Selbstbewußtsein bei Jugendlicher stärken?

Hallo @all,

ich stelle diese Frage für Freunde, die keinen Internetzugang haben, d.h. daß ich mit der geschilderten Problematik einigermaßen vertraut bin, die folgenen Infos allerdings zwangsläufig aus zweiter Hand kommen.

Die eben erwähnten Freunde haben zwei Kinder, eine Tochter im Alter von 15 und einen Sohn im Alter von 9 Jahren. Die Tochter wurde mit Hydrocephalus zu früh geboren und mußte im Kleinkindalter einige Operationen überstehen. Sie hat einen Shunt (also einen im Körper befindlichen Schlauch, der das überschüssige Hirnwasser in die Bauchhöhle abführt). Ihre Motorik ist etwas verlangsamt und die Feinmotorik nicht sehr gut entwickelt. Sie besucht die Realschule des Ortes, die Leistungsanforderungen schafft sie spielend und sie hat eine besondere Begabung für Fremdsprachen. Sie interessiert sich für die Dinge, die viele gleichaltrige Mädchen interessieren: Pferde, Boy Groups und Markenklamotten.

So weit, so gut. Seit Einsetzen der Pubertät hat sie allerdings vermehrte Schwierigkeiten im Umgang mit gleichaltrigen Kindern: Sie wird in der Klasse gehänselt und ausgegrenzt. Ihre einzige Freundin ist eine andere Außenseiterin, ein Mädchen mit schwerer Eßstörung, die aber seit einem halben Jahr in einer Klinik untergebracht ist. De facto hat sie in der Schule somit keine Freunde. Aktivitäten außerhalb der Schule geht sie nicht nach. Sie zieht sie sich immer mehr zurück, verzieht sich am liebsten auf ihr Zimmer und reagiert vermehrt mit Gleichgültigkeit und Apathie.

Die Eltern haben es bis dato immer gut geschafft, ihre Tochter aufzubauen und trotz bzw. mit Behinderung wird ein - ich benutze mal das unschöne Wort - „normaler“ Alltag gelebt.

Momentan wissen die Eltern nicht, wie sie ihrer Tochter ein stärkeres Selbstbewußtsein vermitteln könnten bzw. welche Möglichkeiten es gibt, hier Rat einzuholen. Habt Ihr eine Idee?

Dankbar für Hinweise
grüßt
Diana

Hallo Diana,

nach meiner Erfahrung werden in einem Klassenverband sehr klare Abstufungen nach Wichtigkeit und Bedeutung der Personen geschaffen - eben eine Hierachie, dem sich zu entziehen es schwer fällt, vorallem wenn man noch Kind oder Jugendlicher ist, mit all dem Mangel an gefestigtem Selbstbild. Nun fangen außerdem Kinder in dem Alter an, sich von der Familie zu distanzieren, in dem Sinne, dass die Sichtweise von Klassenkameraden bedeutender ist als die der Eltern.

Und wenn ein Mädchen einen „Makel“ hat, so wie du beschrieben hast, dann hat sie wohl den Platz angenommen, den ihr entweder zugewiesen wurde oder sie hat ihn sich selbst ausgesucht. Und dabei spielt es keine Rolle, wie die Eltern sie sehen.

Mit Sicherheit geht es dem Mädchen nicht gut in dieser Position, und vielleicht fühlt sie sich auch mutlos, weil sie „ihr Problem“ an ihrem Körper festgemacht hat, woran ja nichts zu ändern ist.

Aber manchmal hilft es, wenn man sein Kind daran erinnert, dass es doch ein paar Leute gibt, die sie mögen. Soll sie die mal aufzählen. Klingt jetzt nach Tante Prusselliese :wink:, aber ich denke, das ist das halbvolle Glas, an das man sein Kind erinnern kann. Dann wird das momentane Gefühl von nicht-gemocht-werden ein wenig in die andere Richtung geschoben.

Was außerdem hilft, sind Aktivitäten außerhalb der Schule (Vereine, Kirchen, Stadtveranstaltungen). Neue Gruppe - neues Glück. In der Situation gibt sich kind wieder anders, hat naturgemäß Spass an dem was es tut (Sport, Basteln, Musizieren), da spielt Konkurrenz nicht mehr die Rolle, mehr das miteinander. Und auch daran kann man sein Kind erinnern: „da bist du gut, das macht dir Spass, dort wirst du geschätzt. Wie wichtig ist dir jetzt die Anerkennung in der Schule, wenn du in der Familie und in der Freizeit soviel Zuneigung bekommst.“

Und dann kann man ja das Mädchen mal fragen, was momentan in der Schule „angesagt“ ist: Superstars CDs austauchen? Kreiselspielwettbewerbe? Mangas zeichnen? Wo würde sie gerne mitmachen, und würde sie da mitmachen, weil ihr die Leute gefallen oder weil sich das mit ihren Fähigkeiten (Musik, Sport, Kunst) deckt?
Vielleicht kann man sie ja dahin gehen unterstützen, durch Kreisel kaufen und Zuhause probieren, Texte aus dem Internet holen (da bist du gefragt, Diana :smile:, an einem Manga-Zeichenkurs teilnehmen…

Folgendes Buch von Thomas Gordon „Familienkonferenz“ möchte ich empfehlen, weil ich dadurch lernte meinen Kindern besser zu zuhören, und mich im Aufschwatzen bewußter zurückzuhalten:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3453029844/qid…

Also: zeigen, dass es auch geliebt wird, außerhalb der Schule einen Wirkungskreis suchen bei dem sie Bestätigung unter Gleichaltrigen erfährt, und mit ihr überlegen, wie sie sich aus der „Behinderten“ in die „Spezialisten“-Sparte manövriert.

viele Grüße
grilla

Hallo

Ich hab ja mit Töchterchen auch so einige Probleme und kann nur raten, ein Eltern/Kinder-Hilfswerk (so es das gibt in Eurer Nähe)
aufzusuchen.

