Selbständigkeit aufgeben oder umstrukturieren ?

Hallo Experten,

folgender angenommener Fall:

X hat keinen Berufsabschluss, hat aber viele Erfahrungen durch nicht beendetes Studium in relevanten Fachgebieten gesammelt. X beschließt dann sich selbständig im Bildungsbereich zu machen, mietet Räume, stellt Fachpersonal ein. X investiert nicht für Werbemittel, Mund-zu-Mund-Propaganda läuft. Allerdings hat X falsch kalkuliert. Zu hohe Lohn- und Mietkosten gegenüber zu geringen Einnahmen. X erhöht daraufhin die Preise minimal. Ein Jahr später steht X dann kurz vor dem Aus, erwirtschaftet monatlich etwa 500 Minus.

Prinzipiell könnte man sagen, dass die Kunden nicht ausbleiben, der Laden vom Prinzip her gut läuft, das Problem wohl darin besteht, dass X dem Personal zuviel Lohn bezahlt und zu günstige Preise berechnet.

Die Frage ist nun, ob X den Laden schließt oder die Preise erhöht und die Kosten senkt?

Würde mich über ein paar Meinungen freuen!

Viele Grüße!

Prinzipiell könnte man sagen, dass die Kunden nicht ausbleiben, der Laden vom Prinzip her gut läuft,

Er macht Verlust und das nennst Du „gut laufen“.

Die Frage ist nun, ob X den Laden schließt

Wäre eine Möglichkeit.

oder die Preise erhöht

Hat ja schon einmal nicht funktioniert.

und die Kosten senkt?

Das wäre wohl das Gebot der Stunde.

Hallo Nordlicht,

danke für Deine Antwort.

Er macht Verlust und das nennst Du „gut laufen“.

Ich nenne das „schlecht gewirtschaftet“ aber guter Zulauf. Also die Kunden kommen, aber X hat schlecht kalkuliert und die Einnahmen und Ausgaben falsch angesetzt.

oder die Preise erhöht

Hat ja schon einmal nicht funktioniert.

Naja, X hat die Preise wirklich nur minimal erhöht, vielleicht wäre da mehr drin…

und die Kosten senkt?

Das wäre wohl das Gebot der Stunde.

Okay. Miete geht nicht zu senken, günstigere Räumlichkeiten sind nicht vorhanden. Also bleiben nur die Lohnkosten. Aber wie den Angestellten beibringen? Und wieviel ist vertretbar? Und wie verkauft man das am besten?

Vielen Dank für Deine Hilfe!

Viele Grüße!

Servus,

Aber wie den Angestellten beibringen?

genau so, wie das z.B. bei Actros in Wörth geschieht: „Entweder Arbeitsplatz weg, oder Lohnsenkung - und Arbeitsplatz bleibt vielleicht erhalten“.

Und wieviel ist vertretbar?

Das richtet sich nach dem Markt. Wenn bereits jetzt 3,50 €/h bezahlt wird, dürfte da wenig Luft nach unten sein.

Schöne Grüße

MM

Das richtet sich nach dem Markt. Wenn bereits jetzt 3,50 €/h
bezahlt wird, dürfte da wenig Luft nach unten sein.

Schwarzgelb lässt aber hoffen …

Gruss

Uli

Was soll das jetzt?

Schwarzgelb lässt aber hoffen …

Wäre es besser denn, wenn es €19 wären, von denen €18,99 Sozialabgaben und Steuern sind?

Aber zurück zum Thema:
Es gibt immer das Spiel von Angebot und Nachfrage. Zahlt X dem Angestellten A mehr als der Laden hergibt, so solte X die Lohnkosten senken.

Ist A nicht bereit, für das neue Gehalt zu arbeiten, da A den Wert seiner Zeit höher als das kommende Gehalt einstuft, so hat X keine Wahl als das Arbeitsverhältnis aufzulösen (warum keine Wahl? Darum: Entweder X schmeißt dann A raus und senkt dadurch die Kosten um die Existenz des Unternehmens zu sichern - oder X geht einfach pleite, dann hat A auch keinen Job mehr)

Dadurch hat A dann zwar nicht mehr Geld, aber mehr Freizeit und im Endeffekt keinen Nutzeneinbußen (da die Zeit ja höher bewertet wird als das Gehalt).

Aber das ist ja dann sozial.

Gruß,
Michael

Hi Michael,

Wäre es besser denn, wenn es €19 wären, von denen €18,99
Sozialabgaben und Steuern sind?

Und was ist das? Ein sachlicher Beitrag?

Ist A nicht bereit, für das neue Gehalt zu arbeiten, da A den
Wert seiner Zeit höher als das kommende Gehalt einstuft, so
hat X keine Wahl als das Arbeitsverhältnis aufzulösen (warum
keine Wahl? Darum: Entweder X schmeißt dann A raus und senkt
dadurch die Kosten um die Existenz des Unternehmens zu sichern

  • oder X geht einfach pleite, dann hat A auch keinen Job mehr)

So einfach geht BWL? Wie wäre es denn mit einer professioionellen Betriebsführung, die von einer realistischen Kostensrtruktur ausgeht und angemessene Preise auf dem Markt realisiert. Verkauf bedeutet ja nicht nur so lange mit dem Preis runter zu gehen, bis der Kunde unterschreibt.

Aber das ist ja dann sozial.

Also ich gehe davon aus, dass man von seiner Arbeit auch leben können soll. Wenn jemand neben seiner Arbeiit noch Stütze bekommen muss, ist es eine Subvention für den Unternehmer.

Gruß
Uli

Hallo,

Er macht Verlust und das nennst Du „gut laufen“.

