Hallo Bert!
Eine Mutter von 5 Kindern wird nicht krank. Das soll nicht unbedingt heißen, daß Du nun augenblicklich Deine Freundin schwängern sollst, sondern: Streß, Anspannung, ein ausgefüllter Tag, unaufschiebbare Aufgaben, die den ganzen Menschen körperlich und geistig fordern, lassen den Doc arbeitslos werden.
Wer von früh bis spät unter Dampf steht, dabei einem möglichst bunten Gemisch von „rauchendem Kopf“ bis zu körperlicher Anstrengung ausgesetzt ist, wird sich von ganz alleine nicht ausschließlich von Müsli ernähren. So ein Mensch wird auch nicht sofort krank, weil nebenan jemand niest. Schonung ist das Letzte, was ein einigermaßen gesunder Mensch gebrauchen kann. Wichtig scheint mir zu sein, daß die Beanspruchung Körper und Geist einschließt. Nur körperliche Beanspruchung reicht nicht, nur geistige Arbeit ebenso wenig, jede Einseitigkeit taugt auf Dauer nichts.
Im Grunde scheinen mir die Ernährungsgewohnheiten Deiner Freundin in Ordnung zu sein. Es fehlt wohl gelegentlich etwas Herzhaftes und ein bißchen Fettgehalt in der Nahrung ist keineswegs schädlich. Aber der Alltag darf den Menschen nicht zu weich betten. Was nicht gefordert wird, rostet ein, wird anfällig und krank. Wer 35 Sorgenfrei-Wochenstunden am Büroschreibtisch hockt, kurz ins Auto und dann zu Hause die restliche Zeit verbringt, stets alles auf 21°C klimatisiert, sich um rein nichts kümmern muß, alles ist mühelos, zuständig sind immer andere, wird in ganzer Breite lebensuntüchtig. Unsere überwiegend urban geprägte Lebensart macht krank, erzeugt anfällige Mimosen. Wer dann auch noch wegen jedem verklemmten Furz Antibiotika einwirft und sich ins Bett legt, gewöhnt dem eigenen Körper die Abwehrkraft ab.
Was ich hier zum Besten gebe, sind nur Beobachtungen. Ich habe mehrmals erlebt, wie unsinnig mancher ärztliche Rat war, sich zu schonen oder gar ins Bett zu legen. Überall ist zu sehen, wie Menschen ohne oder mit nur einseitiger Beanspruchung abbauen. Andererseits ist aber auch zu beobachten, wie Menschen unter Dauerdampf bis ins hohe Alter agil bleiben, ohne je krank zu werden.
Bei mir wiederholte sich im Laufe der Jahre folgende Situation: Eine neue Freundin kennengelernt. Frauen - ist einfach so - äußern sehr bald den Wunsch nach einem gemeinsamen Urlaub. Das Ergebnis ist immer gleich, spätestens nach 2 oder 3 Tagen bin ich das heulende Elend mit Fieber und Erkältung. Es scheint so zu sein, daß der Körper während der jahrelangen Daueranspannung für Abwehrkräfte sorgt. Plötzlich kehrt ungewohnt Untätigkeit ein. Die Abwehrstoffe bleiben aus. Der Mensch liegt flach.
Wenn ich mir ansehe, wie viele Menschen so unendlich ruhig und rundherum versorgt ihre Tage verbringen, wundern mich die Krankenstände nicht, die wohl nicht zufällig bei Beamten am höchsten sind
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Gruß
Wolfgang