Das hat folgende Vorteile: nicht nur die Jugendlichen/Kinder werden dort betreut, finden zusammen, gehen Hobbys nach oder entwickeln neue etc., auch den Eltern werden wertvolle Tipps kostenlos vermittelt und wenn nötig gibt es auch kostenlose psychologische Betreuung für Kinder und Eltern.

Eine unbedingte Sache ist noch die, mit der Schule engen Kontakt zu halten (Klassenlehrer/Betreuungslehrer, ja sogar der Direktion - man bekommt sonst vieles gar nicht mit, was das Mädel belastet).
Ich hab damit großen Erfolg gehabt und auch die Lehrer sind echt
dankbar zu wissen, wie es zu Hause läuft.

Den Elterpart kennt die Familie, aber sie können nur das tun, was in ihrer „Macht“ liegt, nur dies allein reicht eben nicht aus.
Wenn alle zusammen zu dem Mädel stehen, wächst das Selbstbewußtsein von ganz allein. Es ist schlimm, unter Ausgrenzung zu leiden, aber nie zu spät, es in den Griff zu bekommen, vor allem auch für die spätere Entwicklung des Kindes.

Ich wünsche der Familie unbekannterweise alles Gute.
d.

Den Gedanken mit dem Verein finde ich klasse, das war auch das erste was mir dazu eingefallen war.

Wichtig wäre nur das es etwas ist was man in der Gemeinschaft macht. Also auf keinen Fall etwas wie Kajak fahren oder Karate oder so. Besser wären wohl Manschaftssportarten oder im schlechtesten Fall etwas mit Tieren.

Derartiges schafft Freunde und bringt mich Sicherheit auch etwas hilfe.

Viele Grüsse aus Hamburg
MeToo

Someone very special
Hallo Claudia,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.

Und wenn ein Mädchen einen „Makel“ hat, so wie du beschrieben hast, dann hat sie wohl den Platz angenommen, den ihr entweder zugewiesen wurde oder sie hat ihn sich selbst ausgesucht. Und dabei spielt es keine Rolle, wie die Eltern sie sehen.

Ja, das ist wahr. Als die Kinder in der Klasse noch Kinder waren, war sie besser integriert, hatte Freunde etc. In der Pubertät wird ein Kriterium überwichtig, das vorher nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat: das Aussehen. Bezeichnenderweise wird sie hauptsächlich von der Clique der hübschen Mädchen mit dem angesagtesten Klamotten und den schlechtesten Noten gehänselt. Momentan schwankt sie zwischen dem Wunsch dazuzugehören und der eigenen Akzeptanz anders zu sein hin und her.

Mit Sicherheit geht es dem Mädchen nicht gut in dieser Position, und vielleicht fühlt sie sich auch mutlos, weil sie „ihr Problem“ an ihrem Körper festgemacht hat, woran ja nichts zu ändern ist.

Wie oben beschrieben: In dieser Lebensphase dreht sich bei den Mädchen vieles um den Körper, ums Aussehen - daran macht sich eben u.a. die Beliebtheit fest.

Aber manchmal hilft es, wenn man sein Kind daran erinnert, dass es doch ein paar Leute gibt, die sie mögen. Soll sie die mal aufzählen.

In Gegenwart der Menschen, die sie mag und von denen sie sich akzeptiert wird, kann sie gut entspannen und ist dann auch fröhlich und kommunikativ. Nur der Gang zur Schule wird langsam zur Qual - wie der Gang zur Arbeit für Mobbingopfer, die ja ähnliche Erfahrungen machen.

Was außerdem hilft, sind Aktivitäten außerhalb der Schule (Vereine, Kirchen, Stadtveranstaltungen). Neue Gruppe - neues Glück.

Ja, das vermuten wir auch. Es ist nur momentan nicht leicht, sie zu motivieren. Die Familie lebt zudem in einer eher ländlichen Kleinstadt mit begrenztem Angebot. Ihr liebstes sind die Fremdsprachen. Alle Aktivitäten, die Fingerfertigkeit erfordern (Instrumente, Zeichnen, Basteln) und viele Sportarten fallen ihr schwer, auf diesen Gebieten kann sie mit anderen Kindern kaum mithalten.

Vielleicht kann man sie ja dahin gehen unterstützen, durch Kreisel kaufen und Zuhause probieren, Texte aus dem Internet holen (da bist du gefragt, Diana :smile:, an einem Manga-Zeichenkurs teilnehmen…

Unser Kontakt zur Familie ist eher lose, aber ich bin tatsächlich schon tätig geworden, wie Du vermutest, Claudia :wink: Ich habe ihr schon ein paar Sachen zu Fremdsprachen und zur Ausbildung Frmdsprachenkorrespondentin aus dem Netz geladen (dafür interessiert sie sich sehr) und auch Kontakt zu jungen Erwachsenen/Jugendlichen mit Hydrocephalus aufgenommen: Wie sich herauskristallisiert haben die meisten ähnliche Erfahrungen in der Pubertät machen müssen. Das zu wissen kann auch schon Mut machen.

Folgendes Buch von Thomas Gordon „Familienkonferenz“ möchte ich empfehlen, weil ich dadurch lernte meinen Kindern besser zu zuhören, und mich im Aufschwatzen bewußter zurückzuhalten:

Danke :smile: Ich werds ihrer Mutter weiterleiten, ebenso wie die anderen Tipps :smile:)

Also: zeigen, dass es auch geliebt wird, außerhalb der Schule einen Wirkungskreis suchen bei dem sie Bestätigung unter Gleichaltrigen erfährt, und mit ihr überlegen, wie sie sich aus der „Behinderten“ in die „Spezialisten“-Sparte manövriert.

Das ist, denke ich ein guter Ansatz, zusammen mit dem Vorschlag von Dilarah: Ihr zu zeigen, daß sie nicht allein mit ihrer Problematik ist und daß andere ganz ähnliche Probleme kennen.

Herzliche Grüße
Diana

Hallo, Diana!