Ich nenne das „schlecht gewirtschaftet“ aber guter Zulauf.

ich bin mir sicher, wenn ich mich auf die Straße stelle, und Produkte unabhängig von Einkaufspreis 50% billiger als die Konkurrenz verkaufe, dann habe ich auch guten Zulauf. Es würde allerdings nicht viel Zeit vergehen, bis ich auf den Gedanken käme, daß mein Geschäft a) nicht gut läuft und b) daß ich ein Problem mit der Differenz zwischen Ein- und Verkaufspreis habe.

Also die Kunden kommen, aber X hat schlecht kalkuliert und die
Einnahmen und Ausgaben falsch angesetzt.

Was ich damit sagen wollte: vielleicht kämen die Kunden nicht mehr, wenn er vernünftige (=kostendeckende) Preise ansetzte.

Gruß
Christian

Was ich damit sagen wollte: vielleicht kämen die Kunden nicht
mehr, wenn er vernünftige (=kostendeckende) Preise ansetzte.

Hallo Christian,

danke für Deine Antwort. Okay, kostendeckend ist die eine Seite. Allerdings leben doch viele Betriebe eben davon, dass sie eben billiger sind as die Konkurrenz. Zu Aldi z.B. würde auch niemand mehr gehen, wenn die plötzlich so teuer wären, wie z.B. Rewe. Oder?

Daher denke ich, dass X mit seinen Preisen schon gut gerechnet hat, allerdings die Ausgaben dagegen zu hoch angesetzt hat.

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Das richtet sich nach dem Markt. Wenn bereits jetzt 3,50 €/h
bezahlt wird, dürfte da wenig Luft nach unten sein.

Hallo Martin,
danke auch Dir für Deine Antwort. Nehmen wir mal an X beschäftigt ausschließlich Studenten und zahlt einen Stundenlohn von 13,33 Euro zzgl. Provisionen. Dafür machen sie aber auch wirklich einen guten Job, sind engagiert, zuverlässig und fleißig. Bei einer Lohnkürzung muss man doch einen Rückgang der Arbeitsleistung und Motivation rechnen oder?

Ist A nicht bereit, für das neue Gehalt zu arbeiten, da A den

Wert seiner Zeit höher als das kommende Gehalt einstuft, so
hat X keine Wahl als das Arbeitsverhältnis aufzulösen (warum
keine Wahl? Darum: Entweder X schmeißt dann A raus und senkt
dadurch die Kosten um die Existenz des Unternehmens zu sichern

  • oder X geht einfach pleite, dann hat A auch keinen Job mehr)

Hallo Mike,

danke für Deine Antwort. Das klingt einleuchtend, allerdings habe ich oben schon geschrieben, dass ich vermute, dass wenn X den Lohn kürzt, die Angestellten die vorherige Leistung nicht mehr erbringen, und somit die Kunden vertreiben. Die Frage ist, wie man die Angestellten trotzdem bei Laune hält, ohne Verlust der Motivation durch die Lohnsenkung.

Die Schwierigkeit hierbei ist, dass die Angestellten keine Festanstellung haben, sondern Studenten auf 400 Euro Basis sind. Die finden schnell was anderes, und die Einstellung gegenüber einem Minjob ist schon eine andere, als die gegenüber einer Festanstellung.

Und was ist das? Ein sachlicher Beitrag?

Nein, Polemik.
Nur zum Zeigen dass die Höhe des Gehalts welches der Arbeitgeber zahlt irrelevant ist (Lohnkosten), da es um die Höhe des Gehalts geht, was der Arbeitnehmer bekommt (Wert der Arbeit).
Die Politik schraubt, je nach Parteifahne, an den Lohnnebenkosten (s/g runter, rot hoch) - diese entscheiden aber schlußendlich nicht darüber, ob der Arbeitnehmer bereit ist, seine Arbeitskraft für das übrigbleibende Netto zur Verfügung zu stellen.

So einfach geht BWL?

Nein, aber so einfach ist die Welt.
Arbeitgeber sind hier nicht anders als die Familie im Supermarkt: Wenn ich es mir nicht leisten kann, versuche ich entweder ein günstigeres Angebot zu bekommen oder ich kaufe nicht.
A priori sucht der AG nicht nach Möglichkeiten, seinen AN mehr Gehalt bieten zu können, sondern bei bestehendem Budget so viel Arbeitsleistung wie möglich zu erhalten.

Wie wäre es denn mit einer professioionellen Betriebsführung

Nichts gegen einzuwenden. Diese ändert aber nichts daran, dass zum Ist-Zeitpunkt eine bestehende Menge an Soll und Haben existiert, eine definierte Menge an laufenden Kosten mit einer Menge an einmaligen und kontinuierlichen Einnahmen zu vereinbaren ist in einer Form, die am Schluss 0 oder größer ist.

die von einer realistischen Kostensrtruktur ausgeht

Kosten und Einnahmen bitteschön.

und angemessene Preise auf dem Markt realisiert.

Was ist „angemessen“? Sind 79 Cent für ein Brötchen angemessen? Fragen wir mal den Opa, der seine Sonntagsbrötchen kauft und danach den Bäcker: Die Antworten werden unterschiedlich ausfallen!

Es gibt einen Punkt, an dem sich Angebot und Nachfrage im Markt optimal decken, aber
a) Es wird trotzdem Anbieter geben, die für diesen Preis nicht anbieten möchten. (Arbeitnehmer, die mehr wollen)
b) Es wird trotzdem Abnehmer geben, die für diesen Preis nicht kaufen möchten (Arbeitgeber, die nicht so viel zahlen wollen/können)

Hier hat der AN nun zwei Möglichkeiten: Er nimmt die Arbeit zu dem Preis an oder er nimmt sie nicht an. Tut er Letzteres, ist er es selbst schuld.
Genauso hat der AG zwei Möglichkeiten: Er zahlt den Marktpreis oder er riskiert, Positionen nicht besetzen zu können / Mitarbeiterabwanderung. Tut er Letzteres, ist er selbst schuld.

