, sondern richten sich eher nach anderen Eigenschaften der Objekte selbst — damit sind sie lustigerweise näher an den Spanischen Genus-Zuweisungen. Mit anderen Worten: das spanische Genussystem ist intuitiver als das Deutsche. 
In den romanischen Sprachen ist übrigens die Sonne männlich und der Mond weiblich.
Aber wenn Du sagst,
dass manche Sprachen keine Konjunktionen kennen, wie schafft
es dann ein Mensch formal-logische Verknüpfungen zu denken?
Naja, Konjugation braucht man nicht. Englisch hat ja auch fast keine. Wenn man einfach sagen kann „ich gehen, du gehen, er gehen, wir gehen…“, dann ist ja auch schon alles klar. Das Deutsche ist sogar komisch, weil man sowohl konjugiert als auch die Pronomen setzt. Im Spanischen kann man die Pronomen eigentlich immer weglassen („Pro-Drop“), aber im Deutschen geht das fast nie: *Gehen ins Kino. ist ungrammatisch, Vamos a la playa. im Spanischen nicht. 
„(Er-)leben“ Engländer anders als wir, weil in ihrer Sprache
die Verlaufsform einen viel größeren Stellenwert hat als im
Deutschen? Würde sich unser Verhältnis zum Wirklichen und
Virtuellen verändern, wenn es keinen Konjunktiv mehr gäbe (pun
intended)?
Gute Fragen, ich denke, im Großen und Ganzen sind die Unterschiede nicht so groß. Menschen, die nur 2 oder 3 Farbwörter kennen („dunkel, hell und rot“), können auch eine gelbe von einer grünen Banane unterscheiden, drücken aber diesen Unterschied nicht in ihrer Sprache aus (natürlich können sie „reif“ und „unreif“ dazu sagen).
Drehen wir den Spieß mal rum: Was haben alle Sprachen
gemeinsam? Ich schreibe jetzt mal, was ich mir selbst dazu
denke. Du darfst mich gerne gegebenenfalls verbessern und
ergänzen:
Sprache ist ein Mittel zur Kommunikation zwischen Menschen.
Sie besteht aus Begriffen, die für „Dinge“ (Substantive) und
„Vorgänge“ (Verben) stehen. Zu einem Begriff gehört eine
bestimmte Lautfolge und (meistens) ein oder mehrere
Schriftzeichen. Das nennen wir dann Wörter. Wörter können zu
Sätzen zusammengefügt werden.
Klingt schon sehr gut, ja. Ich denke, Substantive und Verben gibt’s in jeder Sprache. Alle Sprachen haben Wörter (die Definition von „Wort“ ist allerdings auch nicht ganz eindeutig), die sie zu Sätzen zusammensetzen können, genau. Schriftzeichen gibt’s nicht in allen Sprachen, viele Sprachen sind bisher ungeschrieben, das ist also kein Kriterium.
Bis hierhin klingt das unglaublich trivial. Aber bisher ist
das auch nur eine Sprache, die man auch jedem Schimpansen
beibringen kann: „Lucy legen Banane rot Korb.“
Ich glaube, kein Schimpanse hat solche komplexen Sätze, die über zwei zusammenhängende Wörter hinausgehen, fabrizieren können. Meist läuft es (mittels Gebärdensprache oder Tasten/Bildchen) nur auf „Kanzi Hunger“, „Banane wo?“ u.Ä. hinaus.
Für die komplexeren Bestandteile finde ich spätestens nach
Deinem Posting keine gemeinsamen Punkte mehr. Gibt es die? Ich
weiß, das geht jetzt in Richtung Universalgrammatik, aber bei
Wikipedia fand ich mehr oder weniger nur die Definition der
Universalgrammatik, aber nicht ihre Aussagen.
Es gibt schon einige Gemeinsamkeiten, die alle Sprachen innehaben, aber das sind nicht sehr viele… alle Sprachen haben die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Sprechern (v.A. Sprecher und Hörer und andere) zu unterscheiden. Bis vor kurzem nahm man auch an, alle Sprachen können beliebig lange Sätze formen, denn man kann ja vor jeden Satz noch „Maria weiß…“ oder „Maria sagt:“ setzen, und vor diese auch, und vor diese ebenso… und immer so fort. Der Linguist, der die Sprache Pirahã untersucht, behauptet aber, dort ginge das nicht. Ob das nun wirklich der Fall ist, ist schwer zu sagen…
Liebe Grüße,