Wenn ich deinen Titel nehme: „Selbstbewußtsein stärken“, dann fällt mir im Zusammenhang mit diesem Satz:

Sie interessiert sich für die Dinge, die viele gleichaltrige Mädchen interessieren Pferde, Boy Groups und Markenklamotten.

spontan ein, ob sie vielleicht reiten gehen mag. Solch große Tiere „kontrollieren“ zu können stärkt das Selbstbewußtsein ziemlich. Vielleicht tut es ihr auch gut, dort in einer wahrscheinlich vollkommen anderen Gruppe zu sein, als in der Schule. (Und möglicherweise hilft es auch ihrer Motorik…)
Theaterspielen ist auch eine prima Sache, um sich über das eigene Selbst Gedanken zu machen und Stärke zu gewinnen. Hätte sie Spaß an einer Laienspielgruppe? Wenn es ein solches Angebot nicht in der Schule gibt, so findet sich vielleicht in erreichbarer Nähe eine Truppe, bei der sie mitspielen kann.
Sollten deine Freunde in deiner näheren Umgebung leben, und gerne professionelle Hilfe in Anspruch nehmen wollen, so kann ich die AWO-Beratungsstelle http://www.awo-owl.de/wir/eez.html empfehlen. Ich war seinerzeit in der Abteilung für Kindergarten-Kinder und sehr zufrieden mit der (kostenlosen!) Beratung und Hilfe.

Viel Glück für die Familie -
Sams

AWO
Hallo Sams,

ob sie vielleicht reiten gehen mag. Solch große Tiere „kontrollieren“ zu können stärkt das Selbstbewußtsein ziemlich. Vielleicht tut es ihr auch gut, dort in einer wahrscheinlich vollkommen anderen Gruppe zu sein, als in der Schule. (Und möglicherweise hilft es auch ihrer Motorik…)

ich glaube, das hat sie einen Sommer lang gemacht. Die Gründe, warum sie es nicht mehr tut, erinnere ich nicht, ich werde nochmal nachfragen.

Theaterspielen ist auch eine prima Sache, um sich über das eigene Selbst Gedanken zu machen und Stärke zu gewinnen. Hätte sie Spaß an einer Laienspielgruppe? Wenn es ein solches Angebot nicht in der Schule gibt, so findet sich vielleicht in erreichbarer Nähe eine Truppe, bei der sie mitspielen kann.

Das ist eine gute Idee, ich werd’s mal ansprechen.

Sollten deine Freunde in deiner näheren Umgebung leben, und gerne professionelle Hilfe in Anspruch nehmen wollen, so kann ich die AWO-Beratungsstelle http://www.awo-owl.de/wir/eez.html empfehlen. Ich war seinerzeit in der Abteilung für Kindergarten-Kinder und sehr zufrieden mit der (kostenlosen!) Beratung und Hilfe.

Ebenfalls ein guter Tipp, ich werde mal Kontakt aufnehmen, die Familie wohnt tatsächlich in der Region (näher zu Euch als zu uns, btw :wink:.

Vielen herzlichen Dank + ebensolche Grüße
Diana

innen - außen
Hi Dilarah,

ein Eltern/Kinder-Hilfswerk (so es das gibt in Eurer Nähe)

ist das so etwas ähnliches wie die AWO (siehe Sams’ Antwort)? Haben die eine Homepage oder kannst Du mir die Adresse mailen?

Eine unbedingte Sache ist noch die, mit der Schule engen Kontakt zu halten (Klassenlehrer/Betreuungslehrer, ja sogar der Direktion - man bekommt sonst vieles gar nicht mit, was das Mädel belastet). Ich hab damit großen Erfolg gehabt und auch die Lehrer sind echt dankbar zu wissen, wie es zu Hause läuft.

Die Mutter gehört zu den wenigen Eltern der Klasse, die zu Elternsprechtagen geht und versucht, die Lehrer miteinzubeziehen. Was mit der vorherigen Klassenlehrerin auch gut geklappt hat. Der jetzige Klassenlehrer macht angesichts von Konflikten leider gerne beide Augen zu und verfügt über bemerkenswerten Mangel an Sozialkompetenz (wofür er an der Schule auch bekannt ist) :frowning:

Wenn alle zusammen zu dem Mädel stehen, wächst das Selbstbewußtsein von ganz allein. Es ist schlimm, unter Ausgrenzung zu leiden, aber nie zu spät, es in den Griff zu bekommen, vor allem auch für die spätere Entwicklung des Kindes.

Das macht Mut. Die Eltern stehen der Problematik etwas hilflos gegenüber, weil sie bisher nie damit konfrontiert wurden: Beide hatten als Jugendliche in der Schule keine Probleme mit Anerkennung und Akzeptanz und auch der kleine Bruder des Mädchens hat viele Freunde und ist in seiner Klasse beliebt. Das Verhältnis zwischen Bruder und Schwester ist übrigens zum Glück sehr gut.

Herzliche Grüße & vielen Dank für Deine Tipps
Diana

Hallo Diana,

Du schriebst, dass die betroffene Familie keinen Internetanschluss hat, und da fühle ich mich gleich mal herausgefordert, genau diesen vorzuschlagen. Und zwar vor folgendem Hintergrund: Wie Du schon geschrieben hast, ist Mädchen in dem Alter das Aussehen besonders wichtig, weil sie offenabr nicht davon abzubringen sind, dass sich hierüber ihre Akzeptanz beim Gegenüber definiert. Klar, dass da die eigene Andersartigkeit schnell als Begrenzung für die Möglichkeit gesehen wird, überhaupt eine Akzeptanz bei Dritten zu erlangen.

Es haben aber schon sehr viele Menschen festgestellt, dass das bislang noch hauptsächlich textlich basierte Internet genau diese Klippe umschiffen helfen kann. D.h. gerade wenn Du schreibst, dass die Betroffene in einer Kleinstadt mit wenigen Angeboten lebt, kann sich ihr hier eine ganz andere, neue, und viel größere Welt mit neuen Möglichkeiten öffnen, Akzeptanz zu erlangen. Es gibt so viele Communities zu allen möglichen Themen, in denen sie sich einbringen kann, und die eine Akzeptanz bei Dritten erreichbar macht, lange bevor man überhaupt an eine persöbliche Begegnung denkt, die dann nicht mehr unter dem belasteten Vorzeichen reiner Äußerlichkeiten steht.