Verkauf bedeutet ja nicht nur so lange mit dem Preis runter zu gehen, bis der Kunde unterschreibt.

Natürlich nicht, das wäre eine sehr banale Sicht von Marketing und Vertrieb. Dennoch sind geringe Einnahmen besser als keine Einnahmen, wenn man Fixkosten hat. Dieses Lied kann jeder Freiberufler singen - Konzerne erst recht!

Also ich gehe davon aus, dass man von seiner Arbeit auch leben können soll.

Das ist Wunschdenken. Ich unterstütze diese Sichtweise, persönlich, aber in der reinen VWL Sicht ist dies lediglich eine Randbedingung, die als Untergrenze für ein Preisniveau im Arbeitsmarkt herangezogen wird und möglicherweise dazu führt, dass sich Angebot und Nachfrage nicht decken - kurz: Arbeitslosigkeit.

Primär hat man:

  • eine Angebotsfunktion, d.h. eine Kurve aus Nettolohn pro Stunde gegen Anzahl der für diesen Preis verfügbaren Arbeitsstunden. Je höher der Preis geht, desto mehr Stunden sind verfügbar (der Witz mit dem Klempner der dem Arzt das Waschbecken repariert und die Rechnung kommentiert mit „Ja, soviel habe ich früher auch nicht verdient, als ich noch meine Praxis hatte“) und je niedriger der Preis geht, desto weniger Stunden sind verfügbar.
    Gibt es jetzt diese Nebenbedingung „von der Arbeit leben können“, führt das nur dazu, dass die Kurve links irgendwo auf 0 geht, und je mehr man in das „leben können“ hinzunimmt, desto weiter nach rechts rückt der Nullpunkt.

  • eine Nachfragefunktion, d.h. eine Kurve aus Nettolohn pro Stunde gegen Anzahl der für diesen Preis von AG angeforderten Arbeitsstunden. Je tiefer der Preis geht, desto höher steigt die Anforderung („Sklavenhaltung als Vollbeschäftigung“) und je höher der Preis geht, desto geringer wird die Anforderung.
    Gibt es jetzt diese Nebenbedingung „von der Arbeit leben können“, führt das nur dazu, dass die Kurve links irgendwo abgeschnitten wird, da dieser Lohn nicht gezahlt werden darf.

Der Punkt, an dem sich die beiden Funktionen schneiden ist die optimale Beschäftigungsmenge.
Hat man die Nebenbedingung, dann gibt es möglicherweise keinen Schnittpunkt und das Sozialsystem fängt diejenigen auf, welche nicht bereit sind, ihre Leistung zu einem Preis zur Verfügung zu stellen, welchen der Anforderer bereit ist zu zahlen.

Wenn jemand neben seiner Arbeiit noch Stütze bekommen muss, ist es eine Subvention für den Unternehmer.

In gewisser Weise ja.
Aber der Markt ist halt hart. Am praktischen Beispiel, Du nimmst Dir einen Handwerker ins Haus - für €1000? Oder doch lieber für €100? Jeder will weniger zahlen, aber von irgendwoher muss doch das Geld kommen, damit der Handwerker auch ohne Stütze leben kann!
Der Unternehmer hat nicht mehr Geld als seine Kunden zu zahlen gewillt sind (wieder ein Markt: Angebot und Nachfrage).
Er muss den Punkt suchen, an dem er den optimalen Umsatz erreichen kann. Wenn an diesem Punkt die Kosten über den Einnahmen sind, ist das Unternehmen irrentabel.

Wenn dieser erreich wurde, hat er 2 Möglichkeiten:
a) Einnahmen schieben: Hier ist es egal ob billiger oder teurer: der Umsatz sinkt - also eine schlechte Idee.
b) Kosten schieben:
-> Mehr - schlechte Idee, da Gewinn sinkt. Wenn vorher nicht rentabel, hinterher noch weniger.
-> Weniger - gute Idee, da Gewinn steigt. Nun muss so weit geschoben werden, dass das Unternehmen mindestens 0 erreicht. Will das Unternehmen zukünftig expandieren, sollte der Punkt diesseits von 0 liegen.

Natürlich ist die Frage, ob der optimale Punkt der Einnahmen erreicht ist. Aber unter der Prämisse, dass dies der Fall ist gibt es außer Kostensenkung keine Alternative.
Und die Kostensenkung ist dort am einfachsten, wo man mit den Kosten nicht auf Marktniveau ist.
Dies können Betriebskosten (Administrative Prozesse), Materialkosten (Anschaffung, Räumlichkeiten etc) oder Personalkosten sein.
Der Punkt, an dem die Kosten am weitesten vom Marktniveau entfernt sind, ist der größte Hebel zum Sparen.
Und wenn das dann mal die Lohnkosten sind - wird eben Gehalt gekürzt.
Unabhängig vom Unternehmen: der Markt definiert, welches Gehalt angemessen ist, nicht die Vorstellung oder Ideale des einzelnen Mitarbeiters!

Gruß,
Michael

Gar nicht!

Das klingt einleuchtend,

Ist aber stark vereinfacht.

allerdings habe ich oben schon geschrieben, dass ich vermute, dass wenn X den Lohn kürzt, die Angestellten die vorherige Leistung nicht mehr erbringen

X muss sich am Marktniveau orientieren.
Zahlt X nach einer Anpassung unter Marktniveau, hat X einfach ein unternehmerisches Problem, das mit Gehaltskürzung nicht mehr gelöst werden kann.
Zahlt X nach einer Anpassung das Marktniveau, so kann X die Angestellten ersetzen durch Angestellte, die für das neue Gehalt gut und gerne arbeiten.

und somit die Kunden vertreiben.