Ich denke da an regional bezogene Angebote genauso wie an thematische Dinge, wie Plattformen auf denen sich von der gleichen Krankheit betroffene kennenlernen und austauschen können, oder auch von elektronischen Brieffreundschaften, mit denen sie ihrer Begeisterung für Fremdsprachen fröhnen kann. Hierüber sind auch IRL schon viele Freundschaften entstanden, die auf „klassischem“ Wege nie entstanden wären, weil Äußerlichkeiten „im Wege“ gestanden hätten.

Mal ganz abgesehen davon macht man sich mit der Beherrschung dieses Mediums immer auch im bekannten Umfeld interessant. Man muss dem Kind ja nicht unbedingt die Wurst um den Hals hängen, damit wenigstens die Hunde mit ihm spielen, aber die Flatrate zuhause kann natürlich schon für ein wenig mehr Besuch im Kinderzimmer sorgen, und wenn dann über solche Kleinigkeiten erst einmal wieder Kontakte hergestellt sind, läuft der Rest wieder von alleine.

Gruß vom Wiz, der übrigens auch an w-w-w oder Hausaufgabenhilfe / Nachhilfeangebote denken muss. Leute mit guten Sprachkenntnissen haben immer einen Markt. Und wie eine gute Freundin immer sagt: Intelligenz macht sexy!

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

I-Net

Hallo Wiz,

Du schriebst, dass die betroffene Familie keinen Internetanschluss hat, und da fühle ich mich gleich mal herausgefordert, genau diesen vorzuschlagen.

ja, das habe ich auch schon im Hinterkopf. Es gibt zwar einen PC, aber der wird nur rudimentär genutzt: Die Schule, die das Mädchen besucht, bietet tatsächlich keine PC-Kurse an (ich wußte nicht, das soetwas noch möglich ist). Die Eltern haben sie mal einen PC-Kurs der VHS machen lassen, aber die dort erworbenen Kenntnisse drehten sich um die Grundbegriffe der Textverarbeitung. Die Eltern selbst haben keinerlei Kenntnisse von PCs (der Vater ist Fernfahrer, die Mutter Verkäuferin), im Bekanntenkreis sieht’s ähnlich aus und für Mädchen gehören PC-Kenntnisse dort leider sowieso nicht zwingend dazu. Vor diesem Hintergrund erklären sich vielleicht auch die Berührungsängste, die die Eltern mit diesm Thema haben („da kommen wir nicht mehr mit“) - immerhin gibt es einen PC im Haus und sie versuchen beide Kinder nach Kräften zu fördern.

Ich habe mir vorgenommen, das Mädchen in diesem Punkt ein bißchen an die Hand zu nehmen.

Was Kontakte übers I-Net angeht, sehe ich auch die Chancen: In puncto Interessen oder auch Handicap Gleichgesinnte zu finden und sich auszutauschen. Da sie ohnehin kaum RL-Kontakte hat, sehe ich auch die Gefahren: Daß sie sich in der Traumwelt I-Net verlieren könnte und ausschließlich über Foren oder Chats Kontakte pflegt und sich „dem Leben da draußen“ nicht mehr zu stellen bereit ist. Wie sich da der Mittelweg finden läßt, ist mir noch nicht ganz klar.

Mal ganz abgesehen davon macht man sich mit der Beherrschung dieses Mediums immer auch im bekannten Umfeld interessant. Man muss dem Kind ja nicht unbedingt die Wurst um den Hals hängen, damit wenigstens die Hunde mit ihm spielen, aber die Flatrate zuhause kann natürlich schon für ein wenig mehr Besuch im Kinderzimmer sorgen, und wenn dann über solche Kleinigkeiten erst einmal wieder Kontakte hergestellt sind, läuft der Rest wieder von alleine.

Ja, das stimmt. Wobei nicht jeder Kontakt automatisch ein guter Kontakt ist. Die Geschichte vom unbeliebten Kind, das andere Kinder mit Bonbons zu gewinnen versucht und nur beliebt ist, solange es Bonbons verteilen kann, kennt jeder.

Herzlichen Dank für Deinen Tipp & ebensolche Grüße
Diana

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Hallo Diana,

ich finde es toll, wie Du Dich für Deine Freunde und deren Tochter einsetzt !!!

Neben all den anderen hilfreichen Tipps, dem Mädchen aus seiner Isolation herauszuhelfen, möchte ich Dich noch auf einen anderen Aspekt aufmerksam machen.
Du schreibst, dass sie ein Frühchen war und im Kleinkindalter mehrere Klinikaufenthalte hatte. Nach allem, was man heute über pränatale und frühkindliche Entwicklung weiß, halte ich es für denkbar, dass jetzt in der Pubertät Dinge „hochkommen“, die bisher irgendwo im Unterbewusstsein abgelegt waren. Vielleicht ein unbewusstes, undefinierbares Gefühl von Abgelehntsein, auf das sie mit Rückzug reagiert. (Wofür man natürlich den Eltern absolut keine Schuld geben kann !)
Zusammen mit dem wachsenden „Schönheitsbewusstsein“ Gleichaltriger, der Suche nach einer eigenen Identität und Hänseleien ist das sicher nicht leicht zu verarbeiten.

Was mir allerdings zu denken gibt: Mit den meisten ihrer Klassenkameraden ist sie doch sicher schon seit mehreren Jahren zusammen. Sie kennen sich, wissen um das körperliche handicap, aber auch um die schulischen Leistungen und Begabungen des Mädchens. Warum wird sie jetzt plötzlich ausgegrenzt? Hatte sie bisher keine Freunde? Wo sind diese jetzt ??!

Ich bin auch der Ansicht, dass eine gute Zusammenarbeit und Kooperation von Eltern, Lehrern (gibt es einen Beratungslehrer an der Schule ?) und Fachleuten - verbunden mit viel Anerkennung, Ermutigung und Lob - der beste Weg ist, denn jeder kann nur einen gewissen Teil des Problems „therapieren“!

Herzliche Grüße, Anita

(nicht)behindert
Hallo Anita,

Du schreibst, dass sie ein Frühchen war und im Kleinkindalter mehrere Klinikaufenthalte hatte. Nach allem, was man heute über pränatale und frühkindliche Entwicklung weiß, halte ich es für denkbar, dass jetzt in der Pubertät Dinge „hochkommen“, die bisher irgendwo im Unterbewusstsein abgelegt waren.

das klingt interessant. Gibt’s zu dem Thema im Netz weitere Infos?

Was mir allerdings zu denken gibt: Mit den meisten ihrer Klassenkameraden ist sie doch sicher schon seit mehreren Jahren zusammen. Sie kennen sich, wissen um das körperliche handicap, aber auch um die schulischen Leistungen und Begabungen des Mädchens. Warum wird sie jetzt plötzlich ausgegrenzt? Hatte sie bisher keine Freunde? Wo sind diese jetzt ??!

Du weißt ja, wie stark die Gruppendynamik sein kann. Sie wird von der angesagtesten Clique in der Klasse gehänselt und ihre bisherigen „Freunde“ hatten wohl schlicht Angst, mit in die Mobbingmühle zu geraten, wenn sie weiterhin zu ihr halten. Ein Beispiel: Nach einer Sportstunde waren ihre Schuhe in der Umkleidekabine mit klatschnassen Papiertüchern aus dem Handtuchspender zugestopft und dadurch ruiniert. Gewesen ist es natürlich keiner. In der Woche drauf fand sie in ihren Schuhen nach der Sportstunde einen kleinen handgeschriebenen Zettel „Sorry für die Sache mit den Schuhen“ (genauen Text weiß ich jetzt nicht). Offensichtlich in der Schrift ihrer ehemals besten Freundin, die ihr jetzt aus dem Weg geht. Sie vermutet, daß die Mädels aus der Clique ihre Schuhe runiert haben und von der Sache mit dem Entschuldigungszettel nichts wissen.
Die Wirren & Qualen der Pubertät…

Ich bin auch der Ansicht, dass eine gute Zusammenarbeit und Kooperation von Eltern, Lehrern (gibt es einen Beratungslehrer an der Schule ?) und Fachleuten - verbunden mit viel Anerkennung, Ermutigung und Lob - der beste Weg ist, denn jeder kann nur einen gewissen Teil des Problems „therapieren“!

Die Problematik wird dadurch noch verzwickter, daß die Eltern immer versucht haben, die Behinderung nie in den Vordergrund zu stellen und das Mädchen ein möglichst „normales“ Leben führen zu lassen. In der Regelschule wird auf ihre Handicaps auch seitens der Lehrer keine besondere Rücksicht genommen: Sie zeichnet wegen der Störung der Feinmotorik z.B. schlecht und hat dementsprechend schlechte Noten in dem Fach, wird also gefordert und bewertet wie alle anderen Kinder.

Zudem sieht man ihr ihre Behinderung auf den ersten Blick auch nicht an: Sie wirkt wie ein linkisches, schlaksiges Mädchen mit eher unsymmetrischer Kopfform. Ansonsten trägt sie Miss Sixty Jeans, hat eine Zahnspange und kichert rum, wie andere Mädchen in dem Alter. Daß sie dem gängigen Schönheitsideal nicht unbedingt entspricht, daß sie mit ziemlich krummen Schultern rumläuft und sich manchmal taperig bewegt, wird von anderen also nicht auf eine/ihre Behinderung zurückgeführt. Ich bin mir nicht sicher, ob alle Lehrer sich im Klaren sind, was Hydrocephalus ist und welche Folgen das für die Entwicklung eines Kindes hat. Ob die Mitschüler wissen, daß sie „behindert“ ist, weiß ich nicht.

Die Selbsthilfegruppen von Eltern von Spina Bifida & Hydracephalus-Kindern, die ich gestern angesprochen habe, reagieren auch etwas ratlos, da viele der Kinder mit dieser Behinderung viel schwerer betroffen sind als das besagte Mädchen. „Ich weiß nicht, ob es den Eltern viel hilft, unserer Gruppe beizutreten, wir kämpfen doch noch mit ganz anderen Problemen.“, meinte gestern eine Ansprechpartnerin.

Gestern war ich noch kurz im Chat für Betroffene und traf dort auf zwei Menschen mit Hydrocphalus Anfang 20, die auch Regelschulen besucht haben und bestätigten, auch gehänselt worden zu sein. Ein Patentrezept wußten sie auch nicht. Einer meinte lakonisch: „Da muß sie eben durch - wie jeder von uns.“

Herzlichen Dank für Deine Antwort und ebensolche Grüße
Diana

Hallo Diana,

Was Kontakte übers I-Net angeht, sehe ich auch die Chancen: In
puncto Interessen oder auch Handicap Gleichgesinnte zu finden
und sich auszutauschen. Da sie ohnehin kaum RL-Kontakte hat,
sehe ich auch die Gefahren: Daß sie sich in der Traumwelt
I-Net verlieren könnte und ausschließlich über Foren oder
Chats Kontakte pflegt und sich „dem Leben da draußen“ nicht
mehr zu stellen bereit ist. Wie sich da der Mittelweg finden
läßt, ist mir noch nicht ganz klar.