Das wäre eine Frage fürs Arbeitsrecht.

Die Frage ist, wie man die Angestellten trotzdem bei Laune hält, ohne Verlust der Motivation durch die Lohnsenkung.

Gewinnbeteiligung?
Also „geringes Grundgehalt und garantierte % vom Umsatz“, dann hätten die MA nichts davon, wenn sie Kunden vergraulen. Im Gegenteil, sie könnten selbst kreativ werden was das Finden neuer Kunden angeht.

Und wenn sie am Schluß zu wenig zum Leben haben, dann sind sie’s selbst schuld - dann war ihre Arbeit auch nicht mehr wert!
Ob sie sich auf sowas einlassen ist eine andere Frage.

Die Schwierigkeit hierbei ist, dass die Angestellten keine Festanstellung haben, sondern Studenten auf 400 Euro Basis sind.

Langsam glaube ich, dass hier wirklich schlecht gewirtschaftet wird. Eine Fortbildung mit 400€ Studenten zu bedienen ist schon lächerlich:
Der Student kriegt pro Stunde €10 wenn’s hochkommt, ein Kurs kann 8+ Teilnehmer haben, eine Unterrichtseinheit kostet im Dumpingtarif schon schnell mal €20, wären €150 Zugewinn pro gehaltener UE, bei 3 UE pro Monat(!) schon genug für Kostendeckung - wenn da was mit der Gesamtstruktur nicht paßt, ist wohl was im Argen: ich behaupte, die Organisationsstrukturen sind weit unter Marktniveau!

Die finden schnell was anderes, und die Einstellung gegenüber einem Minjob ist schon eine andere, als die gegenüber einer Festanstellung.

Ja.

Solche Fälle würde ich gerne persönlich als Berater unter die Lupe nehmen, aber — naja, das würde wohl deutlich mehr kosten als derzeit liquide ist :stuck_out_tongue:

Gruß,
Michael

X muss sich am Marktniveau orientieren.
Zahlt X nach einer Anpassung unter Marktniveau, hat X einfach
ein unternehmerisches Problem, das mit Gehaltskürzung nicht
mehr gelöst werden kann.
Zahlt X nach einer Anpassung das Marktniveau, so kann X die
Angestellten ersetzen durch Angestellte, die für das neue
Gehalt gut und gerne arbeiten.

X zahlt sogar deutlich über Marktniveau, denn es ist schwer gute Mitarbeiter für wenig Geld zu finden. Also lieber gute Mitarbeiter für teures Geld. X konnte leider noch keinen fähigen Studenten finden, der bereit war für unter 12 Euro die Stunde zu arbeiten.

Also „geringes Grundgehalt und garantierte % vom Umsatz“, dann
hätten die MA nichts davon, wenn sie Kunden vergraulen. Im
Gegenteil, sie könnten selbst kreativ werden was das Finden
neuer Kunden angeht.

Genau das praktiziert X, allerdings wahrscheinlich in der falschen Form. Es werden Provisionszahlungen geleistet, allerdings nicht auf Umsatz, sondern auf Neukundengewinnung.

Der Student kriegt pro Stunde €10 wenn’s hochkommt, ein Kurs
kann 8+ Teilnehmer haben, eine Unterrichtseinheit kostet im
Dumpingtarif schon schnell mal €20, wären €150 Zugewinn pro
gehaltener UE, bei 3 UE pro Monat(!) schon genug für
Kostendeckung - wenn da was mit der Gesamtstruktur nicht paßt,
ist wohl was im Argen: ich behaupte, die
Organisationsstrukturen sind weit unter
Marktniveau!

Ich gebe Dir gerne recht, wenn Du sagst, dass die Organisationsstrukturen unter Marktniveau liegen. Es wird nunmal keiner zum Unternehmsführer geboren, und X befindet sich im ersten Jahr. Allerdings differieren Deine Vorstellungen mit den Tatsachen des Unternehmens von X.
Der Markt im Bildungsbereich ist hart, hier wird viel unter Wert geboten. Als Mitbewerber muss man sich anpassen. X bildet ausschließlich Gruppen mit Schülern gleicher Schulstufe und gleichen Fachs, maximal 3, um eine Leistungsverbesserung zu garantieren. Eine Unterrichtseinheit wird hierzulande mit ca. 6 Euro bezahlt, das sind leider die gängigen Preise.

Solche Fälle würde ich gerne persönlich als Berater unter die
Lupe nehmen, aber — naja, das würde wohl deutlich mehr
kosten als derzeit liquide ist :stuck_out_tongue:

Was würdest Du denn aufrufen? :smile: Ich spiele schon länger mit dem Gedanken mir professionelle Hilfe zu holen, da ich denke, dass in dem Unternehmen Potenzial steckt. Allerdings habe ich mich aufgrund der Preisfrage nicht getraut diesbezüglich Kontakte zu knüpfen. Vielleicht könntest Du mir ja mal einen groben Richtwert geben.

Danke für Deine Mühe.

LG!

Servus,

wenn es sich um Studenten der Hochschule Zittau/Görlitz handelt, lässt sich ohne weiteres eine Lohnsenkung um 60% diskutieren. Wenn es Studenten von der Ludwig-Maximilians-Universität München sind, ist das ein bissel schwieriger.

In den meisten Regionen Deutschlands dürften 14 €/h für einen Ungelernten ohne besonders viel berufliche Praxis eher viel sein. Aber das kann man relativ leicht lokal recherchieren.