Diese Gefahr besteht aber nur dann, wenn man das Kind mit dem Medium alleine lässt und es damit zum Selbstzweck verkommt. Ich kenne die Situation aus anderen Familien aber so, dass (unabhängig von der technischen Inkompetenz der Eltern) die Internetnutzung inhaltlich begleitet und damit zum Werkzeug für das weitere Leben wird. Ich meine damit, dass man sich als Mutter oder Vater auch ohne technischen Hintergrund mal z.B. mit dem Thema Chat und E-Mail so auseinandersetzen kann, dass man sieht, dass hierüber ähnlich wie bei einer klassischen Brieffreundschaft Kontakte entstehen, die man fördern kann. Also z.B. wenn sich über eine regionale oder thematische Plattform ein Kontakt ergibt und verfestigt, dass man es dann befördert, hieraus einen Kontakt IRL herzustellen. Dies können Einladungen sein, oder auch nur die Bereitschaft die Kinder auch mal eine längere Strecke zu fahren, um IRL-Kontakte zu ermöglichen. Ich weiss aus zwei Familien, dass z.B. internationale E-Mail Kontakte und Brieffreundschaften immer sehr gefördert werden und es so schon zu einigen preiswerten privat organisierten Sprachreisen der Kinder gekommen ist (ein Mädel von 15 Jahren ist gerade für ein ganzes Jahr in Argentinien, der Ursprungskontakt entstand per E-Mail).

Ja, das stimmt. Wobei nicht jeder Kontakt automatisch ein
guter Kontakt ist. Die Geschichte vom unbeliebten Kind, das
andere Kinder mit Bonbons zu gewinnen versucht und nur beliebt
ist, solange es Bonbons verteilen kann, kennt jeder.

Sicherlich nicht ganz falsch, aber ich denke, dass auch solche Enttäuschungen mit zum Leben dazu gehören und eben nicht ganz vermeidbar sind, wenn man zunächst einmal überhaupt die Zahl der Kontakte und damit möglichen Freundschaften steigern will. Niemand wird für das Mädchen 1A-Kontakte mit Bestandsgarantie vorsortiert liefern können. Aber während die Chance auf so einen Superkontakt momentan bei Null Kontakten eben auch Null ist, hat man bei entsprechend mehr Kontakten dann sicher auch den ein oder anderen Wertvollen dabei. D.h. der Prinz klopft nicht unbedingt von sich aus an die verschlossene Tür, hinter der sich ein Mauerblümchen verschanzt hat, von dem er nichts weiß. Kennt man sich aber erst einmal und hat gemeinsame Interessen entdeckt, läuft der Rest oft von ganz alleine.

BTW: Das Internet zieht natürlich aufgrund der momentanen Nutzerverhältnisse sicherlich überwiegend auch männliche Klientel an. Hierauf sollten die Beteiligten besser vorbereitet sein :wink:

Gruß vom Wiz

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Hallo Diana,

Du schreibst, dass sie ein Frühchen war und im
Kleinkindalter mehrere Klinikaufenthalte hatte. Nach allem,
was man heute über pränatale und frühkindliche Entwicklung
weiß, halte ich es für denkbar, dass jetzt in der Pubertät
Dinge „hochkommen“, die bisher irgendwo im Unterbewusstsein
abgelegt waren.

das klingt interessant. Gibt’s zu dem Thema im Netz weitere
Infos?

Auf die Schnelle habe ich jetzt keine wissenschaftliche Abhandlung im Internet dazu gefunden!
Auf den entsprechenden Seiten geht es meistens vordergründig um körperliche Folgeschäden einer Frühgeburt. „Emotionelle Störungen“ werden immerhin in der Rubrik „Unsichtbare Behinderungen“ erwähnt; sie lassen sich eben schwerer nachweisen.

Am ergiebigsten scheinen mir vielleicht noch diese beiden Seiten zu sein, auch wenn es dort teilweise um Extreme geht.
http://www.fruehgeborene.de/index.htm
http://www.fruehgeborene.de/ak-behinderte/index.htm

Ich habe vor Jahren mal ein interessantes Buch zweier britischer Wissenschaftler zu dieser Thematik gelesen (… aber frag mich heute nicht nach Titel und Autoren - vielleicht fällt’s mir noch ein!) Sie plädierten - damals fast revolutionär! - aufgrund ihrer Beobachtungen für eine natürliche, sanfte Geburt, eine enge Mutter-Kind-Beziehung vom ersten Tag an usw.
Eine ihrer Thesen (sinngemäß) war, dass eine Frühgeburt - aus welchen Gründen auch immer - später das Empfinden von Mangel, Unvollkommenheit, Zu-kurz-kommen nach sich ziehen kann. Je früher der Geburtstermin, umso stärker kann dieses Empfinden ausgeprägt sein.

Unser erstes Kind war auch ein Frühchen, zwar nur reichlich zwei Wochen vor dem errechneten Termin und mit 2300 g Geburtsgewicht, aber im Vergleich zu seinen Geschwistern kann ich diese Beobachtung bestätigen.

Die häufigen Klinikaufenthalte, verbunden mit der Trennung von Familie und gewohnter Umgebung, vielleicht auch mit Schmerzen und anderen negativen Erfahrungen, könnten sich auf die Entwicklung des „Urvertrauens“ negativ ausgewirkt haben. Dieses wiederum ist eine wesentliche Voraussetzung für ein gesundes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen (was in der Pubertät ohnehin ziemlich wackelig ist!) und die Fähigkeit, Enttäuschungen zu verkraften.
Noch einmal: Die Eltern trifft hierbei keine Schuld !!! Nach Deiner Schilderung bin ich mir sicher, dass sie das Beste für ihre Tochter wollen und tun!

Möglich, dass diese Dinge im Kindesalter keine so große Rolle spielten, weil die familiäre Geborgenheit und gleichaltrige Freunde da waren und erst jetzt in der Pubertät, auf der Suche nach dem eigenen Ich, aufbrechen.
Aber wie gesagt, es sind Vermutungen !

Herzliche Grüße, Anita

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Der virtuelle schwarze Mann
Hallo Wiz,

Diese Gefahr besteht aber nur dann, wenn man das Kind mit dem Medium alleine lässt und es damit zum Selbstzweck verkommt.

ja, das stimmt. Wir haben uns vorgenommen, die Familie in puncto I-Net auf die Sprünge zu helfen: Alles, was mit PC etc. zusammenhängt, sind für die Eltern böhmische Dörfer. Die Bereitschaft ist da, aber auch die Ängste: Welche Kosten kommen auf uns zu? Kann man das kalkulieren? Was ist mit Seiten, die für Kinder nicht so geeignet sind? Wss ist, wenn die Kinder im Netz was kaufen? etc. etc.