Es gibt übrigens allerhand Möglichkeiten, Motivation und Engagement zu fördern, die weniger Geld kosten als hohe Löhne.

Schöne Grüße

MM

Hallo Michael,

da hast Du Dich ja ganz schön ins Zeug gelegt. Und trotzdem bin ich nicht so richtig einverstanden.

die von einer realistischen Kostensrtruktur ausgeht

Kosten und Einnahmen bitteschön.

Verkauf bedeutet ja nicht nur so lange mit dem Preis runter zu gehen, bis der Kunde unterschreibt.

Natürlich nicht, das wäre eine sehr banale Sicht von Marketing
und Vertrieb. Dennoch sind geringe Einnahmen besser als keine
Einnahmen, wenn man Fixkosten hat. Dieses Lied kann jeder
Freiberufler singen - Konzerne erst recht!

In unserem Fall ist darüber einfach hinweg gegangen worden. Es wird behauptet, an den Kosten für die Räume könne man nichts machen - und dann bleibt einfach das Personal übrig. Das, mit verlaub, finde ich auch eine banale Sicht der Dinge - aber hier werden wir uns kaum einigen können.

Also ich gehe davon aus, dass man von seiner Arbeit auch leben können soll.

Das ist Wunschdenken.

Hier möchte ich noch einen neuen Punkt einfügen: Wie wir mittlerweile wissen, geht es nur um Minijobs, die von Studenten ausgeführt werden. Damit habe ich ein Problem.
Die Studenten müssen nicht davon leben, sie verdienen sich nur etwas hinzu. Damit kann der Anbieter dieser Kurse günstiger als sein Wettbewerber anbieten. Es werden jetzt hier Kurse durchgeführt, die dem Wettbewerber verloren gehen. Wenn ich jetzt mal davon ausgehe, dass der Wettbewerber Mitarbeiter beschäftigt, die von der Arbeit leben müssen, dann kommen jetzt diese Arbeitsplätze unter Druck. Das Phänomnen, dass die subventionierten Arbeitsplätze die normalen schädigen.

Gibt es jetzt diese Nebenbedingung „von der Arbeit leben
können“, führt das nur dazu, dass die Kurve links irgendwo auf
0 geht, und je mehr man in das „leben können“ hinzunimmt,
desto weiter nach rechts rückt der Nullpunkt.

Was die „Nebenbedingung“ angeht werden wir uns wohl kaum einigen können. Aber: Wenn der Knick weit links ist, muss zum Leben der Staat einspringen und irgendwann dem Menschen eine Existenz ermöglichen.

Gibt es jetzt diese Nebenbedingung „von der Arbeit leben
können“, führt das nur dazu, dass die Kurve links irgendwo
abgeschnitten wird, da dieser Lohn nicht gezahlt werden darf.

Ich finde, da muss irgendwo Schluss sein.

Wenn an diesem Punkt die Kosten über den
Einnahmen sind, ist das Unternehmen irrentabel.

Ich hätte jetzt unrentabel gesagt - aber egal. Wie wir mittlerweile wissen, besteht hier jetzt die Sorge, dass die Minijobber nicht mehr mitziehen und nicht zum weniger verdienen „motiviert“ werden können.

Unabhängig vom Unternehmen: der Markt definiert,
welches Gehalt angemessen ist, nicht die Vorstellung oder
Ideale des einzelnen Mitarbeiters!

Wir müssten mehr über das Unternehmen, über das wir hier diskutieren, wissen. Du willst viel unternehmerisches Risiko bzw Belastungen einfach auf die Mitarbeiter übertragen und willst das mit Rechenbeispielen rechtfertigen. Bis zu einem gewissen Punkt kann ich Dir folgen - aber der Punkt liegt in meinem Diagramm weiter rechts als in Deinem.
Was wir bislang aber von dem Unternehmen mitbekommen haben, sind wir mit den Personalkosten am unteren Anschlag (die Studenten werden es nicht akzeptieren bzw können nicht weiter motiviert werden).

Mit den Kosten ist der obere Anschlag schon überfahren. Es besteht wenigstens theoretsch die Möglichkeit, dass dieses Unternehmen Wettbewerber durch Dumpingpreise schädigt.

Also hier muss noch mehr überlegt werden, als nur einfach den Studenten weniger Geld zu geben und das als „alternativlos“ zu verkaufen. Hier müssen noch viel mehr Parameter auf den Prüfstand.

Schöne Grüße

Uli

Missverständnis?

X zahlt sogar deutlich über Marktniveau, denn es ist schwer gute Mitarbeiter für wenig Geld zu finden. Also lieber gute Mitarbeiter für teures Geld. X konnte leider noch keinen fähigen Studenten finden, der bereit war für unter 12 Euro die Stunde zu arbeiten.

Ich glaube, hier gibt es ein Mißverständnis:
Das „Marktniveau“ ist im von Dir beschriebenen Falle nicht das Geld, für das man einen Studenten bekommen kann - sondern das Geld, für das man eine qualifizierte und engagierte Kraft bekommt, welche diese Aufgabe hinreichend erfüllen kann.
Bei Lehre glaube ich persönlich nämlich ganz ehrlich, dass Studenten auf €400 Basis einfach nicht Marktniveau sind, damit kann man einfach nur mittelmäßige Qualität bieten!

Das Marktniveau liegt m.E.n. nicht bei 400€ Kräften sondern deutlich darüber: Für 400€ finde ich einen Job als Frittenwender, wenn ich didaktisch, pädagogisch und gleichzeitig fachlich was auf der Pfanne habe, kann ich deutlich mehr rausschlagen!