Die Frage stelle ich nur zur Illustration der Ängste hierher: Wenn man tagtäglich mit dem I-Net umgeht, kann man oft nicht mehr einschätzen, welch ungeheure terra incognita das Netz für Menschen ohne Zugang darstellt.

Sicherlich nicht ganz falsch, aber ich denke, dass auch solche Enttäuschungen mit zum Leben dazu gehören und eben nicht ganz vermeidbar sind, wenn man zunächst einmal überhaupt die Zahl der Kontakte und damit möglichen Freundschaften steigern will. Niemand wird für das Mädchen 1A-Kontakte mit Bestandsgarantie vorsortiert liefern können.

Damit hast Du natürlich recht. Es ist vor allem eine Chance, aber eben eine Chance, die begleitet sein will.

BTW: Das Internet zieht natürlich aufgrund der momentanen Nutzerverhältnisse sicherlich überwiegend auch männliche Klientel an. Hierauf sollten die Beteiligten besser vorbereitet sein :wink:

Trotz des „:wink:“ kein zu verachtender Gesichtspunkt. In dieser Hinsicht ist das Mädchen meiner Vermutung nach noch ziemlich naiv. Der Internetschulung wird sich auf jeden Fall eine Lektion zu Fakes & der Gefahr zu großer Vertrauensseligkeit im Netz anschließen :wink:

Herzliche Grüße
Diana

Hallo,

:smile:
Hallo Dilarah,

Kinderschutz-Zentrum

das Stichwort hab ich gebraucht. Habe gerade in google tatsächlich eins in der nächstgrößeren Stadt am Wohnort der Familie gefunden.

Mein Mädel tanzt jetzt in einer Tanz-AG, spielt Tennis (könnte ich nie und nimmer bezahlen) und lernt kochen und backen sowie geht ab und an auf einen Reiterhof in der Umgebung.

Das klingt gut: Die Familie hat’s nämlich auch nicht so dicke.

Vielen herzlichen Dank für Deine Hilfe, ich stelle gerade ein Info-Sheet für unsere Freunde zusammen und es füllt sich dank Deiner und der anderen Hilfe langsam mit Adressen :smile:

Herzliche Grüße
Diana

Hallo, Diana!

Gerade im Bereich Kinder-Theater ist der Kreis Herford hier im Umland sehr aktiv. Jetzt in den Osterferien fand ein Theater-Workshop im Jugendhof Vlotho statt, der ein voller Erfolg war: Selbst Stücke schreiben, Bühnenbild und Kostüme entwerfen etc., verbunden mit einem Besuch „hinter den Kulissen“ des Stadttheaters Bielefeld. Das Ganze unter Leitung von Theater-Pädagogen, also recht professionell aufgezogen. (Meine Jungs waren schwer begeistert.) Die Ansprechpartnerin für etwaige weitere Veranstaltungen könnte ich dir gerne mailen, falls du magst.
In der Kulturfabrik hier am Ort gibt es regelmäßig Veranstaltungen aller Art, die sich ausschließlich an Mädchen richten: Wenn sie sich in einer gleichgeschlechtlichen Gruppe wohler fühlt, wäre es eine Idee, sich am Wohnort zu erkundigen, ob ähnliche Angebote bestehen.

Wenn sie sich für Fremdsprachen interessiert und dort auch gute Schulleistungen bringt: vielleicht hat sie Spaß dran, Nachhilfe für jüngere Kinder zu geben? Die Erfahrung, in etwas gut zu sein, anderen Hilfe geben zu können und auch noch Geld dafür zu bekommen, ist vielleicht etwas, was Selbstvertrauen und Stärke aufbaut.

Insgesamt fällt mir noch ein, daß ich persönlich es für falsch halte, Kinder über Markenklamotten, -handys etc. ein trügerisches Gefühl von Dazugehören zu vermitteln. Das geht ein bißchen in die Richtung deines Beispiels der Bonbons-verschenkenden Pseudo-Freundin. (c; Versteh mich nicht falsch: Ich kann nicht beurteilen, ob die Tochter deiner Freunde so ist - nur scheint es mir beim Blick in meinen Bekanntenkreis unter Teenager-Mädchen ein verbreitetes Übel zu sein…

Schöne Grüße -
Sams

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Hallo Diana,

und genau mit ca. 15 Jahren hatte Tanja auch Probleme in ihrer Klasse, spärlichen Kontakt und den nur mit Außenseitern. Rückzug in ihr Zimmer und Fernseher an, unsicher aber neugierig.
Meine war einfach noch nicht soweit mit den „Gänschen“ sozusagen Schritt zu halten, was sie heute mit 17 3/4 (halt etwas später) aber perfekt kann. :wink:)

Die Eltern haben es bis dato immer gut geschafft, ihre Tochter aufzubauen und trotz bzw. mit Behinderung wird ein - ich benutze mal das unschöne Wort - „normaler“ Alltag gelebt.

Dann sage bitte den Eltern von mir, sie sollen ihrer Erziehung vertrauen, nur keine Panik!
Es gibt so viele schöne Seiten wenn sich die Mädels etwas Zeit lassen „dämlich“ zu werden.

Ich war halt so ein kleiner Freundinenersatz, wir waren im Kino und auf Popkonzerten und haben eine Basis gefunden wo sehr viele Gespräche möglich waren. Also
Tanja war mit ihren Gedanken sicher weiter und wertvoller als die Tussis in ihrer Klasse…die sind jetzt etwas reifer und Tanja etwas lockerer, also jetzt passt es wieder.

Man darf nicht übersehen dass das „In-sein“ die Teenies
genau so überfordert wie das „Out-sein“ manche kommen früher drauf und manche später…und einige nie!

Es ist halt ganz wichtig den Kindern zu vermitteln dass sie ganz normal sind, so wie sie sind und dass man sie schätzt und liebt wie sie sind.
Bei Frust immer wieder auf die Stärken aufmerksam machen…Tanja ist auch sehr gut in Fremdsprachen und dann brauch ich halt ihre Hilfe. Singen kann sie auch sehr gut und wir haben unseren getrennten Musikgeschmack (dieses Hipp Hopp Rap *grusel*) und gemeinsame highlights…dann versuche ich mich als M.Jackson und sie sich als Maria Magdalena aus Jesus Christ Superstar…naja und dann
sind wir wieder beim Thema über Superstars :wink:)

Das I-Net, wie in diesem Thread schon angesprochen war sicher auch eine Hilfe für das Selbstbewusstsein meines Teenies, ich war positiv überrascht über die
Spanischen und Italienisch-Mailfreunde die sich mit Hilfe von Übersetzungsprogrammen auch schon für Anfänger finden…und wer aus der Klasse hat die schon?
Die ersten „schlagfertigen“ Antworten hat sie im Chat geübt…obwohl sie zu Hause meiner Meinung nach sowieso immer vorlaut war :wink:)
Was sie noch ganz super kann ist Bauchtanzen…und das mit einem Handycap…seitdem beschütze ich sie nicht mehr, ich bin einfach nur stolz auf sie und vertraue auf ihre Stärken.
Für Reiten hat Tanja sehr viel Gefühl, aber das Interesse hat nachgelassen seit die männlichen Pubis wichtiger werden…ich habe einfach ein ganz tolles und herzliches Mädel und dein 15J. Girl wird ihren Weg finden, ich bewundere sie ja jetzt schon ehrlich…die Tussis und Schmalspurcasanovas werden schon noch lernen
wo die Werte sind.

Mit dir als Schutzpatronin liebe Diana, kann eigentlich gar nichts schiefgehen :wink:)

Es ist so wie es ist…und genau das ist richtig meint
Kerbi

Entwicklungsphasen & Werte
Hallo Kerbi,

Meine war einfach noch nicht soweit mit den „Gänschen“ sozusagen Schritt zu halten, was sie heute mit 17 3/4 (halt etwas später) aber perfekt kann. :wink:)

das ist ein wichtiger Aspekt: Denn das Mädchen ist für eine 15jährige vom Wesen und ihren Interessen her derzeit eher kindlich. Die Mädchen in ihrer Klasse interessieren sich längst für Jungs etc. Bei vielen dieser Mädchen ist der Lebensweg, geprägt durch das Umfeld, allerdings schon festgelegt: Realschulabschluß im nächsten Jahr, evtl. kurze Ausbildung als Verkäuferin, dann Kinder - Küche - Kirche. Bezeichnenderweise hat kein einziges Mädchen in der Klasse den angebotenen Infomatikkurs belegt, aber 90% „Kochen“.

Mit ihrem Wunsch, eventuell eine weiterführende Schule zu besuchen und Fremdsprachenkorrespondentin zu werden, wird sie zusätzlich zum Outlaw. Wer auf dem Dorf eingefahrene Pfade verläßt, braucht eine Menge Selbstbewußtsein.

Dann sage bitte den Eltern von mir, sie sollen ihrer Erziehung vertrauen, nur keine Panik!

Mach ich gern :smile:

Man darf nicht übersehen dass das „In-sein“ die Teenies genau so überfordert wie das „Out-sein“ manche kommen früher drauf und manche später…und einige nie!

Und der Sog nach Marken und anderem „Angesagten“ ist ziemlich stark. Die Mutter versucht der Tochter auch zu vermitteln, daß es wichtigeres gibt als Miss Sixty etc., aber der Gruppendruck ist eben ziemlich hoch. Wenn man eh Außenseiter ist, versucht man vermutlich nicht noch zusätzlich durch uncooles Outfit etc. auffallen. Andererseits ist das Mädchen sehr stolz auf seine guten Noten und versteckt das auch nicht.

Bei Frust immer wieder auf die Stärken aufmerksam machen…Tanja ist auch sehr gut in Fremdsprachen und dann brauch ich halt ihre Hilfe.

Das ist ein guter Tipp :smile:

Die ersten „schlagfertigen“ Antworten hat sie im Chat geübt…obwohl sie zu Hause meiner Meinung nach sowieso immer vorlaut war :wink:)

Bisher wußte sie sich bisher auch immer gut zu wehren, aber momentan resigniert sie, da diejenigen, die sie triezen, auch immer weniger Angriffsfläche bieten, weil sie anonym vorgehen (ein Beispiel habe ich im Posting an Anita kurz geschildert).

…seitdem beschütze ich sie nicht mehr, ich bin einfach nur stolz auf sie und vertraue auf ihre Stärken.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Die Eltern müssen auch lernen, das Mädchen loszulassen. Sie wurde als Frühchen geboren und die ersten Monate und Jahre hat die Mutter fast nur im Krankenhaus verbracht. Trotzdem sie das Mädchen fordern und die Behinderung selten im Vordergrund steht, wächst sie doch eher behütet auf.

dein 15J. Girl wird ihren Weg finden, ich bewundere sie ja jetzt schon ehrlich…die Tussis und Schmalspurcasanovas werden schon noch lernen wo die Werte sind.

Ich glaube es auch, sie hat, bis auf das - vermutlich unsägliche - kommende letzte Schuljahr, gute Startbedingungen: Ein bei aller Kleinstadtkleinkariertheit im Umfeld offenes Elternhaus, Eltern, die ihre Kinder über den eigenen Tellerrand hinaus zu fördern versuchen und nicht zuletzt uns.

Mit dir als Schutzpatronin liebe Diana, kann eigentlich gar nichts schiefgehen :wink:)

Ein Satz, der mir umso mehr bedeutet, daß er aus Deinem Munde kommt :wink:

Herzlichen Dank für Dein mutmachendes Beispiel und ebensolche Grüße
Diana