Für einen guten Trainer sollte man - selbst wenn er Student ist - eine ganze Ecke mehr als 400€ einplanen!

Prozentuelle Beteiligung
Genau das praktiziert X, allerdings wahrscheinlich in der falschen Form. Es werden Provisionszahlungen geleistet, allerdings nicht auf Umsatz, sondern auf Neukundengewinnung.

Im Englischen gibt es dieses schöne Stichwort „perverted incentive“, d.h. man schafft Anreize, die positiv scheinen aber nach hinten losgehen. Um solche zu erkennen, muss man seine Prozesse sehr genau kennen und auch ein wenig Ahnung von Psychologie haben.

Mit Gehaltsveränderungen schafft man höchstwahrscheinlich auch solche.

Ich gebe Dir gerne recht, wenn Du sagst, dass die Organisationsstrukturen unter Marktniveau liegen. Es wird nunmal keiner zum Unternehmsführer geboren, und X befindet sich im ersten Jahr.

Es gibt dieses schöne Sprichwort aus der Bibel: „Niemand baut einen Turm, ohne sich vorher hinzusetzen und die Kosten zu berechnen, dass ihm nicht während des Vorhabens das Geld ausgehe und er zum Spott der Leute werde“

Leider werden hierzulande viel zu viele Unternehmungen gegründet, die diesen Leitsatz nicht berücksichtigen: Die IHK hilft!

Allerdings differieren Deine Vorstellungen mit den Tatsachen des Unternehmens von X.

Eher differieren die Vorstellungen des Unternehmers X mit dem Markt ;(

Der Markt im Bildungsbereich ist hart, hier wird viel unter Wert geboten.

Eigentlich passiert sowas nicht, da der „Marktwert“ dem Sättigungspreis von Angebot und Nachfrage entspricht: Wird etwas zum Preis a geboten, so wird der Markt beim Preis a weitestmöglich gesättigt, das gleiche Gut zum Preis a+x verkauft sich nur, wenn die Angebotsmenge zum Preis a die Nachfrage nicht decken kann (dann beschränkt sich der Kundenkreis auf diejenigen, die zum Preis a kein Angebot bekommen - diese Kunden sind aber a priori instabil, da sie zum nächstmöglichen Zeitpunkt zum günstigeren Angebot wechseln).

Hier gehen in der Praxis jedoch schnell die subjektive und ökonomische Wertbestimmung auseinander!

Als Mitbewerber muss man sich anpassen.

Und somit entsteht ein neues Marktniveau, d.h. der Marktwert passt sich dem Angebot an.

X bildet ausschließlich Gruppen mit Schülern gleicher Schulstufe und gleichen Fachs, maximal 3, um eine Leistungsverbesserung zu garantieren.

Wir driften hier in den spezifischen Bereich der konkreten Leistung ab. Das ist speziell Marketing, die Identität des Unternehmens.

Es gibt 2 gegenläufige Kräfte, das Eine wäre die Anpassung an die Konkurrenz („Marktniveau erreichen“), das Andere die Abgrenzung von der Konkurrenz („Durch Abheben von der Masse auffallen“).

Das ist mir für’s Forum hier zu detailliert in der Diskussion, welche Elemente eines speziellen Unternehmens in welche Kategorie fallen sollen, können, oder nicht dürfen.

Gesagt sei, dass man am Markt nur überleben kann, wenn die richtigen Elemente in der richtigen Kategorie liegen und dann marketingtechnisch richtig ausgeschlachtet werden: Nur so ermöglicht man erfolgreicher Vertrieb!

Verfügt man über einzigartige Gütekriterien, kann man problemlos den Preis steigern, da man quasi ein „Monopol“ auf ein Produkt besitzt - der Preis kann dann so hoch werden, wie die Nachfrage es ermöglicht!
Wichtig dabei wäre dann, dass der Kunde diese Gütekriterien als wichtig empfindet (denn für die bezahlt er dann die Differenz zum Marktpreis der Basisleistung!)

Eine Unterrichtseinheit wird hierzulande mit ca. 6 Euro bezahlt, das sind leider die gängigen Preise.

12€ Kosten, 18€ Einnahmen - wenn das Ratio unter 50% liegt kann man das Unternehmen langfristig dichtmachen: Es sind also Wege zu finden, wie man an die 50% herankommt. Mit effizienten Strukturen kann man mit unternehmerisch mit 40% überleben - die Profitzone wird damit nicht erreicht!
Das Thema mit dem Lohn haben wir aber durch. Daher tippe ich auf die Notwendigkeit von Marketing und Vertrieb, um tatsächlich den Preis der Dienstleistung steigern zu können ohne Kunden zu verlieren!

Solche Fälle würde ich gerne persönlich als Berater unter die Lupe nehmen, aber — naja, das würde wohl deutlich mehr kosten als derzeit liquide ist :stuck_out_tongue:

Was würdest Du denn aufrufen? :smile:

Drücken wir’s mal so aus: Das Marktniveau für Leute, die ihr Handwerk verstehen, liegt im vierstelligen Bereich (Tagessatz). Die IHK bietet günstigere Lösungen an, als erstes sollte man z.B. ein Gründerseminar besuchen.

Gruß,
Michael

Einverständnis nicht notwendig :wink:
Hi,

da hast Du Dich ja ganz schön ins Zeug gelegt. Und trotzdem bin ich nicht so richtig einverstanden.

Zuerstmal, ich bin hier einerseits mit persönlicher Sicht, andererseits mit WBL/VWL Brille unterwegs, ich vermische das Ganze manchmal so dass nicht immer klar ist, wo ich polemisch werde und wo es um Fakten geht.
Für meine persönliche Polemik erwarte ich gar kein Einverständnis. :wink:

In unserem Fall ist darüber einfach hinweg gegangen worden. Es wird behauptet, an den Kosten für die Räume könne man nichts machen - und dann bleibt einfach das Personal übrig.

Kurzfristig ist dem so: pacta sunt servandi. Ein Mietvertrag, über 5 Jahre unterzeichnet, kann nicht so schnell geändert werden. Ich weiß wie lange meine Firma „im falschen Büro“ gehaust hatte, weil wir den Vertrag nicht ändern konnten.

Befristete / Studentische Arbeitsverhältnisse zu verändern bzw. aufzulösen ist da bei weitem einfacher. (Polemik-Anteil: Dank Schwarz/Gelb)

Das, mit verlaub, finde ich auch eine banale Sicht der Dinge - aber hier werden wir uns kaum einigen können.

Mit Sicherheit banal. Unternehmerische Kostenrechnung ist nicht banal. Sie hier im Forum mal nebenbei abzufackeln ist sinnlos.

Hier möchte ich noch einen neuen Punkt einfügen: Wie wir mittlerweile wissen, geht es nur um Minijobs, die von Studenten ausgeführt werden.

Ja, das wusste ich während des Postings noch nicht.

Damit habe ich ein Problem.

Ich auch, aber aus anderen Gründen.

Die Studenten müssen nicht davon leben,

Möglicherweise doch. Studenten haben es verdammt schwer, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, wenn das Bafögamt abweist und die ARGE auf Bafög verweist, während im Rücken die Studiengebühren mit Exmatrikulationsdrohung drücken.

sie verdienen sich nur etwas hinzu. Damit kann der Anbieter dieser Kurse günstiger als sein Wettbewerber anbieten.

Nicht wenn Wettbewerber das Gleiche tun.

Es werden jetzt hier Kurse durchgeführt, die dem Wettbewerber verloren gehen.

Das geht davon aus, dass der Markt gesättigt ist. Bei einem wachsenden bzw. nicht vollständig eroberten Markt geht nichts verloren.

Wenn ich jetzt mal davon ausgehe, dass der Wettbewerber Mitarbeiter beschäftigt, die von der Arbeit leben müssen, dann kommen jetzt diese Arbeitsplätze unter Druck.

Grob sind wir immer noch bei Angebot und Nachfrage. Zahlt der Wettbewerber hinreichend, so werden die Studenten nach Möglichkeit zu ihm wechseln, zahlt er nicht hinreichend, gerät kein existenter Arbeitsplatz in Beschuss.

Das Phänomnen, dass die subventionierten Arbeitsplätze die normalen schädigen.

Die Frage ist aber nicht unbedingt, ob der Student einen vollen Arbeitsplatz ersetzt, sondern ob es ohne das stud. AV überhaupt einen Arbeitsplatz gäbe - und Geringfügige Beschäftigung ist immer noch besser als gar kein Job!

Die Diskussion, die wir beide hier eigentlich führen müßten hängt an einer einzigen Frage - dem Grad der Marktsättigung. Ist dieser hoch gebe ich Dir einfach nur Recht.

Gibt es jetzt diese Nebenbedingung „von der Arbeit leben
können“, führt das nur dazu, dass die Kurve links irgendwo auf
0 geht, und je mehr man in das „leben können“ hinzunimmt,
desto weiter nach rechts rückt der Nullpunkt.

Was die „Nebenbedingung“ angeht werden wir uns wohl kaum einigen können.

Ich weiß nicht wie Du das meinst, ich sage wenn ich „Nebenbedingung“ meine nicht dass das unwichtig ist sondern davon, dass es sich um ein mathematisch-ökonomisches Modell handelt und diesbezüglich beziehe ich mich auf die mathematische Definition des Begriffs, und rein mathematisch sind Lebenshaltungskosten nun mal eine Nebenbedingung bei der Frage des Marktpreises.

Aber: Wenn der Knick weit links ist, muss zum Leben der Staat einspringen und irgendwann dem Menschen eine Existenz ermöglichen.

Nein, je weiter rechts er ist, desto eher muss der Staat einspringen. Als Extrem: Ist er ganz weit links (d.h. an der Nullmarke) dann kann jeder, zu jedem Lohn, auch ohne staatliche Hilfe leben.
Tatsächlich muss der Staat nur dann einspringen, wenn es nicht zum Schnitt zwischen Angebot und Nachfrage kommt (da dieser Schnitt durch die Nebenbedingung außerhalb des definierten Rahmens liegt).
Sofern ein Schnitt im definierten Bereich vorliegt, wäre ein staatliches Eingreifen volkswirtschaftlich schädlich.

Ich finde, da muss irgendwo Schluss sein.

Mathematische Modellierung hat nichts mit Meinungen und Sozialempfinden zu tun. Man nimmt einfach die Nebenbedingung auf, berechnet und dann kommt vielleicht raus „Das Modell hat keine Lösung, welches alle notwendigen Bedingungen erfüllt“, - dann heißt das: „Das Unternehmen lohnt sich nicht, auflösen punkt ende“
Das wäre betriebswirtschaftlich das Ende der Fahnenstange.
Kommt was Anderes raus, dann muss vom Istzustand soweit geändert werden, dass der optimale Punkt erreicht ist, aber auch dann ist die Diskussion um Existenzminima und Arbeitsplatzverdrängung irrelevant, da man das Ganze ja schon im Modell drinnen hat.

Ich hätte jetzt unrentabel gesagt - aber egal. Wie wir mittlerweile wissen, besteht hier jetzt die Sorge, dass die Minijobber nicht mehr mitziehen und nicht zum weniger verdienen „motiviert“ werden können.

Das ist Teil der Sorge. Der andere Teil besteht, wie wir ja auch schon wissen, darin, dass das Unternehmen so wie es ist nicht fortbestehen kann. Davon, dass man entweder das Unternehmen auflöst oder in den Konkurs wirtschaftet, haben die Minijobber aber langfristig auch nicht mehr in der Tasche.

Es gilt die Frage zu beantworten, ob man das Unternehmen fortbestehen lassen kann/sollte. Alles Andere ist dieser Frage unterzuordnen. Die Frage, ob der Fortbestand über Löhne, Preise oder Marketing gelöst wird ist in diesem Zusammenhang ein unwichtiges, nachgelagertes Detail: eine prinzipiell unprofitable Unternehmung sollte man schnellstmöglich beenden, eine möglicherweise profitable sollte man auf Erfolgskurs bringen.

Du willst viel unternehmerisches Risiko bzw Belastungen einfach auf die Mitarbeiter übertragen und willst das mit Rechenbeispielen rechtfertigen.

Rechtfertigen möchte ich gar nichts in diesem Zusammenhang.
Im Endeffekt war das nur ein kurzes Beispiel einer möglichen Lösung. Niemand muss sich darauf einlassen und dass das praktisch oft nicht geht habe ich selbst angedeutet.

Bis zu einem gewissen Punkt kann ich Dir folgen - aber der Punkt liegt in meinem Diagramm weiter rechts als in Deinem.

Och, mir ist völlig egal wo der Punkt liegt. Das ändert am Modell nichts, nur daran ob im konkreten Fall die Lösungsmenge leer ist.

Was wir bislang aber von dem Unternehmen mitbekommen haben, sind wir mit den Personalkosten am unteren Anschlag

Nein, darunter. Siehe mein anderes Posting.

Mit den Kosten ist der obere Anschlag schon überfahren.

Ja.

Es besteht wenigstens theoretsch die Möglichkeit, dass dieses Unternehmen Wettbewerber durch Dumpingpreise schädigt.

Ach was heißt Dumping? Ist so ein tolles Modewort. Wird gerne von Gewerkschaftern verwendet, aber auch nur solange, wie sie nicht selbst fünf Euro für ein Sonntagsbrötchen zahlen müssen.
Effektiv muss man den Markt studieren, Wettbewerber vergleichen und erst dann kann man darüber diskutieren.
Ökonomisch ist Dumping keine langfristig sinnvolle Maßnahme, daher ein selbstregulierendes Problem („Dumping“ Unternehmungen katapultieren sich selbst vom Markt)
Wo real „Dumping“ so genannt wird, liegt ökonomisch meist nur eine notwendige Anpassung an einen bereits so existierenden Markt vor.

Also hier muss noch mehr überlegt werden, als nur einfach den Studenten weniger Geld zu geben und das als „alternativlos“ zu verkaufen.

Definitiv. Ich habe schon selbst gesagt, dass hier ein professioneller Berater ran sollte der die gesamten Strukturen unter die Lupe nimmt.

Und in meiner Antwort an Jeanny kannst Du auch klar herauslesen dass ich im konkreten Fall mit den jetzigen Informationen in der Gehaltsfrage voll auf Deiner Seite stehe, wenn auch aus anderen Gründen.

Hier müssen noch viel mehr Parameter auf den Prüfstand.

Eigentlich sollte das Geschäftskonzept als erstes auf Selbigen.
Und ein „ich finde das toll“ reicht hier einfach nicht, insbesondere wenn man mit der finanziellen Existenz sowohl von sich selbst als auch von anderen Leuten (Mitarbeitern, Mitbewerbern) spielt!

Gruß,
Michael

So einfach ist die Welt nicht!

Allerdings leben doch viele Betriebe eben davon, dass sie eben billiger sind as die Konkurrenz.

Mit „billiger“ gewinnt man auf lange Sicht keinen Blumenpott.
Es gibt im Management das berühmte „magische Dreieck“ Zeit, Kosten, Qualität. Meistens wird das Dreieck als „feste Fläche“ angesehen, d.h. schraubst Du an einer Stelle, ziehen die beiden anderen nach - konkret: bist Du billiger, leidet entweder die Qualität oder man wird unflexibler oder beides.
Nur durch Durchbrechen dieses „magischen Dreiecks“ läßt sich ein Marktvorteil erreichen - durch reines Schrauben gewährt man Mitbewerbern andere Vorteile.

Zu Aldi z.B. würde auch niemand mehr gehen, wenn die plötzlich so teuer wären, wie z.B. Rewe. Oder?

Das Geschäftsmodell von Aldi kannst Du nicht mit Rewe vergleichen.
Aldi hat ein paar Trümpfe im Ärmel, die es ihnen ermöglichen, sowohl bei Preis als auch Lieferzeit als auch Qualität vor Anderen zu stehen und trotzdem angemessene (nicht zu verwechseln mit „hohe“) Löhne zu zahlen, hochwertige und gut erreichbare Ladenlokale anzubieten und gleichzeitig die Hersteller Schlange stehen zu haben.

Daher denke ich, dass X mit seinen Preisen schon gut gerechnet hat, allerdings die Ausgaben dagegen zu hoch angesetzt hat.

Warum nicht gleich Microsoft oder Google zum Vergleich ranziehen?
Hätte X auch nur 10% vom betriebswirtschaftlichen Knowhow von Aldi, wäre das Unternehmen von X mit Sicherheit hochprofitabel!

Gruß,
Michael

Hallo Jeanny,

es wäre interessant zu wissen, wieviele Stunden alle Angestellten zusammen prto Monat arbeiten. Dann könnte man nämlich sehen, bei welchen Stundenlohn der Break-Even-Point erreicht werden würde.

Ralph